Warum eine Aussetzung bzw. Reduzierung der Kirchensteuer bei jungen Kirchenmitgliedern das Dilemma einer evangeliumswidrigen Kirchenfinanzierung nicht beheben wird

Bekannt ist der Sachverhalt, dass junge Kirchenmitglieder mit einem ersten steuerpflichtigen Einkommen zum Kirchenaustritt neigen, um sich die Kirchensteuer zu sparen. Wenn man in der EKD jetzt über eine Reduzierung des Hebesatzes oder aber über eine Aussetzung der Kirchensteuer für diese Gruppe nachdenkt, werden solche Maßnahmen zur langfristigen Sicherung der Kirchenfinanzierung durch Steuermittel wenig betragen können. Die Erosion der verfassten Landeskirchen lässt sich damit nicht aufhalten, bleibt doch der Grundwiderspruch bestehen: Kirchensteuern sind – wie staatliche Steuern – Zwangsabgaben, die in der Kirchen Jesu Christi unangebracht sind, da sie dem Evangelium widersprechen. Jesu Wort in unserem Ohr: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ (Markus 12,17) Steuern sind im weltlichen Regiment angebracht; im Reich Gottes bzw. unter dem geistlichen Regiment Christi gelten Glaube und freiwillige Hingabe. Zu Recht werden in 99 % aller Kirchen bzw. Diözesen weltweit eben keine Steuern erhoben.

Wenn immer mehr Menschen kirchensteuerbedingt aus den verfassten Landeskirchen austreten, ist zu berücksichtigen, dass diese in aller Regel nicht selbst in diese Kirchen eingetreten sind. Vielmehr sind sie als Säuglinge bzw. Kinder durch die Taufe, die meist von deren Eltern veranlasst worden sind, zu potentiellen Kirchensteuersubjekten geworden. Wirkt sich mit dem ersten Einkommen die eigene Kirchenmitgliedschaft in einer Steuerpflicht aus, kommt der Gedanke an den eigenen Kirchenaustritt auf. Eine kirchlich veranlasste Verzögerung bei der Steuererhebung – die ja dem staatlichen Grundsatz der Gleichmäßigkeit der Besteuerung (§ 85 I Abgabenordnung: „Die Finanzbehörden haben die Steuern nach Maßgabe der Gesetze gleichmäßig festzusetzen und zu erheben“) widerspricht – werden mit der damit verbundenen öffentlichen Diskussion die Austrittszahlen wohl eher noch erhöhen.

Hier meine zwölf Thesen zur Kirchensteuer

1. Die Kirche bekennt Jesus Christus als ihren Herrn: Ihre Handlungen und Ordnungen müssen sich deshalb an seinem Wort und Werk messen lassen.

2. Kirche ist kein Volk von Steuerschuldnern, sondern die Gemeinschaft aller Gläubigen, die unter und nach dem Evangelium leben.

3. Kirche lebt nicht von Abgaben der Gläubigen, sondern allein durch die Selbsthingabe Jesu Christi, die wir im Abendmahl empfangen.

4. Die Lebensbeziehung, die Christus schenkt, befähigt Menschen, ihm auf seinem Weg zu folgen und selbst opferbereit zu werden.

5. Allein durch freiwillige Gaben können Christen den Auftrag der Kirche unterstützen und daran Anteil gewinnen.

6. Freiheit der Kinder Gottes und geschwisterliche Liebe sind Grundpfeiler der christlichen Gemeinschaft. Gesetzliche Zwangsverhältnisse lassen sich nicht mit ihnen vereinbaren.

7. Kirchensteuer ist eine öffentlich-rechtliche Zwangsabgabe, kein freiwilliger Mitgliedsbeitrag. Man kann sich ihr als Kirchenmitglied nicht einfach entziehen.

8. Die Kirchensteuer steht im klaren Widerspruch zum Evangelium Jesu Christi und zu den evangelischen Lehrbekenntnissen.

9. Dass getaufte Christen durch einen Austritt aus einer Körperschaft des öffentlichen Rechts generell vom Abendmahl ausgeschlossen werden, ist ein Skandal. Die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein durch Glauben wird damit in Frage gestellt.

10. Der Mammon droht, das Evangelium zu verdrängen: Je größer das Budget der verfassten Kirchen, desto mehr Entscheidungen werden in Abhängigkeit vom Geld getroffen.

11. Das derzeitige Kirchensteuersystem macht die Landeskirchen zu Anstaltskirchen und versperrt den Weg zum nachhaltigen Gemeindebau und zur Mission.

12. Ein Ausstieg aus der Kirchensteuerfinanzierung muss stufenweise erfolgen. Sein Ziel ist eine Kirche, die sich aus den freiwilligen Gaben der Gläubigen selbst finanziert und durch Umlagen übergemeindliche Dienste trägt.

Hier meine Thesen als pdf.

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