Wilhelm Kamlah über die Widerfahrnis (Philosophischen Anthropologie, 1972): „Unser aller Leben ist eingespannt zwischen den Widerfahrnissen Geburt und Tod. Gleichsam das erste und das letzte Wort hat für uns nicht unser eigenes Handeln. Aber auch, wenn wir handeln, widerfährt uns stets etwas. Es gibt Widerfahrnisse ohne Handeln, aber es gibt kein pures Handeln. Auch ein so mächtiges Handeln wie das sogenannte ’schöpferische‘ ist doch stets auf vorgegebene Bedingungen angewiesen und Störungen ausgesetzt, so dass es mehr oder weniger oder gar nicht ‚gelingt‘. Handlungen führen zum Erfolg oder zum Mißerfolg oder auch zu unerwarteten Neben­folgen.“

„Widerfahrnis“ ist kein geläufiger anthropologischer Begriff, obwohl er das aufnimmt, was in der klassischen griechischen Philosophie mit páthos bezeichnet wird. … Mehr

Jürgen Moltmann über die Auferstehung Jesu (2019): „Das Grab war leer, sonst hätten die Jünger die Auferstehung Jesu Christi nicht verkündigen können. In Jerusalem hätten die Juden darauf verwiesen: Da liegt er doch im Grab, er ist nicht auferstanden. Der Leichnam wurde auferweckt und ist wieder lebendig geworden. Jesus ist also der gleiche Mensch, der er vorher war. Sonst hätten die Jünger ihn nicht erkannt. Und sie erkennen ihn an seiner Stimme und an den Wundmalen. Jesus ist in der ersten Gegenwart den Jüngern erschienen und in der zweiten Gegenwart uns. Im Wort der Verkündigung und im Sakrament ist er gegenwärtig.  Für mich bedeutet dies: im Ende der Anfang. Christi Ende war sein wahrer Anfang. Das erlebe ich mit meinen 92 Jahren immer wieder: Im Ende der Anfang. Das hab ich erlebt, als ich ohne Hoffnung war, in dem ersten Jahr meiner Gefan­genschaft nach dem 2. Weltkrieg. Da habe ich in meinem Ende den Anfang mit Christus erlebt.“

„Wage es, mit der Gewissheit der Auferstehung zu leben“ Ein Gespräch mit dem Tübinger Theologieprofessor Dr. Jürgen Moltmann über die … Mehr

Alfons Deissler über das Ethos des Alten Testaments: „Auf die bundeswillige personale Zukehr Gottes zum Menschen soll der Mensch (‚als Partner Gottes‘) antwortend sich verwirklichen in einem tätigen ‚Ja‘ zu JHWH u. damit ‚in, durch und mit JHWH‘ sich der Welt und der menschlichen Gemeinschaft zukehren in Gesinnung, Wort u. Tat. Damit werden ‚Weltdienst‘ und ‚Menschendienst‘ im Alten Testament in den Rang des ‚JHWH-Dienstes‘ er­hoben.“

Ethos des Alten Testaments Von Alfons Deissler Religionsgeschichtlich wird die „Existenz Israels vor JHWH“ mit Recht als „ethische Reli­gion“ gekennzeichnet. … Mehr

Dietrich Bonhoeffer, Predigtmeditation über Johannes 10,11-16 (1940): „Nicht jeder, der flieht, ist ein Mietling, aber gewiss ist es, dass jeder Mietling flieht. Auch das ist Flucht, wenn man schweigt, wo man reden sollte, wenn man unterlässt, was man tun sollte. So gewiss der gute Hirte für seine Schafe stirbt, so gewiss flieht der Mietling. Auch der treueste Pastor ist nicht der gute Hirte; aber weil er weiß, dass ’seine‘ Gemeinde nicht seine, sondern des Herrn Jesu eigene Gemeinde ist und dass Jesus für diese Gemeinde gestorben ist und allein ihr guter Hirte ist, so lässt er Jesus weiter allein den guten Hirten seiner Gemeinde sein und flieht nicht. Der Pastor aber, dem sein Amt, der sich selbst, dem sein Gewinn wichtiger ist als die Gemeinde des guten Hirten, der ist ein Mietling und flieht, manchmal vielleicht gerade, indem er bei ’seiner‘ Gemeinde, die er für sein Eigentum hält, bleibt.“

Für das Evangelium zum Sonntag Misericordias Domini hatte Dietrich Bonhoeffer 1940 folgende Predigtmeditation verfasst, die in dem von Georg Eichholz … Mehr

Karl Barths Predigt über Kolosser 3,1-2 von 1923: „Droben, da Christus ist, ist also nicht der Teufel, der Betrüger von Anfang. Der Teufel ist eine sehr ernste Realität – da drunten, in der Geisterwelt und Geisteswelt, die uns umgibt; in der Luft, die wir atmen, auch wenn es eine christliche oder sonstwie eine sehr ideale Luft sein sollte. Wer ihn da leugnet, der ist ein Narr, heute noch mehr als je. Er ist der Fürst dieser Welt. Aber er ist nicht droben. Die Realität des Wunders, das Gott an uns tut, schlägt die Realität des Teufels. Die Rechte des Herrn behält den Sieg.“

„Suchet was droben ist!“ Predigt über Kolosser 3,1-2 Von Karl Barth Am 3. Juni 1923 (1. Sonntag nach Trinitatis) hielt … Mehr

Karl Barth, Das Geheimnis des Ostertages (1967): „Das Geheimnis des Ostertages ist die der Welt ein für allemal nicht nur zugesprochene, son­dern eingepflanzte Hoffnung. Sie gehört nicht zur Welt, sofern sie nicht aus ihr stammt, nicht als eine irgendeinmal und irgendwo in ihr aufgekommene Bewegung durch irgend eine von Menschen ersonnene Idee, Lehre oder Theorie lebendig ist. Sie gehört aber unveräußerlich zu ihr – wirklich zu unserer Menschenwelt von gestern, heute und morgen –, sofern sie ihr an bestimmtem Ort, zu bestimmter Zeit von außen her ein für allemal eingepflanzt wurde: von außen, aber hinein in ihr Innerstes.“

Das Geheimnis des Ostertages Von Karl Barth Der Ostertag ist der eigentliche Feiertag der christlichen Kirche. Nicht die Weihnacht, nicht … Mehr