Hans Küng, Wie heute Gott denken? Aus der theologischen Werkstatt: „»Transpersonalität« des Absoluten besagt jüdisch-christlich-islamischen Zeugnissen zufolge, dass Gott kein Neutrum ist, kein anonymes Es, sondern Geist in schöpferischer Freiheit: das Ineinanderfallen aller Gegensätze, die Uridentität von Gerechtigkeit und Liebe und so ein Gegenüber, das alle zwischenmenschliche Personalität umgreifend begründet. Das meint die Bibel: Ein echtes Gegenüber, das keine transzendente Krücke für den unsicheren Menschen ist, das den Menschen nicht ständig kontrolliert und gängelt, sondern das auf befreiende Weise menschenfreundlich, ja unbedingt verlässlich ist. Gott zugleich Ursprung, Halt und Ziel des Menschen.“

Wie heute Gott denken? Aus der theologischen Werkstatt Von Hans Küng Die Auseinandersetzung mit der Literatur macht dem Theo­logen erneut … Mehr

Hans Urs von Balthasar, Karl Barth zum 80. Geburtstag (1966): „Was Barth sagen wollte, und was er immer klarer und klassischer gesagt hat, ist, dass Gottes Wort in Jesus Christus der Herr des Menschen und der Welt ist, dass dieses Wort den alten Menschen zu Tode bringt, um mit seiner göttlichen Macht den neuen aus dem Grab erstehen zu lassen, dass des Menschen Heil ausschließlich – jenseits seiner selbst – in diesem heilenden Wort liegt, das der Mensch durch die Gnade des Glaubens ergreifen darf, dass das Wort Gottes, wie die Schrift und ihre Verkündigung es uns vorstellt, machtvoll genug ist, sich für den Menschen selber auszulegen und verständlich zu machen, es also den Maßstab seiner Wahrheit in sich selbst trägt und nicht darauf angewiesen ist, wenn es vom Menschen verstanden werden will, an den Maßstäben des Menschen gemessen zu werden. Indem das Wort Mensch wurde, hat es die Übersetzung des Göttlichen in weltliche Sprache selbst übernommen, es ist diese Übersetzung und als solche das zweischneidige Schwert, das den Menschen richtet und heilt.“

Karl Barth zum 80. Geburtstag Von Hans Urs von Balthasar Es muss für Karl Barth keine reine Freude sein, von … Mehr

Eberhard Jüngel, Theologische Existenz. Erinnerung an Karl Barth (1986): „Dass Gott »selbst nicht fertig, sondern in freiester lebendiger Bewegung« Gott ist, ermutigt den Theologen dazu, statt mit der ihm aufgetragenen und anvertrauten Rede von Gott je fertig werden zu wollen, immer wieder mit dem Anfang anzufangen. »Theologische Arbeit unterscheidet sich von anderer dadurch – sie könnte aber auch für alle geistige Arbeit darin exemplarisch sein – dass, wer sie tun will, nie mit freiem Rücken von schon erledigten Fragen, von schon erarbeiteten Resultaten, von schon gesicherten Ergebnissen herkommen, dass er heute keineswegs auf gestern schon von ihm gelegten Fundamenten weiterbauen, heute keineswegs von den Zinsen eines gestern angesammelten Kapitals leben kann, sondern darauf angewiesen ist, jeden Tag, ja zu jeder Stunde neu mit dem Anfang anzufangen … Fortfahren heißt in der theologischen Wissenschaft immer: noch einmal mit dem Anfang anfangen.«“

Theologische Existenz. Erinnerung an Karl Barth (1986) Von Eberhard Jüngel Nennt Ihr ihn groß? Er war es durch die Grenze. … Mehr

Eberhard Jüngel, Aus Freude an Gott. Warum ich Christ bin (1979): „Ich weiß nicht, was Sinn ist. Die Frage nach dem Sein von Sinn hat mir noch niemand beantworten können. Deshalb misstraue ich dem Verlangen nach Sinn. Wer Sinn will, will mehr als das, was da ist und da sein kann. Doch was ist eine Rose mehr als eine Rose? »Sie blühet, weil sie blühet.« Und die Liebe! Wer, wenn er liebte, würde ernsthaft noch nach dem Sinn von Liebe fragen? Wahrscheinlich stellt sich die Frage nach dem Sinn überhaupt nur dort, wo etwas fehlt. Das Verlangen nach Sinn zeigt an, dass das Leben verletzt ist. Und wie! Unverletztes Leben wäre sinnlos glücklich. Sinn hat für mich immer den fatalen Beigeschmack von Ver­tröstung mit ihren im Grunde trostlosen Anleihen bei einer Zukunft, die der Gegenwart nur eben dies voraus hat, dass sie noch nicht ist und eben deshalb viel verspricht, ohne falsifiziert werden zu können. Noch nicht. Aber dann? Trost ist besser als Sinn und Vertröstung. Trost bleibt der schmerzlichen Gegenwart treu.“

Aus Freude an Gott. Warum ich Christ bin Von Eberhard Jüngel 1. Frage auf FrageWarum ich Christ bin? Weil ich … Mehr

