Joseph Wittigs Erzählung „Der Fremde am Palmsonntag“: „Ein Bündel Sonnen­strahlen breitete sich über das schöne Greisenantlitz, das in diesem Licht zu lächeln schien. Da ich von dem Gerede der Leu­te wußte, war ich wie erlöst von diesem Lächeln und sagte unwillkürlich zu ihm: „Gelt, da freuen Sie sich auch!“ — „Ja“, antwortete er. „Freue dich, Tochter Zion! Siehe dein König kommt zu dir! — Vor jeder großen Leidenszeit schickt der Herrgott eine solche große Freude. Wer so lange gelebt hat wie ich, der muß das Leben kennen!“

Der Fremde am Palmsonntag Von Joseph Wittig Ein jedes Licht, ehe es verlischt, flammt noch einmal hell auf. So tat’s … Mehr

Irene Eber über das Passahfest 1942 in Sosnowiec (Ich bin allein und bang): „Dieses sederlose, doch rituell begangene Passahfest, als wir noch zusammen waren — Vaters letztes Passah auf dieser Erde, als er geduldig unsere Nahrung vor den Ratten beschützte, als Mutter wegen des verdorbenen Borschtsch weinte—, ist mir in zu schmerzlicher Erinnerung, als dass eine wirklich fröhliche Feier seitdem möglich gewe­sen wäre. Was uns zu dem machte, was wir waren — Juden mit einer gemeinsamen Tradition, einer Vergangenheit, die dem alten Mann genauso gehörte wie uns —, war im Begriff zu verschwinden, zur Erinnerung zu werden.“

Über das Passahfest 1942 in Sosnowiec Von Irene Eber Irene Eber, israelische Sinologin deutscher Herkunft (geboren 1929 in Halle/Saale, verstorben … Mehr