Gedenkworte für Rudolf Bultmann (20. 8. 1884 – 30. 7. 1976) Von Hans-Georg Gadamer Als der Orden im Jahre 1969 … Mehr
Schlagwort: Hans-Georg Gadamer
Hans-Georg Gadamer über Friedrich-Christoph Oetingers Schrift Inquisitio in sensum communem et rationem: „Nun versichert der Theologe, dass bei diesem Beginnen die Bibel wesentlich sei: Die gesunden Worte der Heiligen Schrift helfen uns, unseren Worten Zügel anzulegen. Doch ist es ein unabgeschlossener Kampf, denn bis heute schwächen uns fremde, von den Philosophen oder von den plebeji erfundene Ausdrücke — und daher fehlen uns oft die Worte, um das anzuzeigen, was wir fühlen. Oetinger beruft sich hier auf das Vorbild von Sokrates und vor allem von Melanchthon — sie beide verstehen ihre Dialektik als das beharrliche Verfolgen der göttlichen Spuren — und empfiehlt Bengel, der helfen kann, zu der alten gravitas zurückzufinden — in allem ist es der sensus communis, der, göttlichen Ursprungs, die Menschen das gewahren läßt, was ihnen am meisten verwandt ist. So behält der sensus auch bei allem Denken und bei aller Beurteilung von Gedanken die entscheidende Führung — er ist ein durch die Heilige Schrift erleuchteter Sinn.“
Einleitung in Friedrich-Christoph Oetingers Schrift Inquisitio in sensum communem et rationem (1964) Von Hans-Georg Gadamer Innerhalb der Geschichte des Pietismus … Mehr
Hans-Georg Gadamer, Wer bin ich und wer bist Du? Zu einem Gedicht von Paul Celan: „Wer ist dieses Du? Es klingt fast, als wisse da einer, wieviel er dem Ich aufladen kann, wieviel das hoffende Herz des Menschen erträgt, ohne daß es die Hoffnung sinken läßt. Ein unbestimmtes Du, das vielleicht in dem Du des Nächsten, vielleicht in dem Du des Fernsten seine Konkretion findet, oder gar in dem Du, das ich mir selbst bin, wenn ich meiner eigenen Zuversichtlichkeit die Grenzen des Wirklichen fühlbar mache. In jedem Fall ist das Zusammenspiel von Ich und Du, das den Fang verheißt, das, was in diesen Versen eigentlich präsent ist und dem Ich seine Wirklichkeit verleiht.“
Wer bin ich und wer bist Du? Zu einem Gedicht von Paul Celan Von Hans-Georg Gadamer In den späteren Gedichtbänden … Mehr
Hans-Georg Gadamer über das Verstehen: „Eine noch ungelöste Aufgabe wäre eine Geschichte des Verstehens, die nicht eine Geschichte der Hermeneutik wäre. Sie hätte etwa zu fragen: Wann wird einer Aussage gegenüber die fremde Meinung als solche zum Gegenstand der Bemühung (statt der Frage ihrer Richtigkeit)? Wann wird die naive Angleichung aller Überlieferung an das eigene Weltverständnis soweit brüchig, dass das geschichtlich Andere zur Aufgabe des Verstehens wird? Am Ende dieser Geschichte müsste wohl die Frage stehen, wie weit die Bereitschaft des Verstehens getrieben werden darf, ohne die normativen Maßstäbe der Moral zu zersetzen, und wieweit das christliche Existenzverständnis, das christliche Liebesgebot und seine Grundlage, das eigene Sündenbewusstsein, die Gefahr bannen, die im Alles-Verstehen liegt.“
Verstehen Von Hans-Georg Gadamer Das alte Wort »Verstehen« erfährt seine Prägung zum Begriff – nach einer Vorphase, in der die … Mehr
Hans-Georg Gadamer über die Hermeneutik (1974): „Die Überlieferung, in der wir leben, ist nicht eine sogenannte kulturelle Überlieferung, die aus Texten und Denkmälern allein bestünde und einen sprachlich verfaßten oder geschichtlich dokumentierten Sinn vermittelte. Vielmehr wird uns die kommunikativ erfahrene Welt selbst als eine offene Totalität beständig übergeben, «traditur», und hermeneutische Anstrengung gelingt überall da, wo Welt erfahren, Unvertrautheit aufgehoben wird, wo Einleuchten, Einsehen, Aneignung erfolgt, und am Ende auch dort, wo die Integration aller Erkenntnis der Wissenschaft in das persönliche Wissen des Einzelnen gelingt.“
Hermeneutik Von Hans-Georg Gadamer Hermeneutik ist die Kunst des ἑρμηνεύειν, d.h. des Verkündens, Dolmetschern, Erklärens und Auslegens. ‹Hermes› hieß der … Mehr
Hans-Georg Gadamer (1996): „Unter Hermeneutik verstehe ich die Fähigkeit, einem anderen zuzuhören in der Meinung, er könne Recht haben.“
Altersweise Worte von Hans-Georg Gadamer (1900-2002) im Rundfunkinterview „Die Welt als Spiegelkabinett. Zum 350. Geburtstag von Leibniz am 1. Juli … Mehr
Hans-Georg Gadamer, Das Spiel der Kunst (1975): „Spiel und Ernst, die Lebensbewegung aus Überschuß und Überschwang und die gespannte Kraft unserer Lebensenergie, sind in Wahrheit zutiefst ineinander verwoben.“
Das Spiel der Kunst (1975) Von Hans-Georg Gadamer Das elementare Phänomen des Spiels und des Spielens durchherrscht die gesamte Tierwelt. … Mehr
Hans-Georg Gadamer über Karl Löwith: „Karl Löwith war ein Mann von unverwechselbarer Eigenart. Es war eine tiefe Seinstraurigkeit um ihn ausgegossen — zugleich wahrte er die würdigste Gefasstheit gegenüber dem Fremden, Befremdenden des Daseins, das uns auferlegt ist. Ein unfasslicher Gleichmut schien ihn zu beseelen.“
Karl Löwith Von Hans-Georg Gadamer Karl Löwith war ein Mann von unverwechselbarer Eigenart. Es war eine tiefe Seinstraurigkeit um ihn … Mehr
Hans-Georg Gadamer, Selbstdarstellung (1975): „Der hermeneutische Versuch, Sprache vom Dialog aus zu denken bedeutete letzten Endes die Überholbarkeit jeder Fixierung durch den Fortgang des Gesprächs. So wird die terminologische Fixierung, die im konstruktiven Bereich der modernen Wissenschaft und ihrer Verfügbarmachung des Wissens für jedermann ganz angemessen ist, im Felde der Bewegung des philosophischen Gedankens eigentümlich verdächtig.“
Selbstdarstellung Von Hans-Georg Gadamer Als ich im Jahre 1918 mit dem Reifezeugnis das Gymnasium zum Heiligen Geist in Breslau verließ … Mehr