Martin Luthers Predigt über das Vaterunser (Matthäus 6,5-15) von 1530: „Darum spricht nun Christus: ‚Euer himmlischer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr darum bittet‘; als wollte er sagen: Was tut ihr, dass ihr meint ihn mit eurem langen Gewäsch zu betäuben, dass er euch gebe, was ihr bedürfet? Ihr dürft ihn nicht mit Worten überreden, oder lange unterrichten, denn er weiß es zuvor besser, was euch not ist, denn ihr selber. Gleich als wenn du vor einen Fürsten oder Richter kämest, der deine Sache besser wüsste, denn du sagen könntest, und wolltest viel Gewäsch machen, ihn davon zu unterrichten, so wird er über dich lachen, oder vielmehr unlustig auf dich werden. Ja, wir wissen auch nicht, spricht Paulus (Römer 8,6.20), wie wir bitten sollen, dass, wenn er uns erhört und etwas gibt, so gibt er es, über das wir verstehen und hoffen können (Epheser 3,20). Darum lässt er uns häufig etwas bitten, das er nicht sofort gibt, oder wohl gar nicht gibt, als der wohl weiß, was uns not und nütze ist oder nicht; welches wir selbst nicht sehen, und zuletzt selbst müssen bekennen, dass uns nicht gut gewesen wäre, wenn er uns nach unserem Bitten gegeben hätte. Darum dürfen wir ihn nicht lehren noch vormahlen mit unserem langen Gewäsch, was und wie er uns tun soll; denn er will also geben, dass sein Name geheiligt werde, und sein Reich und sein Wille dadurch gefördert werden und fortgehe.“

In seinen Wochenpredigten über Matthäus 5-7 hatte Martin Luther 1530 auch über das Vaterunser gebetet: Predigt über Matthäus 6,5-15 Von … Mehr

Martin Luther, Auslegung von Matthäus 14,22-33: „Petrus, warum hast du gezweifelt? Das Meer hat keine Schuld, es hat nur getan, was seine Art und Wesen ist, und du hast auch leiden müssen, was deine Art und We­sen ist! Hättest du tapfer geglaubt und deine Art und Wesen ausgezogen, so hätte auch das Meer seine Art und Wesen ausgezogen und du wärest auf ihm weiter gegangen und es wäre dir fester Fels und Boden gewesen und geblieben. Zweifel und Glaube machen alles anders. Der Glaube macht aus dem Meer einen trockenen Weg und der Zweifel wiederum macht aus dem trockenen Weg das alte Meer. Dem Gläubigen ist alles möglich, dem Zweifler wiederum ist alles unmöglich. Der Glaube macht Götter, d.h. Gotteskinder und Wundertäter, der Zweifel macht Menschen, d.h. elende Leute.“

Auslegung von Matthäus 14,22-33 (Jesus und der sinkende Petrus auf dem Meer) Von Martin Luther Und alsbald trieb Jesus sein« … Mehr

Martin Luther in seinen Tischreden über den Heiligen Christophorus: „Die Figur des Christophorus sei ein sehr großer, starker Mann, der ein kleines Kind – das Jesuskind – auf der Schulter trägt. Doch das Kind sei so schwer, dass er sich unter seiner Last beugen und krümmen müsse, während er durch das tobende, wilde Meer schreitet. Dieses Meer stehe für die Welt, in der Wellen und Strudel – die Tyrannen, Banden und alle Teufel – ihn bedrängen und verfolgen. Sie wollten ihn um Leib und Leben, Besitz und Ehre bringen. Doch Christophorus hält sich an einem großen Baum fest, der wie ein Stab ist – das ist das Wort.“

Über den Heiligen Christophorus Von Martin Luther Doktor Martin Luther predigte am Gedenktag des heiligen Christophorus und sagte, dass dessen … Mehr

Rudolf Bultmann, „Rogate“-Predigt über Johannes 16,22-33: „Wollen wir die Freude der Freiheit »jenes Tages« erleben, d. h. wollen wir die innere Freiheit von uns selbst gewinnen als Menschen, die nicht mehr zu dieser Welt gehören und die doch offen sind für die Begegnungen des Lebens, so müssen wir vor Gott einsam sein können. Wir müssen bereit sein, in eine Ein­samkeit hineinzugehen, in der die Welt für uns versinkt in die Nich­tigkeit, in der alle Bindungen, auch die verpflichtendsten und liebsten, gelöst sind, in der uns niemand mehr begegnet als Gott allein. Wir müssen uns vor Gottes Augen stellen ganz nackt und bloß, entkleidet von allem, an das wir uns halten möchten, entblößt von allem, das wir um uns hängen möchten, um ein Ansehen und Bewußt­sein unser selbst zu haben. Es ist eine schauerliche Einsamkeit, die für den natür­lichen Men­schen ein Schrecken ist; und der Gott, der uns in solcher Einsamkeit begegnet, mag uns anmu­ten wie die vernichtende Macht des Todes. Seinem verzehrenden Blick müssen wir standhal­ten und bereit sein, vor ihm nichts zu sein.“

Predigt über Johannes 16,22-33 Von Rudolf Bultmann Ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz … Mehr

Karl Barth, Das Geschenk der Freiheit (1953): „Ein freier Theologe kommt dabei ganz gemächlich und fröhlich von der Bibel her. Nicht weil es ihm durch irgend eine alte oder neue Orthodoxie eingebläut wäre, dass er von dorther zu kommen habe. Nicht weil er muß also, sondern weil es ihm geschenkt und so erlaubt ist, von dorther zu kommen. Nicht weil er nicht auch andere geistliche und weltliche, ernste und aufregende Bücher (und nicht zu vergessen: die Zeitung) läse und zu schätzen wüsste, aber weil er in der Bibel das Zeugnis vom freien Gott und vom freien Menschen hören und als Schüler der Bibel selber ein Zeuge der göttlichen und der menschlichen Freiheit werden darf.“

Neben dem Vortrag „Die Menschlichkeit Gottes“ von 1956 gilt der Vortrag „Das Geschenk der Freiheit“ von 1953 als Schlüsseltext für … Mehr

Edmund Schlink über die Doxologie bzw. den Lobpreis in seiner Ökumenischen Dogmatik: „Sowohl in den alttestamentlichen Psalmen als auch in den neutestamentlichen Doxologien und in der Geschichte der kirchlichen Liturgie kommt der Lobpreis Gottes in einer immer neuen Plerophorie zum Ausdruck, in der die Uner­schöpflichkeit der göttlichen Vollkommenheit gepriesen wird. Die Unerschöpflichkeit des durch den Namen aussagbar gewordenen Gottes drängt zum Überschwang der Aussagen. Darum braucht es keineswegs eine Entartung des Lobpreises zu sein, wenn er z. B. in man­chen afrikanischen Gemeinden vom wortlosen Jubel und Tanz umgeben ist.“

Was Edmund Schlink 1983 in seiner Ökumenischen Dogmatik in Sachen Lobpreis und Doxologie geschrieben hat, ist immer noch lesenswert: Der … Mehr