Christian Gerber, Vom Kirchenschlaf (Unerkannte Sünden der Welt, 1690): „Hingegen ist es gewisslich eine sehr schwere Sünde, wenn junge oder sonst frische und gesunde Leute, die Gottes Wort besonders nötig haben und oft im Christentum sehr schlecht unterrichtet sind, dennoch aus schändlicher Faulheit und Gewohnheit während des Gottesdienstes schlafen und schnarchen – vom Anfang bis zum Ende. Dann gehen sie aus der Kirche, ohne irgendeine Besserung ihres Christentums, und geben sich damit zufrieden, dass sie ’nur‘ in der Kirche gewesen sind. Dabei haben sie weder mit andächtigem Gesang ihre Herzen zu Gott erhoben, noch das gepredigte Wort mit Andacht gehört, sondern die Zeit mit süßem Schlaf zugebracht. Das ist wahrlich eine sehr große Sünde: aus dem Hause Gottes, in dem man beten und lernen soll, ein Schlafhaus zu machen.“

Vom Kirchenschlaf (Unerkannte Sünden der Welt, 1690) Von Christian Gerber § 1 Es ist vor aller Welt offenbar, dass auch … Mehr

Joseph Wittig, Die Erlösten (1922): „Der Katholik treibt sich sein Leben lang – solang damals schon unser Leben war – in den Grenz­gebieten des Reiches Gottes herum und fühlt sich stets von Strafen für Grenzüberschreitungen bedroht. Er hat gar keine Zeit, etwas nach der Mitte des Gottesreiches zu wandern, wo es eigentlich erst schön zu werden beginnt. Er muss fortwährend an der Grenze Grenzverlet­zungsprozesse mit seiner Seele, mit seinem Beichtvater, mit seinem Herrgott durchfechten. Er lernt die Geographie des Gottesreiches auswendig, nämlich die Dogmatik; er studiert das Jus des Gottesreiches, nämlich die Moral. Er weiß genau, wieviel Gramm Brot er essen darf, ohne das Fastengebot zu verletzen. Er schließt ziemlich viel Verträge ab mit seinem Gott: Gegen die und die Leistung erwartet er, freilich in aller Demut und mit dem Zugeständnis jedes Man­gels eines Rechtsanspruches, ganz bestimmte Leistungen von seiten Gottes.“

Nachdem Joseph Wittig 1922 mit seinem Hochland-Essay „Die Erlösten“ die katholische Sündenlehre bzw. Beichtpraxis heftig kritisiert hatte, wurden im Juni … Mehr