Elisabeth Schmitz, Denkschrift „Zur Lage der deutschen Nichtarier“ von 1935/36 (vollständiger Text): „Einer Judenverfolgung im Namen von Blut und Rasse muss eine Christenverfolgung notwendigerweise folgen. Einen Anfang davon hat die Bekennende Kirche, haben vor allem ihre Pfarrhäuser zu spüren bekommen. Aber trotz alles Leides wird es niemand ein­fallen, es in einen Vergleich setzen zu wollen zu dem Leid der deutschen Juden und Nicht­arier. Und ganz abgesehen von der Größe des Leides bleibt der große Unterschied: Der Christ leidet persönlich, der Jude und Nichtarier mit Kindern und Enkeln. Und selbst wenn die Glie­der der Bekennenden Kirche unter die Ariergesetzgebung gestellt würden, wären noch immer die Ver­wandten, die weitere Familie nicht mitbetroffen. Und die Hauptsache: Die Bekennende Kir­che leidet – und darf das wissen – um ihres Glaubens willen, der Nichtarier wird verfolgt, weil Gott ihn in eine bestimmte Familie hat hineingeboren werden lassen.“

Im Sommer 1935 wurde der Bekennende Kirche sowohl vom Völkischen Beobachter wie auch vom Stürmer vorgeworfen, dass sie die nationalsozialistische … Mehr

Diether Koch über Gustav W. Heinemann: „Heinemanns Tätigkeit in der Bekennenden Kirche wuchs Mitte der 30er Jahre an Umfang. Als Mitglied des Bruderrats der Bekennenden Kirche der Rheinprovinz beriet er die Bekennende Kirche und einzelne Mitglieder in Rechtsfragen. 1937 übernahm er die Leitung des Christli­chen Vereins Junger Männer in Essen und bewahrte den Verein vor drohender Auflösung. Ein geheimer kirchlicher Nach­richtendienst wurde im Keller des Hauses Heinemann vervielfäl­tigt. Vom gehei­men Prozess gegen Martin Niemöller übermittelte Heinemann heimlich Nach­richten durch seinen Studienfreund Ernst Lemmer in die ausländische Presse und half damit der Weltöffentlichkeit zur Wachsamkeit. Seiner kirchlichen Tätigkeit räumte er neben seiner beruflichen gleichen Rang ein. Als ihm 1936 angeboten wurde, Vorstandsmitglied im Rhei­nisch-Westfälischen Kohlensyndikat zu wer­den, machte er zur Bedingung, seine kirchliche Tätigkeit weiterführen zu dürfen; daraufhin zog der Aufsichtsrat sein Angebot zurück.“

Gustav W. Heinemann Von Diether Koch I. Von vielen anderen Gestalten der deutschen Kirchengeschichte unterscheidet sich Gustav Heinemann in zweierlei … Mehr

Gustav Heinemanns Rede auf dem Essener Kirchentag 1950: „Lasst uns deutlich machen, dass es einen Weg gibt, um der Furcht zu entrinnen. Dieser Weg heißt: die Vergebung ergreifen, die Jesus Christus uns anbietet. Wer sich von ihm finden lässt, wird ein geretteter Mensch, wird sein Eigentum im Leben und Sterben und durch den Tod hindurch bis in sein himmlisches Reich. Lasst uns der Welt bezeugen, dass nichts diese Rettung zunichte machen kann, weil Gott stärker ist als alle Menschengewalt. Unsere Freiheit wurde durch den Tod des Sohnes Gottes teuer erkauft. Niemand kann uns in neue Fesseln schlagen, denn Gottes Sohn ist auferstanden. Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren gehen, unser Herr aber kommt!“

Der Satz ist bekannt: „Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren gehen, unser Herr … Mehr

