Gerhard Gloege, Predigt zu Lukas 18,9-14 (Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner, 1940): „Liebe Gemeinde, lasst uns über diesem Nachdenken der biblischen Wahrheit nicht selbst zu Pharisäern werden! Lasst uns die Gefahr sehen, der wir erlägen, wenn wir sprächen oder auch nur dächten: ‚Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie diese Pharisäer.‘ ‚Wie gut, dass wir doch noch das Panier der Wahrheit, die Botschaft von Sünde und Gnade aufrecht halten!‘ ‚Wie erfreulich, dass wir nicht denen gleichen, die dem Glauben der Väter, die der Kirche Jesu Christi den Rücken gekehrt haben und sich zum Angriff gegen ihre Lehre sammeln!‘ Lasst uns selbst nur nicht überheblich werden und mit der Miene des Zöllners dem Pharisäismus erliegen!“

Predigt zu Lukas 18,9-14 (1940) Von Gerhard Gloege Liebe Gemeinde! Wer ist eigentlich die Hauptperson in unserem Gleichnis? Der Pharisäer … Mehr

Helmut Tacke, »Verheißung« in den Predigtmeditationen Hans Joachim Iwands: „Die Verheißung bleibende Verheißung braucht das Wort, um sich der angefochtenen Gemeinde mitzuteilen. In einer anderen Gestalt als der des Wortes will die Verheißung dem Menschen nicht begegnen. Das verhei­ßende Wort ist verglichen mit der breiten Skala religionspsychologisch erschlossener Erfahrungen ein relativ sprödes Instrument der Kommunika­tion. Aus dem Beziehungsfeld Wort-Glaube entspringen Unruhe, Vorfreu­de, Erwartung und Mut, aber keine Zustände religiöser Erhebungen oder Versenkungen, in denen der Mensch sich selbst zur Erbauung wird.“

»Verheißung« in den Predigtmeditationen Hans Joachim Iwands Von Helmut Tacke Einzusetzen ist am besten bei einem Abschnitt, der durch seine … Mehr

Johannes Hamel, Predigt über Lukas 18,9-14a (1956): „Es wird nicht erzählt, was die frommen Hörer dieser Geschichte im Augenblick gedacht und wie sie im Augenblick gehandelt haben. Um so wichtiger ist die Frage, wie wir Jesu Erzählung aufnehmen und was wir auf sie hin tun? Es wäre schrecklich für uns, wenn wir weiterhin die bösen und gottlosen Menschen als hoffnungslose Fälle ansähen, als von Gott Gerichtete und Verurteilte, so wie jener Fromme unserer Geschichte es tat und wohl tun musste, weil er Jesus nicht begegnet war, der die Gottlosen zur Umkehr ruft. An einer Christenheit, die die dunklen Gestalten um sich herum – und es gibt wahrhaftig sehr, sehr dunkle Gestalten! – für hoffnungslose Fälle ansieht, geht der Gott schweigend vorüber, der das Schreien der zerbrochenen Herzen erhört. Gott kennt seine Leute im Haufen der Zöllner von damals und im Haufen der Atheisten, Gleichgültigen und Unmenschlichen von heute. Jesus Christus tut unter ihnen sein Werk, so überraschend, so unaus­denkbar und überwältigend, dass wir uns nur davor fürchten müssen, Ihm bei seinem Retterwerk im Wege zu stehen!“

Predigt über Lukas 18,9-14a (1956) Von Johannes Hamel Liebe Brüder und Schwestern! Jesus erzählt eine Geschichte: Zwei Menschen gehen zum … Mehr

Hermann Diem, Predigtmeditation zu Lukas 18,9–14 (1953): „Aber beachten wir: der Pharisäer im Gleichnis hat Gott auch gedankt, und zwar auch für seine Fortschritte in der Heiligung. Es ist sogar erstaunlich, wofür er alles danken konnte. Er hat durchaus den richtigen Maßstab für seine Selbstprüfung: die Zehn Gebote. Und wir haben keinerlei Recht zu der Annahme, dass es etwa nur Heuchelei gewesen wäre, die ihn für seine Erfüllung der Gebote danken ließ. Wir wollen uns lieber fragen lassen, ob es mit unserer Gesetzeserfüllung so gut bestellt ist wie mit der seinen. Und wofür dankt er? Dass er nicht ist wie die anderen Leute, die nach den Geboten Gottes nichts fragen, wie z. B. dieser Zöllner hier? Das scheint doch ein sehr frommes Gebet zu sein. Wer von uns hat denn Gott schon dafür gedankt, wenn er vor dem Weg des Zöllners bewahrt blieb? Was ist dem Pharisäer denn eigentlich vorzuwerfen?“

