Eberhard Jüngel, Theologische Existenz. Erinnerung an Karl Barth (1986): „Dass Gott »selbst nicht fertig, sondern in freiester lebendiger Bewegung« Gott ist, ermutigt den Theologen dazu, statt mit der ihm aufgetragenen und anvertrauten Rede von Gott je fertig werden zu wollen, immer wieder mit dem Anfang anzufangen. »Theologische Arbeit unterscheidet sich von anderer dadurch – sie könnte aber auch für alle geistige Arbeit darin exemplarisch sein – dass, wer sie tun will, nie mit freiem Rücken von schon erledigten Fragen, von schon erarbeiteten Resultaten, von schon gesicherten Ergebnissen herkommen, dass er heute keineswegs auf gestern schon von ihm gelegten Fundamenten weiterbauen, heute keineswegs von den Zinsen eines gestern angesammelten Kapitals leben kann, sondern darauf angewiesen ist, jeden Tag, ja zu jeder Stunde neu mit dem Anfang anzufangen … Fortfahren heißt in der theologischen Wissenschaft immer: noch einmal mit dem Anfang anfangen.«“

Theologische Existenz. Erinnerung an Karl Barth (1986) Von Eberhard Jüngel Nennt Ihr ihn groß? Er war es durch die Grenze.…

Romano Guardini, Wahrheit und Lüge (1945): „Wir müssen wissen, welches die schlimmste Zerstörung ist, die sich in den vergangenen Jahren ereignet hat. Nicht die der Häuser und Fabriken und Eisenbahnen, so groß die ist; die schlimms­te ist die innere, geistige – und darin vor allem die Zerstörung der Wahrheit: die Art, wie sie aufgefasst, wie mit ihr umgegangen und wie ihr Werkzeug, das Wort gebraucht wird. Wir wollen aus der Zerstörung heraus. Wir wollen wieder ein Leben aufbauen, das würdig und fruchtbar ist. Dazu müssen wir innerlich bei der Wahrheit anfangen.“

Wahrheit und Lüge (1945) Von Romano Guardini Romano Guardini (1885–1968), geboren in Verona und aufgewachsen in Mainz, wirkte seit 1923…

Eberhard Jüngel, Aus Freude an Gott. Warum ich Christ bin (1979): „Ich weiß nicht, was Sinn ist. Die Frage nach dem Sein von Sinn hat mir noch niemand beantworten können. Deshalb misstraue ich dem Verlangen nach Sinn. Wer Sinn will, will mehr als das, was da ist und da sein kann. Doch was ist eine Rose mehr als eine Rose? »Sie blühet, weil sie blühet.« Und die Liebe! Wer, wenn er liebte, würde ernsthaft noch nach dem Sinn von Liebe fragen? Wahrscheinlich stellt sich die Frage nach dem Sinn überhaupt nur dort, wo etwas fehlt. Das Verlangen nach Sinn zeigt an, dass das Leben verletzt ist. Und wie! Unverletztes Leben wäre sinnlos glücklich. Sinn hat für mich immer den fatalen Beigeschmack von Ver­tröstung mit ihren im Grunde trostlosen Anleihen bei einer Zukunft, die der Gegenwart nur eben dies voraus hat, dass sie noch nicht ist und eben deshalb viel verspricht, ohne falsifiziert werden zu können. Noch nicht. Aber dann? Trost ist besser als Sinn und Vertröstung. Trost bleibt der schmerzlichen Gegenwart treu.“

Aus Freude an Gott. Warum ich Christ bin Von Eberhard Jüngel 1. Frage auf FrageWarum ich Christ bin? Weil ich…

Volker Drehsen über die Wanderung: „Ein zentrales Sinnmotiv der Wanderung bilden Abschied und Verlust, in denen sich vor allem das Ungenü­gen an der Ausgangssituation als Ursprung allen menschlichen Prozessdenkens und -empfindens aus­drückt: Wanderung wird zum Sinnbild sowohl menschlicher Verdammung als auch menschlicher Befreiung. Als Irr­fahrt (Odyssee) betont sie den frevel- und schuld­haften Abfall von einem paradiesisch geordneten Urzustand, den Verlust behüteter Exi­stenz überhaupt, die Leiden der Trauer um das Verlorene.“

Wanderung Von Volker Drehsen Der Begriff Wanderung bezeichnet im weitesten Sinn die individuelle oder kollektive Bewegung im geograph. oder regionalen,…

Lesslie Newbigin, Die Bibel. Gottes Geschichte und unsere (1990): „Das ist die wahre Weltgeschichte – nicht im trivialen Sinn, dass wir die faktische Genauigkeit jeder Aussage in der Bibel bestätigen, sondern im ernsthaften Sinn, dass sie uns sagt, worum es wirklich in der menschlichen Geschichte geht. Als Christen betrachten wir die Bibel nicht von außen. Wir leben in ihr. Es ist unsere Geschichte. Indem wir in ihr leben, lernen wir, mit der Geschichte, an der wir teilhaben, zurechtzukommen – weil wir ihren Sinn erkannt haben.“

Die Bibel: Gottes Geschichte und unsere (1990) Von J.E. Lesslie Newbigin Um zu erklären, wer ein Mensch ist, muss man…

Siegfried Lichtenstaedter, Kultur und Humanität. Völkerpsychologische und politische Untersuchungen (1897): „Die Kultur ist der modernen europäischen Menschheit geradezu das höchste Ideal, das kostbarste Gut auf Erden. Die Frage nach der Bestimmung des Menschen wird nicht selten mit ‚Kultur‘ beantwortet. Fühlt sich ein Volk Europas von einem andern beleidigt, so glaubt es keinen stärkeren Vorwurf seinem Gegner ins Gesicht schleudern zu können, als den ‚Mangel an Kultur‘. Selbst zur Rechtfertigung gewisser Verstöße gegen Sittengesetze beruft man sich auf die Kultur. Wenn ‚Völkern‘ ihr Grund und Boden abgenommen wird, Mord, Raub, Brandstiftung in gewissen überseeischen Ländern verübt werden, so muss das Interesse der höheren Kultur alles dies decken. Nichtsdestoweniger gilt die Kultur, sagen wir es kurz, als der Inbegriff alles Guten und Schönen.“

Kultur und Humanität. Völkerpsychologische und politische Untersuchungen von Dr. Mehemed Emin Efendi [Siegfried Lichtenstaedter] Würzburg, Stahel’sche K. Hof- und Universitäts-Buch-…