Eberhard Jüngel, Anfechtung und Gewißheit des Glaubens. Auf der Suche nach der Sache der Kirche: „Die Frage nach Anfechtung und Gewissheit des Glaubens wird so zur Frage nach der rechten Verwirklichung christ­licher Gemeinschaft. Denn wenn auch das angefochtene Ich sich seine Anfechtungen nicht abnehmen lassen kann, so wird doch die christliche Gemeinde ihrerseits Solidarität mit den angefochtenen Menschen üben müssen. Nicht das Ende der Gemeinschaft der Glaubenden, sondern deren Bewährungszeit ist gekommen, wenn Glaubende von An­fechtung heimgesucht werden.“

Anfechtung und Gewißheit des Glaubens. Auf der Suche nach der Sache der Kirche (1976) Von Eberhard Jüngel Auf die Frage:…

Christian Dietrich, Predigt zu Galater 5,1 zum Tag der Deutschen Einheit: „Vielleicht gehen wir deshalb heute Abend in das neue Jahr der Deutschen Einheit auch etwas trotzig. Vielleicht tragen wir nicht die Tora durch die Straßen, wie unsere jüdischen Schwestern und Brüder zu Simchat Tora. Sie tun es, ohne zu wissen, wie lange ihnen die Straßen noch offen sind. Ja, wir gehen in das neue Jahr der Deutschen Einheit hoffnungstrotzig – mit einer Haltung, vielleicht so ähnlich wie unsere polnischen Nachbarn: Noch ist Deutschland nicht verloren! Oder in unserer christlichen Perspektive: Noch ist diese Welt nicht verloren. Denn unsere Freiheit hängt nicht daran, dass wir alles unter Kontrolle haben. Sie hängt an Christus.“

Predigt zu Galater 5,1 zum Tag der Deutschen Einheit,gehalten am 2. Oktober 2026 in der Vesper in der Michaeliskirche in…

Paul Ricœur über den Skandal des Bösen (Le scandale du mal): „Gott umsonst lieben, das heißt, vollständig aus dem Kreislauf der Vergeltung heraustreten, dessen die Wehklage noch gefangen bleibt, solange ich mich über die Ungerechtigkeit meines Schicksals beklage. Vielleicht ist das die letzte Antwort auf das ‚Problem‘ des Übels: den Punkt der Entsagung gegenüber dem Verlangen erreichen, gegenüber dem Verlangen selbst, dessen Wunde die Klage erzeugt; Entsagung gegenüber dem Verlangen, für seine Tugenden belohnt zu werden; Entsagung gegenüber dem Verlangen, vom Leiden verschont zu bleiben; Entsagung gegenüber der infantilen Komponente des Unsterblichkeitsverlangens, die den eigenen Tod als einen Aspekt jenes Anteils des Negativen akzeptieren würde.“

Der Skandal des Bösen (Le scandale du mal) Von Paul Ricœur Ich möchte sagen, wie dankbar und bewegt ich mich…

Helmut Gollwitzer, Freiwerden von der Vergangenheit. Predigt über Psalm 25,1–11 (1963): „‚Um deines Namens willen, Herr, vergib meine Schuld, die groß ist.‘ Das sind die letzten Worte des Abschnittes aus diesem Psalm. Was ist das für ein Name? Was besagt er? Jede Zeile dieses Gebetes spricht es aus. Das Letzte über und um uns ist einer, der den Namen trägt: Gnade und Treue. Der heißt der, auf den man trauen kann, der auf den rechten Weg führt, der vergeben kann. Wir sind hier als Menschen, die der letzten Wirklichkeit immer wieder ganz andere Namen geben. Das Blinde, das alle unsere Hoffnungen durchkreuzt, das Namenlose, auf das niemand sich verlassen kann. Das Ungnädige, das Untreue, das Dunkle, das uns verschlingt, das Nichts, der Tod. Diese Namen haben ihren Grund in den bösen Erfahrungen, durch die jeder von uns geht. Diese Namen werden jetzt durchgestrichen, und mit ihnen wird durchgestrichen, was ihnen in unserem Herzen entspricht und antwortet: die Angst, das Misstrauen, das gottlose Sorgen für uns selbst und nur für uns selbst in der Meinung, dass sonst niemand für uns sorgt.“

Freiwerden von der Vergangenheit. Predigt über Psalm 25,1–11 (1963) Von Helmut Gollwitzer Wir denken nach über Psalm 25, Vers 1…

