Wilfred Owen, Das Gleichnis vom alten Mann und dem Jungen (The Parable of the Old Man and the Young, 1920): „Da band Abram den Jüngling mit Gurten und Riemen / und baute dort Brustwehren und Gräben, / und streckte das Messer aus, den Sohn zu töten. / Als sieh! ein Engel ihn vom Himmel rief / und sprach: Leg deine Hand nicht an den Knaben, / noch tu ihm irgendetwas. Sieh, / ein Widder, im Dickicht an den Hörnern gefangen; / opfere den Widder des Hochmuts statt seiner. / Doch der alte Mann wollte nicht so, sondern tötete seinen Sohn, / und die halbe Saat Europas, einen nach dem anderen.“

Das Gleichnis vom alten Mann und dem Jungen Da stand Abram auf, spaltete das Holz und ging,nahm das Feuer mit … Mehr

Eckart Otto, Gerechtigkeit im Alten Testament: „Mit dem Begriff Gerechtigkeit wird ein Verhal­ten bezogen auf eine Gemeinschaft bezeichnet, so dass er als Gemeinschaftsgemäßheit und ‚Gemeinschaftstreue‘ des Han­delns zu verstehen ist. Mit der Gemeinschafts­treue wird zunächst der Handlungsmaßstab des Handelns innerhalb einer Familie bezeichnet, der durch keine Nor­men eingeschränkt ist, sondern ein Prinzip ist, jederzeit so zu handeln, dass das Wohl und Überleben der Familie gesichert wird.“

Gerechtigkeit im Alten Testament Von Eckart Otto Gerechtigkeit (tsaedaeq / tsedâqâ) hat im He­bräischen des AT eine konnektive Grundbe­deutung. Der … Mehr

Wilfried Joest, Elternrecht in evangelisch-theologischer Sicht (1958): „Während Ehe und Familie als Institution in dem, was ihnen aufgegeben ist, an diese eigentliche Gemeinschaft erinnern, wird der Staat nicht in demselben Sinne eine solche Erinnerung an die persönliche Liebesgemeinschaft sein können. Auf keinen Fall hat er den Auftrag und die Möglichkeit, Herzen zu wandeln und die Menschen zur Erfüllung wahrer, mitmenschlicher Bruderschaft zu erlösen, denn sie kann und darf nicht durch Gesetzgebung geschaffen werden wollen.“

Elternrecht in evangelisch-theologischer Sicht (1958) Von Wilfried Joest Die heutige Diskussion über das Elternrecht bezieht sich auf das Verhältnis des … Mehr

Heino Falcke, Kirche im Sozialismus (1993): „Vom Realismus des Glaubens aus ist der Satz: »Man mußte doch mit der Stasi Kontakt haben«, oder gar: »zusammenarbeiten« nicht möglich. Mit diesem Satz, der eine unausweichliche Notwendigkeit bezeichnet, war man bereits dem Wirklichkeitsverständnis erlegen, das der totalitäre Staat suggerieren wollte. Der Geheimdienst, der die Totalität dieser Herrschaft perfektionieren sollte, erzeugte eben zu diesem Zweck das Bewusstsein: Ohne mich könnt ihr nichts tun und erreichen, ihr müßt mit mir zusammenarbeiten! Nur als Grenzfall, im Einsatz für andere, nicht als Normalität oder Beugung unter eine allgemeine Notwendigkeit, waren Arbeitskontakte mit der Stasi verantwortbar.“

Kirche im Sozialismus Von Heino Falcke Meine Ausführungen erheben nicht den Anspruch zeitge­schichtlicher Wissenschaftlichkeit. Sie verstehen sich viel­mehr als der … Mehr

Christian Dietrich, Predigt zu Galater 5,1 zum Tag der Deutschen Einheit: „Vielleicht gehen wir deshalb heute Abend in das neue Jahr der Deutschen Einheit auch etwas trotzig. Vielleicht tragen wir nicht die Tora durch die Straßen, wie unsere jüdischen Schwestern und Brüder zu Simchat Tora. Sie tun es, ohne zu wissen, wie lange ihnen die Straßen noch offen sind. Ja, wir gehen in das neue Jahr der Deutschen Einheit hoffnungstrotzig – mit einer Haltung, vielleicht so ähnlich wie unsere polnischen Nachbarn: Noch ist Deutschland nicht verloren! Oder in unserer christlichen Perspektive: Noch ist diese Welt nicht verloren. Denn unsere Freiheit hängt nicht daran, dass wir alles unter Kontrolle haben. Sie hängt an Christus.“

