Martin Luther, Predigt über Matthäus 11,25–30 (1527): „Christus lehrt von der Sanftmut, dass sie nicht Böses für Böses gibt. Denn Christi Joch hat die Art an sich, dass die Feinde uns das Unsre nehmen; dadurch werden wir zornig, und wird uns übel zu Mute, wir wollen uns rächen, fluchen, schelten und sind ungeduldig darüber. Christus aber spricht: hierher, lerne von mir, nicht zornig noch rachgierig zu sein, wenn es dir übel geht, dir das Deine genommen wird oder du irgendwie beleidigt wirst; sei nicht zornig noch ungeduldig, sei sanftmütig und gutes Muts, tue wie ich; denn ich lass mich schelten und verachten und bleibe gleichwohl fröhlich; tue du desgleichen, weil du mich im Glauben hast; so wirst du Freude und Friede genug und vollauf haben; es schadet nichts, wenn’s auch dem alten Adam nicht nach seinem Willen geht; denn ich muss seine Vernunft dämpfen und seine Klugheit zur Torheit machen; wen ich liebe, den pflege ich wie mein liebes Kind zu stäupen; ich nehme ihm die Kreaturen weg, damit er recht lerne, dass in den Kreaturen kein Bestand ist und man sich drum auch nicht auf sie verlassen soll.“

Predigt über Matthäus 11,25–30 (1527) Von Martin Luther Zu derselbigen Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater und…

Julius Schniewind, Der Heilandsruf. Kommentar zu Matthäus 11,25–30 (1936): „Jesu Heilandsruf sagte in den drei Sprüchen, die ihn bilden, das gleiche. Jesus ist der Messias, dessen Geheimnis vom Herrscher Himmels und der Erde nur den Geringen offenbart wird. Er ist der eine Sohn, der allein den Vater kennt und offenbart, und den alle Menschen hinausstoßen. Er ist der Messias, der Gottes Gesetz ins Herz schreibt und den ewigen Frieden Gottes bringt; das geschieht aber so, daß er sich selbst zu den Armen, auf Gott Wartenden stellt. Die höchste Würde Jesu und sein Kreuzeswille sind in allen Sprüchen eins.“

Der Heilandsruf. Kommentar zu Matthäus 11,25–30 Von Julius Schniewind 25 Zu jener Zeit hob Jesus an und sprach: Ich preise…

Jürgen Moltmann über die Theologie des Kreuzes (theologia crucis, 1983): „Die Bedeutung des Kreuzes darf jedoch nicht auf die Soteriologie beschränkt werden, wenn dabei das Wesen Gottes vom Tod Jesu unberührt bleibt. Von Gott im Tod Jesu zu denken, muss daher auch zu einer Umkehr führen, nämlich dazu, den Tod Jesu im Wesen Gottes zu denken: Das Kreuz Jesu Christi steht im Zentrum der göttlichen Trinität als eine Kluft zwischen Gott und Gott. Der Sohn gibt sich hin und erduldet das Sterben in der Verlassenheit durch Gott am Kreuz; der Vater verlässt den Sohn, gibt ihn dahin und leidet den Tod des Sohnes im Schmerz der Liebe.“

Theologie des Kreuzes Von Jürgen Moltmann 1. Die Theologie des Kreuzes (theologia crucis) ist die Kurzformel des wahren Glaubens, die…

Balthasar Mentzer, Vom Kreuz der Frommen (Katholisches Handbüchlein, 1619): „Wiewohl der Teufel und die gottlose Welt sich dünken lassen und sich dessen wohl berühmen, dass sie den Frommen alles Leid antun, so sehen doch die Gottseligen auf Gott den Herrn selbst, ohne dessen Verhängnis ihnen niemand schaden kann, und nehmen es für eine väterliche Züchtigung an, wenn sie mit Kreuz heimgesucht werden, und wissen, dass es ihnen zur Besserung dient.“

Vom Kreuz der Frommen (Katholisches Handbüchlein, 1619) Von Balthasar Mentzer 204. Ich spüre so viel, dass ein Christ sich wohl…

Sibylle Lewitscharoff über Paul Gerhardts Lied ‚Geh aus, mein Herz‘: „Eine beseelte Glaubenserfahrung kommt hier zum Ausdruck, die die gesamte Schöpfung feiert, in der sich ein Wanderer leichten Schrittes in der Zuversicht auf Gottes Gnade und Hut nach Herzenslust ergehen kann. Wobei es hier nicht um den rein irdischen Genuss von schönem Wetter geht – die funkelnde Glanzwelt der Natur ist nur ein schwacher Abglanz der einst im Paradies auf den erlösten Menschen wartenden Schönheit. Im Paradies wird alles schön sein. Das Auge schaut Schönes, die Sprache ist anmutig und herzerhebend, in Gottes Kosmos waltet die Ethik, ohne dass tagein tagaus um deren Bestand gerungen werden müsste. Hierzulande manifestiert sich die holde himmlische Schönheit nur in Momenten, in welchen sie einen Abglanz auf unsere Erde wirft.“

Geh aus, mein Herz Gottvertrauen: Trotz des großen Leides, das der Dreißigjährige Krieg brachte, konnte Paul Gerhardt Lieder tiefsten Gottvertrauens…

William H. Willimon über Apostelgeschichte 4,32–37: „Die Kirche kümmert sich um die Ihren und schafft so in ihrem gemeinsamen Leben eine Art Vignette, ein Paradigma der Welt, wie Gott sie für alle vorgesehen hat. Die Macht, die am Ostermorgen die Fesseln des Todes brach, an Pfingsten die Sprachbarrieren sprengte und einen Lahmen stärkte, löst nun den eisernen Griff des Privateigentums.“

Kommentar zu Apostelgeschichte 4,32–37 – Die Herausforderung des Besitzes Von William H. Willimon Es überrascht uns nicht, wenn Lukas berichtet,…

Gottfried Bachl über die dahergeredete Predigt (1967): „Es klafft ein Spalt zwischen der religiösen Sprache, der Vorstellungswelt, in der die Prediger sich ergehen, und dem, was subkutan und unbewusst vielleicht aber sehr wirklich die Hörer bewegt. Die geringe Bildungs- und Anstoßkraft der christlichen Verkündigung rührt daher, dass sie fragefeindlich ist oder, wenn es hochkommt, sich die Frage des anzusprechenden Menschen lieber selbst fingiert, statt sie mühselig zu erlauschen.“

Über die dahergeredete Predigt Von Gottfried Bachl Mit dem, was man Predigt nennt, sind weitum nicht gerade angenehme Empfindungen verbunden.…

Warum in der Kirche nicht von einer „Dreifaltigkeit“ Gottes die Rede sein sollte: „Ist im Deutschen von ‚falten‘ bzw. von ‚Faltigkeit‘ die Rede, wird ein flächiges, homogenes Kontinuum visuell gebrochen, wie uns das bei einer aufgelegten Tischdecke vor Augen geführt wird. Die anschauliche Rede von einer ‚Dreifaltigkeit‘ legt die Vorstellung nahe, dass der eine Gott sich uns in den drei ‚Faltweisen‘ von ‚Vater‘, ‚Sohn‘ und ‚Heiliger Geist‘ zeigt. ‚Faltungen‘ sind modal, haben keine eigene Subsistenz und können sich nicht in Beziehung zueinander setzen.“

Warum in der Kirche nicht von einer „Dreifaltigkeit“ Gottes die Rede sein sollte Jedes Mal zucke ich zusammen, wenn ich…