Hans Ruh über Josef L. Hromádka (1967): „Das gesamte Denken Hromádkas zielt hin auf Bewegung: Dynamik steht gegen Statik, Veränderung gegen Ruhe, Feuer gegen Erstarrung, Revolu­tion gegen Status quo. Solche Bewegung deutet hin auf die besondere Be­wegtheit des Menschen Hromádka. Er gehört zu den Theologen, deren Per­sönlichkeit in den theologischen Aussagen und den ethisch-politischen Ent­scheidungen zu einem sichtbaren Ausdruck gelangt. Hromádkas Biographie gehört hinein in die Beschreibung seines theologischen Denkens, ja er ist einer der Theologen, die man kennen muss, will man ihre Intentionen zu­tiefst verstehen und würdigen.“

Josef L. Hromádka Von Hans Ruh Josef L. Hromádka, geboren am 8. Juni 1889 in Hodslavice (Mähren). 1907—12 Theologiestudium in…

Dorothee Sölle über Friedrich Gogarten: „Alles ist euer — der Satz spricht von der Mündigkeit dessen, der Vernunft hat zu prüfen, was nützlich und zuträglich sei. Ihr aber seid Christi — das ist keine Einschränkung hintenherum, als müsse die Säkularisierung nun doch an be­stimmten Grenzen haltmachen. Ihr seid Miterben Christi, zur gleichen Sohnschaft berufen, zu Verantwortung und Leiden, Herren der Welt, weil Söhne des Vaters. Eben dies meint unter Christen das Wort Freiheit.“

Friedrich Gogarten Von Dorothee Sölle Friedrich Gogarten, geboren am 13. Januar 1887 in Dortmund. 1917 Pfarrer in Stelzendorf (Thüringen). 1922…

Heinrich Alt über die Kanzel- bzw. Predigtuhr (1843): „Dann begann nach dem Kanzelvers und der Vorlesung des Textes die eigentliche Predigtabhandlung, die gewöhnlich drei Theile enthielt, von denen der erste mit dem Auslaufen des zweiten Viertelstundenglases zu Ende war; das leerwerdende dritte Viertelstundenglas belehrte dann den Redner, daß es Zeit sei, den dritten Theil zu beginnen, und auch dieser wurde wieder mit der pünktlichsten Genauigkeit so lang gedehnt, daß erst mit dem letzten verrinnenden Körnlein das oft lang ersehnte ‚Amen‘ erfolgte.

Die Sanduhr Von Heinrich Alt Häufiger noch, als das Kanzelpult, findet man auf den Kanzeln die Sanduhr, nach welcher sich…

Theodor Dipper, Evangelische Gewissensberatung für Wehrpflichtige (1957): „Damit, dass der Staat die Schwertgewalt hat, ist noch nicht gesagt, dass jeder Staatsbürger töten kann und der Staat ohne Not jeden zum Töten zwingen kann. Dass der Staat gerade an dieser Stelle ein in seiner ganzen übrigen Gesetzgebung einzigartiges Ausnahmerecht einräumt und den Kriegsdienstverweigerer schützt, hat einen tiefen Sinn. Eben deshalb wird man auch erwarten müssen, dass an dieser Stelle das Herz des Kriegsdienstverweigerers schlägt, auch dann, wenn er kein grundsätzlicher Pazifist ist, wenn er nur den modernen Krieg oder den Wehrdienst in einem geteilten Volk ablehnt oder einen bestimmten Krieg als unrechten Krieg nicht mitmachen kann. Aus demselben Grund wird man auch darauf achten dürfen, ob die Lebensführung des Betreffenden auch sonst durch den Gewissenswiderspruch gegen die Gewalt bestimmt ist.“

Evangelische Gewissensberatung für Wehrpflichtige (1957) Von Theodor Dipper Die Wehrpflicht nimmt unter allen Bürgerpflichten eine Sonderstellung ein. Während bei den…

