Zachäus-Predigt über Lukas 19,1-10: „Eines aber ist passiert, als Jesus Zachäus im Baum ruft. Zachäus hält sich nicht in den Ästen des Baumes versteckt. Er zeigt sich, als er den Ruf hört und gibt sich damit die Blöße seines Lebens. Vor dem Gottessohn und vor den Mitmenschen steht er nackt da. Nichts schützt ihn. Aber Jesus wendet sich dem Ungeschützten und Bloßgestellten zu: ‚Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.‘ Für all die anständigen Menschen, die sich nichts zuschulden kommen lassen haben, mag der Ruf Jesu eine Provokation sein, eine Missachtung ihrer Anständigkeit. Aber vielleicht sind sie es, die ihre eigene Lebensblöße sich nicht eingestehen können.“

Predigt über Lukas 19,1-10 Das hat ein Bild abgegeben – Zachäus im Maulbeerfeigenbaum. Wer klettert schon im Erwachsenenalter noch auf … Mehr

Paul Ricoeur und der Streit um das historische Gedächtnis in Wiblingen: „An einem ausgesuchten Ort der Klosterbibliothek erhebt sich eine prächtige barocke Skulptur. Es ist die Doppelfigur der Geschichte. Vorne der geflügelte Gott Chronos. Er ist ein alter Mann mit gegürteter Stirn; die linke Hand greift ein großes Buch, von dem die rechte versucht, ein Blatt abzureißen. Dahinter und darüber die Geschichte selbst. Der Blick ist ernst und prüfend; ein Fuß stößt ein Füllhorn um, aus dem ein Regen aus Gold und Silber strömt, ein Zeichen der Instabilität; Die linke Hand stoppt die Geste des Gottes, während die rechte die Instrumente der Geschichte zeigt: das Buch, das Tintenfass, den Griffel. Kloster Wiblingen, Ulm.“

Paul Ricoeur und der Streit um das historische Gedächtnis in Wiblingen Auf der französischen Originalausgabe seines Buches „La mémoire, l’histoire, … Mehr

Girolamo Savonarolas Barmherzigkeitsgebet: „Habe Erbarmen mit mir, Herr, nicht mit jener kleinen Barmherzigkeit der Menschen, sondern mit deiner großen unbegreiflichen, die in ihrer Unendlichkeit größer ist denn alle Schuld. Neige dich zu mir, Herr, mit jenem großen Erbarmen, mit dem du die Welt so sehr geliebt, dass du deinen eingeborenen Sohn für uns dahingabst.“

Dem italienischen Dominikaner und Bußprediger Girolamo Savonarola (1452-1498) wird folgendes Barmherzigkeitsgebet zugeschrieben: Habe Erbarmen mit mir, Herr Habe Erbarmen mit … Mehr

Die Gottesfrage im Zeitalter der KI und die Freiheit der Kinder Gottes: „Was Theologen und Philosophen vormals einer Gottesidee zugedacht haben, nämlich Allwissenheit, Allmacht, Allgegenwart und Allgüte, scheint zukünftig als Künstliche Intelligenz Wirklichkeit zu werden. An die Stelle göttlicher Mitwirkung am menschlichen Handlungsgeschehen tritt die berechnende Mitwirkung des Computers: Die Algorithmen der computergestützten und internetverbundenen Künstlichen Intelligenz scheinen besser als wir selbst zu wissen, was für uns wirklich gut ist.“

Anlässlich des siebzigjährigen Bestehens der Wochenzeitschrift CHRIST IN DER GEGENWART hat deren Chefredakteur Johannes Röser im Herder-Verlag ein Buch mit … Mehr

Dietrich Bonhoeffer, Nach zehn Jahren. Rechenschaft an der Wende zum Jahr 1943: „Wir sind stumme Zeugen böser Taten gewesen, wir sind mit vielen Wassern gewaschen, wir haben die Künste der Verstellung und der mehrdeutigen Rede gelernt, wir sind durch Erfahrung misstrauisch gegen die Menschen geworden und mussten ihnen die Wahrheit und das freie Wort oft schuldig bleiben, wir sind durch unerträgliche Konflikte mürbe oder vielleicht sogar zynisch geworden – sind wir noch brauchbar? Nicht Genies, nicht Zyniker, nicht Menschenverächter, nicht raffinierte Taktiker, sondern schlichte, einfache, gerade Menschen werden wir brauchen. Wird unsere innere Widerstandskraft gegen das uns Aufgezwungene stark genug und unsere Aufrichtigkeit gegen uns selbst schonungslos genug geblieben sein, dass wir den Weg zur Schlichtheit und Geradheit wiederfinden?“

Lesenswert gerade in der heutigen Zeit ist, was Dietrich Bonhoeffer in seinem persönlichen Rückblick „Nach zehn Jahren. Rechenschaft an der … Mehr