Karl Barth über den Protestantismus der Gegenwart (1932): „Die heutige Jugend ist in religiöser Hinsicht so entschlossen und fröhlich heidnisch, aber auch so reif zur Erkenntnis Gottes in Christus, wie dies vermutlich von der Jugend, aber schließlich in anderer Form, auch vom Alter aller Zeiten zu sagen gewesen ist und zu sagen sein wird. – Man darf sie bitten, sich sowohl in ihrer ‚Heutigkeit‘ wie in ihrer ‚Jugendlichkeit‘ nicht allzu wichtig zu nehmen.“

Protestantismus der Gegenwart Von Michael M. Hoffmann (Fragen) und Karl Barth (Antworten) I. Fragen 1. Womit erklären Sie die ungeheure … Mehr

Mit Verlusten in der Kirche zurechtkommen. Zehn Thesen zur christlichen Ethik des Abschiednehmens entfaltet (Kirchliche Abschiedsprozesse bewusst gestalten): „Um Verluste verabschieden zu können, dürfen sie nicht als alles bestimmende Unwirklichkeit gelten. Sie sind daher in einem perspektivischen Rahmen zu sehen – es ist eben nicht alles verloren. Fehlt eine solche Rahmung, entfalten Verluste eine unwiderstehliche Sogwirkung, als würde alles Liebgewonnene entschwinden. Soll es keinen fatalistischen Abschied geben, darf ein religionssoziologischer Deutungsrahmen, bei dem die Diffusion religiöser Selbstbezüglichkeit im Zentrum steht, nicht das letzte Wort haben. Dazu ist das Hinübergehen in eine andere Gattung (metábasis eis állo génos) angesagt, die als kohärente Erzählung nicht zu Fehlschlüssen führt.“

Mit Verlusten in der Kirche zurechtkommen. Zehn Thesen zur christlichen Ethik des Abschiednehmens entfaltet 1. In der Gesellschaft sind der … Mehr

Ernst Ortlepp, Vaterunser des neunzehnten Jahrhunderts (1845): „Der Frühling, sonst ein sichtbarer Gott, / Wird vor dem Weltenherbst zum Spott, / Und alle Wonnen, die wir sehn, / Sind Rosen, die auf Gräbern stehn. / Der Geist ist wüst, das Herz ist kalt, / Das Lied vom Glauben ist verhallt, / Aus allen Tiefen der Seel’ herauf / Quillt nicht ein Tröpfchen Andacht auf; / Der alten Zeiten Religion / Verachtet der neuen Tage Sohn, / Und grinsend ruf die ganze Erde: / ‚Dein Name nicht geheiligt werde!‘“

Vaterunser des neunzehnten Jahrhunderts (1845) Von Ernst Ortlepp „Allen, die gezweifelt und gerungen,Sei das grause Lied gesungen!“ Vater! – Vater? … Mehr

Martin Luther Vorrede zu Unterricht der Visitatoren an die Pfarrherrn im Kurfürstentum zu Sachsen (1528): „Da uns jetzt das Evangelium durch unaussprechliche Gnade Gottes so barmherzig wiedergekommen oder sogar erst überhaupt aufgegangen ist und wir dadurch gesehen haben, wie elend die Christenheit verwirrt, zerstreut und zerrissen ist, hätten wir auch dieses rechte bischöfliche und Besuchsamt, als aufs höchste vonnöten, gern wieder eingerichtet gesehen. Aber weil unser keiner dazu berufen war oder mit Gewissheit den Auftrag hatte und St. Petrus in der Christenheit nicht etwas schaffen lassen will, man sei denn gewiss, dass es Gottes Geschäft sei, hat sich keiner vor dem anderen erdreistet, es auf sich zu nehmen. Da haben wir sicheres Spiel haben wollen und uns an das Amt der Liebe gehalten, welches allen Christen gemeinsam geboten ist, und sind demütig mit Bitten an den durchlauchtigsten hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Johann, unseren gnädigsten Herrn als den Landesfürsten und unsere eindeutige weltliche Obrigkeit, die uns von Gott verordnet ist, herangetreten, dass Seine Kurfürstliche Gnaden aus christlicher Liebe — denn nach weltlicher Obrigkeit sind sie nicht verpflichtet — und um Gottes willen, dem Evangelium zugut und den elenden Christen in S.K.F.G. Landen zu Nutz und Heil gnädiglich etliche tüchtige Personen zu diesem Amt auffordern und verordnen sollten.“

Vorrede zu: Unterricht der Visitatoren an die Pfarrherrn im Kurfürstentum zu Sachsen (1528) Von Martin Luther Ein wie göttliches, heilsames … Mehr

Adolf Schlatter, Erfolg und Misserfolg im theologischen Studium (1931): „Wenn wir der heute stürmisch vertretenen Forderung nachgäben, auf die Wahrheitsfrage verzichteten und unseren Beruf darin sähen, der Seele bei ihrem seltsamen Drang, religiöse Dichtungen zu produzieren, als Berater beizustehen, damit sich ihr Dichten nicht zu weit von der beobachtbaren Wirklichkeit entferne und für unser Zusammenleben unschädlich, vielleicht sogar fruchtbar bleibe, so könnte uns nicht vorgeworfen werden, dass wir unnütze Arbeit tun. Der Mythus bekommt ein verschiedenes Gesicht, wenn die Phantasie ihn ungehemmt produzieren darf oder wenn eine nach Wahrheit verlangende Theologie ihn meistert.“

