Erlass von König Wilhelm I. von Preußen zur Durchführung eines außerordentlichen Bettages für den 27. Juli 1870 aus Anlass des des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71: „Ich bin reinen Gewissens über den Ursprung dieses Krieges und der Gerechtigkeit unserer Sache vor Gott gewiß.“

In Sachen Thron und Altar bzw. Preußischer Kriegsgott erschien am 21. Juli 1870 folgender Erlass von König Wilhelm I. von Preußen zur Durchführung eines außerordentlichen Bettages aus Anlass des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71, der am 19. Juli mit der Kriegserklärung Napoleons III. an Preußen begann.

Außerordentlicher Bettag.
Erlaß Sr. Majestät des Königs
vom 21. Juli 1870.

Ich bin gezwungen, in Folge eines willkürlichen Angriffs das Schwert zu ziehen, um denselben mit aller Deutschland zu Gebote stehenden Macht abzuwehren. Es ist Mir eine große Beruhigung vor Gott und den Menschen, daß Ich dazu in keiner Weise Anlaß gegeben habe. Ich bin reinen Gewissens über den Ursprung dieses Krieges und der Gerechtigkeit unserer Sache vor Gott gewiß. Es ist ein ernster Kampf, den es gilt, und er wird Meinem Volke und ganz Deutschland schwere Opfer auflegen. Aber Ich ziehe zu ihm aus im Auf­blicke zu dem allwissenden Gott und mit Anrufung Seines allmächtigen Beistandes. Schon jetzt darf Ich Gott dafür preisen, daß vom ersten Gerücht des Krieges an durch alle deutsche Herzen nur ein Gefühl rege wurde und sich kund gab, das der Entrüstung über den Angriff und der freudigen Zuversicht, daß Gott der gerechten Sache den Sieg verleihen werde. Mein Volk wird auch in diesem Kampf zu Mir stehen, wie es zu Meinem in Gott ruhenden Vater gestanden hat. Es wird mit mir alle Opfer bringen, um den Völkern den Frieden wieder zu gewinnen. Von Jugend auf habe Ich vertrauen gelernt, daß an Gottes gnädiger Hülfe alles gelegen ist. Auf Ihn hoffe Ich und fordere Ich Mein Volk auf zu gleichem Vertrauen. Ich beuge Mich vor Gott in Erkenntniß Seiner Barmherzigkeit und bin gewiß, daß Meine Unter­thanen und Meine Landsleute es mit Mir thun. Demnach bestimme Ich, daß am Mitt­woch, den 27. Juli, ein außerordentlicher allgemeiner Bettag gehalten und mit Gottesdienst in den Kirchen, sowie mit Enthaltung von öffentlichen Ge­schäften und Arbeit, soweit die dringende Noth der Zeit es gestattet, begangen werde. Zu­gleich bestimme Ich, daß während der Dauer des Krieges in allen öffentlichen Gottesdiensten dafür besonders gebetet werde, daß Gott in diesem Kampfe uns zum Siege führe, daß Er uns Gnade gebe, auch gegen unsere Feinde uns als Christen zu verhalten, und daß Er uns zu einem die Ehre und Unabhängigkeit Deutschlands dauernd verbürgenden Frieden in Gnaden gelangen lasse.

Wilhelm.


Die Kollekte, welche bei dem Gottesdienste am Bettage abgehalten wird, ist mit Allerhöchster Genehmigung für die zurückgebliebenen bedürftigen Familien der ausmarschirten Truppen bestimmt.

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