Johannes Reuchlin, Gutachten, ob man den Juden sämtliche Bücher beschlagnahmen, beseitigen und verbrennen solle (Judenschrift, 1510): „Aus all diesem ist deutlich zu entnehmen, dass der Talmud kein durchaus schlechter Baum ist, der gar keine gute Frucht bringen kann, weshalb er umgehauen und verbrannt werden müsste. Sondern er enthält viel Gutes, und Verständige können viel Gutes daraus entnehmen, wie wir oben vernommen haben – entsprechend dem, was St. Hieronymus an Laeta schreibt: »Der Weise kann aus Dreck Gold machen.« Wenn aber Unverständige daran Ärgernis nähmen, so wäre das ihre eigene Schuld und nicht die des Buches! Die Ziegen fressen bittere Kräuter und geben davon süße Milch, und aus ein- und derselben Blume saugen die Bienen den lieblichen Honig und die Spinnen das leidige Gift. Das ist nicht Schuld der Blüte oder Blume, sondern der Eigenart und Natur jener Tiere. Ebenso findet man von Natur aus böse Menschen, die gute Worte in einen bösen Sinn verkehren; und wiederum findet man gute Menschen, die ungeschickte Worte in einem guten Sinn verstehen. Und außerdem findet man manche einfältigen, schlichten Leute, die kein Verständnis für höhere Dinge haben; denn gerade wie die Schrift buchstäblich lautet, verstehen sie sie.“

Gutachten, ob man den Juden sämtliche Bücher beschlagnahmen, beseitigen und verbrennen solle (1510) Ratschlag, ob man den Juden alle ire…

Wilfred Owen, Das Gleichnis vom alten Mann und dem Jungen (The Parable of the Old Man and the Young, 1920): „Da band Abram den Jüngling mit Gurten und Riemen / und baute dort Brustwehren und Gräben, / und streckte das Messer aus, den Sohn zu töten. / Als sieh! ein Engel ihn vom Himmel rief / und sprach: Leg deine Hand nicht an den Knaben, / noch tu ihm irgendetwas. Sieh, / ein Widder, im Dickicht an den Hörnern gefangen; / opfere den Widder des Hochmuts statt seiner. / Doch der alte Mann wollte nicht so, sondern tötete seinen Sohn, / und die halbe Saat Europas, einen nach dem anderen.“

Das Gleichnis vom alten Mann und dem Jungen Da stand Abram auf, spaltete das Holz und ging,nahm das Feuer mit…

Karl Barth, Rückblick. Albert Schädelin zum 70. Geburtstag (1949): „Als der Erste Weltkrieg zu Ende ging, waren viele von uns zur Überzeugung gekommen, daß das Neue, das sich offenbar anmeldete, sehr einfach darin bestehen müsse, dass wir noch einmal «mit dem Anfang anfangen», d.h. aufgeschlossener und sachlicher als zuvor die Bibel selbst in unserem Denken und in unserer Verkündigung maßgeblich zu Worte kommen lassen müßten. Wir lernten aber verstehen, dass alle individuelle und soziale Hoffnung genau so viel Kraft hat, als sie mit dem Glauben an Jesus Christus identisch ist. Wir wurden in diesem Sinn radikaler und eben darum nun doch auch verständnisvoller für mehr als ein Element der kirchlichen Überlieferung, das wir bis dahin – teils aus der Befangenheit unserer früheren theologischen Schule, teils wegen unse-res sozialistischen Eifers – ein wenig unbesehen zum alten Eisen gerechnet und geworfen hatten.“

Rückblick. Albert Schädelin zum 70. Geburtstag Von Karl Barth Lieber Freund! So bist du also im Begriff, das biblische Normalalter…

Eckart Otto, Gerechtigkeit im Alten Testament: „Mit dem Begriff Gerechtigkeit wird ein Verhal­ten bezogen auf eine Gemeinschaft bezeichnet, so dass er als Gemeinschaftsgemäßheit und ‚Gemeinschaftstreue‘ des Han­delns zu verstehen ist. Mit der Gemeinschafts­treue wird zunächst der Handlungsmaßstab des Handelns innerhalb einer Familie bezeichnet, der durch keine Nor­men eingeschränkt ist, sondern ein Prinzip ist, jederzeit so zu handeln, dass das Wohl und Überleben der Familie gesichert wird.“

Gerechtigkeit im Alten Testament Von Eckart Otto Gerechtigkeit (tsaedaeq / tsedâqâ) hat im He­bräischen des AT eine konnektive Grundbe­deutung. Der…

Wilfried Joest, Elternrecht in evangelisch-theologischer Sicht (1958): „Während Ehe und Familie als Institution in dem, was ihnen aufgegeben ist, an diese eigentliche Gemeinschaft erinnern, wird der Staat nicht in demselben Sinne eine solche Erinnerung an die persönliche Liebesgemeinschaft sein können. Auf keinen Fall hat er den Auftrag und die Möglichkeit, Herzen zu wandeln und die Menschen zur Erfüllung wahrer, mitmenschlicher Bruderschaft zu erlösen, denn sie kann und darf nicht durch Gesetzgebung geschaffen werden wollen.“

Elternrecht in evangelisch-theologischer Sicht (1958) Von Wilfried Joest Die heutige Diskussion über das Elternrecht bezieht sich auf das Verhältnis des…

Which species of rose corresponds to the Luther rose: „That the dog rose can also produce white flowers is evident in our parish garden. Since the dog rose is by far the most common wild-growing species of the genus Rosa in Central Europe and its fruits are red—in contrast to the black to purple-black rose hips of the burnet rose—I assume that, botanically speaking, the Luther rose is a dog rose or hedge rose.“

In his letter to Lazarus Spengler dated July 8, 1530, Martin Luther writes the following about the Luther rose, after…

Rudolf Schnackenburg, Ärgernis in der Bibel: „Die Urkirche bleibt sich bewusst, dass man an Jesus als dem Messias Anstoß nehmen kann; treffend verwendet sie dazu das Bild vom ‚Stein des Anstoßes und Felsen des Ärgernis­ses‘, über dem die Ungläubigen zu Sturz kommen, verbindet damit aber das andere, schon von Jesus ge­brachte Bildwort, dass ‚der Stein, den die Bau­leute verworfen haben, zum Eckstein gewor­den‘ ist, nämlich für alle, die an ihn glauben. Das heils­geschichtlich paradoxe Handeln Gottes, an dem die Menschen Ärgernis nehmen können, sieht Paulus im Kreuzesgeschehen gipfeln und entwickelt daraus seine tiefen Gedanken zum ‚Ärgernis des Kreuzes‘. Am ‚Wort vom Kreuz‘ wird alle menschliche Weisheit zuschanden; man kann es nur im Glauben aufneh­men. Diesen Weg der ‚Torheit‘ hat Gott mit Absicht eingeschlagen, da die Welt mit ihrer Weisheit Gott nicht erkannte.“

Ärgernis in der Bibel Von Rudolf Schnackenburg Das biblische Wort, das wir mit Ärgernis über­setzen (mōqesch/skándalon) und das als „Skan­dal“…