Gustav Radbruch, Gerechtigkeit und Gnade von 1949: „Nur ein Altarbild, das 1506 im Braunschweiger Dom aufgestellt wurde, zeigt einzigartig unter dem Altan, auf dem Christus dem Volke zur Begnadigung dargestellt wird, drei Gestalten im Halseisen, die bei­den Schächer, welchen die Legende die Namen Dismas und Gismas ge­geben hat, und neben ihnen Barabbas. Ihm werden die Fesseln gelöst, und er nimmt die Befreiung entgegen“

Gerechtigkeit und Gnade (1949) Von Gustav Radbruch Während der Katholizismus eine großartige christlich fundierte Lehre von Recht und Gerech­tigkeit entwickelt … Mehr

Gustav Radbruch, Fünf Minuten Rechtsphilosophie von 1945: „Wenn Gesetze den Willen zur Gerechtigkeit bewußt verleugnen, z. B. Menschenrechte Men­schen nach Willkür gewähren und versagen, dann fehlt diesen Gesetzen die Geltung, dann schuldet das Volk ihnen keinen Gehorsam, dann müssen auch die Juristen den Mut finden, ih­nen den Rechtscharakter abzusprechen.“

Fünf Minuten Rechtsphilosophie Von Gustav Radbruch Erste Minute Befehl ist Befehl, heißt es für den Soldaten. Gesetz ist Gesetz, sagt … Mehr

Hannah Arendt, Die Unwiderruflichkeit des Getanen und die Macht zu verzeihen (Vita activa oder vom tätigen Leben): „Weil das Verzeihen ein Handeln eigener und eigenständiger Art ist, das zwar von einem Vergangenen provoziert, aber von ihm nicht bedingt ist, kann es von den Folgen dieser Vergangenheit sowohl denjenigen befreien, der verzeiht, wie den, dem verziehen wird. Die Freiheit, welche die Lehre Jesu in dem Vergebet-einander ausspricht, ist negativ die Befreiung von Rache.“

Die Unwiderruflichkeit des Getanen und die Macht zu verzeihen Von Hannah Arendt Wir sahen, wie der Mensch qua Animal laborans … Mehr

Leszek Kolakowski, Bileam, oder das Problem der objektiven Schuld: „Erste MORAL: Schätzen wir die Stimme eines Tieres nicht gering – denn es weiß gelegent­lich etwas besser als wir. Zweite MORAL: Unwissenheit ist eine Sünde, und indem wir uns mit Unwissenheit recht­fertigen, fügen wir den alten Sünden eine neue hinzu.“

Leszek Kolakowski (1927-2009), der wohl bekannteste polnische Philosoph des 20. Jahrhunderts, hatte trotz kommunistischer Sozialisation immer auch ein Faible für … Mehr

Viktor Klemperer über den Einfluss des Sprachgebrauchs auf das Denken und Fühlen (LTI. Notizbuch eines Philologen, 1947): „Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da. Wenn einer lange genug für heldisch und tugendhaft: fanatisch sagt, glaubt er schließlich wirklich, ein Fanatiker sei ein tugendhafter Held, und ohne Fanatismus könne man kein Held sein.“

Über den Einfluss des Sprachgebrauchs auf das Denken und Fühlen Von Victor Klemperer Der Nazismus glitt in Fleisch und Blut … Mehr

Friedrich Nietzsche in Jenseits von Gut und Böse: „Die wunderliche Familien-Ähnlichkeit alles indischen, griechischen, deutschen Philosophirens erklärt sich einfach genug. Gerade, wo Sprach-Verwandtschaft vorliegt, ist es gar nicht zu vermeiden, dass, Dank der gemeinsamen Philosophie der Grammatik von vornherein Alles für eine gleichartige Entwicklung und Reihenfolge der philosophischen Systeme vorbereitet liegt.“

Über die Philosophie der Grammatik In Sachen sprachlicher bzw. linguistischer Relativität provoziert Friedrich Nietzsche, wenn er in Jenseits von Gut … Mehr

Jacques Gernet, Denken und Sprache (Christus kam bis nach China, 1984): „Im Chinesischen gab es kein Verb für Existenz, nichts, mit dem sich die Begriffe ‹Sein› oder ‹Wesen› übersetzen ließen, die im Griechischen so bequem mit dem Substantiv ousia oder dem neutralen to on ausgedrückt werden. So gibt es für die Chinesen auch kein Sein als ewige und beständige Realität jenseits der Phänomene. Sprachliche Struktur und Formen haben offenbar das chinesische und das abendländische Denken in je verschiedene Richtungen gelenkt und geistige und religiöse Traditionen entstehen lassen, die sich zu zwei voneinander unabhängigen Welten gefügt haben.“

Der Schlussabschnitt von Jacques Gernets Christus kam bis nach China. Eine erste Begegnung und ihr Scheitern (im Original Chine et … Mehr

Wie ‚Gott‘ eine metaphysische Trinität zugrunde liegt und warum für eine NAMENliche Trinitätslehre die Existenzfrage Gottes irrelevant ist: „Wenn in unserer Gesellschaft die Existenz Gottes theistisch bzw. atheistisch diskutiert wird, geht es dabei um die Gültigkeit der metaphysischen Trinität. Dem Gottsein sind drei Abstrak­tionsverhältnisse zugedacht, nämlich ursprungszentrierte Kosmologie (causa prima), selbst­referentielle Ontologie (ipsum esse) sowie epistemische Ideologie (summum bonum).“

Wie „Gott“ eine metaphysische Trinität zugrunde liegt und warum für eine NAMENliche Trinitätslehre die Existenzfrage Gottes irrelevant ist Wenn in … Mehr