Hans Joachim Iwand, Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen. Antwort auf W. Hauers „Deutsche Gottschau“ (1935): „Es würde nicht schwer sein, die Übergänge aufzuweisen, die von der christlichen Theologie unseres und des vorigen Jahrhunderts zu Hauer weisen, und mancher ‚christliche Theologe‘ würde wohl erschrecken, wenn er auf diese seine illegitimen Kinder angesprochen würde. Die Erklärung für diese innere Verwandtschaft, die wohl auch Hauer nicht allzu gern zugeben würde, liegt darin, daß die Quellen der „deutschen Gottschau“ in die Geisteswelt des deutschen Idealismus zurückweisen, in dieselbe Welt, aus der die uns überkommene Theologie gelebt hat. Und das ist das Entscheidende und grundsätzlich Positive, daß durch Hauer in der breiten Öffentlichkeit diese immer wieder versuchte Synthese klipp und klar negiert wird, daß dieser Versuch, den christlichen Glauben aus dem Geist des deutschen Idealismus heraus neu zu beleben, damit am Ende seiner Kunst ist. Denn diese Synthese ist der Verrat am christlichen Glauben, nicht weil es ‚deutscher‘ Idealismus ist, sondern weil es deutscher ‚Idealismus‘ ist und der Glaube an Jesus Christus nichts mit der Idee der Gottheit zu tun hat, sondern mit dem Wort des lebendigen Gottes, nicht mit einem Bild, das sich der Mensch von Gott macht, sondern mit dem, der das Ebenbild Gottes ist.“

Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen. Antwort auf W. Hauers „Deutsche Gottschau“ (1935) [1] Von Hans Joachim Iwand I. … Mehr

Valentin Thalhofer, Über den Bart der Geistlichen (1863): „Seit mehr als hundert Jahren ist es jetzt bei uns herkömmlich, dass die Geistlichen keinen Bart tragen, und es kann, ja soll der einzelne Bischof um so mehr darauf bestehen, dass diese Gewohnheit fortan aufrechterhalten werde, als sie, wie gezeigt wurde, in der abendländischen Kirche nahezu ein Jahrtausend lang die herrschende und für sie dem Orient gegenüber charakteristisch war.“

Über den Bart der Geistlichen Von Valentin Thalhofer (Nach dem Augsburger Pastoralblatt von Prof. Thalhofer 1863. Nr. 13—16.) I. Es … Mehr

Basilius der Große, Predigt zur Zeit der Hungersnot und Dürre (Homilia dicta tempore famis et siccitatis, 368/69): „Wir sehen den Himmel, Brüder, verschlossen, kahl und wolkenlos, der diese heitere Klarheit trüb macht und uns die Reinheit entbehren lässt, die wir zuerst so sehr ersehnten, wenn er, lange von Wolken bedeckt, uns finster und sonnenlos machte. Die Erde aber, völlig ausgetrocknet, ist unerfreulich anzusehen, unfruchtbar und ertragslos für den Ackerbau, in Spalten aufgerissen und den bis in die Tiefe leuchtenden Strahl aufnehmend. Die Quellen aber, reich und immerfließend, haben uns verlassen, und die Ströme großer Flüsse sind versiegt; die kleinsten Kinder durchschreiten sie zu Fuß, und Frauen durchqueren sie mit Lasten; die meisten von uns aber hat auch das Trinkwasser verlassen, und wir sind in Not um unser Leben.“

Predigt zur Zeit der Hungersnot und Dürre (Homilia dicta tempore famis et siccitatis)[1] Von Basilius dem Großen (ca. 330–379) „Der … Mehr

Helmut Gollwitzer, Brief an „nichtarische“ Gemeindeglieder angesichts der bevorstehenden Deportationen (1941): „Werdet Ihr unsere Worte noch aufnehmen und annehmen können? Viele werden so eingeschlossen sein in den Bannkreis ihrer Angst, dass kein Wort sie mehr zu erreichen scheint. Und wie soll Euch nicht die Bitterkeit übermannen, wenn die zu Euch spre­chen, die ja zurückbleiben im Genuss all der Güter, deren Ihr nun be­raubt seid? Und werden Euch fromme Worte nicht als leere Worte erschei­nen, da Ihr doch Euch selbst ein Beispiel gänzlicher Gottverlassenheit scheinen mögt? ‚Sie sind allzumal verstrickt in Höhlen und versteckt in Kerkern; sie sind zum Raube geworden, und ist kein Erretten da.‘ Aber ließen wir Euch schweigend ziehen, so wäre es noch schlim­mer und eine Verleugnung der Kraft des Heiligen Geistes, der auch über große Trennungen hinweg und in bösesten Stunden ein in seinem Namen gesprochenes Wort vernehmbar ma­chen kann.“

Brief an „nichtarische“ Gemeindeglieder angesichts der bevorstehenden Deportationen (1941) Von Helmut Gollwitzer Im Jahr 1941 lebten noch etwa 66.000 jüdischstämmige … Mehr

