Karl Barth, Predigt über Johannes 16,33 an Heiligabend 1963 aus der Strafanstalt Basel: „Ich habe die Welt überwunden. Das ist die Weihnachtsbotschaft. Ich! Das Kind in der Krippe zu Bethlehem sagt uns das — in größter Demut, aber auch in größter Macht und Bestimmt­heit. Ich, der Sohn Gottes, des allmächtigen Vaters, des Schöpfers des Himmels und der Erde! Ich, den er euch Menschen als Menschensohn wie ihr selbst gegeben hat, damit er euer Gott sei und ihr sein Volk seid — damit das Heil, der Friede, die Freude dieses Bundes über euch komme! Ich habe die Welt überwunden. Nicht ihr bösen und auch nicht ihr guten Menschen, ihr Dummen nicht und ihr Gescheiten auch nicht, ihr Gläubigen nicht und auch nicht ihr Ungläubigen! Kein Papst und kein Konzil, keine Regierung und keine Universität hat das getan, keine Wissenschaft und keine Technik — und wenn es euch gelänge, übermorgen auf der Milchstraße Schlitten zu fahren. Ich habe das getan.“

Die letzte Predigt Karl Barths zu Weihnachten (die im Rundfunk live übertragen wurde) hatte dieser über Johannes 16,33 an Heiligabend … Mehr

Eberhard Jüngels Nachruf auf Karl Barth vom Dezember 1968: „Hat er denkend, redend und handelnd zu hoch gegriffen, um einer aus der – tiefer als je empfundenen – Tiefe nach Gott schreienden oder schon nicht mehr nach Gott schreienden, sondern nur noch sich selbst bekla­genden und sich selbst beruhigenden Menschheit mit seinem Riesenwerk wirklich hilfreich werden zu können? Oder dachte er von dem sich erniedrigenden Gott so hoch, redete er des­halb so assertorisch, handelte er deshalb so kompromisslos, weil ihn die Anfechtung nicht nur beten, sondern eben auch denken, reden und handeln lehrte? In dem kleinen Seufzer, mit dem wir zu Gott sagen: Ach, ja!, steckt alles, und alles muß auch immer wieder zu diesem kleinen Seufzer werden – behauptete Barth. Hat ihn dieses ‚Ach, ja‘ empor gebracht?“

Einen Tag nach Karl Barths Tod hielt Eberhard Jüngel am 11. Dezember 1968 nach seiner Vorlesung im Rahmen des Dogmatik-Kollegs … Mehr

Ernst Wolf, ‚Politischer Gottesdienst‘. Zum 80. Geburtstag des ‚Politikers‘ Karl Barth (1966): „Karl Barth musste der kulturprotestantischen, weithin lutherischen Tradition, er musste einem christlichen Nationalismus und einer kirchlichen Interessenpolitik in Deutschland einfach anstößig werden, denn er hat ihre Tabus angegriffen und zum Teil dann sogar entmachtet. Gerade damit aber hat er dem Christen in der Daseinsgemeinschaft mit Nicht- und Nichtmehr-Christen zu jener dienstbaren Freiheit verholfen, aus der allein echtes politisches Handeln am Gemeinwohl in Partnerschaft, an der salus publica sinnvoll und auch realisierbar ist, sofern es seine reine Weltlichkeit erkennt und bejaht.“

„Politischer Gottesdienst“. Zum 80. Geburtstag des „Politikers“ Karl Barth Von Prof. D. Dr. Dr. Ernst Wolf I. Man hat immer … Mehr

Karl Barth, Gottes Geburt (Weihnachten 1962): „Ohne ihr Geheimnis kann die Weihnachtszeit die fröhliche, die selige, die gnadenbringende, von der die Kinder singen, unmöglich sein. Es geht nicht um das «Dogma». Es stünde uns zwar wohl an, mit dem Dogma nicht so leichtfertig und auch nicht so misstrauisch umzugehen, wie es oft geschieht. Man könnte sich — und das wäre besser — durch seinen Lobpreis des wahren Gottes und des wahren Menschen, von dem zum Beispiel eben alle ordentlichen Weihnachtslieder erfüllt sind, auf das Geheimnis der Weihnacht aufmerksam machen lassen. Aber es geht nicht um das Dogma, sondern um das Geheimnis der Weihnacht selbst, das im Dogma doch nur stammelnd angezeigt ist.“

Zu Weihnachten 1962 erschien von Karl Barth in dem vom Migros-Genossenschafts-Bund herausgegebenen Wochenblatt „Wir Brückenbauer“ eine Besinnung, die die Weihnachtsbotschaft … Mehr

Karl Barth, Der Christ in der Gesellschaft. Eine Tambacher Rede (1919): „Nein nein, antworten wir, geht uns, ihr Psychiker, mit eurem Innseits! Apage Satanas! Jenseits, trans, darum gerade han­delt es sich, davon leben wir. Wir leben von dem, was jenseits des Reichs der Analogien ist, zu denen auch unser bißchen Innseits gehört. Von den Analogien führt keine Kontinuität hinüber in die göttliche Wirklichkeit. Kein gegenständlicher Zusammenhang zwischen dem, was gemeint ist, und dem, was ist, darum auch kein gegenständlicher, etwa entwicklungs­mäßig vorzustellender Übergang von hier nach dort. Das Himmelreich ist eine Sache für sich, seine Ver­heißung sowohl wie seine Offenbarung, wie die Fülle seiner Gegenwart, so gewiss es nicht für sich bleibt und bleiben kann. So ist das Ziel der Geschichte, das télos, von dem Pau­lus 1. Korinther 15,23-28 geredet, kein geschichtliches Ereignis neben andern, sondern die Summe der Geschichte Gottes in der Geschichte, in ihrer uns verhüllten, ihm aber und den von ihm erleuchteten Augen offenbaren Herrlichkeit.“

Im besten Sinne verstörend ist der expressive Gottesanspruch, den Karl Barth in seiner Tambacher Rede in die religiöse Landschaft nach … Mehr