Karl Barth, Möglichkeiten liberaler Theologie heute (1960): „Eben an ihrer Egozentrik (mein Glaube, mein Heilsbedürfnis, meine Seligkeit usw.) krankt aber mit der Theologie des Pietismus, der nachreformatorischen Orthodoxie, ja weithin schon der Reformatoren selbst, auch die Schleiermachers und Biedermanns — aber auch die Kierkegaards und seiner «existentialistischen» Nachfolger. Immer wieder erscheint da der Mensch als ein erstlich und letztlich in sich ver­schlossenes einzelnes «Subjekt», dem der Mitmensch nur nachträglich, nur beiläufig, fast nur ein wenig widerwillig zugesellt ist, wenn er ihm nicht gar, mit Sartre zu reden, die Hölle bedeutet. Und immer wieder erscheint da Gott — als «Objekt» dieses bruderlosen Subjektes ganz folgerichtig! — nicht einmal als ein Er, sondern als ein unpersönliches Es: das Woher des Gefühls schlechthiniger Abhängigkeit, das Absolute, das Zukünftige.“

Möglichkeiten liberaler Theologie heute Von Karl Barth Mir ist von den Herausgebern der «Theologischen Umschau» ein merkwür­diger Auftrag erteilt worden:…

Trostschreiben des Pfarrers Johann Schneid an den Wiedertäufer Eitelhans Langenmantel vom 3. Januar 1528: „Möge die Gnade und Stärke Christi mit dir sein. Möge er dein Schild sein, damit du kecklich gegen alle Verfolgung und Bedrängnis streiten kannst. Geliebter Bruder! Ich erkenne wohl die überwältigende Wirkung der väterlichen Barmherzigkeit. Sie ist voller Sehnsucht nach seinen lieben Kindern. Das zeigt sich, wenn er sich über Gefängnis, Verfolgung und Jagd beugt. Denn diese sind bewährende und machende Wege. Sie formen rechte Christen, die in wahrhaftigem Glauben und starker Zuversicht zu Gott, ihrem Vater, ganz erfahren und geliebt werden. Denn das Kind Gottes erkennt wahrhaftig, dass alles allein in der Macht, Gewalt und Stärke Gottes liegt.“

Als Eitel­hans Langenmantel am 24. April 1528 von einer Streif­schar des Schwäbischen Bundes gefangengenommen und mit zwei anderen Wieder­täufern nach…

Hans-Georg Gadamer über das Verstehen: „Eine noch ungelöste Aufgabe wäre eine Geschichte des Verstehens, die nicht eine Geschichte der Hermeneutik wäre. Sie hätte etwa zu fragen: Wann wird einer Aussage gegenüber die fremde Meinung als solche zum Gegenstand der Bemühung (statt der Frage ihrer Richtigkeit)? Wann wird die naive Angleichung aller Überlieferung an das eigene Weltverständnis soweit brüchig, dass das geschichtlich Andere zur Aufgabe des Verstehens wird? Am Ende dieser Geschichte müsste wohl die Frage stehen, wie weit die Bereitschaft des Verstehens getrieben werden darf, ohne die normativen Maßstäbe der Moral zu zersetzen, und wieweit das christliche Existenzverständnis, das christliche Liebesgebot und seine Grundlage, das eigene Sündenbewusstsein, die Gefahr bannen, die im Alles-Verstehen liegt.“

Verstehen Von Hans-Georg Gadamer Das alte Wort »Verstehen« erfährt seine Prägung zum Begriff – nach einer Vorphase, in der die…

Martin Luthers Tischrede über Hunde und andere Tiere, die es auch im Himmelreich geben wird: „Da D. M. Luther gefragt wird, ob auch in jenem Leben und Himmelreich würden Hunde und andere Tiere sein, antwortet er und sprach: Ja, freilich, denn die Erde wird nicht so leer, wüste und einödig sein, sintemal Sankt Petrus heißt den jüngsten Tag einen Tag der Restitution aller Ding, da Himmel und Erde wird verwandelt werden.“

Tischrede über Hunde und andere Tiere, die es auch im Himmelreich geben wird Von Martin Luther Da D. M. Luther…