Helmut Gollwitzer, Brief an Amtsbruder wegen Ausschluss von ‚Nichtariern‘ von der Buckower Freizeit 1939: „Es dürfte doch ausgeschlossen sein, dass die nicht arischen Glieder der Kirche sozusagen als Opfer dargebracht werden, damit die übrigen Glieder der Kirche in Ruhe Gemeinschaft und Erbauung genießen können. Soll 1. Kor. 12,26 wirklich gelten, so wird niemand sich damit abfinden können, dass es eben polizeiliche Notwendigkeit gewesen sei. Ich möchte wegen des Entschlusses, lieber einige Teilnehmer auszuschließen, als die ganze Freizeit zu opfern, keinen Vorwurf erheben; ich weiß, wie schwer solche Entschlüsse sind, und dass man da einander nichts verschreiben kann. Es scheint mir aber dennoch nicht verständlich, dass dieser Entschluss gefasst wurde. Es hätte auch ein gutes Zeichen sein können, wenn die übrigen Teilnehmer der Freizeit nicht Mitleid, sondern Mitleiden darin gezeigt hätten, dass auch sie auf die Freizeit in der geplanten Form verzichtet hätten.“

Brief an Amtsbruder wegen Ausschluss von ‚Nichtariern‘ von der Buckower Freizeit 1939 Von Helmut Gollwitzer Pastor Gollwitzer, Berlin-Dahlem, den 22. … Mehr

Lothar Kreyssig, Schreiben an Reichsjustizminister Franz Gürtner wider die nationalsozialistische „Euthanasie“-Aktion T4 (2. Fassung): „Die Meinung, Menschenleben beenden zu dürfen, weil die beschränkte Vernunft es nicht oder nicht mehr als sinnvoll begreift, ist daher Anmaßung und Empörung gegen Gott. Auch der Ungläubige sollte aber ehrfürchtig sehen, wie Gott nicht nur solches entsetzlich entstellte und hinfällige Leben entstehen lässt, sondern wie er noch mehr Menschen die unbegreifliche Fähigkeit gegeben hat, solches Leben zu lieben und zu betreuen, wie denn überhaupt Liebe als Gleichnis von der Liebe Gottes des Vaters dann am stärksten ist, wenn sie nicht nach Sinn oder Unwert fragt.“

Schreiben des Vormundschaftsrichters Dr. Lothar Kreyssig wider die nationalsozialistische „Euthanasie“-Aktion T4 an Reichsjustizminister Franz Gürtner (2. Fassung) Brandenburg, den 10. … Mehr

Johannes Hamel, Christenheit unter marxistischer Herrschaft (1959): „Es werden dann die politischen Mächte hüben und drüben ihr dunkles Spiel mit einer Christenheit treiben, die darum in feindliche Parteien auseinander­fällt, weil sie gemeinsam sich nichts mehr sagen läßt. Hinter kirchlichen Gegnern erschei­nen die Schatten oder gar die Leiber der Poli­tiker des Kalten Krieges in der Gegenwart und eines drohenden Heißen Krieges in der Zu­kunft. Ein unheimlicher Sog verwandelt dann die Botenschar des souveränen Herrn in Reli­gionsgemeinschaften, die nachträglich das religiös-theologisch-christlich ‚untermauern‘, was die Politiker vorher entschieden, verkündet und getan haben. Man spricht es nicht aus, aber es liegt unausgesprochen in der Luft: es wird hüben die ‚Weltrevolution‘ und drüben ein Kampf für die ‚Freiheit‘ und die ‚Be­freiung‘, auch mit Atombomben, für christlich möglich, erlaubt, vielleicht sogar geboten er­achtet.“

Christenheit unter marxistischer Herrschaft Von Johannes Hamel unterwegs. eine evangelisch Zeitbuchreihe, Bd. 7, Berlin: Käthe Vogt Verlag, 1959 STICHWORTE DIE … Mehr

Die Reaktion des Speyerer Reichstages auf den Bauernkrieg (August 1526): „Und obwohl das einfache Volk und die Untertanen sich in den vergangenen Unruhen schwer verfehlt und sich grob gegenüber ihren Obrigkeiten verhalten haben, sollen sie dennoch die Gnade und Barmherzigkeit ihrer Herrschaften mehr spüren als die Strenge, die ihre törichte Tat eigentlich verdienen würde. Deshalb soll jede Obrigkeit die Befugnis haben, ihre Untertanen, die sich in Gnade oder Ungnade begeben haben oder bestraft wurden, nach eigenem Ermessen wieder in ihren früheren ehrenhaften Stand zu versetzen, ihnen das Recht zu geben, Rat und Gericht zu führen, Zeugnis zu geben und Ämter zu übernehmen. Auch sollen sie jederzeit in ihren Anliegen gnädig und wohlwollend angehört und entsprechend der Sachlage gerecht behandelt werden. Die Obrigkeit oder ihre Beamten sollen die Untertanen nicht ungerecht belasten, sondern diejenigen, die Recht suchen, beim Recht belassen und sie außerhalb des Rechts nicht belasten.“

Die Reaktion des Speyerer Reichstages auf den Bauernkrieg (August 1526) Die neuere Forschung hat den häufig wiederholten Mythos widerlegt, die … Mehr