Gerhard von Rad, Predigt über Matthäus 20,1-15 (Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg): „Hier wird aus einer tiefen Solidarität heraus geurteilt. Dieses Offen­lassen des Letzten, diese verborgene Brüderlichkeit, die ist unter dem Schatten eines rein moralischen Gesetzes, eines nur menschli­chen Urteilens unmöglich, die gibt es nur da, wo man etwas von der anderen Wertung, von den Maßstäben des himmlischen Hausvaters weiß. Der wird am Ende allein recht behalten. Und er spricht auch! zu jedem von uns: »Mein Freund, ich tue dir nicht unrecht.« Amen.“

Im Kontext des Alten Testaments hatte Gerhad von Rad 1955 über Jesu Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg wie folgt … Mehr

„Ich bin, was ich für mich selbst zu wählen weiß“ – Über den Homo optativus in der internetösen Multioptionsgesellschaft und über die Unfreiheit des Wählens: „Die menschliche Freiheit zeigt sich nicht im eigenen Auswählen-Können, sondern im anfänglichen Handeln-Können. Inchoativ und eben nicht ‚häretisch‘ ereignet sich die Freiheit im unvorhergesehenen Handeln. In Sinne Hannah Arendts ließe sich Freiheit wie folgt politisch definieren: Freiheit heißt für uns Menschen miteinander etwas anfangen können, was andere Menschen für uns nicht vorgesehen haben, so dass sich daraus jenseits vorübergehender Erlebnisse ein dauerhaftes Gemeinwesen ergibt.“

„Ich bin, was ich für mich selbst zu wählen weiß“ – Über den Homo optativus in der internetösen Multioptionsgesellschaft und … Mehr

Aufräumen nach Marie Kondo und der Lobpreis der göttlichen Gabe: „So sollte an Stelle einer dinglichen Glücksfrage die Frage nach der göttlichen Gabe gestellt werden: Lässt mich dieser Gegenstand in meinen Händen Gott loben und ihm danken? ‚Gepriesen bist du, Herr unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns …‘ Was ich nicht lobpreisend zu Gott in Beziehung setzen kann, wird meinem Leben auf Dauer nicht guttun. So lässt uns das Gebet eine gute Ordnung in unseren Wohnungen finden, wo manches gehen darf und anderes uns gar nicht erst ins Haus kommen muss.“

Aufräumen nach Marie Kondo und der Lobpreis der göttlichen Gabe In unseren Häusern und Wohnungen haben wir ein Problem mit … Mehr

Martin Luthers Tischrede: „Warum Einsamkeit zu fliehen sei“ (1534): „Dagegen bewirkt Einsamkeit Schwermut und Traurigkeit. Da fällt dann allerlei Böses zum Schaden von Leib und Seele ein; da bewegt und betrachtet auch der Mensch allein das, was böse ist, mit großem Fleiß. Und wenn ihn etwa ein Unglück drückt und ängstigt, dann bildet es sich ihm so schwer und gefährlich ein, dass er selbst denkt, es gäbe keinen unseligeren Menschen als ihn; es sei auch niemand, dem seine Situation sich verschlechtere und einen so bösen Ausgang nehmen werde, wie er eben es vorzusehen und sich vorzustellen weiß.“

Bedenken D. Martin Luthers Warum Einsamkeit zu fliehen sei In Georg Rörers Sammlung von Martin Luthers Tischreden findet eine kurze … Mehr

Reinhold Schneider, Über den Selbstmord (1947): „Ist es aber gewiss, so ist das Leben ein Gut über allen Gütern, für das es keine Entschädigung gibt. Dann wäre das elendeste Leben noch kostbar – und wenn es nur einen Blick in die Sonne erlaubt, das Empfinden des Herzschlages, das letzte, von Wehmut verdunkelte Nachleuchten einer Erinnerung – wenn es nichts wäre als die Verzögerung des Sterbens, die Frist vor dem Nichts. Wer leidet, der lebt – und das Leben ist ein Abgrund an Schmerz, aber auch ein Abgrund an Hoffnungen.“

Reinhold Schneider Plädoyee gegen die Selbsttötung zeigt zugleich sein beeindruckendes Einfühlungsvermögen in deren Motive. Kein Wunder, hatte sich der 19jährige … Mehr

Reinhold Schneider, Die Kranken besuchen (1957): „Die Krankheit verbannt heute ins Krankenhaus, wo ja auch Geburt und Tod geschehen. Über seine Unentbehrlichkeit, seine Hilfsbereitschaft braucht kein Wort mehr gesagt zu werden. Als aber der Kranke von der Familie, inmitten ihres Lebens, respektiert wurde, in ihr seinen Raum hatte, war er gleichsam immer besucht. Heute wird er auf eine bestimmte Weise abge­fertigt; das Krankenhaus ist Autorität, die Familie hat keine Stimme mehr. Aufs höchste sind die Menschen zu bewundern und zu verehren, die in harter Selbstüberwindung in den Kran­kenhäusern behandeln, dienen und pflegen. Aber als Bote des Arztes der Welt, als der War­tende am Teiche in Jerusalem hat der Kranke hier nicht mehr viel zu sagen, wäh­rend er in der Familie so viel zu sagen hatte.“

Die Kranken besuchen (1957) Von Reinhold Schneider Die Kranken besuchen, das heißt: eine echte Beziehung zur Krankheit finden. Das ist … Mehr