Hans Joachim Iwand, Bekennende Kirche. Eine Osterbetrachtung (DIE ZEIT, 1946): „Die Oster­feier müsste die Siegesfeier der Christen sein, die sie erinnert an jenen Tag, da Gott Christus zum Herrn der Welt setzte und alle Mächte und Gewalten, alle Throne und Herrschaften, wie es in der Bibel heißt, ihm unterordnete. Wir müssen hier jene Freiheit des Christenmenschen geschenkt bekommen, die sich nicht beugt und fürchtet, die immun ist gegen die Waffe der Angst, mit der der Fürst dieser Welt, für den und dessen Gei­stesverwandte mit guten Gründen die Auferstehung eine schlechthin widervernünftige Ange­legenheit ist, seine Opfer blendet, gängelt und schließlich in den Abgrund stürzt.“

In den mir bekannten Iwand-Bibliographien ist Iwands Artikel „Bekennende Kirche. Eine Osterbetrachtung“ aus der ZEIT, Nr. 9 vom 18. April … Mehr

Hermann Diem, Wider das Schweigen der Kirche zur Judenverfolgung. Offener Brief an Landesbischof D. Meiser (Osterbotschaft 1943): „Was uns treibt, ist zunächst das einfache Gebot der Nächstenliebe, wie es Jesus im Gleichnis vom barmherzigen Samariter ausgelegt und dabei ausdrücklich jede Einschränkung auf den Glaubens-, Rassen- oder Volksgenossen abgewehrt hat. Jeder „Nichtarier“, ob Jude oder Christ, ist heute in Deutschland der „unter die Mörder Gefallene“, und wir sind gefragt, ob wir ihm wie der Priester und Levit, oder wie der Samariter begegnen.“

Hermann Diem hatte für den Münchener Lemppschen Kreis um Ostern 1943 eine Denkschrift (Osterbotschaft Münchner Laien) entworfen, die als Grundlage … Mehr

Hermann Diem, Der Kampf der Bekennenden Kirche (1946): „Ob die Kirche eine Sekte wird, hängt weder von ihrer Größe ab noch von den ihr vom Staat verliehenen Rechten, sondern ob sie damit Ernst macht, dass Christus der Herr der ganzen Welt ist. Das muss sich daran zeigen, ob die Verkündigung der Kirche sich an alle Welt wendet und sich für das gesamte öffentliche Leben verantwortlich weiß. Unterlässt sie das und beschränkt sich auf die sogenannten »kirchlichen Kreise«, dann kann ihr der Staat noch soviel Rechte verleihen, und sie wird trotz allem keine Kirche, sondern nur eine staatlich privilegierte Groß­sekte sein. Sie kann umgekehrt den Herrschaftsanspruch Christi auf die Welt nicht glaubwürdig verkündigen, wenn sie selbst nur mit Hilfe der ihr vom Staat übertragenen Rechte leben zu können glaubt.“

Eine bestechende Diagnose der kirchlichen Situation während des Nationalsozialismus bietet das Rundfunkgespräch mit Hermann Diem (1900-1975), württembergischer Gemeindepfarrer und Vorsitzender … Mehr

Jürgen Moltmann über die Barmer Theologische Erklärung (2014): „Die volkskirchliche ‚Betreuungskirche‘ haben wir schon in den Kirchenreformbemühungen der sechziger Jahre zu reformieren versucht. Wir suchten die Gemeindekirche. Nur in der versammelten Gemeinde Christi hören die Existenzkämpfe der alten Welt auf und das Leben der zukünftigen neuen Welt Gottes beginnt. Wo eine Gemeinde aus einer ‚Parochie‘, d.h. aus einem kirchlichen Betreuungsbezirk zu einer Gemeinschaft wird, wird sie selbstständig. Es entstehen ein gegenseitiges Anteilnehmen und Teilen und die gegenseitige Hilfe. Es erwachen die Geistesgaben und die Lebenskräfte einer Gemeinde.“

Die Barmer Theologische Erklärung (2014) Von Jürgen Moltmann 1. Die dramatischen Jahre 1933 und 1934 Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers … Mehr