Gustav Heinemann, Wider ein ,undogmatisches‘ Christentum (Brief an Wilhelm Röpke vom Heiligabend 1935): „Ich muss Dir sagen, dass ,undogmatisches‘ Christentum eine Selbsttäuschung ist. Entweder wird Christus geglaubt als der für uns Menschen gestorbene und auferstandene Sohn Gottes oder er wird es nicht. Entweder wird die Heilige Schrift angesehen als Bericht über die von Gott den Menschen gegebene Offenbarung seines Willens oder sie wird es nicht. Wer und wo immer an diesen Kernstücken etwas abstreift, um sich die Dinge ,undogmatischer‘ = mensch­licher, d. h. weniger ärgerlich und unverbindlicher zu machen, sollte sich nicht Christ nennen. Denn das ist nun einmal der grundlegende Unterschied zwischen Christentum und sonstigen Religionen, daß das Christ-sein eine völlige Unterwerfung unter etwas bedeutet, was wir nicht gemacht, gedacht oder erfunden haben, sondern was uns gegeben ist.“

Wider ein ,undogmatisches‘ Christentum (1935) Von Gustav Heinemann Als Wilhelm Röpke in einem Brief an seinen Studienfreund Gustav W. Heinemann … Mehr

Diether Koch über Gustav W. Heinemann: „Heinemanns Tätigkeit in der Bekennenden Kirche wuchs Mitte der 30er Jahre an Umfang. Als Mitglied des Bruderrats der Bekennenden Kirche der Rheinprovinz beriet er die Bekennende Kirche und einzelne Mitglieder in Rechtsfragen. 1937 übernahm er die Leitung des Christli­chen Vereins Junger Männer in Essen und bewahrte den Verein vor drohender Auflösung. Ein geheimer kirchlicher Nach­richtendienst wurde im Keller des Hauses Heinemann vervielfäl­tigt. Vom gehei­men Prozess gegen Martin Niemöller übermittelte Heinemann heimlich Nach­richten durch seinen Studienfreund Ernst Lemmer in die ausländische Presse und half damit der Weltöffentlichkeit zur Wachsamkeit. Seiner kirchlichen Tätigkeit räumte er neben seiner beruflichen gleichen Rang ein. Als ihm 1936 angeboten wurde, Vorstandsmitglied im Rhei­nisch-Westfälischen Kohlensyndikat zu wer­den, machte er zur Bedingung, seine kirchliche Tätigkeit weiterführen zu dürfen; daraufhin zog der Aufsichtsrat sein Angebot zurück.“

Gustav W. Heinemann Von Diether Koch I. Von vielen anderen Gestalten der deutschen Kirchengeschichte unterscheidet sich Gustav Heinemann in zweierlei … Mehr

„Es geht um die Erkenntnis, dass Christus nicht gegen Karl Marx gestorben ist, sondern für uns alle“ – Gustav Heinemanns Rede im Deutschen Bundestag vom 23. Januar 1958: „Es gibt ein Blatt ‚Evangelische Verantwortung‘, herausgegeben vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU. In der Nummer vor der Wahl, der Nummer vom August 1957, war eine Zuschrift zu lesen, wonach der Westen ja noch eine Waffe gegen das ‚Untier im Osten‘ habe und diese Waffe die aufhaltende Macht im Sinne des 2. Thessalonicherbrief es gegen den Antichristen sei. Ich bitte Sie herzlich, verehrte Freunde von der CDU und dem evangelischen Teil darin: sorgen Sie doch dafür, dass solche Klänge endlich verschwinden. Es geht nicht um Christentum gegen Marxismus. (Zurufe von der CDU/CSU: Sondern?) – Sondern? Es geht um die Erkenntnis, dass Christus nicht gegen Karl Marx gestorben ist, sondern für uns alle.“

Das gilt als eine der Sternstunden des Deutschen Bundestages, Gustav Heinemanns Rede am 23. Januar 1958, in der er sich … Mehr

Karl Barth in seinem Brief an Joachim Kahl in Sachen «Das Elend des Christentums» (1968): „Was ich vermisse, ist irgend etwas Lehrreiches, Hübsches, Einladendes und Hilfreiches über die «Humanität ohne Gott». Aber eben: Sie Glücklicher sind volle 55 Jahre jünger als ich, haben also noch weiten Raum vor sich, um diese m.E. bedenklichste Lücke Ihres Buches mit Hilfe der Philosophie, Soziologie und Politologie, der Sie sich nach Ihrem Ausgang aus der Theologie zugewendet haben, auszufüllen. Glückauf, tapferer Mann! Möge er sich auch als ein weiser Mann offenbaren!“

Brief an Joachim Kahl Von Karl Barth Nachdem Joachim Kahl 1967 an der Philipps-Universität Marburg mit der Arbeit Philosophie und … Mehr