Kurt Ihlenfeld, Dichter der Kirche. Zu Jochen Kleppers Liedersammlung ,,Kyrie“: „Am Vortage des Todes noch einmal der Griff zum Psalter: ‚Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.‘ Seine eigenen Lieder hatten ihn verlassen. Nicht aber das Kyrie, das ‚Kyrie eleison‘ der Liturgie. Es war sein letzter Gedanke, sein letztes Wort, sein letztes Gebet: ‚Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.‘ In diesen zwei Sätzen bezeugte sich – im Augenblick tödlichen Verstummens – die volle Übereinstimmung des Dichters mit seinem Gedicht: er hat es nicht widerrufen.“

Dichter der Kirche. Zu Jochen Kleppers Liedersammlung ,,Kyrie“ Von Kurt Ihlenfeld „Daß ich ihn leidend lobe, das ist’s, was er … Mehr

Rudolf Bultmann, Formen menschlicher Gemeinschaft: „Für den christlichen Glauben steht es fest, dass der Mensch sein Selbst nur von Gott empfangen kann, und dass er es nur dann empfängt, wenn seine Entweltlichung, und das heißt zuletzt: seine Selbsthingabe, eine radikale ist. Es steht ihm fest, dass derjenige, der sein Leben – und das heißt: sein Selbst – erhalten will, es verlieren wird, und nur der, der es preisgibt, es erhalten wird. Aber es steht ihm ebenso fest, dass diese radikale Preisgabe des Selbst dem Menschen gar nicht eher möglich ist, ehe ihm die göttliche Liebe selber schenkend begegnet, ehe sie sich ihm offenbart. Denn nichts anderes ist die Offenbarung Gottes als die dem Menschen begegnende Liebe, die ihn, ihn von sich selbst erlösend, zu sich selbst befreit. Nichts anderes als das in Jesus Christus gesprochene Wort Gottes, das den Menschen anredet und ihn, indem es ihn gegenüber Gott zum Du macht, zum Selbst werden lässt.“

Formen menschlicher Gemeinschaft Von Rudolf Bultmann Das Interesse, das die folgende Besinnung leitet, ist nicht das soziologische, sondern das anthropologische, … Mehr

Linda Pastan, Die fünf Stufen der Trauer (The Five Stages of Grief): „Ich kämpfe mich weiter, / winke und rufe. / Unter mir breitet mein ganzes Leben / seine Brandung aus, / alle Landschaften, die ich je gekannt / oder erträumt habe. Unten / springt ein Fisch: der Puls / an deinem Hals. / Akzeptanz. Endlich / erreiche ich sie. / Doch etwas stimmt nicht. / Trauer ist eine Wendeltreppe. / Ich habe dich verloren.“

Die fünf Stufen der Trauer (The Five Stages of Grief) In der Nacht, als ich dich verlor,wies jemand mich hinauf … Mehr

Charles Baudelaire über die moderne Öffentlichkeit und die Fotografie (Le public moderne et la photographie, 1859): „Da die fotografische Industrie die Zuflucht aller verfehlten Maler war, die zu wenig begabt oder zu faul waren, um ihre Studien zu vollenden, trug diese allgemeine Verrücktheit nicht nur den Charakter der Blindheit und Dummheit, sondern hatte auch die Farbe einer Rache. Dass eine so dumme Verschwörung, bei der man, wie bei allen anderen, die Bösen und die Getäuschten findet, auf eine absolute Weise gelingen könne, glaube ich nicht, oder wenigstens will ich es nicht glauben; aber ich bin überzeugt, dass die missbräuchlichen Fortschritte der Fotografie sehr dazu beigetragen haben, wie übrigens alle rein materiellen Fortschritte, zur Verarmung des französischen Kunstgenies, das schon so selten ist.“

Die moderne Öffentlichkeit und die Fotografie (Le public moderne et la photographie, 1859) Von Charles Baudelaire Mein lieber Morel, wenn … Mehr

Das Märchen vom lieben Gott. Brief von Heinrich Vogeler an Kaiser Wilhelm II. vom 20. Januar 1918: „Da sahen sie plötzlich, wie der totgeglaubte Mann vom Potsdamer Platz mitten unter ihnen stand und stumm auf seine zehn Gebote wies. Aber niemand wollte die ärmliche Erscheinung kennen. Da gab er sich zu erkennen und war fast seines Triumphes froh, denn er glaubte ja an die Menschheit. Der Kaiser und die Feldherrn führten seinen Namen in ihren Telegrammen, die Krieger trugen ihn auf dem Bauche, die Feldprediger hatten die schwersten Verbrechen der Menschheit durch seinen Namen geheiligt.“

Märchen vom lieben Gott. Brief an Kaiser Wilhelm II. vom 20. Januar 1918 Von Heinrich Vogeler Ich beete dass diese … Mehr

Sibylle Lewitscharoff über Paul Gerhardts Lied ‚Geh aus, mein Herz‘: „Eine beseelte Glaubenserfahrung kommt hier zum Ausdruck, die die gesamte Schöpfung feiert, in der sich ein Wanderer leichten Schrittes in der Zuversicht auf Gottes Gnade und Hut nach Herzenslust ergehen kann. Wobei es hier nicht um den rein irdischen Genuss von schönem Wetter geht – die funkelnde Glanzwelt der Natur ist nur ein schwacher Abglanz der einst im Paradies auf den erlösten Menschen wartenden Schönheit. Im Paradies wird alles schön sein. Das Auge schaut Schönes, die Sprache ist anmutig und herzerhebend, in Gottes Kosmos waltet die Ethik, ohne dass tagein tagaus um deren Bestand gerungen werden müsste. Hierzulande manifestiert sich die holde himmlische Schönheit nur in Momenten, in welchen sie einen Abglanz auf unsere Erde wirft.“

Geh aus, mein Herz Gottvertrauen: Trotz des großen Leides, das der Dreißigjährige Krieg brachte, konnte Paul Gerhardt Lieder tiefsten Gottvertrauens … Mehr

Jörg-Ulrich Fechner über Paul Gerhardt: „Als Gestalt der deutschen protestantischen Kirchengeschichte ist Paulus Gerhardt nicht auf Grund von systematisch entwickelten Lehren des Glaubens und des Dogmas eingebürgert; vielmehr verdankt er diesen stellvertretenden Rang der ununterbrochenen Rezeption seiner volkstümlich gewordenen Kirchenlieddichtung, einer Rezeption zudem, die sich gelegentlich allerdings mit Erscheinungsformen katholischer Heiligenverehrung berührt. Diese geschichtliche Entfaltung der Rezeption in dokumentarischen Zügen einlässlich nachzuzeichnen, ist eine bis heute noch nicht eingelöste Aufgabe.“

Paulus Gerhardt Prismatische Brechungen seines historischen Bildes oder historische Marginalien zu einer Heiligsprechung im Protestantismus Von Jörg-Ulrich Fechner Gibt es … Mehr