Richard Coggins‘ Nachruf auf Ulrich Simon (1913–1997): „Was mir damals völlig unbekannt war, war, dass Simon Thomas Mann während seiner Kindheit in Berlin gekannt hatte: eine Kindheit, die in materieller Hinsicht nicht immer sehr wohlhabend war, aber sicherlich ein intellektuelles Fest, mit Leuten wie Mann und Dietrich Bonhoeffer als nahen Nachbarn. Simons Familie waren nicht praktizierende Juden, aber ob praktizierend oder nicht, ihr Leben war im Dritten Reich gefährdet, und nach einem Flirt mit den Kommunisten kam Simon 1933 nach Großbritannien. Sein Vater wurde später hingerichtet, und unter Ulrich Simons Büchern muss ‚A Theology of Auschwitz‘ (1967) das erschütterndste sein. Sein Bericht in seiner Autobiografie ‚Sitting in Judgement‘ (1978) über die Schwierigkeiten seiner Aufnahme in Großbritannien ist eine Erinnerung daran, dass sich die Haltungen gegenüber Flüchtlingen in den dazwischenliegenden Jahren nicht viel verändert haben.“

Nachruf auf Ulrich Simon (1913–1997) Von Richard Coggins Vor fast 40 Jahren wurde ein nervöser junger Kandidat für eine Dozentenstelle … Mehr

Johannes Reuchlin, Gutachten, ob man den Juden sämtliche Bücher beschlagnahmen, beseitigen und verbrennen solle (Judenschrift, 1510): „Aus all diesem ist deutlich zu entnehmen, dass der Talmud kein durchaus schlechter Baum ist, der gar keine gute Frucht bringen kann, weshalb er umgehauen und verbrannt werden müsste. Sondern er enthält viel Gutes, und Verständige können viel Gutes daraus entnehmen, wie wir oben vernommen haben – entsprechend dem, was St. Hieronymus an Laeta schreibt: »Der Weise kann aus Dreck Gold machen.« Wenn aber Unverständige daran Ärgernis nähmen, so wäre das ihre eigene Schuld und nicht die des Buches! Die Ziegen fressen bittere Kräuter und geben davon süße Milch, und aus ein- und derselben Blume saugen die Bienen den lieblichen Honig und die Spinnen das leidige Gift. Das ist nicht Schuld der Blüte oder Blume, sondern der Eigenart und Natur jener Tiere. Ebenso findet man von Natur aus böse Menschen, die gute Worte in einen bösen Sinn verkehren; und wiederum findet man gute Menschen, die ungeschickte Worte in einem guten Sinn verstehen. Und außerdem findet man manche einfältigen, schlichten Leute, die kein Verständnis für höhere Dinge haben; denn gerade wie die Schrift buchstäblich lautet, verstehen sie sie.“

Gutachten, ob man den Juden sämtliche Bücher beschlagnahmen, beseitigen und verbrennen solle (1510) Ratschlag, ob man den Juden alle ire … Mehr

Johann Baptist Metz, Kirche nach Auschwitz (1991): „Fehlt uns dieser jüdische Geist des Erinnerns nicht mitten in Europa? Ist bei uns nicht längst an die Stelle dieses anamnetischen Geistes eine evolutioni­stisch getönte Historie getreten, die die Vergangenheit des Vergangenen un­terstellt und das Vergangene zum ausschließlichen Gegenstand wissenschaftli­cher Betrachtung erhebt? Doch jede Vergegenständlichung ist immer auch eine Art des Vergessens – eines Vergessens, in dem nicht nur der Glaube, son­dern schließlich auch der Mensch verschwindet.“

Kirche nach Auschwitz Von Johann Baptist Metz „Opfern bietet man keinen Dialog an“, habe ich einmal im Blick auf den … Mehr

Breslauer christliches Wochenblatt ‚Evangelischer Ruf‘ auf der Titelseite seiner Ausgabe vom 14. Oktober 1933: „»Nichtarier werden gebeten, die Kirche sofort zu verlassen.« Da steigt Christus vom Kreuze des Altars herab und verlässt die Kirche.“

