Maximilian Forschner über die Verantwortung: „Verantwortlich ist jemand zunächst für den Zustand der Dinge, den er durch sein Tun herbeiführen wollte und tatsächlich bewirkt, ferner für jene Dinge und Sachverhalte, die er als Mittel zur Realisierung seines Ziels benützt, schließlich auch für jene Folgen seines Tuns, die er voraussieht, nicht eigentlich wünscht, aber als Nebenwirkungen in Kauf nimmt. Zentrale moralische oder rechtliche Rechtfertigungsprobleme betreffen hier einmal Bedingungen der Erlaubnis, bestimmte Dinge lediglich als Mittel zu benützen und bestimmte Folgen als Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen, zum anderen die Festlegung der Grenzen des Verantwortungsbereichs, soweit sie durch Möglichkeiten und Grenzen jeweils verfügbarer Voraussicht von Handlungsfolgen bedingt ist.“

Verantwortung Von Maximilian Forschner 1. Der Sinn von Verantwortung Von Verantwortung sprechen wir in unterschiedlichen Hinsichten und Bedeutungen: (1) Wenn … Mehr

Martin Buber, Israel und die Völker (1933): „Ich sagte: es gibt Israel. Ich sagte auch: Israel ist nicht mit dem Judentum identisch. Das heißt, es gibt im Judentum einen Zerfall, der durch den Abfall von Israel und seinem Amt entsteht. Dieser Zerfall ist nicht bloß für Israel eine schwere Bedrohung, sondern er hat auch seine Bedenklichkeit für die Völkerwelt. Wenn in einem Volk oder Staat jemand etwas sagt oder treibt, wovon man fühlt oder weiß, dass es dem Innersten des eigenen Volks widerspricht oder widerstrebt, dann scheint es mir dem Sinn der Situation zu widersprechen, dass man sagt: den muss man mundtot machen, sondern es scheint mir, dass es dem Sinn der Aufgabe entspricht, dem Mann sein Publikum zu nehmen, d.h. das Volk so zu führen, dass es ihn nicht anhört.“

Israel und die Völker (1933)[1] Von Martin Buber Die Einladung Martin Bubers zur sechsten und zugleich letzten Arbeitswoche des Köngener … Mehr

Max Horkheimer über die Dialektik der Aufklärung: „Die Dialektik der Aufklärung besteht wesentlich im Umschlag des Lichts in die Finsternis. Durch die geistige Passivität, in welche die Menschen in der neuen Wirtschaft versetzt werden, die ausschließliche Konzentration auf Geld und Job, die hohe Schlauheit, auf die der seelische Apparat der Individuen reduziert wird, erhalten die durchsichtigsten Wahnideen, sofern sie nur am Horizont auftauchen und das screening der Massenkommunikation passieren, jede Chance.“

Dialektik der Aufklärung (1959/60) Von Max Horkheimer Die Dialektik der Aufklärung besteht wesentlich im Umschlag des Lichts in die Finsternis. … Mehr

Hans-Georg Gadamer, Gedenkworte für Rudolf Bultmann (1976): „Einen nicht geringen Teil seiner wissenschaftlichen Produktion hat er auf den freien Rückseiten von bezahlten Rechnungen, beantworteten Briefen, ja, auf dem aufgeklappten Innern von Briefumschlägen zu Papier gebracht. Zu seinen Freizeitliebhabereien gehörte, neben konsequent durchgehaltenen täglichen Lektürestunden, die vor allem die klassische Literatur, aber auch moderne Literatur pflegten, das imaginäre Reisen, irgendwohin in die ferne Welt, mit genauer Wahl der Züge, die er nehmen würde, der Hotels, in denen er wohnen würde, und natürlich vor allem mit genauester historischer und kunstgeschichtlicher Vorbereitung für alle Sehenswürdigkeiten, die er antreffen würde: ein einzigartiges Gemisch von Phantasie und Pedanterie, diesen Feengaben des geborenen Gelehrten.“

Gedenkworte für Rudolf Bultmann (20. 8. 1884 – 30. 7. 1976) Von Hans-Georg Gadamer Als der Orden im Jahre 1969 … Mehr

