Martin Luther/Philipp Melanchthon, Aufzeichnung über das Abendmahl (beim Marburger Religionsgespräch, 3. Oktober 1529?): „Dagegen halten wir, dass Christi Leib nicht müsse allein lokaliter, räumlich, nach Breite und Länge an einem Ort sein, sondern halten, dass der Leib Christi auch auf andere Weise zugleich an mehreren Orten sein möge, und halten, dass Leib und Blut Christi wahrhaftig und substanziell gegenwärtig seien an jenen anderen Orten und Leibern, wo er sich verpflichtet hat zu sein, nämlich mit Brot und Wein im Sakrament. Und es ist nicht wahr, dass der Leib Christi nicht anderswo sein könne denn lokaliter, räumlich, nach Breite und Länge.“

Martin Luther/Philipp Melanchthon, Aufzeichnung über das Abendmahl (beim Marburger Religionsgespräch, 3. Oktober 1529?) Des Gegenteils Fundament und gründliche Meinung ist … Mehr

[Hans Hergot,] Von der neuen Wandlung eines Christlichen Lebens (1526/27) – Sozialutopie im Anschluss an den Bauernkrieg: „Durch diese Verleihung wird der Adel der Geburt und auch der Verstand, wie er jetzt ist, durch weise und fromme Männer aus dem gemeinen Volk ersetzt, die den Verstand regieren werden. Diese Männer wird man aus allen Ständen nehmen, wo man sie finden kann. Durch diese Verleihung werden die Dörfer und Städte von aller Beschwerung befreit. Auch wird es dadurch zu einem Hirten und einer Herde auf diesem Erdboden kommen. Und dieser Hirte wird aufrichtig beten: „’Ich glaube an den Heiligen Geist.’“

Im Frühjahr 1527 ließ der Leipziger Stadtrat zwei Studenten verhaften, weil sie Abschriften einer Flugschrift verkauft hatten. Es wurde ermittelt, … Mehr

Johann Peter Hebel über die Juden (1809): „Ich könnte hier noch einiges anreihen, wenn es mein Interesse wäre, die blöden Seiten aufzudecken, womit sich dieses Volk zu seinem Ahnherrn bekennt, der den Bruder um Erstgeburt und Erbteil zu beschleichen und den Schwiegervater in Mesopotamia zum armen Manne auszuschälen weiß und nach seiner Heimkunft die unheilbare Feigheit des schlechten Gewissens auf ewige Zeiten dokumentiert. Achtung für eine anderweitige Heiligkeit dieses Volkes decke darüber den Mantel der Schonung. Lieber will ich sein Sachwalter sein und jetzt eine schöne und beneidenswerte Seite desselben ausheben. Der Jude weicht dem Ackerbau und jedem Beruf, der anhaltend und mühsam beschäftigt, aus und nährt sich, sei es auch kümmerlich, von allerlei Handel, treibt Gaukelei, legt Rattengift oder kultiviert irgendeinen Nebenzweig einer nützlichen Kunst im kleinen, z. B. die Operation der Hühneraugen. Man sagt daher, sie seien Tagediebe, und das ist einseitig und ungerecht. Man sollte sagen: Sie sind Morgenländer.“

Die Juden. Sendschreiben an den Sekretär der Theologischen Gesellschaft zu Lörrach (die wenig bekannt ist), 1809 Von Johann Peter Hebel … Mehr

Martin Luthers thymotische Anmerkung zu Silvester Mazzolini von Prierios Epitoma responsionis ad Martinum Lutherum (1520): „Mir scheint jedoch, wenn der Wahnsinn der Römer so weitergeht, gibt es kein anderes Mittel mehr, als dass der Kaiser, die Könige und Fürsten, bewaffnet und mit Gewalt, diese Übel der Welt angreifen und die Sache nicht länger mit Worten, sondern mit dem Schwert entscheiden. Was plappern denn die verlorenen Menschen, auch die ohne jeglichen Verstand, als ob sie uns wie Holzstöcke hätten? Wenn wir Diebe mit der Forke, Räuber mit dem Schwert, Häretiker mit Feuer bestrafen, warum sollten wir dann nicht vielmehr diese Meister des Verderbens, diese Kardinäle, diese Päpste und die ganze verderbliche Römer-Sodom-Menge, die die Kirche Gottes ohne Ende verderbt, mit allen Waffen angreifen und unsere Hände im Blut dieser Leute waschen, als ob wir uns und unsere Mitmenschen von einem gemeinsamen und gefährlichsten Feuer befreien wollten?“

