Albrecht Goes, Karfreitag 1945: „Der Platz war leicht zu finden. Schon von weitem sah man das Bild, nicht oft mehr würde ich es sehen, denn es ging dem Ende zu: die Truppe angetreten wie einst zur Vereidigung — im offenen Rechteck. Groß und hell das Bir­kenkreuz. Vor mir ein breiter Tisch, weiß gedeckt. So decken sie zur Stunde drüben in meiner schwäbischen Dorfkirche den Altar, und ich bin’s nicht, der dort Dienst tun darf. Mein Platz ist hier bei den schwarzen Panzersoldaten, zweihundert mögen es sein oder zweihundertfünfzig. »Wis­sen Sie, was Sie da vor sich hatten, Herr Pfarrer?« fragte der Oberstleutnant, als wir nach dem Gottesdienst in sein Quartier gingen. »Das war eine Division … der evange­lische Teil, will ich sagen, einer ganzen Division. Nicht mehr viel übrig, wie?«“

Karfreitag 1945 (1948) Von Albrecht Goes Solange wir leben, wird es für uns keinen Frühling mehr geben ohne eine Erinnerung…

Johannes Rehm, Gemeinsam die Schrift ‚abhorchen‘. Karl Steinbauer als Gemeindepfarrer: „‚Unsere Glocken rufen zum Wort der Wahrheit und zum Gebet. Ich würde mich schämen, wieder auf die Kanzel zu gehen, wenn ich wissentlich solchen Betrug mit Glockenläuten gedeckt hätte.‘ Im Hinblick auf das angeordnete Glockengeläut ermahnte Landesbischof Meiser Karl Steinbauer: ‚Die Kirchenleitung allein trägt die Verantwortung und nicht Sie. Wir müssen darauf bestehen, dass Sie sich in Zukunft entsprechend verhalten und meinen Weisungen gehorchen.‘ Daraufhin antwortete Steinbauer unter Berufung auf sein evangelisch-lutherisches Ordinationsverständnis mit dem bis heute in der bayerischen Landeskirche zum geflügelten Wort gewordenen Diktum: ‚Bischof der evangelischen Gemeinde in Penzberg bin ich und nicht Sie. Dazu bin ich installiert.’“

Gemeinsam die Schrift „abhorchen“. Karl Steinbauer als Gemeindepfarrer Von Johannes Rehm Der Pfarrer Karl Steinbauer und seine bayerische Landeskirche hatten…

Über die Gottebenbildlichkeit und das Menschsein nach Psalm 8: „Was göttlich mit uns geschehen ist, zeichnet das eigene Menschsein aus – als Ge­dächt­nis, als Annahme und als Ermächtigung: ‚Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst und des Men­schen Kind, dass du dich seiner annimmst. Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.‘ So verdankt sich Menschsein weder eigener Definition noch eigener Vernunftfähigkeit aus, sondern ist göttlich zugesprochen.“

Über die Gottebenbildlichkeit und das Menschsein nach Psalm 8 Vom antiken Philosophen und Sophisten Protagoras ist der Homo-Mensura-Satz überliefert: Er…

Walter Künneth, Widerstand gegen die Staatsgewalt? (1954): „Angesichts solcher Fragwürdigkeit gilt auf jeden Fall der Grund­satz, dass nicht jeder Staatsbürger dazu berufen ist, zu aktivem Wi­derstand zu schreiten, sondern dass diese gewissenhafte Erwägung und ihre Realisierung nur solchen Persönlichkeiten zukommen kann, denen eine außergewöhnliche Verantwortung im politischen Leben eignet. Entsprechend ihrer besonderen sachlich begründeten Vollmacht sind diese Persönlichkeiten allein in der Lage, die Frage zu entscheiden, ob, wann und wie ein gewaltsamer Widerstand möglich und zu verwirk­lichen ist.“

Frag-würdig ist, was Walter Künneth 1954 in der theologisch-ethischen Diskussion um ein Widerstandstandsrecht vertreten hat und was auch so von…

Augustinus über die wahre Gerechtigkeit in De civitate Dei (Vom Gottesstaat): „Wahre Gerechtigkeit gibt es nur in dem Gemeinwesen, dessen Gründer und Herrscher Christus ist, wenn man es denn schon ein Gemeinwesen nennen will, da es ja unfraglich Volkssache ist. Wenn aber auch diese Bezeichnung, die man anderswo in anderem Sinne gebraucht, unserm Sprachgebrauch vielleicht ferner liegt, so steht doch soviel fest: In dem Staate herrscht sicherlich wahre Gerechtigkeit, von dem die Heilige Schrift spricht: «Herrliche Dinge werden in dir gepredigt, du Stadt Gottes.»“

Augustinus über die wahre Gerechtigkeit „Wahre Gerechtigkeit gibt es nur in dem Gemeinwesen, dessen Gründer und Herrscher Christus ist, wenn…

Albrecht Goes, Genesis: „Es ist möglich, das große Erzählungswerk der Genesis zu lesen als die kühne Schrift der Rechtfertigung, als Botschaft des Stolzes in Israel; aber die eigentliche Herrlichkeit dieser Texte erschließt sich doch nur dem, der das Wort ›Segen‹ gehört und angenommen hat als Gottes Wort: ›Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein‹, und der so denn nicht die nationalen Triumphe zuerst feiert, sondern das unerschöpfliche und unauslöschliche Geschenk des Ewigen, gültig für die Zeiten: von Abraham bis zu Salomo in sei­nem Glanz, und weiter zu Jeremia, zur babylonischen Gefangen­schaft; neu aufleuchtend in Judas Makkabäus, und überdauernd auch die dürren Tage der Synagoge von Hannas und Kaiphas und die Jahrhunderte dann: segnend Jehuda Halevi, den Dichter Israels, und den erneuerten Ursprung in der Geschichte der Chassidim, ein Wander- und Leidvolk begleitend ins Getto von Warschau und in die Todeslager von Auschwitz und Majdanek, und weiter bis ›Erez Israel‹, Vertraute und Fremde gleichermaßen erinnernd an ihre wirklichste Wirklichkeit: dass sie – um dieses Segens wil­len – bleiben, was sie sind: Abrahams Kinder.“

Genesis (1956) Von Albrecht Goes Wer lange und immer von neuem unter großen, alten Bäumen sei­nes Weges zu gehen hat,…

Walter Kreck, Gottes Erwählung und unsere Entscheidung (1957): „Weil Gottes Entscheidung für mich gefallen ist, weil das Evangelium mich zum freien Menschen macht, darum ist nun der Aufruf zum Glauben und Gehorsam nicht ein sinnloses Rufen in die Nacht hinaus, sondern er gibt, was er fordert, er schafft, was er verlangt. Weil ich hier nicht nur über Gott und Mensch theoretisch belehrt werde, sondern weil im Evangelium der lebendige Herr selbst mich anredet, mich begnadigt und beschlagnahmt, darum kann ich im Hören auf dies Wort nicht mehr steckenbleiben in der Reflexion über meine Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten, sondern im Glauben nur der sein, zu dem mich das Wort Gottes macht.“

Gottes Erwählung und unsere Entscheidung Von Walter Kreck „DAS GESPRÄCH“Herausgegeben von Kurt Hennig in Verbindung mit Heinrich Giesen, Manfred Müller…