Max Horkheimers Notiz über Aufklärung und Religion: „Je weiter die Naturerkenntnis fortschreitet und je gerechter und durchsichtiger die Gesellschaft wird, so dass keine gesellschaftlich bedingten Unterschiede, kein gesellschaftlich bedingtes Leid den Finger Gottes als Erklärung fordern, desto weniger werden die Menschen der Religion bedürfen. Aber, so könnten sie erwidern, werden wir dann nicht der Religion bedürfen, weil wir doch sterben müssen und weil die Kreatur, die nichtmenschliche, durch die Natur und vor allem durch die unbarmherzige Menschheit leidet? Bedarf es nicht immer der Religion, weil die Erde, auch wenn die Gesellschaft in Ordnung wäre, das Grauen bleibt?“

Über Aufklärung und Religion (1959/60) Von Max Horkheimer Der Begriff von Göttern oder Gottes, so sagten die Aufklärer der Nationen, … Mehr

Max Horkheimer im SPIEGEL-Gespräch „Was wir ‚Sinn‘ nennen, wird verschwinden“ aus dem Jahr 1970: „Die moderne Liberalisierung der Religion führt, wie ich meine, zum Ende der Religion. Unbewusst oder halbbewusst kommt jedermann dabei zur Überzeugung, daß die Liberalisierung der Theologie der gängigen Politik entspricht. Es werden Konzessionen gemacht, Kompromisse geschlossen, es wird mit der Wissenschaft paktiert – als ob Wissenschaft mehr dazu sagen könnte, als daß die Erde ein Mikro-Atom sei, ein Kügelchen mit einem Schimmelüberzug, schwebend im unendlichen Universum.“

Das ist eines der großen SPIEGEL-Gespräche, das Georg Wolff und Herbert Gumnior 1970 mit Max Horkheimer unter der Überschrift „Was … Mehr

Hans G. Ulrich, Was sind gute Werke: „Was gut ist, kann nicht an einem Zustand der Welt oder des Menschen ermessen werden, weil damit das Gute, das von Gott im Glauben zu erfahren, weiterzugeben und zu bezeugen ist, außer acht gelassen wird. Dem Menschen ist zu tun geboten, was ihm im Vertrauen auf Gottes Werk zu tun bleibt. Dies sind durchaus bestimmte gute Werke. Statt einem allgemeinen Guten dienen zu wollen, ist es geboten, das zu tun und sich davon prägen zu lassen, was im Gebot Gottes (etwa im Dekalog), zusammengefaßt im Gebot der Nächstenliebe, enthalten ist. Dazu gehört, das Gerechte zu tun, Barmherzigkeit zu üben und Frieden zu stiften. Solche guten Werke kennzeichnen die christliche Lebensform, die mit dem Glauben gegeben ist.“

In seinem lesenswerten RGG-Artikel über die guten Werke bezieht Hans G. Ulrich diese auf Gottes Werk und entzieht sie damit … Mehr

„Mit allem, was not tut für Leib und Leben …“ – Warum die Wohlfahrtsstaatsgläubigkeit keine wirkliche Hoffnung birgt: „Verliert sich die erwerbstätige Integration von Bevölkerungsteilen, schwindet die gesellschaftliche Solidarität. An ihre Stelle tritt die Segregation, d.h. die Trennung von Bevölkerungsgruppen aus religiösen, ethnischen, identitären oder sozialen Gründen, die ein staatlich garantiertes Gemeinwohl hinfällig werden lässt. Anstelle der Theodizee-Frage – ‚Warum lässt Gott das Übel zu?‘ – heißt es dann politisch zu fragen: ‚Warum lässt der Staat das Übel in unserer Gesellschaft zu?‘ bzw. ‚Warum lässt der ‚Westen‘ das Übel in der Welt zu?‘ Vermessene Fragen, auf die es keine befriedigenden Antworten gegen wird. Was bleibt sind Resignation, Pessimismus und ein thymotischer Verlustzorn. Im Unterschied zum Evangelium birgt der säkularisierte Vorsehungsglaube für Menschen keine bleibende Verheißung.“

Warum Wohlfahrtsstaatsgläubigkeit keine wirkliche Hoffnung birgt „Mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, … Mehr