Christus expulsus Im Zusammenhang mit der geplanten Einführung eines Arierparagraphen in der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) veröffentlichte das Breslauer christliche … Mehr

Walter Windfuhr über die nationalsozialistische Machtergreifung in der evangelischen Kirche (1933): „In dem Augenblick, als die SA durch das Turmportal einzog, um die Kirche zu ‚erobern‘, floh Gott hinten aus der Sakristeitür. Nun hat er sich in die Synagoge zurückgezogen als in die einzige gottesdienstliche Stätte, wo das Hakenkreuz nicht regiert.“

Gott flieht aus der Kirche in die Synagoge (1933) Der deutschnationale Hamburger Pastor und Judaist Walter Windfuhr (1878-1970) schrieb im … Mehr

Martin Buber, Dom und Friedhof (1934): „Ich umwandle schauend den Dom mit einer vollkommenen Freude. Dann gehe ich zum jüdischen Friedhof hinüber. Der besteht aus schiefen, zerspellten, formlosen, richtungslosen Steinen. Ich stelle mich darein, blicke von diesem Friedhofgewirr zu der herrlichen Harmonie empor und mir ist, als sähe ich von Israel zur Kirche auf.“

Dom und Friedhof Von Martin Buber Ich lebe nicht fern von der Stadt Worms, an die mich auch eine Tradition … Mehr

Peter Noss über Hans Ehrenberg (1883-1958): „Erst spät wurde die Bedeutung Ehrenbergs für die philosophische und theologische Wissenschaft und Praxis in angemessener Weise wiederentdeckt. Insbesondere die in Person und Biographie vermittelte Spannung von Judentum und Christentum ist neben vielem anderen ein lohnender Anknüpfungspunkt zur Beschäftigung mit Ehrenberg.“

Hans Philipp Ehrenberg Von Peter Noss Am 4. Juni 1883 kommt Ehrenberg als Sohn von Gabriella Emilie Ehrenberg, geb. Fischel … Mehr

Jürgen Roloff, Kirche in der Bibel: „Zentrale Motive frühchristlichen Kirchenverständnisses erschließen sich anhand der Bilder, die das Neue Testament für die Kirche gebraucht: Dass sie ständig durch Christus bestimmt und geleitet wird, kommt im Bild von der Herde, deren Hirte Christus ist, zum Ausdruck; ähnliches besagt auch das Bild von der Kirche als »Braut« Christi; dass sie der Raum eines neuen Gottesverhältnisses und der Ort der Gegenwart Gottes ist, der den bisherigen Kultus ablöst, wird mit dem Bild des Tempels umschrieben. Hinweis auf ihre Kontinuität zum alttestamentlichen Israel ist die Bezeichnung »Volk (Gottes)«. Das theologisch gewichtigste Bild ist jedoch das vom »Leib Christi«.“

Kirche in der Bibel Von Jürgen Roloff 1. Bezeichnung Das deutsche Wort »Kirche « kommt vom spätgriechischen kyriake »dem Herrn … Mehr

Kornelis Heiko Miskottes Meditation über Psalm 68,29–30a zum Reformationstag 1940: „Unsere Kirche aber, besonders die in den Niederlanden, lebt im Gefühl und Geschick mit Israel verwandt. Unsere Kirche kann nicht herrschen. Sie wurzelt nicht im natürlichen Wesen menschlicher Religion. Unsere Kirche fängt die ersten Schläge des Gerichts auf, das über die Welt geht – wir sind wie „Benjamin, der Kleine“ (Vers 28) – wir sind nomadisch, verachtet, leben von dem, was wir nicht haben. Bettler sind wir – und bleiben es.“

Kirchenreform (Kerkhervorming, 1940) Von Kornelis Heiko Miskotte „Dein Gott hat dir Kraft geboten; stärke, o Gott, was du an uns … Mehr