Nachruf auf Ingo Baldermannn (1929-2026) von Rolf Wischnath: „Er war ein Theologe der Bibel, kein exegetischer Insider mit Spezialwissen, sondern ein Lehrer, der nach der Seele von Kindern sah, dabei immer wieder den lehrreichen Charakter der Bibel für den Religionsunterricht aufspürte und ihren seelsorgerlichen Sinn für alle wahrnahm. Vor zehn Jahren im hohen Alter bezeichnete er die Heilige Schrift als ‚Buch meiner Sehnsucht‘, als ‚Wegbegleitung in dunklen und in hellen Tagen.‘ ‚Als ein Buch des Lernens‘ schrieb er, ‚hat mich die Bibel durch viele Jahre begleitet. Es war ein verheißungsvolles Lernen mit immer neuen Entdeckungen, vor allem mit Kindern. Nun aber ist es, als entdeckte ich erst jetzt, im Alter, wo wirklich ihr Herz schlägt.'“

INGO BALDERMANN IST TOT – UNSER LEHRER UND BRUDER Von Rolf Wischnath Ingo Baldermanns Theologiestudium begann im April 1945 mit … Mehr

Kornelis Heiko Miskotte, Zur biblischen Hermeneutik (1958): „Die ganze Prunkparade der Weltanschauungen und das Gebäude der Ideologien sind durch die Tat Gottes relativiert; der Appell der Liebe geht über alle, auch die christliche, Zuschauer­weisheit hinweg unmittelbar zum Herzen, auch zu dem der Widerstrebenden. Was man wohl einmal in Verblendung von der modernen Welt gesagt hat, daß sie Gott gegenüber nichts liefere als den «Tatbeweis der Indifferenz», kann kein Ernst sein und zu keinem Resultat führen.“

Zur biblischen Hermeneutik Von Kornelis Heiko Miskotte Vorbemerkung Die vier Vorträge über «Biblische Hermeneutik» wurden im Oktober und No­vember 1957 … Mehr

Walter Kreck über Karl Barth: „Tatsache ist, dass er mit seiner Art, Theologie zu treiben, die Frage nach ihrer strengen Sachgebundenheit und zugleich nach ihrer darin begründeten Freiheit im Gebrauch der Denkformen neu und unüberhörbar gestellt hat. Er wusste um das Bruchstückhafte und Vorläufige aller Theologie und hat wohl viele Schüler, aber nicht eigentlich eine methodisch streng festgelegte Schule hinterlassen. Er wollte diese Schüler nicht auf seine Ergebnisse fixieren, wohl aber ihnen bestimmte Denkanstöße und Griffe vermitteln, die allerdings schwerlich losgelöst von den Sachentscheidungen verstanden und nachvollzogen werden können.“

Karl Barth Von Walter Kreck I Karl Barth wurde am 10. Mai 1886 in Basel geboren und wuchs in Bern … Mehr

Hans Joachim Iwand, Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen. Antwort auf W. Hauers „Deutsche Gottschau“ (1935): „Es würde nicht schwer sein, die Übergänge aufzuweisen, die von der christlichen Theologie unseres und des vorigen Jahrhunderts zu Hauer weisen, und mancher ‚christliche Theologe‘ würde wohl erschrecken, wenn er auf diese seine illegitimen Kinder angesprochen würde. Die Erklärung für diese innere Verwandtschaft, die wohl auch Hauer nicht allzu gern zugeben würde, liegt darin, daß die Quellen der „deutschen Gottschau“ in die Geisteswelt des deutschen Idealismus zurückweisen, in dieselbe Welt, aus der die uns überkommene Theologie gelebt hat. Und das ist das Entscheidende und grundsätzlich Positive, daß durch Hauer in der breiten Öffentlichkeit diese immer wieder versuchte Synthese klipp und klar negiert wird, daß dieser Versuch, den christlichen Glauben aus dem Geist des deutschen Idealismus heraus neu zu beleben, damit am Ende seiner Kunst ist. Denn diese Synthese ist der Verrat am christlichen Glauben, nicht weil es ‚deutscher‘ Idealismus ist, sondern weil es deutscher ‚Idealismus‘ ist und der Glaube an Jesus Christus nichts mit der Idee der Gottheit zu tun hat, sondern mit dem Wort des lebendigen Gottes, nicht mit einem Bild, das sich der Mensch von Gott macht, sondern mit dem, der das Ebenbild Gottes ist.“

Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen. Antwort auf W. Hauers „Deutsche Gottschau“ (1935) [1] Von Hans Joachim Iwand I. … Mehr

Hendrikus Berkhof, Nachruf auf Kornelis Heiko Miskotte (1976): „Die Originalität, die Miskotte auch gegenüber Barth nicht verleugnen konnte, lebte er besonders in seiner Predigt aus. Wer seine Predigten mit denen Barths vergleicht, erkennt eine völlig andere Welt. Miskotte verkündete das Evangelium vor dem Hintergrund des modernen Lebensgefühls – mit einer Tiefe und Subtilität, die Barth fremd war (von ihm jedoch hoch geschätzt wurde). Ich glaube, dass Miskotte als Prediger und als Autor mehrerer Predigtbände mehr Einfluss ausgeübt hat als durch all seine anderen Werke. Wahrscheinlich wird er in der niederländischen Kirchengeschichte vor allem als der größte Prediger dieser Epoche in Erinnerung bleiben.“

IN MEMORIAM PROF. DR. KORNELIS HEIKO MISKOTTE23. September 1894 – 31. August 1976 Es scheint, dass der stetig wachsende Strom … Mehr