Anklageverfügung beim Zentralgericht des Heeres gegen Pfarrer Karl Steinbauer vom 4. September 1944: „Dadurch wird beim Zuhörer der Zweifel geweckt, ob das stolze, gläubige Vertrauen des Deutschen in ‚unseren Hitler‘ berechtigt ist, da auch die Christen unter den Engländern und Russen mit demselben Stolz auf ihre Führer blicken. Zugleich frohlocken alle gemeinsam: ‚Uns ist ein Kind geboren‘, sodass beim Zuhörer Bedenken entstehen, ob der Kampf dieser drei Völker gegeneinander – zumindest der Christen unter ihnen – einen Sinn hat. Dadurch wird die Widerstandskraft des Einzelnen im jetzigen schweren Kampf des deutschen Volkes um seine völkische und politische Existenz geschwächt.“

Abschrift der Anklageverfügung beim Zentralgericht des Heeres gegen Pfarrer Karl Steinbauer vom 4. September 1944 Dass Pfarrer Karl Steinbauer vom … Mehr

Wilhelm Röpke, Soziologie des Totalitarismus (1947): „Da der moderne Totalitarismus keinerlei Rechtsanspruch besitzt, muss er seine ganze Regierungskunst darauf verwenden, irgendeinen Ersatz für diesen Rechtsanspruch und für die fehlende Macht über Herzen und Gemüter der Regierten zu finden. Daher die Notwendigkeit, die Meinung zu uniformieren und dem Volke den Willen des Staates aufzuzwingen. Daher der nervöse Eifer zu gefallen, das unaufhörliche Verlangen nach sensationellem Erfolge und das ängstliche Schielen nach den Massen, um festzustellen, ob sie auch einverstanden sind. Die Vertreter eines solchen Systems entbehren eben der inneren Gelassenheit, die die selbstverständliche Apanage einer legitimen Regierung ist, und sind darum doppelt empfänglich für Beifall und überempfindlich gegen Kritik. Sie leiden an Minderwertigkeitskomplexen, die sie unter bombastischem Auftreten zu verstecken suchen. Ein typisches Charakteristikum all dieser Gewaltsysteme ist ferner die Schwäche, den illegitimen, ephemeren Charakter ihrer Macht durch pompöse Monumente zu verdecken, die mit ihrer in eine grandiose Zukunft weisenden Architektur über die gähnende Leere in der Gegenwart hinwegtäuschen sollen. Daraus erklärt sich auch die Angst dieser Regime vor der Ruhe des alltäglichen Gleichmaßes; die Unsicherheit ihrer Struktur duldet keine Ruhe, sie müssen dauernd mit neuen ‚Coups‘, neuen Stimulantien aufwarten, um zu verhindern, dass die absichtlich in einen Dauerzustand der Erregung versetzte Bevölkerung sich abkühlt und die Dinge mit den nüchternen Augen der Vernunft ansieht.“

Soziologie des Totalitarismus (1947) Von Wilhelm Röpke Ich fürchte, viele werden mir Ungerechtigkeit vorwerfen, wenn ich behaupte, daß Bismarcks Genie … Mehr

Martin Luther, Predigt über das Testament Christi (Sermo de testamento Christi, 1520): „Wenn ein Erblasser seinem Erben sagen würde: ‚Warum verlangst du das Erbe, das du nicht verdient hast?‘, würde der Erbe nicht antworten: ‚Was macht das schon? Selbst wenn ich es nicht verdient habe, steht es mir dennoch zu – allein weil dieser gute Mann es mir aus seiner Freigebigkeit vermacht hat?‘ Würde man ihm das Erbe verweigern? So müssen auch wir unser Erbe antreten – nicht weil wir es verdient haben, sondern weil Christus es uns aus reiner Güte hinterlassen hat, selbst denen, die es nicht verdient haben. Diese Wohltat und diese Großzügigkeit Christi zurückzuweisen, ist nicht erlaubt. Wer die ihm freigiebig gewährte Gabe nicht annimmt, handelt ungerecht gegenüber Christus.“

Predigt über das Testament Christi (Sermo de testamento Christi, 1520) Von Martin Luther D. Martinus verbrachte dieses Osterfest fast vollständig … Mehr

Denkschrift der Vorläufigen Kirchenleitung der Deutschen Evangelischen Kirche (Bekennende Kirche) an Adolf Hitler vom 28. Mai 1936: „Wir haben in Offenheit die große Sorge weiter evangelischer Kreise zu begründen versucht, dass maßgebende Kräfte im heutigen Staate eine Unterdrückung der evangelischen Kirche, eine Zersetzung ihres Glaubens eine Beseitigung der evangelischen Sittlichkeit, kurz, eine Entchristlichung im weitesten Umfange betreiben. Schon jetzt übt der Zwang auf die Gewissen, die Verfolgung evangelischer Überzeugung, das gegenseitige Sich-Bespitzeln und Aushorchen unheilvollen Einfluss aus. Auch eine große Sache muss, wo sie sich gegen den offenbarten Willen Gottes stellt, am Ende das Volk ins Verderben führen. Gottes Kirche wird bestehen, auch wenn unter dem Versuch, das deutsche Volk zu entchristlichen, Millionen evangelischer Christen ihr Heil verlieren müssten.“

