Pilatus »Was ist Wahrheit?« (Joh 18,38) Von Reinhold Schneider Das Wort des Pilatus ist durch die Welt gegangen wie das … Mehr
Kategorie: Ethik des Evangeliums
Reinhold Schneiders Karfreitag von 1948: „Wenn keine Wahrheit ist, so ist der Mensch ihr auch nicht mehr verpflichtet: er braucht nicht wahrhaftig zu sein. Andere Verpflichtungen, Forderungen, Triebe treten an die Stelle der Wahrheit.“
Karfreitag Glaube ist die feste Zuversicht auf das, was wir erhoffen, die Überzeugung von dem, was wir nicht sehen. (Hebr … Mehr
Reinhold Schneiders „Aufbruch zum Kreuze“ von 1947: In der Erkenntnis unserer Schuld allein werden wir uns selber finden, und vor dem Kreuz allein können wir einig werden.
Ähnlich wie die evangelischen Landeskirchen taten sich die römisch-katholischen Bischöfe in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg schwer, von eigener Schuld … Mehr
Eduard Thurneysen, Erwägungen zur Seelsorge am Menschen von heute (1969): „Ich bekenne, dass ich Angst habe vor jedem seelsorgerlichen Gespräch, weil ich nicht weiß, ob ich dem Menschen, der jetzt bei mir eintritt, in rechter Weise begegnen kann. Ich denke, dass gerade diese Angst das Zeichen rechter Seelsorge ist. Denn Angst treibt zum Rufe nach Gott. Man bittet ihn in ganz bestimmten Augenblicken dringend und einfältig darum, dass er uns erleuchten und kräftigen wolle, damit wir andern durch ihn zum Helfer werden können. Wir sollen Widerstand leisten in der Seelsorge gegen alle Fluchtgedanken und alle Verzweiflung, aber auch Ergebung, und zwar Ergebung nicht in den Lauf der Welt und ihre Schicksale, sondern in den Willen Gottes, der geschieht auf Erden wie im Himmel. Das Gebet ist die Tat solchen Widerstandes und solcher Ergebung, und dieses Gebet wird erhört, auch wenn für menschliche Augen alles im Dunkel bleiben sollte. Denn das letzte Wort Gottes ist immer Sieg und Auferstehung.“
Erwägungen zur Seelsorge am Menschen von heute Von Eduard Thurneysen Von was reden wir, wenn wir von Seelsorge sprechen? Es … Mehr
Günther Bornkamm, Nachwort zu Jean Paul, Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei (1947): „In dieser letzten, an die Grenze der Lästerung rührenden Fassung ist sie zur Rede des toten Christus geworden, da dem Atheismus auch das Wort des Bürgen der göttlichen Wahrheit sich in sein Gegenteil verkehrt – bewegend und aufrührend freilich doch darin, dass er als der menschlichste Mensch zum Munde der klagenden Menschheit wird. So muss er, der für den Glauben der Geringsten eintrat und ihre Engel allezeit vor Gottes Angesicht stehen sah, sie in das Nichts hinabsinken lassen. Nun ist die Ewigkeit zur unendlichen Leere geworden, die Welt zum Chaos. das Leben zum flatternden Schatten, das Dasein zur unermeßlichen Einsamkeit: ‚Wie ist jeder so allein in der weiten Leichengruft des Alls!‘ – ‚Ist das neben mir noch ein Mensch? Du Armer! Euer kleines Leben ist der Seufzer der Natur oder nur sein Echo.‘ Und die Kirche auf Erden, die Stätte, da die Welt ihren Grund finden sollte, ist zur Stätte geworden, da sie diesen Grund verliert und ins Bodenlose stürzt.“
Nachwort zu Jean Paul, Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei Von Günther Bornkamm Nach dem … Mehr
Hans Joachim Iwands Predigt über Römer 12,17-21 vom Januar 1945: „Ihr werdet eine wunderbare Solidarität gerade dem Feinde gegenüber erweisen, seine Not, sein Hunger, sein Durst, seine Verlassenheit, alles das werden Stationen sein, um ihm zu zeigen, dass er nicht euer Feind ist. Freut euch nicht darüber, wenn das Unglück sie trifft, zeigt nicht mit Fingern auf sie und sagt nicht, nun hat sie Gott gerichtet, sondern, wissend, dass dies Gerichte Gottes sind, tretet mitten hinein, so wie Christus mitten zu euch getreten ist! Jawohl, es ist wahr, es kommt das Gericht Gottes über die Menschen, aber durch euch soll die Barmherzigkeit zu ihnen kommen. Mögen dann auch solche Barmherzigkeiten auf ihrem Haupt brennen wie glühende Kohlen, mögen sie auch es euch nicht danken, es kommt ja darauf an, dass sie die Barmherzigkeit Gottes spüren, es kommt darauf an, dass der Glaube an den Sieg des Guten auch sie in die Entscheidung treibt.“
Am 21. Januar 1945 hielt Hans Joachim Iwand im zerbombten Dortmund seine Predigt über Römer 12,17-21: Predigt über Römer 12,17-21 … Mehr
Zur Ethik des Ansehens unter der Gottesperspektive: „Erhebt solchermaßen ein Höherrangiger das Angesicht des Niederrangigen, begegnen sie sich auf Augenhöhe. Der Höherrangige selbst wird damit beobachtbar. Sein eigenes Ansehen hängt fortan davon ab, was ihm die Angesichtserhobenen zuerkennen werden. In der Öffentlichkeit seines Ansehens lässt sich das eigene Handeln nicht länger verbergen.“
Zur Ethik des Ansehens unter der Gottesperspektive In der theologischen Ethik wird „Ansehen“ nicht eigens als Terminus bedacht. Dabei kommt … Mehr
Ernst Fuchs, Neues Testament und Wort Gottes (1972): „Gott in seiner Gnade ist die Alternative zum Selbst des Menschen. Gott ist Gott in der Wahrheit des Evangeliums, Gott ist Gott im Bezug zum sich selbst sowohl negativ als auch positiv entzogenen Menschen. Gott in seinem Wort, in Christus, das ist nun der Friede in allem Streit der Existenz (Phil 3,7). Eben dieser Friede war und ist paulinisch gesehen die Übersetzung der Christologie in die Anthropologie, die neue Zwischenbestimmung menschlicher Existenz.“
Wie hatte Ingolf Dalferth über Ernst Fuchs geschrieben: „Fuchs’ Texte muss man schwäbisch lesen, sonst erschließen sie sich kaum. […] … Mehr
Upton Sinclair über das Töten von Schweinen im Schlachthaus (Der Dschungel, 1906): „Sollte es wirklich nirgendwo auf der Erde oder über der Erde einen Himmel für Schweine geben, wo sie für all ihre Leiden entschädigt werden? Jedes dieser Schweine stellte doch ein Geschöpf für sich dar; manche waren rosa, andere schwarz oder braun, wieder andere gefleckt; manche waren alt, manche jung, manche waren rank und schlank, manche dick und fett. Und jedes hatte seine Individualität, seinen eigenen Willen, seine Wünsche und Hoffnungen; jedes besaß Selbstgefühl und Würde. Vertrauensvoll und stark im Glauben war es seinen Geschäften nachgegangen, während die ganze Zeit ein schwarzer Schatten über ihm schwebte und ein schreckliches Verhängnis seiner harrte. Und jetzt schlug dieses Schicksal plötzlich zu, kam wie ein Raubvogel herabgestürzt und packte es am Bein.“
Über die Zustände der Chigagoer Schlachthöfe zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Upton Sinclair 1905/06 seinen Roman Der Dschungel (The … Mehr