Vernor Vinge, Die kommende technologische Singularität: Wie man im posthumanen Zeitalter überlebt (The Coming Technological Singularity: How to Survive in the Post-Human Era, 1993): „Die Intelligenzverstärkung untergräbt die Bedeutung des Ichs von einer anderen Richtung aus. Die Welt nach der Singularität wird eine Vernetzung mit extrem hoher Bandbreite beinhalten. Ein zentrales Merkmal stark übermenschlicher Entitäten wird wahrscheinlich ihre Fähigkeit sein, mit variablen Bandbreiten zu kommunizieren, einschließlich solcher, die weit über Sprache oder schriftliche Nachrichten hinausgehen. Was geschieht, wenn Teile des Ichs kopiert und verschmolzen werden können, wenn die Größe eines Selbstbewusstseins wachsen oder schrumpfen kann, um der Natur der zu behandelnden Probleme gerecht zu werden? Dies sind wesentliche Merkmale der starken Übermenschlichkeit und der Singularität. Wenn man über sie nachdenkt, beginnt man zu fühlen, wie wesentlich fremd und anders die posthumane Ära sein wird – egal wie klug und wohlwollend sie herbeigeführt wird. Aus einer Perspektive passt die Vision zu vielen unserer glücklichsten Träume: ein endloser Ort, an dem wir einander wirklich kennen und die tiefsten Geheimnisse verstehen können. Aus einer anderen Perspektive ähnelt sie sehr dem Worst-Case-Szenario, das ich mir früher in diesem Aufsatz vorgestellt habe.“

Nachdem gerade Sam Altman von Open AI die Singularität ausgerufen hat, hier der grundlegende Artikel von Vernor Vinge (1944-2024), The … Mehr

Rudolf Bultmann, Formen menschlicher Gemeinschaft: „Für den christlichen Glauben steht es fest, dass der Mensch sein Selbst nur von Gott empfangen kann, und dass er es nur dann empfängt, wenn seine Entweltlichung, und das heißt zuletzt: seine Selbsthingabe, eine radikale ist. Es steht ihm fest, dass derjenige, der sein Leben – und das heißt: sein Selbst – erhalten will, es verlieren wird, und nur der, der es preisgibt, es erhalten wird. Aber es steht ihm ebenso fest, dass diese radikale Preisgabe des Selbst dem Menschen gar nicht eher möglich ist, ehe ihm die göttliche Liebe selber schenkend begegnet, ehe sie sich ihm offenbart. Denn nichts anderes ist die Offenbarung Gottes als die dem Menschen begegnende Liebe, die ihn, ihn von sich selbst erlösend, zu sich selbst befreit. Nichts anderes als das in Jesus Christus gesprochene Wort Gottes, das den Menschen anredet und ihn, indem es ihn gegenüber Gott zum Du macht, zum Selbst werden lässt.“

Formen menschlicher Gemeinschaft Von Rudolf Bultmann Das Interesse, das die folgende Besinnung leitet, ist nicht das soziologische, sondern das anthropologische, … Mehr

Johann Georg Hamann, Das letzte Blatt (1788): „Der umgestürzte Heuchler, der antike Sophist, der ‚Philologe der Halbwörter‘, ein Philosoph nur dem Buchstaben π und ψ nach, Kreuzträger und Galgenvogel, Metakritiker voller guter Hoffnungen, ein Stein zwischen zwei Pfosten, der bisweilen die Rolle des Schleifsteins übernimmt, selbst jedoch außerstande zu schneiden.“

Das letzte Blatt (1788) Von Johann Georg Hamann Si quelque sages de ce monde sont parvenus par tems etuder de … Mehr

Hugh Lawrence Bond über Jonathan Edwards (1703-1758): „Die stärk­ste und dauerhafteste Wirkung jedoch erreichte Edwards durch seine anderweitigen Tätig­keiten. Seine machtvolle Predigt, sein Aufruf zur Erweckung und seine eindrucksvolle Beto­nung der persönlichen religiösen Erfahrung verschafften der Bewegung des Great Awa­kening Eingang in Neuengland und trugen dazu bei, dass Erweckung und religiöser Indivi­dualismus zu bleibenden Zügen amerikanischer Christlichkeit wurden.“

Jonathan Edwards (1703-1758) Von Hugh Lawrence Bond 1. Leben J. Edwards, Theologe, Philosoph, Erweckungsprediger und Religionspsychologe, wurde am 5. Oktober … Mehr

Warum in Zukunft KI-generierten Texten eine menschliche Autorschaft zugesprochen wird: „Wer die Fotokunst des 20. Jahrhunderts zu bewundern weiß, wird von einem Fehlurteil Baudelaires bezüglich einer Kunstlosigkeit der Fotografie sprechen. Mit KI-generierten Texten wird es wohl in Zukunft nicht viel anders sein. Derjenige, der mit eigenen Prompts eine gehaltvolle Textgenerierung initiiert, generierte Texte bearbeitet bzw. regenerieren lässt, so dass die finalen Texte als genuin geschaffen rezipiert werden, wird schlussendlich auch die Authentizität bzw. Autorenschaft in gesellschaftlich anerkannter Weise für sich beanspruchen können.“

Warum in Zukunft KI-generierten Texten eine menschliche Autorschaft zugesprochen wird Wir sind gegenwärtig in einer Übergangszeit bezüglich der Abfassung von … Mehr