Die schnell dahinsterbenden hochschwangeren Weiber betreffend und was zur Rettung ihrer Leibesfrucht vor einer Operation vorzunehmen ist. Verordnung des Magistrates der Reichsstadt Ulm vom November 1740: „Der Geistliche hat zuvor dem Ehemann und den Anwesenden die einfältige Meinung zu nehmen, als ob solche Frauen hierdurch gemartert oder übel behandelt würden, und ausdrücklich vorzustellen, wie höchst schuldhaft man sei, dem armen noch lebenden Kinde nicht durch mögliche Mittel zu Hilfe zu kommen und demselben zur heiligen Taufe zu verhelfen. Und wie im widrigen Fall, wenn man durch Unterlassung eines vorhandenen Mittels hier etwas versäume, das Gewissen mit schwerem Skrupel belastet wird.“

Die schnell dahinsterbenden hochschwangeren Weiber betreffend und was zur Rettung ihrer Leibesfrucht vor einer Operation vorzunehmen ist. Verordnung des Magistrates…

Siegfried Einstein, In meine Heimat nur im Tod … (1975): „In meine Heimat möchte ich nicht zurück, / Nicht an den Ort, aus dem sie mich vertrieben. / Ich fühl, solang ich leb, das harte Stück / Des Steines, den sie johlend mir verschrieben // „Zur Strafe für den Juden“, wie sie keuchten; / Vortrefflich zielten sie auf meine Stirn / Und als ich wankte, sah ich nur ein Leuchten: / Im Gleitflug kam mein Traum von Tod und Hirn.“

IN MEINE HEIMAT NUR IM TOD … In meine Heimat möchte ich nicht zurück,Nicht an den Ort, aus dem sie…

Gerhard Sauter, Gott als Freund: „Als Freund begründet Gott ein Verhältnis sui generis, eigenen Ursprungs und unvergleichlicher Treue. Darum können die Konstitutionsbedingungen von »Freundschaft« auf dieses personale Verhältnis eigener Art nicht übertragen werden, wenn es nicht umgedeutet oder gar wegerklärt werden soll. Vielleicht ist auch deshalb in der Bibel und in der christlichen Theologie kaum von Gott als Freund die Rede. Mehr wurde in der christlichen Mystik Gott als Freund angesprochen, etwa von Hildegard von Bingen und Teresa von Avila, weil sie eine intensive oder sogar intime Nähe verspürten.“

Gott als Freund Von Gerhard Sauter »Der Herr redete mit Mosevon Angesicht zu Angesicht,wie jemand mit seinem Freunde redet«(2. Mose…

Ratsbescheid der Stadt Ulm über die Beerdigung von totgeborenen Kindern (1699): „… hat der genannte Wohledle und Löbliche Magistrat nach reiflicher Beratung mit seinem würdigen Geistlichen Ministerium hier die gnädige Genehmigung und Anordnung erteilt, dass diese jetzt erwähnte, wenn auch uralte Gewohnheit, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land, von nun an abgestellt und abgeschafft wird. Stattdessen sollen, wenn künftig nach Gottes unerforschlichem Ratschluss und Willen weitere Kinder tot zur Welt kommen oder ohne Empfang der Heiligen Taufe versterben, diese ebenso wie die anderen getauften Kinder und mit denselben Zeremonien, auch an denselben Orten und Stellen, nämlich nach einer vorangehenden und von den Herren Geistlichen zu haltenden Predigt, sowie andächtigem Gebet und Gesang, wo letzteres üblich und gewünscht ist, nicht weniger zu und neben ihre Angehörigen oder andere fromme Christen begraben werden.“

Ratsbescheid der Stadt Ulm über die Beerdigung von totgeborenen Kindern (1699) Nachdem einem Wohledlen und Hochweisen Magistrat gebührend vorgetragen wurde,…

Rowan Williams, Die Gaben des Alters. Wahrnehmungen der Älteren (2005): „Wir dürfen dabei nicht sentimental werden. Alter bringt nicht automatisch Weisheit mit sich, und die Autorität von ‚Ältesten‘ kann ebenso unterdrückend, realitätsfern und selbstsüchtig sein. Aber wenn wir völlig aus den Augen verlieren, dass ältere Menschen eine entscheidende Rolle dabei spielen, uns eine tiefere Perspektive auf unser Leben zu vermitteln, dann verlieren wir etwas Wesentliches. Wir verlieren die Vorstellung, dass es eine Sichtweise auf das menschliche Dasein gibt, die über die Welt von Produktion und Konsum hinausgeht. Arbeit, Sexualität, der Kampf um Status und gesellschaftliche Anerkennung – all das bestimmt unser öffentliches Leben. Aber was gibt es jenseits davon, das uns wieder ein Gefühl für einen Wert vermittelt, der einfach gegeben ist und nicht erst verdient werden muss?“

Die Gaben des Alters. Wahrnehmungen der Älteren Von Rowan Williams Viele menschliche Kulturen haben eine sehr strukturierte Vorstellung vom Prozess…

Samuel Wells, Theologie als Erzählung: „Die Geschichte Gottes erzählt, wie er von seinen Jüngern eine Antwort erwartet, die sie aus eigener Kraft nicht geben können: Sie sind nicht nur auf ihn, sondern auch aufeinander angewiesen, um die Ressourcen zu erhalten, die ein gläubiges Leben ermöglichen, und sie entdecken, dass ihre gegenseitige Abhängigkeit kein Handicap ist, sondern im Mittelpunkt ihres Zeugnisses steht. Heilige sind nie allein. Sie setzen Gemeinschaft voraus, fordern sie ein, verlangen sie – eine besondere Art von Gemeinschaft, die Gemeinschaft der Heiligen. Helden haben gelernt, sich auf sich selbst zu verlassen; Heilige lernen, sich auf Gott und auf die Gemeinschaft des Glaubens zu verlassen.“

Theologie als Erzählung Von Samuel Wells Drei Stränge In den zeitgenössischen Schriften zur christlichen Ethik gibt es drei große Strömungen.…

Gerhard Jacobi, Predigt über Matthäus 4, 1-11 (1935): „Wenn der Weg des Brotes für Jesus eine Versuchung war, dann wird er wohl auch eine Versuchung für seine Kirche sein. Das ist er auch, sogar ein höchst verführerischer Weg. Gebt den Menschen Brot, dann werden sie in den Schoß der Kirche kommen. Durch Brot gewinnt man Seelen und Leiber. Die Kirche soll (immer wieder wird es gesagt) nur ordentlich Wohlfahrtspflege treiben, sie soll nicht so viel predigen. Solche Reden sind gerade darum eine Versuchung, weil Liebe, Hilfe, Fürsorge zum Auftrag der Kirche gehören. Der Versucher nimmt Dinge, die zum Glauben gehören. Und doch — wenn die Kirche aus dem Christentum nur Menschenfreundlichkeit machen würde, dann wäre sie nicht mehr Kirche Jesu Christi. Die Kirche hat zu predigen; denn der Glaube kommt aus der Predigt (sagt der Apostel). Sie wird wahrhaftig auch leiblich helfen, so sehr sie kann, und trotzdem hat sie — so hart das klingt — zu sagen: Du Mensch lebst nicht vom Brot allein, und hättest du alles, was diese Erde zu geben vermag, so lebst du deshalb noch lange nicht. Leben, wahrhaft leben kannst du nur von dem Wort, das aus dem Munde Gottes geht. Dieses Wort ist Christus.“

Predigt über Matthäus 4, 1-11 (1935) Von Pfarrer Gerhard Jacobi, Berlin. Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt,…