Karl Barth, Rede zum Volkstrauertag 1954: „Wer nämlich seine Vergangenheit nicht wahrhaben will, der sehe zu, dass sie nicht so, wie sie war und vielleicht schlimmer als so, in anderer Gestalt, aber wieder in Form eines Dabeiseins, seine neue Gegenwart werde! Und es geht fast noch weniger an, die Opfer des Krieges und des Nationalsozialismus verges­sen zu wollen. Es ist wahr: Wir sind die Entronnenen, ‚wir sind noch einmal davongekommen'“.

Als Karl Barth 1954 von der hessischen Landesregierung  eingeladen worden war, im Rahmen eines Staatsaktes eine Rede zum Volkstrauertag zu … Mehr

Hans-Georg Gadamers Vortrag ‚Vom Wort zum Begriff. Die Aufgabe der Hermeneutik als Philosophie‘ bei den Bamberger Hegelwochen 1994: „Es liegt nahe, die Lage der Menschheit für verzweifelt zu halten. Denn am Ende haben wir einen Punkt erreicht, an dem die Selbstzerstörung der Menschheit droht und jedem bewusst werden kann. Ist es da nicht eigentlich eine Aufgabe des Denkens aller, sich klarzumachen, dass Solidarität die Grundvoraussetzung ist, unter der man gemeinsame Überzeugungen, wenn auch nur langsam, miteinander entwickeln kann? Mir scheint, die europäi­sche Zivilisation hat seit den letzten drei Jahrhunderten das Gesetz des Gleichgewichts vernachlässigt. Sie hat in einer bewundernswerten Weise die Wissenschaftskultur und ihre technische und organisato­rische Anwendung zur vollen Entwicklung gebracht.“

Da sind wir vom Erlanger Oberseminar mit Professor Hans G. Ulrich am letzten Novembertag 1994 zu den Bamberger Hegelwochen gefahren, … Mehr

Walter Jens‘ Rezension von Fridolin Stiers Übersetzung des Markus-Evangeliums (1965): „Doch das sind kleine Monenda, Unebenheiten, die nur der mit Nachdruck hervorheben muss, dem, wie mir, diese Übersetzung vom Geist Martin Luthers, von seiner Kenntnis und von seiner Wortgewalt, erfüllt zu sein scheint. Und wieviel theologische Gelehrsamkeit wurde hier eingedeutscht, ohne die Worte des Schriftstellers Markus explikativ zu erweitern! Welcher Laie schließlich weiß schon, dass Jesus, auf Pilatus’ Frage, ob er der König der Juden sei, nicht du sagst es im Sinne von ‚ja‘, sondern das sagst DU antwortet? Theologen und Laien gemeinsam aber haben Grund sich zu freuen; denn es ist keine Kleinigkeit, ein Stück Weltliteratur, ein Evangelium zum ersten Mal in wortwörtlicher Treue lesen zu können.“

Fridolin Stiers Das Neuen Testament, 1989 aus dem Nachlass von Eleonore Beck, Gabriele Miller und Eugen Sitarz herausgegeben, ist als … Mehr

Karl Barths Abschiedspredigt in Safenwil vom 9. Oktober 1921 über 1. Petrus 1,24-25: „Ihr könntet mir sagen, ich sei ein allzu einsamer Mann gewesen, ich sei zu wenig in die Häu­ser und unter die Leute gegangen. Ihr könntet mir zurufen, was ja in einer Zeitung gestanden hat: Er verstand seine Gemeindegenossen nicht, und sie verstanden ihn nicht. Und ich müsste euch zugeben: ja, daran ist etwas, und ich weiss, dass es nicht so hätte sein sollen. Aber was hat mich denn in die Einsamkeit getrieben? Wer hat mir denn etwa das abgenommen, was ich sagen wollte? Wer hat, mich denn verstehen wollen, auch dann, wenn ich mir alle Mühe gab, ihn zu verstehen? Und wieder würden wir wahrscheinlich quitt und könnten nur sagen: Alles Fleisch ist wie Gras.“

Das war’s. Karl Barths gottesdienstlicher Abschied als Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde in Safenwil stand für Sonntag, den 9. Oktober 1921 … Mehr

Hans-Georg Gadamer über den Tod als menschliche Frage: „Während eine ruhig herabbrennende Kerze, von dem Wind der Zeit hin- und herbewegt, zwischen Verdunkelung und neu ansteigender Helligkeit hin- und herschwankt, scheint das Flackern der verlöschenden Kerze zuweilen noch ein klein wenig mehr Helligkeit zu verbreiten als das der ruhig abbrennenden: Die Unbegreiflichkeit des Todes ist der höchste Triumph des Lebens.“

Über den Tod als menschliche Frage Von Hans-Georg Gadamer Anschaulich und hintergründig hatte sich Hans-Georg Gadamer 1975 in seinem Aufsatz … Mehr