Jörg Splett über das Person-Sein: „Nicht bloß faktisch ist der Person-Begriff in der biblischen Wirkungsgeschichte erwachsen; er ist prinzipiell mit dem Gedanken freier Schöpfung verknüpft. Das bloße Produkt eines Natur­geschehens mag Wert haben, doch niemals Würde. Und ebenso wäre es um sie getan, wäre die Schöpfung einem Demiurgen von seiner Einsamkeit abgepreßt worden. Freiheit geht ein­zig aus frei-gebiger Freiheit hervor. Ist also Gott selbst als Freiheit, Personalität und Liebe zu denken, dann kann er dies nicht erst seinem Geschöpf gegenüber werden. Er muß vielmehr an und für sich selbst schon Liebe sein. Und nicht schlicht Selbstliebe, weil Liebe stets ekstatisch ist. (Ich schaue [Selbstand], doch nicht mich, sondern dich [Bezug].)“

Person Von Jörg Splett 1. Wort und Begriff Die Herleitung ist ungeklärt. Sowohl die antike (personare) wie die mittelalterliche Etymo­logie…

Rupert Berger über Bittgebet und Fürbitten: „Erhörung ist dabei dem ‚Gebet im Namen Jesu‘ versprochen; damit wird der Horizont der Bitten geweitet, auch meine Ölbergangst hineingestellt in die Heilssorge Gottes für die ganze Welt. Christliches Bittgebet denkt darum nicht nur an die eigenen Probleme, sondern betet für den anderen; in der Taufe in Christus eingegliedert und mit ihm zum Heilsdienst an der Welt berufen, leidet der Christ mit allen Gliedern des Herrenleibes mit; er drückt sich in der Fürbitte nicht um die geforderte Hilfe, sondern solidarisiert sich mit den Leidenden, auf deren Seite Christus getreten ist, und hilft so ganzheitlich.“

Bittgebet/Fürbitte Von Rupert Berger Dem aufgeklärten Menschen der Neuzeit, der mit seinen technischen Mitteln die Welt wirksam gestalten kann, aber…

Paul Althaus‘ völkische Kriegstheologie in Krieg und Christentum (1929): „Das Konfliktsgesetz der Geschichte und die Unentrinnbarkeit des Krieges sind Fluch, ein Fluch, den wir erleiden und vollziehen müssen, wie wir auch den Tod sterben und, um zu leben, Geschöpfe Gottes töten müssen. Aber Gottes Fluch ist niemals ohne seine Gnade. Die Geschichte ist gerade da auch herrlich, wo sie schrecklich ist. An der Schwere des Gegensatzes entsteht der hohe, herrliche Beruf zum letzten Einsatze und Opfer für die Sache des Vater­landes. Die Furchtbarkeit des Töten-müssens hat zur Kehrseite das dulce et decorum des Sterben-dürfens für das Vaterland. Jede eindeutige Rede, es sei von der Herrlichkeit oder von dem Fluche des Krieges, ist uns verwehrt. Die Schändung des Krieges hat genau so wenig Recht wie die Verherrlichung. Wir reden von ihm gleich wie vom Tode, der uns auch als Gottes uns zerstörender Fluch furchtbar und zugleich als gnädige Berufung zum Gottesdienste höchsten Glaubens lieb ist.“

In seinen Anmerkungen zu Das Gebot und die Ordnungen (1932) schrieb Emil Brunner zu Paul Althaus RGG-Artikel Krieg und Christentum…

Brevard S. Childs, Biblische Theologie und christlicher Kanon: „Vielleicht ist es ein kleiner Schritt hin zur Lösung dieser Problematik, wenn man von der fortdauernden Suche der Kirche nach der christlichen Bibel spricht. Die Kirche ringt mit der Aufgabe, ständig die in der Schrift geoffenbarte Wahrheit Gottes zu erkennen, während sie gleichzeitig mit­ten in einer vollkommen menschlichen kirchlichen Tradition steht, die das Wort überliefert. Für die Biblische Theologie ist es eine wichtige Aufgabe, an dieser Suche nach der christlichen Bibel teilzunehmen. Das Unterneh­men ist keins, das einfach und ein für allemal gelöst werden wird.“

Biblische Theologie und christlicher Kanon Von Brevard S. Childs I. Einführung Das Hauptanliegen meiner Einleitungen in das Alte und in…