Jürgen Moltmann, Die Grube – Wo war Gott? Jüdische und christliche Theologie nach Auschwitz: „Wenn wir an Stelle der Allmacht Gottes in der Weltgeschichte Gottes Leiden in den Opfern menschlicher Gewalttat wahrnehmen, heißt dies zugleich, auf das Kommen Gottes in seiner Allmacht zum Gericht und zu seinem Reich zu hoffen. Gott ist noch nicht so gegenwärtig, dass er »alles in allem«, bewirkt, wie Paulus es für das kommende Reich Gottes erwartet. Gott ist aber schon so gegenwärtig, dass er bei den Opfern und den Leidtragen­den wohnt und sie durch seine ewige Gemeinschaft tröstet. In der Geschichte dieser Welt ist die Herrschaft Gottes noch umstritten und wird durch die Opfer und die Märtyrer bezeugt, wie die Offenbarung des Johannes schildert. Wenn aber die Herrlichkeit Gottes selbst in die Schöp­fung einzieht und seine Schekina alles erfüllt und ewig lebendig macht, wird sie all­mächtig und allgegenwärtig sein. Die Anfech­tungen des Glaubens und die theologischen Schwierig­keiten entstehen dadurch, dass man das allmächtige und allgegenwärtige Reich, in dem Gott »alles so herrlich regiert …«, als jetzt schon gegenwärtig glaubt. Das ist ein Irr­glaube, der an der Kreuzesgestalt der geschichtlichen Gegenwart Gottes vorbeigeht.“

Die Grube – Wo war Gott? Jüdische und christliche Theologie nach Auschwitz Von Jürgen Moltmann „Wo war der Gott, »Der … Mehr

Dietrich Bonhoeffers Besinnung über die Dankbarkeit der Christen von 1940: „Dem Dankbaren wird alles zum Geschenk, weil er weiß, dass es für ihn überhaupt kein ver­dientes Gut gibt. Er unterscheidet darum nicht zwischen Verdientem und Unverdientem, zwischen Erworbenem und Empfangenem, weil in seinen Augen auch das Erworbene Em­pfangenes, das Verdiente Unverdientes ist. In der Dankbarkeit kehrt jede Gabe verwandelt in ein Dankopfer zu Gott zurück, von dem sie kam. Wofür ich Gott danken kann, das ist gut. Wofür ich Gott nicht danken kann, das ist böse. Ob ich aber Gott danken kann oder nicht, das entscheidet sich an Jesus Christus und seinem Wort. Jesus Christus ist die Grenze der Dankbarkeit. Jesus Christus ist auch die Fülle der Dankbar­keit; in ihm ist die Dankbarkeit ohne Grenze. Sie umschließt alle Gaben der geschaffenen Welt. Sie umfasst auch den Schmerz und das Leid. Sie durchdringt die tiefste Dunkelheit, bis sie in ihr die Liebe Gottes in Jesus Christus gefunden hat. Danken heißt ja sagen zu allem, was Gott gibt, ‚alle Zeit und für alles‘ (Epheser 5,20).“

Von der Dankbarkeit der Christen Von Dietrich Bonhoeffer Dankbarkeit entspringt nicht aus dem eigenen Vermögen des menschlichen Herzens, sondern nur … Mehr

Martin Niemöller, Christus und die Christen. Dritter evangelistischer Vortrag 1965 in Bremerhaven: „Christus will seine Christen persönlich bei sich haben; unser Glaube lebt von seiner lebendigen Gegenwart: Wir müssen, wir dürfen auf ihn schauen, auf seine Worte hören, ihn dabei immer besser kennen- und lieben lernen und mit ihm sprechen. Es gibt keinen Glauben ohne Beten. Und dieses Beten meint danken dafür, dass er uns den Glauben, das persönliche Verhältnis zu ihm möglich machte, indem er mit seiner Liebe, mit seinem Opfer für uns alles, was zwischen uns war, wegschaffte und so überwand, daß wir ihn wieder lieben können und müssen. Beten heißt dann immer auch und ganz selbstverständlicherweise ihn fragen, was er von uns will, wie er uns haben möchte: »Herr, was sollen wir tun?« Die Antwort bleibt niemals aus, wenn wir ehrlich daran denken und uns daran erinnern lassen, »wes Geistes Kinder« wir sind.“

Christus und die Christen Von Martin Niemöller Vom 26. bis 28. September 1965 hielt Martin Niemöller eine dreiteilige Vortragsreihe in … Mehr

Martin Niemöller, Christus und die Gleichgültigen. Zweiter evangelistischer Vortrag 1965 in Bremerhaven: „Die übergroße Menge der in Wahrheit gleichgültigen getauften Kirchensteuerzahler zählen als kirchlicher Teil der Bevölkerung und werden auch in der kirchlichen Öffentlichkeit als Christen gezählt; aber was haben sie im Grunde mit Christus überhaupt zu tun? Und was hat Christus mit ihnen zu tun? Christus und die Gleichgültigen! Das Und im heutigen Thema bedeutet jedenfalls nicht, daß da eine wirkliche, und das heißt: eine lebendige Verbindung bestünde. Und es müht sich auch niemand darum, diese Verbindung zu schaffen; man tut vielmehr so, als wäre sie da. In der Weltstatistik der Religionen werden diese 95 % als Christen gezählt, obgleich sie außer der Taufe, die sie fast alle als Säuglinge empfingen, und vielleicht noch der Konfirmation, ohne die ein anständiger junger Mensch nicht ins Leben hinausgeht oder hinausging, mit Christus nie etwas zu tun hatten, sicherlich aber heute gar nichts zu schaffen haben.“

Christus und die Gleichgültigen (1965) Von Martin Niemöller Vom 26. bis 28. September 1965 hielt Martin Niemöller eine dreiteilige Vortragsreihe … Mehr

Martin Niemöller, Christus und die Atheisten. Erster evangelistischer Vortrag 1965 in Bremerhaven: „Wir dürfen deshalb nicht dem Wahn verfallen, ein Atheist sei vom Heil der Erlösung weiter entfernt als jemand, der an die Existenz Gottes »glaubt«. Sol­cher »Glaube« hat mit Christus gar nichts zu tun; und es ist sinnlos, einen Athe­isten zur Anerkennung der Existenz Gottes zu bringen. Schon die Diskussion, ob es Gott gibt oder nicht gibt, ist sinnlos, weil der Sieg in einer solchen Aussprache dem zufällt, der ge­schickter ist, nicht aber dem, der Christus braucht, der der einzige Beweis für Gottes Exi­stenz werden kann, wo in der Begegnung und Konfrontation mit ihm das Wunder des Glau­bens geschieht.“

Christus und die Atheisten Von Martin Niemöller Vom 26. bis 28. September 1965 hielt Martin Niemöller eine dreiteilige Vortragsreihe in … Mehr