Paul Schempp, Randglossen zum Barthianismus (1928): „In der Diskussion über Barths Theologie bleibt man stecken, als ob Theologie ein so harmloses und friedfertiges Unterneh­men wäre wie die Aufstellung der Jahresbilanz eines gut fundierten Geschäfts. Barth floriert, seine Bü­cher gehen und die Konkurrenz strengt sich an. Aber dies hindert nicht, daß der gesamte Pro­duktionszweig, Kirche und Theologie, nur unter die Luxusindustrie zu rechnen ist; sie muß schon sehr interessante Artikel liefern, wenn das Publikum noch kaufen soll. Nicht die Ware, der Verkäufer, die Aufmachung, die Reklame und vor allem das Ansehen der Firma geben den Ausschlag. Der Erfolg: ein paar bedeutende Theologen, die Aufrecht­erhaltung des Betriebs mit staatlichen Mitteln, die Erhaltung der Absatzgebiete, die Befriedi­gung der reli­giösen Bedürfnisse des Mittelstandes, die langsame Modernisierung; innerhalb der Wissen­schaft, Bildung, Mentalität und Religiosität des 20. Jahrhunderts behaupten Theo­logie und Kirche ihr traditionelles Plätzchen, die Konjunktur schwankt, aber das Unternehmen ist ge­sicherter als der Friede Europas. Das alles wird gerechtfertigt durch die Theologie selber, nicht so plump und unglaubwürdig, dass das als Werk und Wille Gottes ausgegeben wird, nein, viel feiner und imponierender dadurch, dass der Zorn Gottes über all das gelegt wird, dass geschmettert und getobt wird wider die Gottlosigkeit der Kirche und die Unfruchtbarkeit und den Mangel an Geist in der Theologie.“

Randglossen zum Barthianismus Von Paul Schempp Schon 1928 hatte der damals 28jährige Paul Schempp in der Zeitschrift Zwischen den Zeiten … Mehr