John Donne über die Zweifelhaftigkeit der Welterkenntnis (An Anatomy of the World, 1611): „Neue Philosophie setzt alles nun in Zweifel. / Das Element des Feuers ist verlöscht; / Die Sonn ist fort, die Erde auch, und kein Verstand / Dem Menschen zeigt, wo er sie wiederfindet. / Und frei bekennt der Mensch, dass diese Welt / Ganz aufgebraucht, wenn in Planeten und im Firmament / Man lauter neue sucht, und sieht, dass in Atome / Alles auseinanderfällt. / In Stücken alles, kein Zusammenhang.“

Exzerpt aus An Anatomy of the World Von John Donne (1572-1631) And new philosophy calls all in doubt,The element of … Mehr

Paul Ricoeur, Das Leben bis zum Tod begleiten: „Die Wahrheit der aktiven Sterbehilfe ist die Wahrheit eines assistierten Suizids. Ein Mensch entscheidet autoritativ über die Grenze zwischen dem Tolerierbaren und dem Untolerierbaren. Doch für wen ist die Verlängerung des Lebens unerträglich? Für den kranken Menschen? Für das familiäre Umfeld? Wer bittet um den Tod? Was bedeutet diese Bitte?“

Das Leben bis zum Tod begleiten Von Paul Ricoeur Die Herausforderungen Wer von Einsatz spricht, meint etwas zu gewinnen oder … Mehr

Robert D. Kaplan über das „tragische Denken“ als politische Vernunft: „Tragisch denken heisst letztlich, dass man realisiert und akzeptiert, dass die Welt eben nicht perfekt ist. Irgendwo wird es immer Desaster und Traurigkeit geben. Dennoch kann tragisches Denken dazu beitragen, dass es nicht noch mehr Desaster und Traurigkeit gibt. Dazu gehört, dass man die Angst vor negativen Konsequenzen ernst nimmt.“

Im Januar ist Robert D. Kaplans neues Buch „The Tragic Mind“ (Yale University Press, 2023) herausgekommen, in dem Kaplan die … Mehr

Hans Jonas, Warum die moderne Technik ein Gegenstand für die Ethik ist: „Mit jedem neuen Schritt (= »Fortschritt«) der Großtechnik setzen wir uns schon unter den Zwang zum nächsten und vermachen denselben Zwang der Nachwelt, die schließlich die Rech­nung zu zahlen hat. Aber auch ohne diese Fernsicht stellt schon das tyrannische Element als solches in der heutigen Technik, das unsere Werke zu unseren Herren macht und uns sogar zwingt, sie weiter zu vervielfachen, eine ethische Herausforderung an sich dar – jenseits der Frage, wie gut oder schlecht jene Werke im einzelnen sind.“

Warum die moderne Technik ein Gegenstand für die Ethik ist Von Hans Jonas Daß, ganz allgemein gesprochen, die Ethik in … Mehr

Hans Jonas, Vorwort zu Das Prinzip Verantwortung (1979): „Der endgültig entfesselte Prometheus, dem die Wissenschaft nie gekannte Kräfte und die Wirtschaft den rastlosen Antrieb gibt, ruft nach einer Ethik, die durch freiwillige Zügel seine Macht da­vor zurückhält, dem Menschen zum Unheil zu werden. Dass die Verheißung der modernen Technik in Drohung umgeschlagen ist, oder diese sich mit jener unlösbar verbun­den hat, bildet die Aus­gangsthese des Buches. Sie geht über die Feststellung physischer Be­drohung hinaus. Die dem Menschenglück zugedachte Unterwer­fung der Natur hat im Übermaß ihres Erfolges zur größten Heraus­forderung geführt, die je dem menschlichen Sein aus eigenem Tun erwachsen ist.“

Vorwort zu Das Prinzip Verantwortung Von Hans Jonas Der endgültig entfesselte Prometheus, dem die Wissenschaft nie gekannte Kräfte und die … Mehr

Paul-Henri Thiry d’Holbach, Gebet eines tugendhaften Atheisten: „Ich darf dich, also, nicht fürchten; ich darf des Schicksals wegen nicht unruhig seyn, das du mir zubereitest. Deine Gütigkeit konnte nicht zugeben, daß ich mir durch unvermeidliche Verirrungen Strafe zuzöge. Warum ließest du mich nicht lieber in dem Nichts, als daß du mich in die Klas­se vernünftiger Wesen riefest, damit ich die traurige Freyheit haben möchte, mich unglücklich zu machen?“

Gebet eines tugendhaften Atheisten Von Paul-Henri Thiry d’Holbach Wenn denn wirklich ein Gott seyn sollte; wenn dieser Gott ein verständiges, … Mehr

Reinhart Kosellecks Artikel „Geschichte“ aus dem Lexikon ‚Geschichtliche Grundbegriffe‘: „Die drei Ebe­nen: Sachverhalt, Darstellung und Wissen­schaft davon wurden jetzt als ‚Ge­schichte‘ auf einen einzigen gemeinsa­men Begriff gebracht. Es handelte sich, wenn der gesamte damalige Wortge­brauch berücksichtigt wird, um die Fusion des neuen Wirklichkeitsbegriffes von ‚Geschichte überhaupt‘ mit den Refle­xionen, die diese Wirklichkeit überhaupt erst begreifen lehrte. ‚Geschichte‘ war, überspitzt formu­liert, eine Art transzen­dentaler Kategorie, die auf die Bedingung der Möglichkeit von Geschichten zielte.“

Mit seinem magistralen Artikel „Geschichte V. Die Herausbildung des modernen Geschichtsbegriffs; VI. ‚Geschichte’ als moderner Leitbegriff; VII. Ausblick“, erschienen 1975 … Mehr

Reinhart Koselleck, Wozu noch Historie? (1970): „In jedem Fall bedürfen wir einer Theorie historischer Zeiten, wenn wir das Verhältnis der ›Geschichte an sich‹ zu den unendlich vielen Geschichten im Plural klären wollen. Ideologisier­bar, wie »Geschichte« ist, bleibt sie gleichwohl als transzendentale Katego­rie Bedingung unserer neuzeitlichen Erfahrung. Als solche geht sie nie unmittelbar auf in den jeweiligen Geschichten, die erfahren oder erkundet werden, auch wenn sie diese erst erkennbar macht.“

Wozu noch Historie? Von Reinhart Koselleck Werner Conze zum 31. Dezember 1970 Die Frage wird gestellt, wozu wir überhaupt noch … Mehr