Joseph Wittig, Die Erlösten (1922): „Der Katholik treibt sich sein Leben lang – solang damals schon unser Leben war – in den Grenz­gebieten des Reiches Gottes herum und fühlt sich stets von Strafen für Grenzüberschreitungen bedroht. Er hat gar keine Zeit, etwas nach der Mitte des Gottesreiches zu wandern, wo es eigentlich erst schön zu werden beginnt. Er muss fortwährend an der Grenze Grenzverlet­zungsprozesse mit seiner Seele, mit seinem Beichtvater, mit seinem Herrgott durchfechten. Er lernt die Geographie des Gottesreiches auswendig, nämlich die Dogmatik; er studiert das Jus des Gottesreiches, nämlich die Moral. Er weiß genau, wieviel Gramm Brot er essen darf, ohne das Fastengebot zu verletzen. Er schließt ziemlich viel Verträge ab mit seinem Gott: Gegen die und die Leistung erwartet er, freilich in aller Demut und mit dem Zugeständnis jedes Man­gels eines Rechtsanspruches, ganz bestimmte Leistungen von seiten Gottes.“

Nachdem Joseph Wittig 1922 mit seinem Hochland-Essay „Die Erlösten“ die katholische Sündenlehre bzw. Beichtpraxis heftig kritisiert hatte, wurden im Juni … Mehr

Aufräumen nach Marie Kondo und der Lobpreis der göttlichen Gabe: „So sollte an Stelle einer dinglichen Glücksfrage die Frage nach der göttlichen Gabe gestellt werden: Lässt mich dieser Gegenstand in meinen Händen Gott loben und ihm danken? ‚Gepriesen bist du, Herr unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns …‘ Was ich nicht lobpreisend zu Gott in Beziehung setzen kann, wird meinem Leben auf Dauer nicht guttun. So lässt uns das Gebet eine gute Ordnung in unseren Wohnungen finden, wo manches gehen darf und anderes uns gar nicht erst ins Haus kommen muss.“

Aufräumen nach Marie Kondo und der Lobpreis der göttlichen Gabe In unseren Häusern und Wohnungen haben wir ein Problem mit … Mehr

Martin Luthers Tischrede ‚Warum Einsamkeit zu fliehen sei‘ (1534): „Dagegen bewirkt Einsamkeit Schwermut und Traurigkeit. Da fällt dann allerlei Böses zum Schaden von Leib und Seele ein; da bewegt und betrachtet auch der Mensch allein das, was böse ist, mit großem Fleiß. Und wenn ihn etwa ein Unglück drückt und ängstigt, dann bildet es sich ihm so schwer und gefährlich ein, dass er selbst denkt, es gäbe keinen unseligeren Menschen als ihn; es sei auch niemand, dem seine Situation sich verschlechtere und einen so bösen Ausgang nehmen werde, wie er eben es vorzusehen und sich vorzustellen weiß.“

Bedenken D. Martin Luthers Warum Einsamkeit zu fliehen sei In Georg Rörers Sammlung von Martin Luthers Tischreden findet sich eine … Mehr

Reinhold Schneider, Über den Selbstmord (1947): „Ist es aber gewiss, so ist das Leben ein Gut über allen Gütern, für das es keine Entschädigung gibt. Dann wäre das elendeste Leben noch kostbar – und wenn es nur einen Blick in die Sonne erlaubt, das Empfinden des Herzschlages, das letzte, von Wehmut verdunkelte Nachleuchten einer Erinnerung – wenn es nichts wäre als die Verzögerung des Sterbens, die Frist vor dem Nichts. Wer leidet, der lebt – und das Leben ist ein Abgrund an Schmerz, aber auch ein Abgrund an Hoffnungen.“

Reinhold Schneider Plädoyee gegen die Selbsttötung zeigt zugleich sein beeindruckendes Einfühlungsvermögen in deren Motive. Kein Wunder, hatte sich der 19jährige … Mehr