Erfolg und Misserfolg im theologischen Studium (1931) Von Adolf Schlatter Kommilitonen! Ich darf wohl mit der Andeutung beginnen, dass diese … Mehr

Hans Joachim Iwand, Über das Verhältnis von Theologie und Kirche (1954): „Der Mensch kann gar nicht Gott Gott sein lassen, er muss ihn immer wieder verwandeln in den Gott seiner Wünsche und Vorstellungen, in den Menschengott, den die Radikalen längst schon hinter dem idealistischen Gottesbegriffe vermutet hatten, ‚ein Bild, das mir gleich sei‘. Unerhörtes Erschrecken ging auf einmal durch die Reihen der Theologie, als hinter der Religion die Möglichkeit, ja mehr, die Gewissheit auftauchte, dass hier der Mensch sich Gott schafft nach seinem, des Menschen, Bilde. Die umgekehrte Schöpfung! Nicht mehr Theologie wäre dann das — was wir treiben —, sondern eine höchst raffinierte, unter dem Vorhang der Theo-logie vorgenommene Anthropologie. Gott nur ein Umweg, um den Menschen zum höchsten Selbstbewusstsein, zu einem die Endlichkeit transzendierenden Selbstbewusstsein zu bringen. Als ob wir mit diesem Begriff den Punkt berührt hätten, an dem der Übermensch erzeugt wird! ‚Dii infelices‘ — so sagt Luther, Wesen, die weder im Himmel noch auf Erden daheim sind.“

Über das Verhältnis von Theologie und Kirche (1954) Von Hans Joachim Iwand I. Gedächtnistage sollten in unserer Epoche nicht nur … Mehr

Gerhard Jacobi, Predigt über Matthäus 4, 1-11 (1935): „Wenn der Weg des Brotes für Jesus eine Versuchung war, dann wird er wohl auch eine Versuchung für seine Kirche sein. Das ist er auch, sogar ein höchst verführerischer Weg. Gebt den Menschen Brot, dann werden sie in den Schoß der Kirche kommen. Durch Brot gewinnt man Seelen und Leiber. Die Kirche soll (immer wieder wird es gesagt) nur ordentlich Wohlfahrtspflege treiben, sie soll nicht so viel predigen. Solche Reden sind gerade darum eine Versuchung, weil Liebe, Hilfe, Fürsorge zum Auftrag der Kirche gehören. Der Versucher nimmt Dinge, die zum Glauben gehören. Und doch — wenn die Kirche aus dem Christentum nur Menschenfreundlichkeit machen würde, dann wäre sie nicht mehr Kirche Jesu Christi. Die Kirche hat zu predigen; denn der Glaube kommt aus der Predigt (sagt der Apostel). Sie wird wahrhaftig auch leiblich helfen, so sehr sie kann, und trotzdem hat sie — so hart das klingt — zu sagen: Du Mensch lebst nicht vom Brot allein, und hättest du alles, was diese Erde zu geben vermag, so lebst du deshalb noch lange nicht. Leben, wahrhaft leben kannst du nur von dem Wort, das aus dem Munde Gottes geht. Dieses Wort ist Christus.“

Predigt über Matthäus 4, 1-11 (1935) Von Pfarrer Gerhard Jacobi, Berlin. Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, … Mehr

Dorothee Sölle über Friedrich Gogarten: „Alles ist euer — der Satz spricht von der Mündigkeit dessen, der Vernunft hat zu prüfen, was nützlich und zuträglich sei. Ihr aber seid Christi — das ist keine Einschränkung hintenherum, als müsse die Säkularisierung nun doch an be­stimmten Grenzen haltmachen. Ihr seid Miterben Christi, zur gleichen Sohnschaft berufen, zu Verantwortung und Leiden, Herren der Welt, weil Söhne des Vaters. Eben dies meint unter Christen das Wort Freiheit.“

Friedrich Gogarten Von Dorothee Sölle Friedrich Gogarten, geboren am 13. Januar 1887 in Dortmund. 1917 Pfarrer in Stelzendorf (Thüringen). 1922 … Mehr

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth beim Nationalen Gebetsfrühstück am 5. Februar 2026 als Zeugnis eines christlichen Nationalismus: „In dieser Evangeliumslesung hören wir Christus sagen: ‚Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach.‘ Christus wurde eindeutig nicht einfach gesandt, um ein Diplomat zu sein. Er war ein Störenfried. Seine Mission war es, Wahrheit von Lügen zu trennen – die Dinge der Welt von den Dingen Gottes, Licht von Finsternis, Gut von Böse. Und wie Christus, auf irdische Weise, sind unsere tapferen Krieger nicht berufen, der Welt nachzugeben. Sie müssen ihr entgegentreten. Wir wissen, dass wir einen physischen Kampf führen, aber letztendlich – verwurzelt, wie der Präsident sagte – kämpfen wir auf einem geistlichen Schlachtfeld. Wir sind nicht nur Krieger, bewaffnet mit dem Arsenal der Freiheit; wir sind letztendlich bewaffnet mit dem Arsenal des Glaubens – und das von Anfang an.“

Zum Nachlesen: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth beim Nationalen Gebetsfrühstück am 5. Februar 2026 in Washington [Musik und Gesang]„Er hält meine Hand.Er … Mehr