Vaterunser des neunzehnten Jahrhunderts (1845) Von Ernst Ortlepp „Allen, die gezweifelt und gerungen,Sei das grause Lied gesungen!“ Vater! – Vater? … Mehr
Kategorie: Literatur und Gedichte
Karl Adolf Gross, Komm wieder, liebe Bibel (geschrieben 1943 im KZ Dachau): „Ach, sieh auf uns herunter, / Hilf, Gott, tu deine Wunder, / Zerreiss die Wolkenwand! / Ja, fahre selbst hernieder, / Zeig dich den deinen wieder, / Beweise deine starke Hand! // Du lenkst der Fürsten Herzen, / Lässt nimmer mit dir scherzen / Bei deinem hohen Fluch! / Entwinde ihren Fäusten, / Den gierigen und dreisten, / Den Raub, dein teures Bibelbuch! // So wollen wir dir danken / Mit Treue ohne Wanken / Im Dienst ohn‘ Ziel und Zeit. / O komm, du liebe Bibel / Der Gottesweisheit Fibel, / Du Strahl aus lichter Ewigkeit!“
Komm wieder, liebe Bibel Von Karl Adolf Gross Komm wieder, liebe BibelDer Gottesweisheit Fibel,Strahl aus der Ewigkeit!O kommt, ihr heil’gen … Mehr
Jan Twardowski, Wenn wir selbst Dich ersonnen hätten … : „Wenn wir Dich ersonnen hätten, / müsstest Du mit uns rechnen und Dich in acht nehmen, / dürftest nicht bange machen, wenn die Freude in Sünde umschlägt, / müsstest, wie’s Christkind, reihum unsere Wünsche erfüllen, / wärest nicht in Bethlehem geboren, sondern in einer Universitätsstadt, / und da wärest Du vollends ein unmöglicher Gott.“
Wenn wir selbst Dich ersonnen hätten … Wenn wir selbst Dich ersonnen hätten,wärst Du nachsichtiger und geschmeidiger,wärest ohne Bart und … Mehr
Jan Twardowski, Regen: „Regen, der du gefallen bist im Evangelium / sowohl auf Gute wie auf Böse / der du getrommelt hast aufs Haus am Fels – / du bist kein Thema für die Exegeten / weil Regen eben weiter nichts als Regen ist“
Regen Regen, der du gefallen bist im Evangeliumsowohl auf Gute wie auf Böseder du getrommelt hast aufs Haus am Fels … Mehr
Elisabeth Langgässer, Ostersonntag: „Purpur, dem Purpur / des Lammes enttaucht, / Duft, aus den Düften / der Salbung gehaucht, // Schall, mit dem Schalle / der Auffahrt vermischt. / Riesig geöffnet / verschlingen das Nicht“
Ostersonntag Von Elisabeth Langgässer Die Erde bebte und ward stille, als zum Gerichte Gott sich hob. [Offertorium] Mächtig erschüttertvon ehernem … Mehr
Christine Lavant, Ölbergstunde: „Und als das Blut von deiner Stirne rann, / geschah Verwandlung ihnen, die es tranken. / Dann sah dein Gott, erschüttert, sah dein Schwanken / und wie dein Menschentum sich jäh besann: / Lass diesen Kelch an mir vorübergehen! / Er sah die Schmerzen wie Verwaiste stehen / und rief den Engel, seinen allergrößten! / Er kam – gefolgt von allen Unerlösten!“
Ölbergstunde Da gingst du fremd und warst der Abgewandtevon den Geliebten, die am Rande schliefen,und von den Vögeln, die erschrocken … Mehr
Johann Christoph Adelung über den Mut (1798): „Das ganze Begehrungsvermögen des Menschen, die Seele in Ansehung ihres Begehrungsvermögens; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, für welche nunmehr Gemüt und Herz üblich sind.“
Das wäre eine umfassende begriffsgeschichtliche Studie wert, wie sich im Deutschen die Bedeutung des Wortes „Mut“ auf Kühnheit bzw. Unerschrockenheit … Mehr
Jan Twardowski, Nicht erhört: „Gebete – lang und nicht erhört / um Gesundheit des Kindes, um Treue und Frieden / dann, wenn die Jahre in vollem Strom entfliehen / und man sich keinen Augenblick zurückerbitten kann / sieht Gott mehr, wenn auch selbst unsichtbar / und der Abend ist immer schneller als der Morgen …“
Nicht erhört Gebete – lang und nicht erhörtnachts unterm Kreuz auf nacktem Bodenim Wartesaal des Hospitals, wo dem Herzen bangtdass … Mehr
Rudolf Landau, Abraham beweint Sara (nach einem Wasserfarbengemälde von Marc Chagall). (Ein) Monolog für Gott: „Aber du ahntest es. Hast du immer. Die Liebe ahnt Schlimmes. Du sahst meinen starren Blick an jenem Morgen, der dir auswich, meine harten Züge, als ich dir nur einen flüchtigen Abschiedskuss gab, da ahntest du: ein Kuss des Vaterverrates an unsrer Liebe und am Sohn unse-rer Liebe; es passiert etwas Fürchterliches. Abraham hat in der Nacht wieder mit seinem Gott geredet, immer nachts: warum meidet Er die Sonne, das Leben, immer nachts: da, wenn es um Gefahr und lauernden Tod geht … Und du hast Isaak in die Arme genommen, es war dem Jungen ganz peinlich vor den Knechten, hast ihn nicht mehr loslassen wollen, bis ich mit eisesbrüchiger Stimme befahl: los jetzt, wir gehen …“
Abraham beweint Sara (nach einem Wasserfarbengemälde von Marc Chagall). (Ein) Monolog für Gott Von Rudolf Landau Sara war hundert sieben … Mehr