Predigtmeditation zu Lukas 18,9–14 Von Hermann Diem Dass Jesus die Geschichte ein „Gleichnis“ nennt, ermahnt uns, sie in der Gezieltheit … Mehr

Jantine Nierop, Die Aktualität von K.H. Miskottes Notizen über die Sprache der Predigt: „Ein Text, der selbst – in seiner Form – den Dabar-Charakter hat, verbietet streng genommen die Formulierung eines Themas; ein Text hingegen, der eine Beschreibung oder einen Spruch enthält, führt oder zwingt sogar zur Formulierung eines Themas; die rechte Predigt hat kein in sich ruhendes ‘Thema’, das man behandeln kann.“ Laut Miskotte hat die Predigt also Dabar-Charakter, das heißt: Sie ist ein Wort, das zugleich eine Tat ist, ein Wort, das geschieht. Anders gesagt: Die Predigt verweist nicht nur auf eine andere Wirklichkeit, sondern stellt das, wovon sie spricht, selbst gegenwärtig. Den Gottesdienst bezeichnet Miskotte deshalb auch als eine „Begegnung Gottes mit seinem Volk, die Realisierung einer besonderen Gegenwart“.

„Am liebsten auch in der Wortform ein Gotteswort“. Die Aktualität von K.H. Miskottes Notizen über die Sprache der Predigt Von … Mehr

Karl Barth, Das Problem der Predigt (Le problème de la prédication, 1938): „Die Predigt ist der Versuch – der Kirche zugeordnet –, durch einen dazu berufenen Menschen dem offenbarten Wort Gottes  zu dienen, indem er den Menschen von heute verkündet, was sie von Gott selbst zu hören haben, und ihnen eigenverantwortlich einen biblischen Text auslegt.“

Das Problem der Predigt (Le problème de la prédication, 1938) Von Karl Barth I. DEFINITION 1. Die PREDIGT ist das … Mehr

Ulrich Goßner über seine Vernehmung im bischöflichen Ordinariat in Augsburg betreff seiner Christus-Predigten in Pfaffenhofen an der Roth (1831): „Herr Dekan W. in St. brachte vor: Der Name Jesus werde so oft genannt in den Predigten, dass er zum Ekel werde. Ich antwortete: ‚Wenn das öftere Nennen dieses Namens Ekel erregt, so hat niemand mehr Ekel erregt, als der Apostel Paulus, in dessen Briefen dem Leser dieser Name überall entgegenkommt; z. B. im 1. Kor. 1 in den ersten zehn Versen zehnmal. Das ist gewiss ekelhaft! Eine solche Rede steht einem Heiden und Juden wohl an — aber einem Christen — einem Geistlichen — Dekan —!!! Ich frage auf diese Beschuldigung hin — ob ein solcher Mann unser Richter sein könne? Das ist ja entsetzlich!‘“

Ulrich Goßner über sein Vernehmung im bischöflichen Ordinariat in Augsburg (1831) Ulrich Goßner (1806-1834), gebürtig aus Seifertshofen bei Ebershausen und … Mehr

Kornelis Heiko Miskotte, Der Antichrist (De Antichrist, 1934): „Der Antichrist ist ein ‚Anti‘, eine Gegenfigur, aber er ist auch ein Christus, ein Messias, ein Heiland, ein Erlöser. Er ist der Gegenkandidat für denselben Sitz, er gibt ähnliche Versprechen und legt ähnliche Glaubensbekenntnisse vor. Er gründet auch ein Reich, in dem er allein weiß und handelt und ist, sodass es keine höhere Instanz gibt, so wie es auch bei Jesus Christus keine höhere Instanz gibt. Wie Jesus sagte: ‚Ich und der Vater sind eins‘, so sagt der Antichrist: ‚Ich und die Natur sind eins‘, ‚ich und die Notwendigkeit‘.“

Der Antichrist (De Antichrist, 1934) Von Kornelis Heiko Miskotte „Kindlein, es ist die letzte Stunde, und wie ihr gehört habt, … Mehr

Martin Luther, Auslegung zu Römer 12,16–21 (1525): „Feurige Kohlen aufs Haupt sammeln meint nach meinem Verstand, dass der Feind mit Wohltaten überschüttet wird, dass er zuletzt entzündet und erhitzt über sich selbst zornig und uns desto holder wird. Denn Kohlen bedeuten die Wohltaten. Darum bedeuten auch die Kohlen im Räuchergefäß die Wohltaten Gottes, die man im Gebet melden soll, dass das Gebet stark rauche und hinaufdringe.“

Auslegung zu Römer 12,16–21 (1525) Von Martin Luther Haltet euch nicht selbst für klug! Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Fleißigt … Mehr