‚Die mit Ernst Christen sein wollen‘ (Martin Luther, Vorrede zur Deutschen Messe) und Stanley Hauerwas’/William H. Willimons Programmschrift ‚Christen sind Fremdbürger‘ (Resident Aliens, 1989): „Wir glauben, dass sich in Anerkennung dieser Realität eine kopernikanische Wende in der Weltsicht von Christen abzeichnet, die das, was es heißt, heute Kirche in der Welt zu sein, auf eine völlig andere Grundlage stellt. Nun werden unsere Kirchen frei, ihre eigenen Wurzeln neu zu begreifen und der Synagoge ähnlicher zu werden – einer Glaubensgemeinschaft, die nicht die Welt darum bittet, zu tun, was nur die Glaubensgemeinschaft selbst tun kann. Was wir einst theologisch gelernt hatten, lernen wir nun auch praktisch: Christen kommen nicht auf natürliche Weise zur Welt in Orten wie Greenville oder anderswo; sie werden vielmehr erst ins Leben befördert durch eine abenteuerlustige Kirche, die es wieder gelernt hat, die richtigen Fragen zu stellen: Fragen, auf die allein Christus die rechten Antworten bereitstellt.“

„Die mit Ernst Christen sein wollen“ (Martin Luther) und Hauerwas-Willimon „Christen als Fremdbürger“ In seiner Vorrede zur Deutschen Messe von … Mehr

Gesinnungsethik als protestantische Selbstrechtfertigungslehre: „Unbeschadet aller politischen Verwerfungen und Konfliktkonstellationen muss für den ideologischen Protestantis­mus die eigene Gesinnungsethik auf Dauer Recht behalten. Andernfalls wäre man mit der eigenen Selbstrechtfertigung am Ende.“

Gesinnungsethik als protestantische Selbstrechtfertigungslehre Evangelische Rechtfertigungslehre ist ein unverschämtes Glaubensbekenntnis: „Ich glaube, dass Jesus Christus, wahrhaftiger Gott vom Vater in … Mehr

Versprechen, die den Glauben neu herausfordern – Von der Sprachkraft der Dogmen: „Freimütige, verheißungsvolle, herausfordernde Gottesrede, die die menschlichen Rahmungen hoffnungsloser Weltbilder und Weltanschauungen sprengt – sie ist nur orthodox, also in der Bindung an kirchliche Dogmen und unter Verwendung des göttlichen Wortschatzes, also der Bibel zu führen. Dogmen lassen eben keine ideologischen Allgemeinbegriffe zu, sondern provozieren in der Anrede eine Metaphorik, die neu hören und sehen lässt.“

Versprechen, die den Glauben neu herausfordern. Von der Sprachkraft der Dogmen „Glaube lässt sich nicht in Dogmen verfestigen“ hat jüngst … Mehr

„Ich bin so frei …“ – Warum die Ordinationsverpflichtung für die evangelische Lehre unabdingbar ist: „Christliche Lehre bietet keine subjektive Weltanschauung, sondern gibt Sprach- und Hand­lungsregeln für die Kirche vor. Die liturgische Praxisgemeinschaft der Gläubigen basiert nicht auf religiösem Bewusstsein, sondern auf einer verbindenden Sprachlehre. Wer als Pfarrerin sich alle therapeutische Sprach- und Handlungsfreiheit nimmt, verkennt, dass die verfasste Kirche, der sie dient, keine freireligiöse Vereinigung ist. Sie zeigt ein amtliches Gegenüber, das Gemeindegliedern keine freie Wahl lässt. Evangelische Zusagen von Amts wegen gehen über menschenmögliche Heilsvorstellungen hinaus, weil sie das göttliche Handeln in Jesus Christus beanspruchen. Den damit Angesprochenen steht es frei, dem Evangelium ihren Glauben zu schenken oder nicht. Lehrbindung des Amtes heißt eben nicht Glaubenszwang.“

„Ich bin so frei …“ – Warum die Ordinationsverpflichtung für die evangelische Lehre unabdingbar ist „Ich bin bereit, das Amt, … Mehr

Was evangelische Landeskirchen von den Spielregeln der International Football Association (IFAB) in Sachen Verbindlichkeit des Bekenntnisses lernen können: „Fußball muss Spielregeln haben, mit denen das Spiel ‚fair‘ bleibt, da seine Fairness eine entscheidende Grundlage für die Schönheit dieses ‚wunderschönen Spiels‘ ist. Dies ist eine unerlässliche Eigenschaft des ‚Spielgeists‘. Die besten Spiele sind jene, in denen der Schiedsrichter selten eingreifen muss, weil die Spieler mit Respekt gegenüber dem Gegner, den Spieloffiziellen und den Spielregeln spielen. Die Integrität der Spielregeln und der Schiedsrichter, die diese anwenden, ist stets zu schützen und zu respektieren. Alle Verantwortlichen, insbesondere Trainer und Spielführer, haben eine klare Verantwortung gegenüber dem Spiel, die Spieloffiziellen und ihre Entscheidungen zu respektieren.“

Was evangelische Landeskirchen von den Spielregeln der IFAB in Sachen Verbindlichkeit des Bekenntnisses lernen können In der deutschen Ausgabe der … Mehr