Friedrich Naumann, National-sozialer Katechismus. Erklärung der Grundlinien des National-Sozialen Vereins (1897): „1. Warum nennt ihr euch nationalsozial? Weil wir überzeugt sind, dass das Nationale und das Soziale zusammengehören. 2. Was ist das Nationale? Es ist der Trieb des deutschen Volkes, seinen Einfluss auf der Erdkugel auszudehnen. 3. Was ist das Soziale? Es ist der Trieb der arbeitenden Menge, ihren Einfluss innerhalb des Volkes auszudehnen. 4. Wie hängt beides zusammen? Die Ausdehnung des deutschen Einflusses auf der Erdkugel ist unmöglich ohne Nationalsinn der Masse, und die Ausdehnung des Einflusses dieser Masse im Volke ist unmöglich ohne weitere Entwickelung der deutschen Macht auf dem Weltmarkte.“

Wenn einem theologischen Liberalismus das „eschatologische Bureau“ (Ernst Troeltsch) geschlossen ist, kann dieser seine politische Hoffnung nicht auf die Wirklichkeit … Mehr

Günter Brakelmann über Johann Hinrich Wichern: „Wer sich in das umfangreiche Schrifttum dieses Mannes einarbeitet, wird auch heute noch fasziniert sein von dem Menschen und Christen Johann Hinrich Wichern. Als ‚Genie der Liebe‘ wird er in einer geschichtsbewußten Christenheit seinen Platz behalten. Seine theologisch-politischen Positionen, die weite Teile des Protestan­tismus des 19. Jahrhunderts in einen aussichtslosen undifferenzierten Kampf gegen die neuzeitlichen Emanzipationsbewegungen geführt haben, beschleunigten den Exodus weiter Teile des liberalen Bürgertums und des sozialdemokratischen Proletariats aus der Kirche. Brücken zu ihnen hat er nicht schlagen können. Größe und Grenze eines Menschen liegen wie so häufig nahe beieinander.“

Johann Hinrich Wichern Von Günter Brakelmann Die Zeiten des Vormärz, der Revolutionsjahre, der Reaktionsphase, des Norddeutschen Bundes und der Anfangsphase … Mehr

Hans Joachim Iwand, Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen. Antwort auf W. Hauers „Deutsche Gottschau“ (1935): „Es würde nicht schwer sein, die Übergänge aufzuweisen, die von der christlichen Theologie unseres und des vorigen Jahrhunderts zu Hauer weisen, und mancher ‚christliche Theologe‘ würde wohl erschrecken, wenn er auf diese seine illegitimen Kinder angesprochen würde. Die Erklärung für diese innere Verwandtschaft, die wohl auch Hauer nicht allzu gern zugeben würde, liegt darin, daß die Quellen der „deutschen Gottschau“ in die Geisteswelt des deutschen Idealismus zurückweisen, in dieselbe Welt, aus der die uns überkommene Theologie gelebt hat. Und das ist das Entscheidende und grundsätzlich Positive, daß durch Hauer in der breiten Öffentlichkeit diese immer wieder versuchte Synthese klipp und klar negiert wird, daß dieser Versuch, den christlichen Glauben aus dem Geist des deutschen Idealismus heraus neu zu beleben, damit am Ende seiner Kunst ist. Denn diese Synthese ist der Verrat am christlichen Glauben, nicht weil es ‚deutscher‘ Idealismus ist, sondern weil es deutscher ‚Idealismus‘ ist und der Glaube an Jesus Christus nichts mit der Idee der Gottheit zu tun hat, sondern mit dem Wort des lebendigen Gottes, nicht mit einem Bild, das sich der Mensch von Gott macht, sondern mit dem, der das Ebenbild Gottes ist.“

Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen. Antwort auf W. Hauers „Deutsche Gottschau“ (1935) [1] Von Hans Joachim Iwand I. … Mehr

