Gerhard Jacobi, Predigt zu Apostelgeschichte 10,42–43 (1935): „Ob wir nicht als Bekennende Kirche schon zu lange geschwiegen haben, wo wir hätten reden sollen? Um uns eine Flut von Worten, Reden, Schriften, die gegen Gott gerichtet sind, Gott beleidigen, Gottes Ehre antasten. Durch Schweigen der Kirche werden Tausende und Millionen Menschen in den Abfall von Gott geführt. Je mehr wir schweigen, desto größer der Abfall und desto mehr Schuld bei uns. Eine Kirche, die nur innerhalb ihrer vier Wände Christus verherrlicht, ist nicht Zeugin.“

Predigt zu Apostelgeschichte 10,42–43 (1935) Von Pfarrer Gerhard Jacobi, Berlin, Präses der Bekenntnissynode Berlin-Brandenburg „Jesus Christus hat uns geboten, zu … Mehr

Christian Dietrich, Predigt zu Galater 5,1 zum Tag der Deutschen Einheit: „Vielleicht gehen wir deshalb heute Abend in das neue Jahr der Deutschen Einheit auch etwas trotzig. Vielleicht tragen wir nicht die Tora durch die Straßen, wie unsere jüdischen Schwestern und Brüder zu Simchat Tora. Sie tun es, ohne zu wissen, wie lange ihnen die Straßen noch offen sind. Ja, wir gehen in das neue Jahr der Deutschen Einheit hoffnungstrotzig – mit einer Haltung, vielleicht so ähnlich wie unsere polnischen Nachbarn: Noch ist Deutschland nicht verloren! Oder in unserer christlichen Perspektive: Noch ist diese Welt nicht verloren. Denn unsere Freiheit hängt nicht daran, dass wir alles unter Kontrolle haben. Sie hängt an Christus.“

Predigt zu Galater 5,1 zum Tag der Deutschen Einheit,gehalten am 2. Oktober 2026 in der Vesper in der Michaeliskirche in … Mehr

Helmut Gollwitzer, Freiwerden von der Vergangenheit. Predigt über Psalm 25,1–11 (1963): „‚Um deines Namens willen, Herr, vergib meine Schuld, die groß ist.‘ Das sind die letzten Worte des Abschnittes aus diesem Psalm. Was ist das für ein Name? Was besagt er? Jede Zeile dieses Gebetes spricht es aus. Das Letzte über und um uns ist einer, der den Namen trägt: Gnade und Treue. Der heißt der, auf den man trauen kann, der auf den rechten Weg führt, der vergeben kann. Wir sind hier als Menschen, die der letzten Wirklichkeit immer wieder ganz andere Namen geben. Das Blinde, das alle unsere Hoffnungen durchkreuzt, das Namenlose, auf das niemand sich verlassen kann. Das Ungnädige, das Untreue, das Dunkle, das uns verschlingt, das Nichts, der Tod. Diese Namen haben ihren Grund in den bösen Erfahrungen, durch die jeder von uns geht. Diese Namen werden jetzt durchgestrichen, und mit ihnen wird durchgestrichen, was ihnen in unserem Herzen entspricht und antwortet: die Angst, das Misstrauen, das gottlose Sorgen für uns selbst und nur für uns selbst in der Meinung, dass sonst niemand für uns sorgt.“

Freiwerden von der Vergangenheit. Predigt über Psalm 25,1–11 (1963) Von Helmut Gollwitzer Wir denken nach über Psalm 25, Vers 1 … Mehr

Hans Joachim Iwand, Predigtmeditation zu Matthäus 15,21–28: „Der tiefsten Tiefe der Anfechtung entspricht die wunderbarste Kraft des Glaubens. Er ‚fängt Jesus in seinen Worten‘. In dem ‚Ja, Herr, aber doch‘ liegt seine große Kraft, er beugt sich unter Gottes Urteil, aber er zerbricht darunter nicht, sondern hält sich an die Hoffnung und das wider allen Augenschein. Das ist die ‚getroste Verzweiflung‘. Das ist die Not, in der uns der ‚Geist vertritt mit unaussprechlichem Seufzen‘. Die Frau demütigt sich bis in den Staub, sie gibt Gott recht – sagt ja, wo alles natürliche Empfinden des Menschen sich empört – aber sie ergreift zugleich damit das Ja unter dem Nein des Herrn: sie bittet um die Brosamen, die vom Tische fallen. ‚Um dieses Wortes willen‘ wird sie erhört. Der Herr redet sie an: ‚O Weib!‘ Nein, sie ist kein Hund, sie darf vor ihm stehen als der Mensch, der durch die Hölle der Anfechtung gegangen ist. Aber mehr noch, er stellt sie heraus als die wahrhaft Glaubende – und mehr noch: was sie nicht aufhörte zu glauben, was sie nicht losgelassen hat, selbst mitten in der Nacht der Verzweiflung, das liegt auf einmal als Geschenk in ihrem Schoß: ‚Dir geschehe, wie du willst‘. Der Dämon, der ihre Tochter bezaubert hat, ist gewichen. Im Glauben hat sie sie neu geschenkt erhalten.“

Predigtmeditation zu Matthäus 15,21–28 (1954) Von Hans Joachim Iwand Es ist bekannt, daß Luther gerade über dieses Evangelium besonders tief … Mehr

