Helmut Gollwitzer, Brief an „nichtarische“ Gemeindeglieder angesichts der bevorstehenden Deportationen (1941): „Werdet Ihr unsere Worte noch aufnehmen und annehmen können? Viele werden so eingeschlossen sein in den Bannkreis ihrer Angst, dass kein Wort sie mehr zu erreichen scheint. Und wie soll Euch nicht die Bitterkeit übermannen, wenn die zu Euch spre­chen, die ja zurückbleiben im Genuss all der Güter, deren Ihr nun be­raubt seid? Und werden Euch fromme Worte nicht als leere Worte erschei­nen, da Ihr doch Euch selbst ein Beispiel gänzlicher Gottverlassenheit scheinen mögt? ‚Sie sind allzumal verstrickt in Höhlen und versteckt in Kerkern; sie sind zum Raube geworden, und ist kein Erretten da.‘ Aber ließen wir Euch schweigend ziehen, so wäre es noch schlim­mer und eine Verleugnung der Kraft des Heiligen Geistes, der auch über große Trennungen hinweg und in bösesten Stunden ein in seinem Namen gesprochenes Wort vernehmbar ma­chen kann.“

Brief an „nichtarische“ Gemeindeglieder angesichts der bevorstehenden Deportationen (1941) Von Helmut Gollwitzer Im Jahr 1941 lebten noch etwa 66.000 jüdischstämmige … Mehr

Immanuel Kant über Hiob (Über das Misslingen aller philosophischer Versuche in der Theodizee, 1791): „Der Schluss ist dieser: dass, indem Hiob gesteht, nicht etwa frevelhaft, denn er ist sich seiner Redlichkeit bewusst, sondern nur unweislich über Dinge abgesprochen zu haben, die ihm zu hoch sind, und die er nicht versteht, Gott das Verdammungsurteil wider seine Freunde fällt, weil sie nicht so gut (der Gewissenhaftigkeit nach) von Gott geredet hätten als sein Knecht Hiob. Betrachtet man nun die Theorie, die jede von beiden Seiten behauptete: so möchte die seiner Freunde eher den Anschein mehrerer spekulativen Vernunft und frommer Demut bei sich führen; und Hiob würde wahrscheinlicherweise vor einem jeden Gerichte dogmatischer Theologen, vor einer Synode, einer Inquisition, einer ehrwürdigen Classis, oder einem jeden Oberkonsistorium unserer Zeit (ein einziges ausgenommen), ein schlimmes Schicksal erfahren haben.“

Über Hiob (Über das Misslingen aller philosophischer Versuche in der Theodizee, 1791) Von Immanuel Kant Hiob wird als ein Mann … Mehr

Philipp Melanchthon, Warum die christliche Kirche unter das Kreuz gelegt sei? (Examen ordinandorum, 1552): „Unser Elend kommt nicht ohne Gottes Rat, wie die blinde Vernunft der Heiden dichtet. Und es ist Gottes ernstlicher Wille, dass wir ihm in der Strafe oder Übung gehorsam sind – nicht wider ihn zürnen, sondern unsere Herzen dazu neigen, dass sie diese Last mit göttlicher Hilfe tragen wollen. Also spricht Petrus: ‚Ihr sollt euch demütigen unter die gewaltige Hand Gottes‘ – verstehe: die gewaltig strafen kann und wiederum gewaltig alle retten kann, die bekehrt werden und ihn anrufen – wie in Davids Strafe und Rettung zu sehen ist. Und solche Beispiele soll man anschauen.“

Warum die christliche Kirche unter das Kreuz gelegt sei? (Examen ordinandorum, 1552) Von Philipp Melanchthon Dieser Schein macht die Vernunft … Mehr

Fulbert Steffensky, Das Glück, das Unglück und die Gottesliebe: „Gnade als ein Ausdruck, eine Figur der Liebe, des Verhältnisses zwischen Mensch und Gott — wenn wir das wieder ernst nähmen! Als Geliebte haben wir unsere Authentizität nicht in uns selber. Wir sind exzentrische Wesen, die ihr Zentrum in dem haben, der uns liebt; wir sind nicht, die wir sind, allein — wir sind die, als die wir angesehen werden. Das ist sehr leicht gesagt, aber ich glaube, dies ist der schwerste Glaubenssatz.“

Das Glück, das Unglück und die Gottesliebe Von Fulbert Steffensky Religion erklärt nichts. Religion ist nicht Welterklärung; sie erklärt nicht, … Mehr

