Franz-Heinrich Philipp, Johannes Evangelista Goßner: „Ein Christ ist Christi teilhaftig, ist Glied an seinem Leibe, Glied der singenden und betenden, der bittenden, dankenden und lobenden Christengemeinschaft. Er findet sich mit seinen Brüdern im öffentlichen Gottesdienst der Gemeinde, er sucht die Erbauung im kleinen Kreis der Haus- oder Familiengemeinschaft, und er lebt schließlich unmittelbar in Verbundenheit mit seinem Herrn. Gottes Heiliger Geist durchpulst und heiligt ihn durch und durch. Christus, der unermüdliche Mahner und Anklopfer an der Seelentür, hat Einlass gefunden und lebt in ihm. Gott, der Heiligste und Höchste, hat ihn zum Hausgenossen angenommen. In immer neuen Bildern spricht Goßner von diesem ihn so bewegenden Erlebnis, dass Gott Mensch ward, um den Menschen zu sich zu ziehen, und entfaltet sich seine Christusmystik, die neben den ‚Christus für uns‘ den ‚Christus in uns‘ stellt: Christus hat den Sünder entsühnt, und er hat den Erlösten zur innigsten Liebesgemeinschaft an sein Herz genommen; Christus starb für uns, um mit und in uns zu leben.“

Johannes Evangelista Goßner Von Franz-Heinrich Philipp Lebensweg In einer frommen römisch-katholischen Bauernfamilie in Hausen im Bayerischen Schwaben kam Johannes Evangelista…

Russell T. McCutcheon zur Problematik des Religionsbegriffs: „Da die Ursprünge des Religionsbegriffs keinen Hinweis darauf geben, wie wir ihn heute verwenden sollten, stoßen Wissenschaftler, die ‚Religion‘ zur Bezeichnung einer Untergruppe kultureller Praktiken verwenden, auf eine Reihe von Fragen, die es zu untersuchen gilt: Wenn eine Kultur den Begriff nicht kennt, können wir dann ‚ihre Religion‘ studieren? Sollte die Wissenschaft nur Konzepte verwenden, die für die untersuchte Gruppe typisch sind? Ist die Sache, auf die unser Wort verweist, allen Menschen gemeinsam, ungeachtet ihres Selbstverständnisses? Ist die Verwendung unseres lokalen Begriffs, als wäre er ein universeller Signifikant, ein Akt des Kulturimperialismus?“

Religion Von Russell T. McCutcheon Wie alle Gegenstände der Kultur haben auch Wörter eine Geschichte; Bedeutung und Gebrauch ändern sich…

Karl Barth über die christliche Gemeinde unter staatlichem und gesellschaftlichem Druck (1955): „Man kann sie dem übrigen Leben gegenüber isolieren, ihre natürlichen Verbindungen zu weiteren Kreisen, besonders etwa zur heranwachsenden Jugend, unterbinden, sie auf ihren «Kult» reduzieren und so in den Winkel drängen wollen, um sie dort umso leichter lächerlich, verächtlich, auch wohl verhasst zu machen. Es mag dann auch der Staat, im Hintergrund und wohl auch im Vordergrund gerade der Staat (vielleicht in Gestalt einer allmächtigen Staatspartei!) sein, der da mittut, der da möglicherweise sogar führt und vermöge seiner öffentlichen und geheimen Organe, aber auch seiner indirekt ausgeübten Macht über Personen und Verhältnisse sehr energisch zu führen weiß.“

Die christliche Gemeinde unter staatlichem und gesellschaftlichem Druck (1955) Von Karl Barth Lebendige Gemeinde wird, selbst wenn ihr äußeres Wachsen…

Ernest Hello, Ich hatte Hunger, ich hatte Durst …: „Immer wieder hört man in der alten Welt eine Stimme, die von Norden oder von Süden kommt, vom Osten oder vom Westen, und die die Gastfreundschaft empfiehlt. Das ist nicht nur ein sittlicher Rat, es handelt sich hier um etwas ganz Besonderes; die Gastfreundschaft wird nicht nur einfachhin wie eine Tugend empfohlen, sondern wie ein Geheimnis. Man könnte sagen, dass Gott die Welt durch diese so schrecklichen Worte richten wird, die durch ihre Einfachheit noch tausendfach schrecklicher sind.“

Ich hatte Hunger, ich hatte Durst … Von Ernest Hello Die Gestalt des Fremden war in der Menschheit immer von…

Eberhard Busch über Karl Barths Fürbitten: „Hier in der Fürbitte wurde alles vor Gott präsent: die Jugend und die Alten, die Fröhlichen und die Weinenden, die Schwermütigen und die Leichtsinnigen, die Frommen und die Gottlosen, die Gefangenen und »die, die sich für frei halten«.Kurz, jede Fürbitte glich der Arche Noahs, in der vieles und Verschiedenes Raum hatte und in der sich Gegensätzlichstes nebeneinander vertrug.“

Er hat’s nötig Als Prediger war Karl Barth auch die sorgfältige Vorbereitung des Schlußgebets im Gottesdienst jedesmal ein wichtiges Anliegen.…

Johann Baptist Metz, Kirche nach Auschwitz (1991): „Fehlt uns dieser jüdische Geist des Erinnerns nicht mitten in Europa? Ist bei uns nicht längst an die Stelle dieses anamnetischen Geistes eine evolutioni­stisch getönte Historie getreten, die die Vergangenheit des Vergangenen un­terstellt und das Vergangene zum ausschließlichen Gegenstand wissenschaftli­cher Betrachtung erhebt? Doch jede Vergegenständlichung ist immer auch eine Art des Vergessens – eines Vergessens, in dem nicht nur der Glaube, son­dern schließlich auch der Mensch verschwindet.“

Kirche nach Auschwitz Von Johann Baptist Metz „Opfern bietet man keinen Dialog an“, habe ich einmal im Blick auf den…

Johann Georg Hamann, Das letzte Blatt (1788): „Der umgestürzte Heuchler, der antike Sophist, der ‚Philologe der Halbwörter‘, ein Philosoph nur dem Buchstaben π und ψ nach, Kreuzträger und Galgenvogel, Metakritiker voller guter Hoffnungen, ein Stein zwischen zwei Pfosten, der bisweilen die Rolle des Schleifsteins übernimmt, selbst jedoch außerstande zu schneiden.“

Das letzte Blatt (1788) Von Johann Georg Hamann Si quelque sages de ce monde sont parvenus par tems etuder de…