Hans Joachim Iwand, Predigtmeditation zu Matthäus 5,20-26 (1955): „Jesus sieht uns – die Kirchenmänner und Theologen – in unserer Frömmigkeit und Lehrgerechtigkeit, befleckt mit dem Blute dieser an ihrem Gewissen Verletz­ten. Wer so diesen Text liest, der kann wirklich nur noch erschrecken, denn ‚da ist keiner, der das Rechte täte, auch nicht einer‘ (Röm. 3,12). Wir leben miteinander, aber wir leben nicht wahrhaft miteinander. Der Mensch ist des Menschen größter Feind geworden. Darum reicht aus diesem innersten Bezirk der neuen Gottesge­rechtigkeit der Bogen hinein in die aktuelle Problematik. Wer Jesu Worte wirklich vernimmt, kann am ‚kalten‘ Kriege nicht mehr teilnehmen, sondern er muss teil­nehmen mit heißem Herzen und allem Tun, das dem Schutz des Lebens, der Frei­heit der Bildung und der offenen Türe zum Evangelium von Gottes freier Gnade dienlich ist.“

Predigtmeditation zu Matthäus 5,20-26 (1955)[1] Von Hans Joachim Iwand Hier haben wir wahrscheinlich das eigentliche Thema der ursprünglichen Bergpredigt.Johannes Weiß … Mehr

Helmut Gollwitzer, Kornelis Heiko Miskotte zum 75. Geburtstag (1969): „Hier geschieht wirklich Konfrontation, Begegnung, auch Zusammenstoß, dem der Zusammenstoß im Herzen und Kopf des Redners vorhergegangen war. Aber die Fronten bleiben nicht starr, sie ringen miteinander; das Ringen ist echt, atemlos wird der Hörer dessen Zeuge, bleibt aber nicht nur Zuschauer, sondern hört den Redner als seinen Vertreter, ist selbst zusammen mit dem Redner der Schauplatz dieses Ringens. Und dann geschieht immer wieder, wie in der Morgenfrühe am Jabbok nach Jakobs Kampf, der Sieg der Freude, das Aufatmen, das große Hineinstaunen in die Ewigkeit, in die Wirklichkeit des Gottes, von dem die biblischen Worte sprechen, als eine Wirklichkeit des Lichtes, trotz ihrer Rätselhaftigkeit, über ihre Rätselhaftigkeit hinaus. Es wird nichts erspart, nichts geschenkt, nichts verharmlost; intellektuelle Anstrengung wird gefordert, emotionale Erregung nicht gescheut.“

Kornelis Heiko Miskotte zum 75. Geburtstag[1] Von Helmut Gollwitzer Kleine Völker können eine große Sendung für die anderen haben. An … Mehr

Kornelis Heiko Miskotte, Das Bild Gottes (Het beeld Gods, 1942): „Wo Gott Gott ist, da sind die Menschen Menschen. Ach, was bedarf es eines Kampfes der Seele, um zu jener Einfalt zu gelangen! Wir sind zu kompliziert, wir suchen es zu weit und zu hoch, wir sind gleich fertig und werden nie fertig. Dies ist der Kampf des Lebens, aber wenn wir aufrichtig sind, dann muss er im Heiligtum durchgekämpft werden. Hier müssen wir kämpfen, unter der Spannung und der Entscheidung der Predigt. Es wird euch gesagt: Ich will euch zu Menschen haben, und ihr werdet verwandelt, wenn ihr den Spiegel der Herrlichkeit Christi anschaut. Das Kommen unter den Klang des Wortes ist ein Kommen in das Kraftfeld des Geistes. Es ist gut, wenn wir rufen: Veni Creator Spiritus, aber es würde wenig bedeuten, wenn wir nicht begriffen, dass wir von jenem schöpferischen Geist ergriffen werden. Es braust nun oben und über uns: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild und Gleichnis. Es widerfährt uns hier durch den Geist.“

Das Bild Gottes (Het beeld Gods, 1942) Von Kornelis Heiko Miskotte „Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die … Mehr

Hendrikus Berkhof, Nachruf auf Kornelis Heiko Miskotte (1976): „Die Originalität, die Miskotte auch gegenüber Barth nicht verleugnen konnte, lebte er besonders in seiner Predigt aus. Wer seine Predigten mit denen Barths vergleicht, erkennt eine völlig andere Welt. Miskotte verkündete das Evangelium vor dem Hintergrund des modernen Lebensgefühls – mit einer Tiefe und Subtilität, die Barth fremd war (von ihm jedoch hoch geschätzt wurde). Ich glaube, dass Miskotte als Prediger und als Autor mehrerer Predigtbände mehr Einfluss ausgeübt hat als durch all seine anderen Werke. Wahrscheinlich wird er in der niederländischen Kirchengeschichte vor allem als der größte Prediger dieser Epoche in Erinnerung bleiben.“

IN MEMORIAM PROF. DR. KORNELIS HEIKO MISKOTTE23. September 1894 – 31. August 1976 Es scheint, dass der stetig wachsende Strom … Mehr

Hans Werner Hoffmann, Alttestamentliche Predigttexte zu weiteren Festen und Gedenktagen philologisch erschlossen: „(1) Hört, ihr Inseln/Gestade, auf mich, und merkt auf, ihr Nationen in der Ferne! JHWH hat mich von Mutterleib an berufen, hat vom Leib/Schoß« meiner Mutter« an meinen Namen genannt/kundgetan. (2) [Und] er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, im Schatten sei­ner Hand hat er mich versteckt, und er hat mich zu einem scharfen Pfeil ge­macht, in seinem Köcher hat er mich verborgen. (3) [Und] er hat zu mir gesagt: Mein Knecht bist du, Israel, an dir / durch dich werde/will ich mich verherrlichen. (4) Ich aber dachte: Umsonst habe ich mich bemüht, für nichts und vergeblich habe ich meine Kraft aufgebraucht/vertan. Doch das Urteil über mich ist/liegt bei JHWH und mein Lohn bei meinem Gott.“

Mein Hebräischlehrer Prof. Dr. Hans Werner Hoffmann hat nun mit dem Band „Alttestamentliche Predigttexte zu weiteren Festen und Gedenktagen philologisch … Mehr