Hendrikus Berkhof, Nachruf auf Kornelis Heiko Miskotte (1976): „Die Originalität, die Miskotte auch gegenüber Barth nicht verleugnen konnte, lebte er besonders in seiner Predigt aus. Wer seine Predigten mit denen Barths vergleicht, erkennt eine völlig andere Welt. Miskotte verkündete das Evangelium vor dem Hintergrund des modernen Lebensgefühls – mit einer Tiefe und Subtilität, die Barth fremd war (von ihm jedoch hoch geschätzt wurde). Ich glaube, dass Miskotte als Prediger und als Autor mehrerer Predigtbände mehr Einfluss ausgeübt hat als durch all seine anderen Werke. Wahrscheinlich wird er in der niederländischen Kirchengeschichte vor allem als der größte Prediger dieser Epoche in Erinnerung bleiben.“

IN MEMORIAM PROF. DR. KORNELIS HEIKO MISKOTTE23. September 1894 – 31. August 1976 Es scheint, dass der stetig wachsende Strom … Mehr

Johannes Hamel, Christenheit unter marxistischer Herrschaft (1959): „Es werden dann die politischen Mächte hüben und drüben ihr dunkles Spiel mit einer Christenheit treiben, die darum in feindliche Parteien auseinander­fällt, weil sie gemeinsam sich nichts mehr sagen läßt. Hinter kirchlichen Gegnern erschei­nen die Schatten oder gar die Leiber der Poli­tiker des Kalten Krieges in der Gegenwart und eines drohenden Heißen Krieges in der Zu­kunft. Ein unheimlicher Sog verwandelt dann die Botenschar des souveränen Herrn in Reli­gionsgemeinschaften, die nachträglich das religiös-theologisch-christlich ‚untermauern‘, was die Politiker vorher entschieden, verkündet und getan haben. Man spricht es nicht aus, aber es liegt unausgesprochen in der Luft: es wird hüben die ‚Weltrevolution‘ und drüben ein Kampf für die ‚Freiheit‘ und die ‚Be­freiung‘, auch mit Atombomben, für christlich möglich, erlaubt, vielleicht sogar geboten er­achtet.“

Christenheit unter marxistischer Herrschaft Von Johannes Hamel unterwegs. eine evangelisch Zeitbuchreihe, Bd. 7, Berlin: Käthe Vogt Verlag, 1959 STICHWORTE DIE … Mehr

Rudolf Bultmann, Wie spricht Gott durch die Bibel zu uns? (How Does God Speak to Us through the Bibel, 1934): „Das Wort Gottes wird niemals zu unserem Eigentum. Ob wir es wirklich recht gehört haben, zeigt sich daran, ob wir bereit sind, es immer wieder neu zu hören, es in jeder Entscheidung unseres Lebens zu erfragen; ob wir bereit sind, es im Augenblick der Entscheidung eingreifen zu lassen; ob wir zulassen, dass es uns von unserem Nichts überzeugt, zugleich aber auch von Gottes Barmherzigkeit, die uns von allem Hochmut befreit – ‚Was hast du aber, das du nicht empfangen hast?‘ –, aber ebenso von aller Mutlosigkeit – ‚als die nichts haben und doch alles besitzen‘. Die Bereitschaft, das ganze Leben dem Wort Gottes zu unterstellen, Gottes Wort immer wieder zu hören, das heißt: es in jedem Augenblick neu zu vernehmen, ist zugleich die Bereitschaft zur Liebe. Wenn Gottes Wort uns von uns selbst befreit und uns durch seine Liebe zu neuen Menschen macht, dann macht es uns auch frei, andere zu lieben. Wir bleiben nur dann in ihm, wenn seine Worte in uns bleiben, wenn wir seine Gebote halten. Und sein Gebot ist die Liebe.“

Wie spricht Gott durch die Bibel zu uns? (How Does God Speak to Us through the Bibel, 1934) Von Rudolf … Mehr