Denkschrift der Vorläufigen Kirchenleitung der DEK (BK) an Adolf Hitler vom Mai 1936 28. Mai 1936 An den Führer und … Mehr

Martin Luthers üble Vorrede zu Julius Menius, Der Wiedertäufer Lehre (1530): „Erstlich ist das ein gewisses Zeichen des Teufels, dass sie durch die Häuser so schleichen und laufen im Lande und nicht öffentlich auftreten, wie die Apostel getan haben und täglich alle ordentlichen Prediger tun. Sondern sie sind eitle Meuchelprediger, kommen auch in fremde Häuser und Orte, dahin sie niemand berufen noch von jemand gesandt sind, können auch solches Schleichen und Laufen keinen Grund noch Wahrzeichen bringen.“

Vorrede zu Julius Menius, Der Wiedertäufer Lehre (1530) Von Martin Luther Unser Herr Jesus Christus hat in Matthäus 18[, 7] … Mehr

Georg Mylius, Parentatio Lutheri. Eine christliche Predigt vom Herrn Martino Luthero (1592, Auszug): „Hus erduldete seine Marter geduldig und schloss sein Leben im seligen Glauben ab. Was er jedoch prophezeit hatte, erfüllte sich zur festgesetzten Zeit mächtig. Denn 101 Jahre nach Hus‘ Verbrennung, als das Jahr 1516 nach Christi Geburt erreicht wurde, begann der edle und reine Schwan, Dr. Luther selig, seinen schönen Schwanengesang und führte das Werk weiter, das Hus hundert Jahre zuvor begonnen hatte.“

Parentatio Lutheri. Eine christliche Predigt vom Herrn Martino Luthero (1592, Auszug) Von Georg Mylius Es bezeugen glaubwürdige Historien, ihr meine … Mehr

Mandat des kaiserlichen Reichsregiments gegen die Wiedertäufer vom 4. Januar 1528: „In unserer Funktion als römischer Kaiser sind wir gezwungen, euch an eure Pflicht als Obrigkeiten und Amtsträger zu erinnern und befehlen euch hiermit nachdrücklich in kaiserlicher Vollmacht, eure Untertanen, Verwandten und Angehörigen durch Gebot und Predigten von christlichen und gelehrten Predigern ernsthaft vor dieser verbotenen, irreführenden und gefährlichen Sekte der Wiedertäufer zu warnen. Sie sollen auch auf die Strafen des Gesetzes und die schweren Strafen Gottes hingewiesen werden, die sie erwarten, wenn sie sich nicht von diesem Irrglauben abwenden. Gegen jene, die sich in diesem Irrglauben schuldig machen, soll mit den vorgesehenen Strafen verfahren werden, wie es euch eure Pflicht als Amtsträger vorschreibt.“

Mandat des kaiserlichen Reichsregiments gegen die Wiedertäufer vom 4. Januar 1528 Wir, Karl der Fünfte, von Gottes Gnaden erwählter römischer … Mehr

Wiedertäufermandat des Reichstags von Speyer 1529: „Wir ordnen an, dass alle Wiedertäufer, sowohl Männer als auch Frauen, im verständigen Alter mit dem Tode bestraft werden sollen – durch Feuer, Schwert oder eine andere angemessene Strafe, abhängig von den Umständen der jeweiligen Person. Dies soll geschehen, ohne dass zuvor eine Untersuchung durch kirchliche Gerichte stattfindet. Die Hauptprediger, Anführer und Aufrührer dieser Sekte, sowie diejenigen, die zum zweiten Mal abfallen, sollen ebenfalls ohne Gnade bestraft werden.“

Kaiserliches Wiedertäufermandat des Reichstags von Speyer 1529 Wir, Karl der Fünfte, von Gottes Gnaden erwählter römischer Kaiser, entbieten allen und … Mehr

Johannes Rehm, Gedenken an Karl Steinbauer (1906–1988). Der Widerstand eines bayerischen Pfarrers gegen den Nationalsozialismus: „Steinbauer erinnert daran, dass der Landesbischof einmal gesagt habe ‚den richtigen Weg wissen wir auch, aber der ist nicht gangbar‘ –. Herr Landesbischof, solches Reden ist mir absolut unbegreiflich und tut mir geradezu körperlich weh, weil es an meine Existenz greift. Wenn ich in concreto und in actu geradezu absehen muss vom Auferstandenen und Theologie unverbindliches, theoretisches, spiritualistisches Spekulieren und Philosophieren wird, dann fahre ich lieber wieder Mist wie mein Großvater und baue Korn und Kartoffeln an, denn ich weiß mir nichts Unproduktiveres und geradezu Widerlicheres als Spekulieren. […] Es geht mir um den Glaubensgehorsam gegen den erhöhten Herrn und um Seine Ehre, der wahrhaftig! auferstanden ist und lebt und regiert und von uns nicht pensioniert und nicht zu einem dogmatischen Numinosum gemacht werden will in unseren praktischen Entscheidungen.“

Gedenken an Karl Steinbauer. Widerstand gegen den Nationalsozialismus in der evangelischen Kirche am Beispiel des Pfarrers Karl Steinbauer (1906–1988) Von … Mehr