Reinhold Schneider, Die Kranken besuchen (1957): „Die Krankheit verbannt heute ins Krankenhaus, wo ja auch Geburt und Tod geschehen. Über seine Unentbehrlichkeit, seine Hilfsbereitschaft braucht kein Wort mehr gesagt zu werden. Als aber der Kranke von der Familie, inmitten ihres Lebens, respektiert wurde, in ihr seinen Raum hatte, war er gleichsam immer besucht. Heute wird er auf eine bestimmte Weise abge­fertigt; das Krankenhaus ist Autorität, die Familie hat keine Stimme mehr. Aufs höchste sind die Menschen zu bewundern und zu verehren, die in harter Selbstüberwindung in den Kran­kenhäusern behandeln, dienen und pflegen. Aber als Bote des Arztes der Welt, als der War­tende am Teiche in Jerusalem hat der Kranke hier nicht mehr viel zu sagen, wäh­rend er in der Familie so viel zu sagen hatte.“

Die Kranken besuchen (1957) Von Reinhold Schneider Die Kranken besuchen, das heißt: eine echte Beziehung zur Krankheit finden. Das ist … Mehr

Helmut Gollwitzer, Friedenspredigt zu Weihnachten 1939 über Epheser 2,17-18: „Jesus ist die Verkündi­gung an uns, an dich und mich, Gott habe sich nicht abgefunden mit diesem Kriegszustand, er sei nicht Partei geblieben, die gegen uns geht, Gott habe sich aufgemacht und seine rechte Hand eingesetzt, die alles ändern kann. Der Frieden sei nicht an unserer Welt vorübergegan­gen und in Regionen geblieben, die näher sind am Leben Gottes und die nicht in einem Kriege mit ihm leben, er sei hereingekommen in unsere Welt. Wer von euch mit seinen neugekauften Geschenken vorübergeht, etwa am Alexanderplatz oder am Gefängnis in Moabit, der geht mit seiner ganzen Freude vorüber, aber er kann zu den Menschen, die da freudlos und wartend und unglücklich darin sitzen, nichts hineinbringen vom Frieden. Der Friede Gottes geht am Gefängnis dieser Welt nicht vorüber, er begibt sich hinein.“

Nachdem Martin Niemöller im Juli 1937 inhaftiert worden war, übernahm Helmut Gollwitzer Prediger- und Pfarrdienste in dessen Gemeinde in Berlin-Dahlem. … Mehr

Jürgen Moltmann, Über die Hoffnung: „Dieser Engel der Zukunft blickt nicht zurück mit Trauer oder Zorn auf die Trümmerfelder unserer menschlichen Geschichte. Er sieht mit großen Augen in die Zukunft des kommenden Gottes und kündigt die Geburt des göttlichen Kindes an. Der Sturmwind des göttlichen Geistes weht in seinen Flügeln und Gewändern, als hätte dieser Sturmwind ihn in unsere Geschichte geweht. Er bringt die Geburt der Zukunft aus dem Geist der göttlichen Verheißung.“

Über die Hoffnung Von Jürgen Moltmann ICH SEHE VOR MIR ZWEI ENGEL: Der eine ist der Engel der Geschichte. Paul … Mehr

Jürgen Moltmanns Anfrage an Heinrich Bedford-Strohms Konzept einer öffentlichen Theologie: „»Öffentliche Theologie« kann nicht die Kirche zum Zentrum haben, sondern nur das universale Reich und die Herrlichkeit Gottes, denn im Zentrum der Kirche steht das Gebet: »Dein Name werde geheiligt, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden«. Im Zentrum der Kirche steht der Gekreuzigte – draußen. Er lädt zum Abendmahl ein. Die Kirche Christi versteht sich selbst mit Israel als vorläufig zum messianischen Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit.“

Da scheint Jürgen Moltmann in Sachen „öffentliche Theologie“ nicht an allem Gefallen zu finden, was Heinrich Bedford-Strohm unter dieser Signatur … Mehr

Reinhold Schneiders „Vom Wort zum Herrn“ (1939): „Das Wort hat nur mit einer Macht zu ringen, die freilich tausendfältiger Gestalt ist: mit dem Widersacher. Er vermag sich in den höchsten Wer­ken des Geistes zu verbergen wie in den Werken tiefster Niedrigkeit; das Wort ist die Liebe, er ist der Hass. Darum hat das Wort die unfehlbare Wirkung, zu einigen und das Reich des Herrn zu bereiten; es ist die Mitte, an die alles Wirken des Herrn gebunden ist.“

Als Kurt Ihlenfeld 1939 im Hinblick auf eine Revision der Luther-Bibel von 1912 den Band „Das Buch der Christenheit. Betrachtungen … Mehr