Martin Luther, Predigt über Lukas 7,11-17 (Der Jüngling zu Nain, 1533): „›Mein Herr Christus sieht dem Tode zu, wie er mich tötet, und wenn der mich erwürgt hat, so schlafe ich so leise, dass er mich mit einem Wort erwecken kann.‹ Und der Herr sagt: ›Der Mensch, der da tot ist, der sieht und hört für mich noch gut, obwohl die ganze Welt meint, er sehe und höre nichts.‹ Daraus sollen wir lernen, dass ein Christ sich nicht fürchten soll; denn Christus kommt nicht, um zu richten, sondern er kommt, wie er zum Sohn der Witwe (und zu den andern Glaubenden) kommt: er errettet ihn vom Tode und bewirkt, dass er sich aufrichtet, sieht, hört, spricht, obwohl er doch nicht sah, hörte und sprach. So wird er auch zu uns kommen, die wir glauben.“

Fast spielerisch nimmt Martin Luther in seiner Predigt über Lk 7,11-17 (Der Jüngling von Nain) sich den Tod zur Brust.  … Mehr

Gerhard von Rad über den Propheten Jona (1950): „»Ja, mit Recht zürne ich bis an den Tod!« Dies also ist der Bote, sozusagen der Treuhänder der Gedanken Gottes über Ninive! — Nun aber holt der Erzähler aus zum Letzten. Jetzt führt er uns aus allem Zwielicht, aus allen Lächerlichkeiten, Unbegreiflichkeiten, mit einem Wort, aus allen Menschlichkeiten steil hinauf unmittelbar an das Herz Gottes. Gott hat das letzte Wort; und wir können nichts Besseres tun, als die wundervollen Worte einfach hierher zu setzen, die in ihrer Hoheit und Gnade gewissermaßen den ganzen Raum ausfüllen, dass jede weitere Frage nach Jona und seinem Starrsinn gegenstandslos wird.“

„Vielleicht stünde es um unser Ver­ständnis des Alten Testamentes anders, wenn bei uns vor allem Theologisieren die Kunst des einfachen … Mehr

Rudolf Bultmann, Neues Testament und Mythologie (1941): „Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben. Und wer meint, es für seine Person tun zu können, muss sich klar machen, dass er, wenn er das für die Haltung christlichen Glaubens erklärt, damit die christliche Verkündigung in der Gegenwart unverständlich und unmöglich macht. Die mythische Eschatologie ist im Grunde durch die einfache Tatsache erledigt, dass Christi Parusie nicht, wie das Neue Testament erwartet, alsbald stattgefunden hat, sondern dass die Weltgeschichte weiterlief und – wie jeder Zurechnungsfähige überzeugt ist – weiterlaufen wird.“

Rudolf Bultmanns Vortrag „Neues Testament und Mythologie“, gehalten am 21. April 1941 auf einer Tagung der Gesellschaft für evangelische Theologie … Mehr

„Wenn euch der Sohn frei macht …“ – Eine Betrachtung von Hans Joachim Iwand zu Johannes 8,36: „Das ist der für uns alle gestor­bene und auferstandene Herr. Er ist unsere Freiheit. Der Sohn macht frei. Er weiß ganz genau, dass es gerade um jenen ersten Schritt geht: dass es darum geht, dass einer da ist, der mir wieder das Augenlicht schenkt, denn ich bin eben geblendet; dass einer da ist, der mir sagt: Lazarus komm heraus, denn ich liege bei den To­ten und rieche die Verwesung um mich her.“

Eine pathetische Freiheitsrede hatte Iwand 1956 gehalten, die zugleich Jesus als Befreier verkündet: Eine Betrachtung zu Johannes 8,36 Wenn euch … Mehr

Seven Stanzas at Easter (Sieben Strophen an Ostern) – John Updike über die leibliche Auferstehung Jesu Christi: „Lasst uns nicht Gott spotten mit Metapher, / Analogie, Ausweichen, Transzendenz, / das Ereignis zur Parabel machen, ein Zeichen gemalt in die verblasste Leichtgläubigkeit früherer Zeiten: / Gehen wir durch die Tür.“

John Updike, Seven Stanzas at Easter Was John Updike (1932-2009) als junger Harvardabsolvent 1960 beim „Religious Arts Festival“ seiner Lutheran … Mehr

Christoph Blumhardt, Osterpredigt zu Markus 16,1-8 (1914): „»Jesus ist auferstanden!« ist das Größte, was man überhaupt verkündigen kann. Es ist der Gipfel des Evangeliums, die Höhe alles dessen, was Jesus im Erdenleben gewesen war, und diese Verkündigung oder diese Tatsache, die verkündigt wurde: »Jesus ist auferstanden«, ist mit einemmal eine Tatsache geworden, die sich der ganzen Weltgeschichte entgegensetzt. Der ganze Lauf der Welt ist immer nur sterben, und die Erde ist ein großmächtiges Grab, in welchem nicht nur Menschen, sondern auch alle früheren Kreaturen begraben liegen und zu den Toten gehören. Und nun auf einmal in diesen Lauf der Welt, an den wir uns leider im Christen­tum auch gewöhnt haben, als ob gar nichts anderes mehr möglich wäre, als nur das Grab alles Lebendigen, kommt die Verkündigung: »Da ist einer auferstanden, der ist gestorben und lebt wieder.« Ja, da kann einen Furcht und Zittern ankommen oder auch Unglauben; und ich weiß nicht, ob es viele Menschen heute gibt, in deren Herzen die Verkündigung: »Er ist wahrhaftig auferstanden« wirklich lebendig wird. Wir hören es so mit christlichen Ohren, und das sind oft die taubsten in der ganzen Welt.“

Kurz vor dem 1. Weltkrieg hatte der württembergische Pfarrer (und Sozialdemokrat) Christoph Blumhardt (1842-1919) mit seiner Osterpredigt über Markus 16,1-8 … Mehr

Hans Joachim Iwand in seiner Palmsonntagspredigt zu Matthäus 21,1-9 von 1945: „Es gehört zum Glauben dazu, in Jesus den König zu erkennen und anzuerkennen. Wir Menschen neigen alle dazu, uns dem zu beugen, der seine Macht und Autorität durch äußere Kennzeichen erweist. Wir neigen alle dazu, uns eher den Tyrannen zu beugen, als dem, der um unseren freien Gehorsam wirbt, wir neigen alle dazu, mehr auf Drohungen zu hören oder auf Versprechungen, und wir verstehen unter Herrschaft nur allzu leicht Gewalt und Macht. So ist es ja auch in der Welt und darum geht die Welt zugrunde.“

Da war Dortmunds Innenstadt nach den Bombenangriffen am 12. März 1945 völlig zerstört, so dass Iwand diese Predigt wohl am … Mehr