Heino Falcke, Kirche im Sozialismus (1993): „Vom Realismus des Glaubens aus ist der Satz: »Man mußte doch mit der Stasi Kontakt haben«, oder gar: »zusammenarbeiten« nicht möglich. Mit diesem Satz, der eine unausweichliche Notwendigkeit bezeichnet, war man bereits dem Wirklichkeitsverständnis erlegen, das der totalitäre Staat suggerieren wollte. Der Geheimdienst, der die Totalität dieser Herrschaft perfektionieren sollte, erzeugte eben zu diesem Zweck das Bewusstsein: Ohne mich könnt ihr nichts tun und erreichen, ihr müßt mit mir zusammenarbeiten! Nur als Grenzfall, im Einsatz für andere, nicht als Normalität oder Beugung unter eine allgemeine Notwendigkeit, waren Arbeitskontakte mit der Stasi verantwortbar.“

Kirche im Sozialismus Von Heino Falcke Meine Ausführungen erheben nicht den Anspruch zeitge­schichtlicher Wissenschaftlichkeit. Sie verstehen sich viel­mehr als der … Mehr

Viktor Klemperer, Die Sprache bringt es an den Tag (LTI. Notizbuch eines Philologen): „Was jemand willentlich verbergen will, sei es nur vor andern, sei es vor sich selber, auch was er unbewusst in sich trägt: die Sprache bringt es an den Tag. Das ist wohl auch der Sinn der Sentenz: le style c’est l’homme; die Aussagen eines Menschen mögen verlogen sein – im Stil seiner Sprache liegt sein Wesen hüllenlos offen.“

Die Sprache bringt es an den Tag Von Viktor Klemperer Das Dritte Reich spricht mit einer schrecklichen Einheitlichkeit aus all … Mehr

Hans Graf von Lehndorff, Begeistert von „so viel Land“. Nach dreißig Jahren mit den Kindern eine Fahrt in die ostpreußische Heimat (1977): „In Langgut, dem nächsten Ort, hielten wir an der Kirche und stiegen aus. Dort trafen wir ein paar ältere Frauen, die sich auf dem Friedhof zu schaffen machten. Sie erkann­ten mich und waren dabei gewesen, als ich vor dreißig Jahren am Totensonntag in dieser Kirche einen Gottesdienst hielt. Wir ließen uns von ihnen erzählen. Es sind noch ziemlich viele Deutsche da, hauptsächlich Frauen. Die Stimmung ist ausgesprochen gedrückt. Von der Zukunft erwarten sie nicht viel Gutes.“

Begeistert von „so viel Land“. Nach dreißig Jahren mit den Kindern eine Fahrt in die ostpreußische Heimat (1977) Von Hans … Mehr

Religiöse Energetik nach der Reformation: „Die reformatorische Rechtfertigungslehre setzt dem eine andere Ordnung entgegen: Das Heil gründet allein im Glauben an Jesus Christus; Gebet und Heilungserwartungen richten sich ausschließlich an den dreieinigen Gott. Damit verändert sich nicht nur die theologische Lehre, sondern auch die Stellung des Menschen innerhalb seiner Religion. Seine religiöse Handlungsfreiheit wird in gewisser Weise eingeschränkt. Er kann nicht mehr durch eine Vielzahl von Praktiken auf sein eigenes Heil oder das Heil anderer einwirken.“

Religiöse Energetik nach der Reformation Das ist für mich eine große Frage: Was geschah eigentlich mit der religiösen Energetik der … Mehr

Johann Christoph Blumhardt, Vom Beten: „Es gibt Wünsche, bei denen wir ein eigentliches Wunder erbitten wollen, zu dem wir weniger Berechtigung haben, weil der uns gegebene Heilige Geist nicht mehr derselbe ist wie vormals, und namentlich die Wunderkräfte nicht mehr in sich schließt. Sonst gibt es wirklich viel anderes, da wir einfach nur bitten dürfen, nach dem Wort: »Bittet, so wird euch gegeben«, namentlich wenn es das Brot und die Bedingungen des Lebens, so auch die Gesundheit, angeht; wie oft erhört da der Herr! Wenn aber zum Bitten auch noch ein Suchen, oder gar ein Anklopfen kommen sollte, da wird es begreiflicher, wie viel Ernst das auf Seiten des Beters, der ihn selten hat, erfordert. Aber in allem kann auch die Anweisung wichtig und erfolgreich werden, sich an die Fürbitte anderer zu halten, da es ist, als wenn Gott den Beter nicht immer direkt, sondern nur indirekt erhören wollte, ihm zu zeigen, daß derselbe für seine Person auf nichts pochen könne.“

Vom Beten Von Johann Christoph Blumhardt Das Gebet Phil 4,6. In allen Dingen lasset eure Bitte im Gebet und Flehen … Mehr