Rudolf Bultmann, Ein Rückblick auf die Diskussion um die Entmythologisierung (1960): „Es ist unglaublich, wie viele Menschen sich ein Urteil über meine Arbeit anmaßen, die nie ein Wort von mir gelesen haben. Ich konnte unmöglich auf alle Zuschriften antworten. In manchen Fällen habe ich es getan, und zwar besonders dann, wenn der Angriff auf meine Person besonders heftig war, wenn mir z. B. geweissagt wurde, dass ich so schrecklich enden werde wie Voltaire oder Nietzsche. Ich habe dann gefragt, worauf sich das Urteil des Schreibers gründe, und was er von meinen Schriften gelesen habe. Die Antwort lautete regelmäßig, ohne Ausnahme: nichts gelesen von meinen Schriften! Aber aus einem Sonntags- oder Gemeindeblatt erfahren, dass ich ein Irrlehrer sei. Ich halte es für unverantwortlich, dass Sonntags- und Gemeindeblätter das Thema – sollte wohl sagen: das Schlagwort – der Entmythologisierung vor Laien bringen, ein Thema, von dem sie nichts verstehen oder das sie notwendig missverstehen, weil das Verstehen theologische Bildung voraussetzt.“

Ein Rückblick auf die Diskussion um die Entmythologisierung (1960) Von Rudolf Bultmann Die Post, die in den letzten Jahren täglich … Mehr

Hans-Georg Gadamer, Gedenkworte für Rudolf Bultmann (1976): „Einen nicht geringen Teil seiner wissenschaftlichen Produktion hat er auf den freien Rückseiten von bezahlten Rechnungen, beantworteten Briefen, ja, auf dem aufgeklappten Innern von Briefumschlägen zu Papier gebracht. Zu seinen Freizeitliebhabereien gehörte, neben konsequent durchgehaltenen täglichen Lektürestunden, die vor allem die klassische Literatur, aber auch moderne Literatur pflegten, das imaginäre Reisen, irgendwohin in die ferne Welt, mit genauer Wahl der Züge, die er nehmen würde, der Hotels, in denen er wohnen würde, und natürlich vor allem mit genauester historischer und kunstgeschichtlicher Vorbereitung für alle Sehenswürdigkeiten, die er antreffen würde: ein einzigartiges Gemisch von Phantasie und Pedanterie, diesen Feengaben des geborenen Gelehrten.“

Gedenkworte für Rudolf Bultmann (20. 8. 1884 – 30. 7. 1976) Von Hans-Georg Gadamer Als der Orden im Jahre 1969 … Mehr

Kanzelabkündigung der VELKD zur Entmythologisierung des Neuen Testamentes (1953): „Hier ist nun in den letzten Jahren in der Kirche selbst begründete Besorgnis entstanden. Einige Lehrer der theologischen Wissenschaft, die neue Wege gesucht haben, um unserer Gegenwart den Kern der biblischen Botschaft verständlich zu machen, sind in der Gefahr, bei ihrem Bemühen um eine ‚Entmythologisierung des Neuen Testamentes‘, wie sie das nennen, den Inhalt der Verkündigung zu vermindern oder gar zu verlieren. Sie sehen, dass die Aussagen des Neuen Testaments das äußere Gewand der damaligen Denkweise tragen. Aber wir müssen sie fragen, ob sie darüber nicht die Tatsachen verleugnen, die die Schrift bezeugt. Es ist eine dringende kirchliche Aufgabe, die Auseinandersetzung mit diesen Lehrern der Theologie zu führen. Darum stehen Männer der Kirche aus Kirchenleitungen, Theologischen Fakultäten und Kirchlichen Hochschulen in ständigem wissenschaftlichem Gespräch mit den Vertretern jener Anschauung, um die Reinheit der christlichen Lehre zu wahren.“

Kanzelabkündigung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) zur Entmythologisierung des Neuen Testamentes vom 22. November 1953 „Fürchte dich nicht! Ich … Mehr