Karl Barths Gedicht von 1916/26 „Wir wollen, pilgernd unter Andern“: „Da stellten alsgemach beim Wandern auch uns sich Atemnöte ein“

1916 hatte Karl Barth für Eduard Thurneysen in das Gästebuch des Leutwiler Pfarrhauses folgenden Vers geschrieben:

Wir wollen, pilgernd unter Andern,
in unsrer Art beharrlich sein.
Vermutlich stellt sich dann im Wandern
des längern Atems Vorzug ein.

In seinem Brief an Thurneysen vom 5. Mai 1926 schrieb Barth folgende „Rectractatio“:

Wir wollten, pilgernd unter Andern,
in unsrer Art beharrlich sein.
Da stellten alsgemach beim Wandern
auch uns sich Atemnöte ein.

Wir wandern nun in Mittagshitze.
Es wird nicht mehr so viel gelacht.
Und stumpf ist manches Hornes Spitze,
von dem wir einst Gebrauch gemacht.

Der liebe Gott läßt uns zu Zeiten
«in unsrer Art beharrlich sein».
Dann zeigen sich die Schattenseiten,
dann tritt die nötige Dämpfung ein.

Doch soll die Dämpfung uns nicht mindern
die bessere Wanderzuversicht:
Es scheint den Sündern, scheint den Kindern
beharrlich neu das alte Licht.

Quelle: Karl Barth / Eduard Thurneysen Briefwechsel II: 1921-1930, Karl Barth Gesamtausgabe, Bd. 4, hrsg. v. Zürich: Theologischer Verlag Zürich, 1974, 411f.

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