Martin Luther/Philipp Melanchthon, Aufzeichnung über das Abendmahl (beim Marburger Religionsgespräch, 3. Oktober 1529?): „Dagegen halten wir, dass Christi Leib nicht müsse allein lokaliter, räumlich, nach Breite und Länge an einem Ort sein, sondern halten, dass der Leib Christi auch auf andere Weise zugleich an mehreren Orten sein möge, und halten, dass Leib und Blut Christi wahrhaftig und substanziell gegenwärtig seien an jenen anderen Orten und Leibern, wo er sich verpflichtet hat zu sein, nämlich mit Brot und Wein im Sakrament. Und es ist nicht wahr, dass der Leib Christi nicht anderswo sein könne denn lokaliter, räumlich, nach Breite und Länge.“

Martin Luther/Philipp Melanchthon, Aufzeichnung über das Abendmahl (beim Marburger Religionsgespräch, 3. Oktober 1529?) Des Gegenteils Fundament und gründliche Meinung ist … Mehr

[Hans Hergot,] Von der neuen Wandlung eines Christlichen Lebens (1526/27) – Sozialutopie im Anschluss an den Bauernkrieg: „Durch diese Verleihung wird der Adel der Geburt und auch der Verstand, wie er jetzt ist, durch weise und fromme Männer aus dem gemeinen Volk ersetzt, die den Verstand regieren werden. Diese Männer wird man aus allen Ständen nehmen, wo man sie finden kann. Durch diese Verleihung werden die Dörfer und Städte von aller Beschwerung befreit. Auch wird es dadurch zu einem Hirten und einer Herde auf diesem Erdboden kommen. Und dieser Hirte wird aufrichtig beten: „’Ich glaube an den Heiligen Geist.’“

Im Frühjahr 1527 ließ der Leipziger Stadtrat zwei Studenten verhaften, weil sie Abschriften einer Flugschrift verkauft hatten. Es wurde ermittelt, … Mehr

Johann Peter Hebel über die Juden (1809): „Ich könnte hier noch einiges anreihen, wenn es mein Interesse wäre, die blöden Seiten aufzudecken, womit sich dieses Volk zu seinem Ahnherrn bekennt, der den Bruder um Erstgeburt und Erbteil zu beschleichen und den Schwiegervater in Mesopotamia zum armen Manne auszuschälen weiß und nach seiner Heimkunft die unheilbare Feigheit des schlechten Gewissens auf ewige Zeiten dokumentiert. Achtung für eine anderweitige Heiligkeit dieses Volkes decke darüber den Mantel der Schonung. Lieber will ich sein Sachwalter sein und jetzt eine schöne und beneidenswerte Seite desselben ausheben. Der Jude weicht dem Ackerbau und jedem Beruf, der anhaltend und mühsam beschäftigt, aus und nährt sich, sei es auch kümmerlich, von allerlei Handel, treibt Gaukelei, legt Rattengift oder kultiviert irgendeinen Nebenzweig einer nützlichen Kunst im kleinen, z. B. die Operation der Hühneraugen. Man sagt daher, sie seien Tagediebe, und das ist einseitig und ungerecht. Man sollte sagen: Sie sind Morgenländer.“

Die Juden. Sendschreiben an den Sekretär der Theologischen Gesellschaft zu Lörrach (die wenig bekannt ist), 1809 Von Johann Peter Hebel … Mehr

Martin Luthers thymotische Anmerkung zu Silvester Mazzolini von Prierios Epitoma responsionis ad Martinum Lutherum (1520): „Mir scheint jedoch, wenn der Wahnsinn der Römer so weitergeht, gibt es kein anderes Mittel mehr, als dass der Kaiser, die Könige und Fürsten, bewaffnet und mit Gewalt, diese Übel der Welt angreifen und die Sache nicht länger mit Worten, sondern mit dem Schwert entscheiden. Was plappern denn die verlorenen Menschen, auch die ohne jeglichen Verstand, als ob sie uns wie Holzstöcke hätten? Wenn wir Diebe mit der Forke, Räuber mit dem Schwert, Häretiker mit Feuer bestrafen, warum sollten wir dann nicht vielmehr diese Meister des Verderbens, diese Kardinäle, diese Päpste und die ganze verderbliche Römer-Sodom-Menge, die die Kirche Gottes ohne Ende verderbt, mit allen Waffen angreifen und unsere Hände im Blut dieser Leute waschen, als ob wir uns und unsere Mitmenschen von einem gemeinsamen und gefährlichsten Feuer befreien wollten?“

An den Leser. Anmerkung zu Silvester Mazzolini von Prierios Epitoma responsionis ad Martinum Lutherum Von Martin Luther Martin Luthers publizistische … Mehr