Romano Guardini, Wahrheit und Lüge (1945): „Wir müssen wissen, welches die schlimmste Zerstörung ist, die sich in den vergangenen Jahren ereignet hat. Nicht die der Häuser und Fabriken und Eisenbahnen, so groß die ist; die schlimms­te ist die innere, geistige – und darin vor allem die Zerstörung der Wahrheit: die Art, wie sie aufgefasst, wie mit ihr umgegangen und wie ihr Werkzeug, das Wort gebraucht wird. Wir wollen aus der Zerstörung heraus. Wir wollen wieder ein Leben aufbauen, das würdig und fruchtbar ist. Dazu müssen wir innerlich bei der Wahrheit anfangen.“

Wahrheit und Lüge (1945) Von Romano Guardini Romano Guardini (1885–1968), geboren in Verona und aufgewachsen in Mainz, wirkte seit 1923…

Eberhard Jüngel, Aus Freude an Gott. Warum ich Christ bin (1979): „Ich weiß nicht, was Sinn ist. Die Frage nach dem Sein von Sinn hat mir noch niemand beantworten können. Deshalb misstraue ich dem Verlangen nach Sinn. Wer Sinn will, will mehr als das, was da ist und da sein kann. Doch was ist eine Rose mehr als eine Rose? »Sie blühet, weil sie blühet.« Und die Liebe! Wer, wenn er liebte, würde ernsthaft noch nach dem Sinn von Liebe fragen? Wahrscheinlich stellt sich die Frage nach dem Sinn überhaupt nur dort, wo etwas fehlt. Das Verlangen nach Sinn zeigt an, dass das Leben verletzt ist. Und wie! Unverletztes Leben wäre sinnlos glücklich. Sinn hat für mich immer den fatalen Beigeschmack von Ver­tröstung mit ihren im Grunde trostlosen Anleihen bei einer Zukunft, die der Gegenwart nur eben dies voraus hat, dass sie noch nicht ist und eben deshalb viel verspricht, ohne falsifiziert werden zu können. Noch nicht. Aber dann? Trost ist besser als Sinn und Vertröstung. Trost bleibt der schmerzlichen Gegenwart treu.“

Aus Freude an Gott. Warum ich Christ bin Von Eberhard Jüngel 1. Frage auf FrageWarum ich Christ bin? Weil ich…

Volker Drehsen über die Wanderung: „Ein zentrales Sinnmotiv der Wanderung bilden Abschied und Verlust, in denen sich vor allem das Ungenü­gen an der Ausgangssituation als Ursprung allen menschlichen Prozessdenkens und -empfindens aus­drückt: Wanderung wird zum Sinnbild sowohl menschlicher Verdammung als auch menschlicher Befreiung. Als Irr­fahrt (Odyssee) betont sie den frevel- und schuld­haften Abfall von einem paradiesisch geordneten Urzustand, den Verlust behüteter Exi­stenz überhaupt, die Leiden der Trauer um das Verlorene.“

Wanderung Von Volker Drehsen Der Begriff Wanderung bezeichnet im weitesten Sinn die individuelle oder kollektive Bewegung im geograph. oder regionalen,…

Lesslie Newbigin, Die Bibel. Gottes Geschichte und unsere (1990): „Das ist die wahre Weltgeschichte – nicht im trivialen Sinn, dass wir die faktische Genauigkeit jeder Aussage in der Bibel bestätigen, sondern im ernsthaften Sinn, dass sie uns sagt, worum es wirklich in der menschlichen Geschichte geht. Als Christen betrachten wir die Bibel nicht von außen. Wir leben in ihr. Es ist unsere Geschichte. Indem wir in ihr leben, lernen wir, mit der Geschichte, an der wir teilhaben, zurechtzukommen – weil wir ihren Sinn erkannt haben.“

Die Bibel: Gottes Geschichte und unsere (1990) Von J.E. Lesslie Newbigin Um zu erklären, wer ein Mensch ist, muss man…

Siegfried Lichtenstaedter, Kultur und Humanität. Völkerpsychologische und politische Untersuchungen (1897): „Die Kultur ist der modernen europäischen Menschheit geradezu das höchste Ideal, das kostbarste Gut auf Erden. Die Frage nach der Bestimmung des Menschen wird nicht selten mit ‚Kultur‘ beantwortet. Fühlt sich ein Volk Europas von einem andern beleidigt, so glaubt es keinen stärkeren Vorwurf seinem Gegner ins Gesicht schleudern zu können, als den ‚Mangel an Kultur‘. Selbst zur Rechtfertigung gewisser Verstöße gegen Sittengesetze beruft man sich auf die Kultur. Wenn ‚Völkern‘ ihr Grund und Boden abgenommen wird, Mord, Raub, Brandstiftung in gewissen überseeischen Ländern verübt werden, so muss das Interesse der höheren Kultur alles dies decken. Nichtsdestoweniger gilt die Kultur, sagen wir es kurz, als der Inbegriff alles Guten und Schönen.“

Kultur und Humanität. Völkerpsychologische und politische Untersuchungen von Dr. Mehemed Emin Efendi [Siegfried Lichtenstaedter] Würzburg, Stahel’sche K. Hof- und Universitäts-Buch-…

Karl Barths Bericht über seine Deutschlandreise, 19. August bis 4. September 1945 an die Organisation I der amerikanischen Armee in Deutschland: „Man ist empört (Frankfurt und Marburg: hier der evang. Theologiepro­fessor Bultmann) über die Gewohnheit der amerikanischen Soldaten, übrig­gebliebene wertvolle Lebensmittel vor den Augen der Bevölkerung mit Ben­zin zu übergießen und zu verbrennen. In Marburg sei dasselbe mit einem gan­zen Lager eroberter deutscher Militärmäntel geschehen.“

Karl Barth: Bericht über eine Deutschlandreise, 19. August bis 4. September [1945], erstattet an die Organisation I der amerikanischen Armee…

Gotthold Müller über Nachfolge: „Nachfolge ist so­mit nichts anderes als die sich auch im ethischen Bereich aus­wirkende Tatsache, dass Menschen ‚im Leben und im Sterben‘ im Wirkungsfeld der Heilsgabe des Kreuzes und Ostergeschehens stehen und von dorther ihr Leben ’normieren‘ lassen. Das kann im Einzelfalle ebenso unbekümmerte Freude an der Welt und ihren Gaben ein­schließen wie auch bewußten (Konsum-)Verzicht, sich in sogenannten ‚weltlichen‘ Berufen ebenso verwirklichen wie in Orden oder Kommunitäten.“

Nachfolge Von Gotthold Müller 1. Nachfolge gehört in den meisten („zumindest“ theistischen) Religionen zu den Leitbegriffen religiöser Sprache und Praxis.…