Jürgen Moltmann über Theodizee (1983): „Wie kann man nach Auschwitz noch von ‚Gott‘ reden? Wie überhaupt noch vom Menschen? Drei Punkte wurden in der christlichen Diskussion um eine Theologie nach Auschwitz wichtig: (a) Die Frage nach der Rechtfertigung Gottes kann nicht beantwortet werden, aber sie darf auch niemals aufgegeben werden. Die Frage nach Gott lebt fort in einem unstillbaren Hunger nach Gerechtigkeit. (b) Es kann keine Theologie nach Auschwitz geben, die nicht auch die Theologie in Ausch­witz aufnimmt: die Gebete der Opfer. Gott selbst war in ihren Gebeten gegenwärtig; als ihr Leidensgefährte hält er Hoffnung aus, wo keine Hoffnung mehr möglich ist. (c) Die Frage der Theodizee bleibt offen – bis zur neuen Schöpfung, in der Gottes Gerechtigkeit wohnt und die Antwort gibt.“

Theodizee Von Jürgen Moltmann 1. Der Begriff (vom Griechischen für „Rechtfertigung Gottes“) geht zurück auf G. W. F. von Leibniz: … Mehr

Theophil Wurm, Brief an die durch Fliegerangriffe schwer betroffenen Gemeinden in Rheinland und Westfalen (1943): „Wir sind durch die Heilige Schrift Alten und Neuen Testamentes gelehrt, dass alles von Gott kommt und dass kein Haar von unserm Haupte fällt ohne den Willen unseres himmlischen Vaters. Auch wenn Menschen uns Leid zufügen und Tod und Verderben über uns bringen, tun sie es nicht, ohne dass der heilige Gott sie gewähren lässt. Für den, der den Vater Jesu Christi nicht kennt aus der Heiligen Schrift und aus den Führungen seines Lebens, ist dies ein schrecklicher Satz; er wird ihm zur Ursache heftigster Anklagen gegen Gottes Weltregiment. Ein solcher mag fragen: War es nicht eine verdorbene Einbildungskraft, die ein solches Ungeheuer erfand und Gott hieß?“

Brief an die durch Fliegerangriffe schwer betroffenen Gemeinden in Rheinland und Westfalen Von Theophil Wurm Stuttgart, 20. Juni 1943 Liebe … Mehr

Theophil Wurm über die Theodizee (1941): „Alle diese Erfahrungen, die das Übel als mit der Heiligkeit und Güte Gottes nicht unverein­bar, ja sogar das Böse als in seinen Heilsplan ein­gestellt betrachten lassen, sind nur dem Glau­ben möglich, d. h. der Fähigkeit, auch gegen den Augenschein an den in Christus offenbaren Gott zu glauben. Je stärker dieser Glaube an Gott noch mit eudämonistischen und egozentrischen Gedanken und Trieben durchsetzt ist, desto schwerer wird es auch dem Christen, zu der soteriologischen und eschatologischen Theodicee durchzudringen.“

Theodicee Von Theophil Wurm Theodicee bedeutet Rechtfertigung Gottes gegenüber den Anklagen, die gegen die von ihm ge­schaffene Welt und seine … Mehr

Philipp Melanchthon, Von Leiden und vom Kreuz sowie von wahren Tröstungen (Loci praecipui theologici): „Da nun die Leiden der Kirche viele zu Zweifeln bringen – ob Gott sich um irgendeinen Teil der Menschheit kümmert, ob es überhaupt eine Kirche Gottes gibt, ob die, die die prophetische und apostolische Lehre annehmen, wirklich Gottes Volk sind, ob Gott diese Gemeinde in ihrer Not erhört –, da also solche traurigen Anblicke viele vom Glauben abbringen und zu epikureischen Irrtümern führen, muss die Kirche gegen solche Anfechtungen gewappnet sein. Sie muss gelehrt werden, warum sie so großem Leid unterworfen ist und dass sie dennoch gehört, gestärkt, erhalten und schließlich erlöst wird. Das ist die besondere Weisheit der Kirche. Deshalb müssen zuerst die Beweggründe und Endursachen erkannt, gelernt und oft durchdacht werden.“

Von Leiden und vom Kreuz sowie von wahren Tröstungen (De calamitatibus et de cruce et de veris consolationibus – Loci … Mehr