Nachruf auf Ulrich Simon (1913–1997) Von Richard Coggins Vor fast 40 Jahren wurde ein nervöser junger Kandidat für eine Dozentenstelle … Mehr
Schlagwort: Kirche und Judentum
Johannes Reuchlin, Gutachten, ob man den Juden sämtliche Bücher beschlagnahmen, beseitigen und verbrennen solle (Judenschrift, 1510): „Aus all diesem ist deutlich zu entnehmen, dass der Talmud kein durchaus schlechter Baum ist, der gar keine gute Frucht bringen kann, weshalb er umgehauen und verbrannt werden müsste. Sondern er enthält viel Gutes, und Verständige können viel Gutes daraus entnehmen, wie wir oben vernommen haben – entsprechend dem, was St. Hieronymus an Laeta schreibt: »Der Weise kann aus Dreck Gold machen.« Wenn aber Unverständige daran Ärgernis nähmen, so wäre das ihre eigene Schuld und nicht die des Buches! Die Ziegen fressen bittere Kräuter und geben davon süße Milch, und aus ein- und derselben Blume saugen die Bienen den lieblichen Honig und die Spinnen das leidige Gift. Das ist nicht Schuld der Blüte oder Blume, sondern der Eigenart und Natur jener Tiere. Ebenso findet man von Natur aus böse Menschen, die gute Worte in einen bösen Sinn verkehren; und wiederum findet man gute Menschen, die ungeschickte Worte in einem guten Sinn verstehen. Und außerdem findet man manche einfältigen, schlichten Leute, die kein Verständnis für höhere Dinge haben; denn gerade wie die Schrift buchstäblich lautet, verstehen sie sie.“
Gutachten, ob man den Juden sämtliche Bücher beschlagnahmen, beseitigen und verbrennen solle (1510) Ratschlag, ob man den Juden alle ire … Mehr
Johann Baptist Metz, Kirche nach Auschwitz (1991): „Fehlt uns dieser jüdische Geist des Erinnerns nicht mitten in Europa? Ist bei uns nicht längst an die Stelle dieses anamnetischen Geistes eine evolutionistisch getönte Historie getreten, die die Vergangenheit des Vergangenen unterstellt und das Vergangene zum ausschließlichen Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung erhebt? Doch jede Vergegenständlichung ist immer auch eine Art des Vergessens – eines Vergessens, in dem nicht nur der Glaube, sondern schließlich auch der Mensch verschwindet.“
Kirche nach Auschwitz Von Johann Baptist Metz „Opfern bietet man keinen Dialog an“, habe ich einmal im Blick auf den … Mehr
Breslauer christliches Wochenblatt ‚Evangelischer Ruf‘ auf der Titelseite seiner Ausgabe vom 14. Oktober 1933: „»Nichtarier werden gebeten, die Kirche sofort zu verlassen.« Da steigt Christus vom Kreuze des Altars herab und verlässt die Kirche.“
Christus expulsus Im Zusammenhang mit der geplanten Einführung eines Arierparagraphen in der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) veröffentlichte das Breslauer christliche … Mehr
Walter Windfuhr über die nationalsozialistische Machtergreifung in der evangelischen Kirche (1933): „In dem Augenblick, als die SA durch das Turmportal einzog, um die Kirche zu ‚erobern‘, floh Gott hinten aus der Sakristeitür. Nun hat er sich in die Synagoge zurückgezogen als in die einzige gottesdienstliche Stätte, wo das Hakenkreuz nicht regiert.“
Gott flieht aus der Kirche in die Synagoge (1933) Der deutschnationale Hamburger Pastor und Judaist Walter Windfuhr (1878-1970) schrieb im … Mehr
Martin Buber, Dom und Friedhof (1934): „Ich umwandle schauend den Dom mit einer vollkommenen Freude. Dann gehe ich zum jüdischen Friedhof hinüber. Der besteht aus schiefen, zerspellten, formlosen, richtungslosen Steinen. Ich stelle mich darein, blicke von diesem Friedhofgewirr zu der herrlichen Harmonie empor und mir ist, als sähe ich von Israel zur Kirche auf.“
Dom und Friedhof Von Martin Buber Ich lebe nicht fern von der Stadt Worms, an die mich auch eine Tradition … Mehr
Peter Noss über Hans Ehrenberg (1883-1958): „Erst spät wurde die Bedeutung Ehrenbergs für die philosophische und theologische Wissenschaft und Praxis in angemessener Weise wiederentdeckt. Insbesondere die in Person und Biographie vermittelte Spannung von Judentum und Christentum ist neben vielem anderen ein lohnender Anknüpfungspunkt zur Beschäftigung mit Ehrenberg.“
Hans Philipp Ehrenberg Von Peter Noss Am 4. Juni 1883 kommt Ehrenberg als Sohn von Gabriella Emilie Ehrenberg, geb. Fischel … Mehr
Jürgen Roloff, Kirche in der Bibel: „Zentrale Motive frühchristlichen Kirchenverständnisses erschließen sich anhand der Bilder, die das Neue Testament für die Kirche gebraucht: Dass sie ständig durch Christus bestimmt und geleitet wird, kommt im Bild von der Herde, deren Hirte Christus ist, zum Ausdruck; ähnliches besagt auch das Bild von der Kirche als »Braut« Christi; dass sie der Raum eines neuen Gottesverhältnisses und der Ort der Gegenwart Gottes ist, der den bisherigen Kultus ablöst, wird mit dem Bild des Tempels umschrieben. Hinweis auf ihre Kontinuität zum alttestamentlichen Israel ist die Bezeichnung »Volk (Gottes)«. Das theologisch gewichtigste Bild ist jedoch das vom »Leib Christi«.“
Kirche in der Bibel Von Jürgen Roloff 1. Bezeichnung Das deutsche Wort »Kirche « kommt vom spätgriechischen kyriake »dem Herrn … Mehr
Kornelis Heiko Miskottes Meditation über Psalm 68,29–30a zum Reformationstag 1940: „Unsere Kirche aber, besonders die in den Niederlanden, lebt im Gefühl und Geschick mit Israel verwandt. Unsere Kirche kann nicht herrschen. Sie wurzelt nicht im natürlichen Wesen menschlicher Religion. Unsere Kirche fängt die ersten Schläge des Gerichts auf, das über die Welt geht – wir sind wie „Benjamin, der Kleine“ (Vers 28) – wir sind nomadisch, verachtet, leben von dem, was wir nicht haben. Bettler sind wir – und bleiben es.“
Kirchenreform (Kerkhervorming, 1940) Von Kornelis Heiko Miskotte „Dein Gott hat dir Kraft geboten; stärke, o Gott, was du an uns … Mehr