Joseph Wittig, Wo der Heiland zu Welt kommt (Leben Jesu in Palästina, Schlesien und anderswo): „»Wo liegt denn nun aber Nazareth?« fragte ich. »Drin in der Stube, um die Hobelbank des Zimmermanns.« »Und wo Bethlehem?« »Wo der Heiland zur Welt kommt!« So waren wir wieder aus der Geographie in die Mystik hin­eingekommen. Maria kehrte aus den Bergen heim. Großmutters Füße wurden von Tag zu Tag kräftiger, und am nächsten Sonntag konnte sie schon wieder ins Dorf zum Hochamt gehen. Wenn das Heilige wandern will, kuriert es auch die Füße, die es tragen oder begleiten sollen.“

Wo der Heiland zur Welt kommt Von Joseph Wittig Da war noch von narrativer Theologie keine Rede, als Joseph Wittig … Mehr

Chassidische Geschichte über den Baal-schem und die Wirklichkeit der Nacherzählung von Samuel Joseph Agnon: „Auch er ging in den Wald und sagte: ‚Wir können kein Feuer mehr anzünden, und wir kennen auch die geheimen Meditationen nicht mehr, die das Gebet beleben, aber wir kennen den Ort im Walde, wo das al­les hingehört, und das muss genügen.‘ — Und es genügte. Als aber eine Generation später Rabbi Israel von Rischin jene Tat zu voll­bringen hatte, da setzte er sich in seinem Schloss auf seinen golde­nen Stuhl und sagte: ‚Wir können kein Feuer machen, wir können keine Gebete sprechen, wir kennen auch den Ort nicht mehr, aber wir können die Geschichte davon erzählen.‘ Und — so fügt der Er­zähler hinzu — seine Erzählung allein hatte dieselbe Wirkung wie die Taten der drei anderen.“

Der Baal-schem und die Wirklichkeit der Nacherzählungen In seinem Werk „Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen“ (Frankfurt/Main: Suhrkamp, 5. A., … Mehr

Fridolin Stier über Martin Buber (1966): „Es galt, im amor­phen Gewirr des Überlieferten das Wahre aus der Mengung mit Falschem, das Lebendige aus Totem, den Funken aus der Asche zu scheiden, um dem chassidischen Geist Sprache und Gestalt einer ‚Botschaft an den abend­ländischen Menschen‘ zu bereiten. Martin Bubers Deutung chassidischer Begriffe mag in einzelnem an­fechtbar sein (G. Scholem). Tatsachentreue ist Sache des Historikers, die des Jüngers ist Treue zur Sache. Aneignend wirkt diese Treue, und darum in der Vollmacht neuen Formens. Ihre In­stanz ist das eigene Selbst. Er habe ein Sieb gebraucht, sagte man ihm; ‚ich bin ein Sieb‘, antwortet er. Es ist vor allem die chassidische Haltung zur Welt, die sich ihm einwirk­te. Nach dem kabbalistisch-gnostischen Mythos wohnen, dem Urlicht entsprüht, göttliche Funken in allen Dingen und Wesen, selbst im ‚bösen Trieb‘, verbannt, harrend des Men­schen, dem es gegeben ist, sie zu ‚erlösen‘, sie durch die rechte ‚Richtung‘ (qawwanah) des Sinnes, im liebenden Umgang mit allem Umwesenden zu ‚heben‘, um das Göttliche in die Einheit seines Ursprungs zurückzuführen.“

Martin Buber (1966) Von Fridolin Stier Martin Mordechai Buber, geboren am 8. Februar 1878 in Wien. Vom dritten bis zum … Mehr

Die Bibel – göttlicher Wortschatz unseres Glaubens: „Die Bibel hat mehr zu bieten als Weisheiten und Weisungen für ein gelingendes Leben. Sie lädt uns vielmehr in ein Geschehen ein, das unermesslich größer ist als unser eigenes Leben. Wir sollen uns mit unserem eigenen Leben in die Bücher der Bibel hineinlesen, damit wir bei deren Geschehen mit dabei sind. Wo wir beim Lesen den roten Faden des Erzählgeschehens aufnehmen, finden wir uns selbst wieder in der Gegenwart Gottes, wird das Geschehen auch für uns verbindlich.“

Die Bibel – göttlicher Wortschatz unseres Glaubens „Buch der Bücher“ – so wird die Bibel zu Recht bezeichnet. Genauer gesagt … Mehr

Eberhard Jüngels Predigt über Hiob 7,17-21: „Gott hat ein Herz: für jeden, der ihm die Wahr­heit sagt – mag sie auch noch so gotteslästerlich sein. Wofür er kein Herz hat, das sind jene frommen Sprüche, mit denen man ihn bedienen und sich salvieren zu können meint, und die sich doch sofort in fromme Lügen verwandeln, wenn sie ihre Wahrheit erweisen müssen. Bloß keine frommen Sprüche, liebe Gemeinde! Gott hasst sie.“

Predigt über Hiob 7, 17-21 Von Eberhard Jüngel Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und dem … Mehr

„Die Wahrheit wird euch freimachen“ Über die internetöse Gesellschaft: „‚Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.‘ (Matthäus 7,1f) Jesu Ermahnung aus seiner Bergpredigt gilt in besonderer Weise für unsere Zeit. Christen dürfen andere im Internet nicht verächtlich machen oder an den Pranger stellen. Gegenteilige Ansichten können – mitunter auch hart – kritisiert werden, solange zwischen Person und Position unterschieden und die eigene Kritik begründet wird. Und schließlich heißt es, sich die Möglichkeit eigenen Irrens eingestehen zu können.“

„Die Wahrheit wird euch freimachen.“ Über die internetöse Gesellschaft In den letzten 20 Jahren ist unsere Gesellschaft durch eine Medienrevolution … Mehr