Predigt zu Galater 5,1 zum Tag der Deutschen Einheit,gehalten am 2. Oktober 2026 in der Vesper in der Michaeliskirche in … Mehr

Paul Althaus‘ völkische Kriegstheologie in Krieg und Christentum (1929): „Das Konfliktsgesetz der Geschichte und die Unentrinnbarkeit des Krieges sind Fluch, ein Fluch, den wir erleiden und vollziehen müssen, wie wir auch den Tod sterben und, um zu leben, Geschöpfe Gottes töten müssen. Aber Gottes Fluch ist niemals ohne seine Gnade. Die Geschichte ist gerade da auch herrlich, wo sie schrecklich ist. An der Schwere des Gegensatzes entsteht der hohe, herrliche Beruf zum letzten Einsatze und Opfer für die Sache des Vater­landes. Die Furchtbarkeit des Töten-müssens hat zur Kehrseite das dulce et decorum des Sterben-dürfens für das Vaterland. Jede eindeutige Rede, es sei von der Herrlichkeit oder von dem Fluche des Krieges, ist uns verwehrt. Die Schändung des Krieges hat genau so wenig Recht wie die Verherrlichung. Wir reden von ihm gleich wie vom Tode, der uns auch als Gottes uns zerstörender Fluch furchtbar und zugleich als gnädige Berufung zum Gottesdienste höchsten Glaubens lieb ist.“

In seinen Anmerkungen zu Das Gebot und die Ordnungen (1932) schrieb Emil Brunner zu Paul Althaus RGG-Artikel Krieg und Christentum … Mehr

[Hans Hergot,] Von der neuen Wandlung eines Christlichen Lebens (1526/27) – Sozialutopie im Anschluss an den Bauernkrieg: „Durch diese Verleihung wird der Adel der Geburt und auch der Verstand, wie er jetzt ist, durch weise und fromme Männer aus dem gemeinen Volk ersetzt, die den Verstand regieren werden. Diese Männer wird man aus allen Ständen nehmen, wo man sie finden kann. Durch diese Verleihung werden die Dörfer und Städte von aller Beschwerung befreit. Auch wird es dadurch zu einem Hirten und einer Herde auf diesem Erdboden kommen. Und dieser Hirte wird aufrichtig beten: „’Ich glaube an den Heiligen Geist.’“

Im Frühjahr 1527 ließ der Leipziger Stadtrat zwei Studenten verhaften, weil sie Abschriften einer Flugschrift verkauft hatten. Es wurde ermittelt, … Mehr

Ernst Wolf, Zum Thema Todesstrafe (1960): „Die Christenheit wird, wenn der Staat die Todesstrafe als Mittel rechtmäßigen Straf­vollzugs übt, zwar nicht ’schwärmerisch‘ gegen ihn revoltieren unter gesetzlicher Berufung auf das 5. Gebot, aber sie wird ihm die Begründung der kriminalpolitischen Notwendigkeit aufbür­den und unablässig für den Verzicht auf die Todesstrafe, beziehungsweise für ihre Nicht­anwendung einzutreten haben. Sie wird auf keinen Fall die Todesstrafe religiös legitimieren und theologisch sanktionieren dürfen. Denn die Versöhnung der Gerechtigkeit durch den Akt metaphysischer Sühne ist der große Vorbehalt Gottes in Christus gegen seinen treulosen und doch geliebten Menschen für ihn. Und Gott allein ist der Herr über Leben und Tod.“

Zum Thema Todesstrafe Von Ernst Wolf Anläßlich der 108. Sitzung der Großen Straf­rechtskommission, die am 17. Oktober 1958 zur Beratung … Mehr

Romano Guardini, Wahrheit und Lüge (1945): „Wir müssen wissen, welches die schlimmste Zerstörung ist, die sich in den vergangenen Jahren ereignet hat. Nicht die der Häuser und Fabriken und Eisenbahnen, so groß die ist; die schlimms­te ist die innere, geistige – und darin vor allem die Zerstörung der Wahrheit: die Art, wie sie aufgefasst, wie mit ihr umgegangen und wie ihr Werkzeug, das Wort gebraucht wird. Wir wollen aus der Zerstörung heraus. Wir wollen wieder ein Leben aufbauen, das würdig und fruchtbar ist. Dazu müssen wir innerlich bei der Wahrheit anfangen.“

Wahrheit und Lüge (1945) Von Romano Guardini Romano Guardini (1885–1968), geboren in Verona und aufgewachsen in Mainz, wirkte seit 1923 … Mehr