Simon Musaeus, Nützlicher Bericht und heilsamer Rat aus Gottes Wort wider den Melancholischen Teufel (1569): „Niemand glaubt es, außer derjenige, der es selbst erfahren hat – wie schwer es ist, sich gegen die Melancholie zu wehren, besonders wenn man sie bereits tief in sich wurzeln ließ. Wohin wir auch gehen oder stehen, sie schleicht uns nach, klebt an uns wie Pech und mischt sich sogar mitten in unsere Tätigkeiten ein. Kurz gesagt, sie will sich wie eine verkommene Teufelsbraut an uns klammern. Sie zieht uns von den Menschen weg, in die Einsamkeit, sodass wir uns verkriechen, finster dreinblicken, den Kopf in die Hände stützen, die Hände ringen und Tag und Nacht seufzen – als ob Himmel und Erde nichts als lauter Teufel, Fallen und Messer wären, die auf uns zielen, und nirgendwo Trost, Heil oder Rettung zu finden sei.“

Aufschlussreich ist es, wie sich der Theologe Simon Musaeus (1521-1576) als Betroffener mit der Depression/Melancholie in seinem Trakat Nützlicher Bericht/…

Ernst Fuchs, Freiheit im Neuen Testament (1958): „Dann wollen wir genau das, was Gott von Jesus her tut. So geht es dieser Freiheit nur noch um das, was zwischen Gott und dem Menschen heilsam in der Welt geschieht. Jesus wird selbst ihr Vorbild. Denn sie ist ja Freiheit zum Glauben, dass Gott vollendet, was er in Jesus angefangen hat; dass er die Geschichte der Sünde, des Todes und des Gesetzes in der Geschichte des Heils, des Lebens, der Liebe an uns zu Ende bringt. Aus dieser Freiheit zum Glauben erwächst dann von selbst die Freiheit von den Werken zu den Werken.“

Freiheit im Neuen Testament Von Ernst Fuchs 1. Voraussetzungen Im griech. Sprachgebiet ist Freiheit als Heil des Menschen gedacht worden,…

Hans Günther Ulrich, Sinn und Geschmack für Gottes Willen. Zum theologischen Verständnis des Urteilens: „Damit sind wir in der biblischen Ethik. Was so als Weltwirklichkeit erscheint, ist die Welt, in der so Gottes Wille präsent wird, die Welt, die Gott mit sich versöhnt hat. Diese Welt erscheint in diesem Ereignis der Versöhnung Gottes, dem die weitere Wahrnehmung folgt. Es geht um keine moralische Orientierung, die ohne Urteil auskommt. Die Welt nach Gottes Willen in dieser »Weltzeit« zu finden ist die – ästhetische, wahrnehmende und verstehende – Aufgabe des Urteilens. Sie folgt der mit Gottes Wirken gegebenen Geschichte. Sie folgt dieser und keiner anderen »Geschichte« und – ohnehin – ist das was »Geschichte« heißen könnte, kein Ganzes. Das Urteil kann nur Fragmente fassen.“

Sinn und Geschmack für Gottes Willen. Zum theologischen Verständnis des Urteilens Von Hans Günther Ulrich Das Thema, so gefasst, hat…

Denkschrift der Vorläufigen Kirchenleitung der Deutschen Evangelischen Kirche (Bekennende Kirche) an Adolf Hitler vom 28. Mai 1936: „Wir haben in Offenheit die große Sorge weiter evangelischer Kreise zu begründen versucht, dass maßgebende Kräfte im heutigen Staate eine Unterdrückung der evangelischen Kirche, eine Zersetzung ihres Glaubens eine Beseitigung der evangelischen Sittlichkeit, kurz, eine Entchristlichung im weitesten Umfange betreiben. Schon jetzt übt der Zwang auf die Gewissen, die Verfolgung evangelischer Überzeugung, das gegenseitige Sich-Bespitzeln und Aushorchen unheilvollen Einfluss aus. Auch eine große Sache muss, wo sie sich gegen den offenbarten Willen Gottes stellt, am Ende das Volk ins Verderben führen. Gottes Kirche wird bestehen, auch wenn unter dem Versuch, das deutsche Volk zu entchristlichen, Millionen evangelischer Christen ihr Heil verlieren müssten.“

Denkschrift der Vorläufigen Kirchenleitung der DEK (BK) an Adolf Hitler vom Mai 1936 28. Mai 1936 An den Führer und…

Nachruf des Fachbereichs Theologie der FAU auf Prof. Dr. Hans Günter Ulrich: „Hans Günter Ulrich gehörte zu jener Art von Theologen und Intellektuellen, die selten geworden sind. Er nahm sich Zeit zum Hören. Er hörte Menschen, Texten und Konflikten aufmerksam zu. Er dachte über Gelesenes und Gehörtes gründlich nach, bevor er sich zu Wort meldete. Und wenn er sprach, geschah dies klug, bedacht und mit einer Ruhe, die nicht Distanz, sondern Konzentration auf die Sache und für die Menschen erkennen ließ. In einer Zeit der schnellen Positionierung und der zugespitzten Urteile stand Hans Günter Ulrich für eine andere Form intellektueller Präsenz: für Aufmerksamkeit, Wahrhaftigkeit und Urteilskraft. Wer ihn so kennenlernen durfte, weiß, warum Hans Ulrich einen so großen Freundes- und Schülerkreis um sich scharen konnte.“

24. März 2026 Nachruf auf Prof. Dr. Hans Günter Ulrich Der Fachbereich Theologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg trauert um Prof.…

Hans G. Ulrich, Mensch werden als Gottes Subjekt: „‚Lasst Euch Eure Lebensform verändern durch die Erneuerung Eurer Wahrnehmung, damit Ihr erproben könnt, was Gott für Euch will, das Gute, das Wohlgefällige und das Vollkommene‘“ (Römer 12,2). Die Erneuerung der Wahrnehmung in diesem Sinn ist der Angelpunkt reformatorischer Er­fahrung. Hier ist die Grammatik der biblischen Rede vom Mensch-werden enthalten. Nicht die Frage, was der Mensch ‚ist‘ oder ’sein‘ kann, sondern, wie er in Gottes Wirken erscheint, wird hier artikuliert. Der Mensch er­scheint als der, der Gottes Wirken ‚unterworfen‘ ist. Das ist sein Subjekt­sein und Subjekt-Werden. Diesem Subjekt-Werden gilt die Befreiung des Menschen. Die biblische Grammatik, die hier zur Geltung kommt, sieht das Handeln und Werden des Menschen und das Handeln Gottes zusammen, und so auch die ‚vita activa‘ und die ‚vita passiva‘.“

Mensch werden als Gottes Subjekt Von Hans G. Ulrich 1. Eine andere Reformation – auf dem Weg der Reformation Ein…

Martin Luthers üble Vorrede zu Julius Menius, Der Wiedertäufer Lehre (1530): „Erstlich ist das ein gewisses Zeichen des Teufels, dass sie durch die Häuser so schleichen und laufen im Lande und nicht öffentlich auftreten, wie die Apostel getan haben und täglich alle ordentlichen Prediger tun. Sondern sie sind eitle Meuchelprediger, kommen auch in fremde Häuser und Orte, dahin sie niemand berufen noch von jemand gesandt sind, können auch solches Schleichen und Laufen keinen Grund noch Wahrzeichen bringen.“

Vorrede zu Julius Menius, Der Wiedertäufer Lehre (1530) Von Martin Luther Unser Herr Jesus Christus hat in Matthäus 18[, 7]…