An den Leser. Anmerkung zu Silvester Mazzolini von Prierios Epitoma responsionis ad Martinum Lutherum Von Martin Luther Martin Luthers publizistische … Mehr

Romano Guardini, Wahrheit und Lüge (1945): „Wir müssen wissen, welches die schlimmste Zerstörung ist, die sich in den vergangenen Jahren ereignet hat. Nicht die der Häuser und Fabriken und Eisenbahnen, so groß die ist; die schlimms­te ist die innere, geistige – und darin vor allem die Zerstörung der Wahrheit: die Art, wie sie aufgefasst, wie mit ihr umgegangen und wie ihr Werkzeug, das Wort gebraucht wird. Wir wollen aus der Zerstörung heraus. Wir wollen wieder ein Leben aufbauen, das würdig und fruchtbar ist. Dazu müssen wir innerlich bei der Wahrheit anfangen.“

Wahrheit und Lüge (1945) Von Romano Guardini Romano Guardini (1885–1968), geboren in Verona und aufgewachsen in Mainz, wirkte seit 1923 … Mehr

Karl Barths Bericht über seine Deutschlandreise, 19. August bis 4. September 1945 an die Organisation I der amerikanischen Armee in Deutschland: „Man ist empört (Frankfurt und Marburg: hier der evang. Theologiepro­fessor Bultmann) über die Gewohnheit der amerikanischen Soldaten, übrig­gebliebene wertvolle Lebensmittel vor den Augen der Bevölkerung mit Ben­zin zu übergießen und zu verbrennen. In Marburg sei dasselbe mit einem gan­zen Lager eroberter deutscher Militärmäntel geschehen.“

Karl Barth: Bericht über eine Deutschlandreise, 19. August bis 4. September [1945], erstattet an die Organisation I der amerikanischen Armee … Mehr

Friedrich Naumann, National-sozialer Katechismus. Erklärung der Grundlinien des National-Sozialen Vereins (1897): „1. Warum nennt ihr euch nationalsozial? Weil wir überzeugt sind, dass das Nationale und das Soziale zusammengehören. 2. Was ist das Nationale? Es ist der Trieb des deutschen Volkes, seinen Einfluss auf der Erdkugel auszudehnen. 3. Was ist das Soziale? Es ist der Trieb der arbeitenden Menge, ihren Einfluss innerhalb des Volkes auszudehnen. 4. Wie hängt beides zusammen? Die Ausdehnung des deutschen Einflusses auf der Erdkugel ist unmöglich ohne Nationalsinn der Masse, und die Ausdehnung des Einflusses dieser Masse im Volke ist unmöglich ohne weitere Entwickelung der deutschen Macht auf dem Weltmarkte.“

Wenn einem theologischen Liberalismus das „eschatologische Bureau“ (Ernst Troeltsch) geschlossen ist, kann dieser seine politische Hoffnung nicht auf die Wirklichkeit … Mehr

Günter Brakelmann über Johann Hinrich Wichern: „Wer sich in das umfangreiche Schrifttum dieses Mannes einarbeitet, wird auch heute noch fasziniert sein von dem Menschen und Christen Johann Hinrich Wichern. Als ‚Genie der Liebe‘ wird er in einer geschichtsbewußten Christenheit seinen Platz behalten. Seine theologisch-politischen Positionen, die weite Teile des Protestan­tismus des 19. Jahrhunderts in einen aussichtslosen undifferenzierten Kampf gegen die neuzeitlichen Emanzipationsbewegungen geführt haben, beschleunigten den Exodus weiter Teile des liberalen Bürgertums und des sozialdemokratischen Proletariats aus der Kirche. Brücken zu ihnen hat er nicht schlagen können. Größe und Grenze eines Menschen liegen wie so häufig nahe beieinander.“

Johann Hinrich Wichern Von Günter Brakelmann Die Zeiten des Vormärz, der Revolutionsjahre, der Reaktionsphase, des Norddeutschen Bundes und der Anfangsphase … Mehr