Wilhelm Vischer, Gehört das Alte Testament heute noch in die Bibel des deutschen Christen? (1932): „Wenn wir das Alte Testament ablehnen, können wir das Neue Testament auch nicht mehr als Heilige Schrift behalten. Wenn wir es trotzdem noch behalten, dann hat es durch die Loslösung vom Alten Testament einen anderen Sinn bekommen. Das Hauptwort des Neuen Testaments, nämlich ‚Jesus Christus‘, sagt dann nicht mehr das Gleiche wie vorher; wir haben dann eigentlich gar kein Recht mehr, ‚Jesus Christus‘ zu sagen. Denn was heißt ‚Jesus Christus‘? Das ist die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes Messias und bezeichnet den Gesalbten, den von Gott selbst gesalbten priesterlichen König des Gottesvolkes, wie er in den Schriften des Alten Bundes verheißen ist.“

Gehört das Alte Testament heute noch in die Bibel des deutschen Christen? Von lic. Wilhelm Vischer, Bethel. In seiner Vorrede…

Kurt Frör, Das Amen im Gottesdienst (Leiturgia, 1955): „Das Amen hat primär eine responsorische Funktion. Es soll von der Gemeinde gesprochen werden zum Zeugnis dafür, dass das in ihrem Namen gesprochene oder ihr zugesprochene Wort von ihr aufgenommen wird und für sie gültig sein soll. Das gleiche gilt bei kirchlichen Handlungen für den Einzelnen. Das Amen der Gemeinde ist im Neuen Testament primär ein Teil der doxologischen Akklamation. Es soll darum von ihr vor allem anderen dazu gebraucht werden, in eine in ihrer Mitte gesprochene Doxologie einzustimmen. Dazu ist es notwendig, dass die liturgischen Gebete wie in der alten Kirche in der Regel einen doxologischen Schluss haben.“

Das Amen im Gottesdienst Vor Kurt Frör Das Wort Amen wird schon im Alten Testament unter anderem als Akklamation der…

Wilhelm Vischer über das Buch Ester (1937): „Damit dass Gott seinen Sohn als Juden geboren werden und am Kreuze als den König der Juden sterben und nach drei Tagen wieder auferstehen lässt, rechtfertigt er seine Auserwählung und die Erhaltung Israels und erfüllt er alles, was er Israel versprochen hat. Dadurch stiftet er den Frieden für die Todfeindschaft zwischen den Juden und den Nichtjuden. Denn nun ist offenbar, dass beide eins sind in der Versündigung an ihm, und dass beide allein von der Gnade leben, die ihnen angeboten wird in der Botschaft, dass Gott diesen einen zum Fluch gemacht und herrlich auferweckt hat, weil er sich aller erbarmt. Diese Lösung ist das Gericht Gottes über beide, vornehmlich die Juden und auch die Heiden. Und diese Lösung ist die Möglichkeit Gottes zur Erlösung aller, die daran glauben, der Juden vornehmlich und auch der Heiden.“

Esther Von Wilhelm Vischer Daß das Buch Esther in der christlichen Bibel steht, ist für viele unserer Zeitgenossen ein Ärgernis,…

Martin Niemöller, Brief an den Rektor der Universität Erlangen Theodor Süß bezüglich den studentischen Störungen bei seinem Vortrag in der Neustädter Kirche im Januar 1946: „Die Folgerungen, die in den Zeitungsartikeln aus den Vorgängen gezogen werden, kann ich nicht ziehen, wonach die Dissentierenden gewissermaßen als verkappte Nazisten oder unverbesserliche Militaristen hin­gestellt werden, während sie in Wahrheit wahrscheinlich zum größten Teil eben Studenten sind, die in der Konfrontierung mit der Schuldfrage ihre letzte idealistische Widerstandsfront angegriffen sehen und deshalb leidenschaftlich Protest erheben, wenn sie meinen, aus ihren letzten moralischen Positionen, die eine Selbstrechtfertigung er­möglichen sollen, auch noch herausgeworfen werden sollen.“

Martin Niemöller an den Rektor der Universität Erlangen Büdingen/Hessen, Schloss, 7.2.1946 Se. Magnifizenzdem Herrn Rektor der Universität [Prof. Dr. jur.…

Bernhard Waldenfels über die Phänomenologie: „Insgesamt läßt sich die Phänomenologie mit Merleau-Ponty charakterisieren als Suche nach dem Sinn von Welt und Geschichte in statu nascen­di. Den offenen Horizonten der Erfahrung entspricht eine Welt, die nie fertig, und ein Ausdruck, der nie abge­schlossen ist. Doch tun sich bedeutsame Unterschiede auf je nachdem, wie Art und Ort der Phänomenalität be­stimmt werden.“

Phänomenologie Von Bernhard Waldenfels 1. Allgemeine Umrisse a) Entstehung und Eigenart. Der Terminus Phänomenologie taucht seit dem 18. Jh. wiederholt…

Eberhard Jüngel, Brotgebet an den dreieinigen Gott: „Lass die weltlich und geistlich Lebenssatten wieder hungrig werden. Und die allzu Begierigen erfülle mit dem rechten Augenmaß: dass wir sehen, wo wir zu geben haben, statt zu nehmen; aber auch, wo wir ungeniert nehmen und bitten, ja betteln dürfen; Unser tägliches Brot gib uns heute.“

Brotgebet an den dreieinigen Gott Lieber himmlischer Vater!Du gibst uns täglich unser Brot.Dafür danken wir Dir, indem wir nicht aufhören,…

Gerhard M. Saß, Verheißung. Hermeneutische Überlegungen: „Von Gott geschenktes und verheißenes Leben drängt auf unsere Antwort hin. Die er­ste und wichtigste Antwort des Menschen ist der Glaube (pístis) als hoffendes Vertrauen auf Gott als den treuen (pistós) Geber der Verheißung. Sich auf Gottes Treue zu seinen Verheißungen zu verlassen bedeutet heute (im Angesicht der Shoa) auch ernstzunehmen, dass unser Gott, der Vater Jesu Christi; zugleich der Gott Israels ist, der treu zu seinem Bund mit seinem Volk steht. So gelte die Verheißungen seinem Volk bis heute, und wir sind allein »in Christus« Mit-Erben und Mit-Teilhaber der Verheißun­gen geworden.“

Verheißung. Hermeneutische Überlegungen Von Gerhard M. Saß Verheißung ist nicht nur in biblisch-, sondern auch in systematisch- und praktisch-theolo­gischen Zshg.…

Martin Luther über die Heilige Schrift (Grund und Ursach aller Artikel D. M. Luther, 1521): „Die Heilige Schrift muss notwendigerweise klarer, leichter verständlich und gewisser sein als alle anderen Schriften, da ja alle Lehrer ihre Aussagen durch sie als durch eine klarere und beständigere Schrift bestätigen wollen und ihre eigenen Schriften durch sie begründet und erklärt sehen möchten. Niemand kann eine dunkle Aussage durch eine noch dunklere beweisen. Darum zwingt uns die Not, mit allen Lehrschriften zur Bibel zu laufen und dort Urteil über sie einzuholen; denn sie allein ist der rechte Lehnsherr und Meister über alle Schriften und Lehren auf Erden. Wenn das aber nicht gelten soll, wozu brauchen wir dann die Schrift? Dann verwerfen wir sie erst recht und begnügen uns mit Menschenbüchern und Menschenlehrern.“

Über die Heilige Schrift (Grund und Ursach aller Artikel D. M. Luther, 1521) Von Martin Luther Ich predige keine neuen…