Paul Schempp, Der Weg der Kirche (Mai 1945): „Hat uns Gott, und nicht ein Schicksal, nicht die vom Nationalsozialismus vergeblich gelenkte Vorsehung, nein Gottes gerechter Zorn und dann gewiss auch die heimsuchende Gnade des Christus, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden, in dieses furchtbare Elend geführt, dann muss die Kirche um ihre eigene Schuld Bescheid wissen oder sie wird jetzt voll Zuversicht nach allen Hilfen und allen Möglichkeiten des Wiederaufbaus greifen und wieder Fleisch für ihren Arm halten, wieder sich auf Assur und Ägypten stützen, wieder vom steigenden Kurs der Religion sich bestimmen lassen und eine allgemeine Wiederverkirchlichung und Verchristlichung des Volkslebens zum Motiv ihres Handelns machen.“

Drei Wochen nach Kriegsende 1945 schloss Paul Schempp sein Manuskript „Der Weg der Kirche“ ab. Es ist die radikalste Kritik … Mehr

Hans Joachim Iwand im Brief an Karl Barth (1959): „Ich schäme mich, dass ich so lange nicht geschrieben habe. Aber mir ging es nicht gut, im Frühjahr gar nicht gut, und ich fürchtete schon, dass ich aus dem Geschirr genommen werden müsste. Denn alle meine Gedanken liefen mir weg, und sie wa­ren wie wilde Pferde, die ich nicht mehr an der Leine hatte. Ein bißchen davon erlebt man ja in allen Zweifeln und in den An­fechtungen, aber meist fängt man sich dann doch wieder ein. Aber im Frühjahr sah es nicht gut aus – mein Kopf war wie ein leeres Vogelbauer, in dem sich allerlei Getier einnistete. Das wurde dann aber doch besser, und seit meinem Schwedenur­laub mit Baden und viel Luft und Wald geht es mir wieder gut. Es ist auch das für mein Alter angemessene Maß von Lebenslust wieder da. Manchmal wünschte ich sogar, noch einmal jung zu sein, wenn ich sehe, in wie fa­der, fauler Luft wir hier leben und unser rein aus Gnade geschenktes, neu geschenktes Leben ver­fallen lassen. Das Leben ist eben doch der Güter höchstes nicht. Dass es mir damals nicht gut ging, kann seinen Grund darin gehabt haben, dass ich ein sehr starkes Mittel gegen hohen Blut­druck bekam – es muß nicht unbedingt den Anfang von Irresein bedeuten! Das ist noch beruhigend.“

Der Brief an Karl Barth vom 31.12.1959 gibt das Stimmungsbild von Hans Joachim Iwand wenige Monate vor seinem Tod wieder: … Mehr

Dietrich Bonhoeffer, Zur Frage der Kirchengemeinschaft (1936): „Extra ecclesiam nulla salus. Die Frage nach der Kirchengemeinschaft ist die Frage nach der Heilsgemeinschaft. Die Grenzen der Kirche sind die Grenzen des Heils. Wer sich wissentlich von der Bekennenden Kirche in Deutschland trennt, trennt sich vom Heil. Das ist die Erkennt­nis, die sich der wahren Kirche von jeher aufgezwungen hat. Das ist ihr demütiges Bekenntnis.“

Als Dietrich Bonhoeffer 1936 in der Juni-Ausgabe der Evangelischen Theologie seinen Vortrag „Zur Frage der Kirchengemeinschaft“ veröffentlichte, stieß er auf … Mehr

Hans Joachim Iwand im Brief an Karl Barth über den Tod seiner Frau Ilse (1951): „Als Ilse starb, saßen Anemone, meine älteste Tochter und ich am Tisch, der Atem wurde leicht wie Flocken, die zergehen, dann ging Ilse still und sanft hin­aus und was eben noch letzte Ahnung ihrer Erscheinung unter uns war, lag da, wie ein Gewand, das sie abgeworfen hatte. Wir lasen noch 1. Korinther 15 an ihrem Bett und gingen dann heim, der letzte, schwerste Dienst in diesem schön­sten Abschnitt meines Lebens war getan. Nun ist sie eingestiegen – und ich bin am Ufer zurückgeblieben, wie ein armer Bettler, der nicht mitgenommen wurde auf die große Fahrt.“

Brief an Karl Barth nach dem Tod seiner Frau Ilse Als seine Frau Ilse (geb. Ehrhardt, 1901-1950) kurz vor Weihnachten … Mehr