Helmut Gollwitzers Predigt über Lukas 9,57-62 von 1939: „Wo ein Mensch pflügt, da muß er voraus aufs Ziel sehen, auf das Ende des Ackers, und wenn er sich umwendet und zurückwinkt und an einen denkt, der hinter ihm am Ende des Ackers steht, dann wird die Furche krumm, und der Pflug gräbt nicht tief genug. Ihr, sagt Jesus, seid Pflüger im Reich Gottes, Eure Furche muss gerade und tief werden, die ihr aufpflügt in dem Volk, das euch hört. Darum, eben darum darf kein Mensch, dem die Verkündigung Christi aufgetragen ist, darf also kein Christ nach links oder nach rechts sehen oder sich umwenden. Darum ist das Volk, das wir pflügen sollen, nicht Maßstab. Grenze und Ziel, sondern Raum, darin die große Ackerarbeit des Evangeliums geschieht. Einfältige Herzen braucht es, deren Augen einfältig auf das Ziel gerichtet sind.“

Nachdem Martin Niemöller am 1. Juli 1937 verhaftet worden war, übernahm Helmut Gollwitzer dessen Predigtdienst in Berlin-Dahlem. Von ihm stammt … Mehr

Hans Joachim Iwand über Gerechtigkeit (1954): „Got­tes Gerechtigkeit bleibt immer Gabe, unsere Gerechtigkeit ist immer Aufgabe. In Gottes Gerechtigkeit sind wir aufgerufen, ihn ganz allein Herr und Erlöser sein zu lassen, in unserer Gerechtigkeit sind wir gefordert, in der Tat und in der Wahrheit zu bezeugen, dass es Gerechtigkeit gibt. Wir werden also sagen müssen, unsere Gerechtigkeit wird nur inso­fern rechtsschöpferisch und Unrecht verhütend sein, als wir uns immer bewusst sind, dass wir als die be­schenkten und begnadeten Sünder, als die Gottlosen, die von Gott freigespro­chen wurden, auf Erden Recht setzen und behüten können. Unser Tun wird immer Hinweis sein müssen darauf, wer wir Menschen sind und wo wir herkommen.“

Gerechtigkeit Von Hans Joachim Iwand 1. Im Unterschied zu dem griechischen Verständnis der Gerechtigkeit, welches diese im Staat verwirk­licht sieht, … Mehr

Karl Barth, Das Gebot des gnädigen Gottes: „Der Ausdruck ‚Gottes Gebot‘ bedeutet, dass der gnädige Gott, indem er als solcher mit dem Menschen, für ihn und an ihm handelt, nicht schweigt, sondern ihm auch etwas sagt und zwar sagt, was er mit seinem göttlichen Tun von ihm haben will, was der Mensch seinerseits tun soll. Er redet von Gottes in und mit seinem Tun stattfinden­dem Weisen, For­dern, Befehlen, mit dem er an die Freiheit appelliert, die er ihm in seiner eigenen Freiheit als sein Schöpfer und Versöhner gegeben hat. Das Gebot Gottes ist das Ereignis, in welchem Gott das tut: in welchem er gebietet. Es ist aber in jeder besonderen Gestalt seines Verkehrs mit dem Menschen, in jeder besonderen Zeit, im Blick auf die Vor­aussetzungen, Möglich­keiten und Konsequenzen, jedes besonderen Dranseins jedes Menschen ein besonderes Gebieten. Es ist je Eines, je etwas ganz Bestimmtes, was Gott von diesem und diesem Menschen fordert.“

Das Gebot des gnädigen Gottes[1] Von Karl Barth In der Miskotte-Festschrift hatte Karl Barth 1961 in Sachen christliche Ethik einen … Mehr

Angst essen Seelen auf. Erfahrungen mit dem Coronavirus SARS in Hongkong 2003: „»Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.« (Psalm 34, 9) Die Darreichung von Brot und Wein mit La­texhandschuhen ist in der Tat nicht besonders appe­titlich. Es lässt sich fragen, ob eine solche Sicherheits­maßnahme in Gemeinden, in denen kein Infektionsfall aufgetreten ist, wirklich notwendig ist. »Ich weiß und bin gewiss in dem Herrn Jesus, dass nichts unrein ist an sich selbst; nur für den, der es für unrein hält, ist es unrein.« (Römer 14, 14) Den Worten des Apostel Pau­lus zufolge schafft subjektive Wahrnehmung Realität. Und die angstbesetzte Realität eines Mitmenschen kann nicht ohne weiteres revidiert werden. Von daher ist die Rücksichtnahme der Angstfreien angesagt: »Richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgernis bereite.« (Römer 14, 13) Wer die eigene innere Freiheit hat, kann dem Bedürfnis und der Sorge anderer entsprechen. »Den Schwachen im Glauben nehmt an und streitet nicht über Meinungen.« (Römer 14, 1) Und doch muss man aufpassen, dass keine Diktatur der Angst (oder der Ängstlichen) entsteht, die unge­wollt in die Verein­zelung führt. Schließlich sucht sich die uneingestan­dene Angst als ver­nünftig auszugeben.“

Nun ist man in Hongkong wieder so weit. Die Regierung hat drastische Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronaviruses ergriffen, um … Mehr

Gerhard von Rad, Predigt über Matthäus 20,1-15 (Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg): „Hier wird aus einer tiefen Solidarität heraus geurteilt. Dieses Offen­lassen des Letzten, diese verborgene Brüderlichkeit, die ist unter dem Schatten eines rein moralischen Gesetzes, eines nur menschli­chen Urteilens unmöglich, die gibt es nur da, wo man etwas von der anderen Wertung, von den Maßstäben des himmlischen Hausvaters weiß. Der wird am Ende allein recht behalten. Und er spricht auch! zu jedem von uns: »Mein Freund, ich tue dir nicht unrecht.« Amen.“

Im Kontext des Alten Testaments hatte Gerhad von Rad 1955 über Jesu Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg wie folgt … Mehr

„Ich bin, was ich für mich selbst zu wählen weiß“ – Über den Homo optativus in der internetösen Multioptionsgesellschaft und über die Unfreiheit des Wählens: „Die menschliche Freiheit zeigt sich nicht im eigenen Auswählen-Können, sondern im anfänglichen Handeln-Können. Inchoativ und eben nicht ‚häretisch‘ ereignet sich die Freiheit im unvorhergesehenen Handeln. In Sinne Hannah Arendts ließe sich Freiheit wie folgt politisch definieren: Freiheit heißt für uns Menschen miteinander etwas anfangen können, was andere Menschen für uns nicht vorgesehen haben, so dass sich daraus jenseits vorübergehender Erlebnisse ein dauerhaftes Gemeinwesen ergibt.“

„Ich bin, was ich für mich selbst zu wählen weiß“ – Über den Homo optativus in der internetösen Multioptionsgesellschaft und … Mehr