Siegfried Einstein, Schlaflied für Daniel: „Du darfst nicht schlafen, mein Kind. / Und es ist Nacht. / Die Toten stöhnen im Wind: / viel Menschen sind umgebracht. // Du darfst nicht schlafen, mein Sohn, / und träumen von seliger Pracht. / Sieh doch, es leuchtet der Mohn / wie Blut so rot in der Nacht. / Wir fahren durch Deutschland, mein Kind. / Und es ist Nacht. / Die Toten klagen im Wind – / und niemand ist aufgewacht …“

Siegfried Einstein, am 30. 11. 1919 in Laupheim geboren, emigrierte 1934 in die Schweiz und kehrte 1953 nach Deutschland zurück. … Mehr

Reinhold Schneiders „Vom Wort zum Herrn“ (1939): „Das Wort hat nur mit einer Macht zu ringen, die freilich tausendfältiger Gestalt ist: mit dem Widersacher. Er vermag sich in den höchsten Wer­ken des Geistes zu verbergen wie in den Werken tiefster Niedrigkeit; das Wort ist die Liebe, er ist der Hass. Darum hat das Wort die unfehlbare Wirkung, zu einigen und das Reich des Herrn zu bereiten; es ist die Mitte, an die alles Wirken des Herrn gebunden ist.“

Als Kurt Ihlenfeld 1939 im Hinblick auf eine Revision der Luther-Bibel von 1912 den Band „Das Buch der Christenheit. Betrachtungen … Mehr

Jan Twardowskis Klarstellung zu seinem Kinderglauben: „Ich mache mich nicht schön wie eine Ente im Oktober, / und Tränen zum Eingeständnis aller Schuld / werde ich auch nicht vergießen. / Ich werde Ihnen nicht mit dem Kaffeelöffel / Theologie ins Ohr träufeln. / Ich werde mich einfach neben Sie setzen / und Ihnen mein Geheimnis anvertrauen: / Dass ich, ein Priester, an Gott glaube / wie ein Kind.“

Die Gedichte des polnischen Priesters Jan Twardowski sind Gespräche mit Gott oder Mitmenschen, die dessen Glauben geschöpflich verorten. Hier ein … Mehr

„Es war einmal“ – Ein Altersgedicht von Rudolf Bultmann (1975) in seinem letzten Brief an Martin Heidegger: „»Es war einmal«, so pflegt das Märchen zu beginnen. / In diesem Satz entsteht das Wissen um die Zeit. / Was einmal war, – es ist ja jetzt von hinnen, / Verschlungen ist’s von der Vergangenheit. / Was kommen wird, die Zukunft wird es bringen / So kann das Märchen vom Vergangenen nur singen. / Doch ist im Märchen noch das Wissen nicht entfaltet, / Denn auch das Künftige wird in ihm gestaltet: / In Phantasien mit alten Bildern von Königen und von Megären, / Von Hexen, Zauberern, die uns am Leben zehren. / Doch solcher – Phantasien – Chor / Schwebt heut‘ nicht unsern Augen vor. / Doch ist die Zeit, in der wir heute leben, / mit unserm Planen und Bestreben / Von Märchen wirklich frei? Nein nie! / Nur heißt das Märchen jetzt Ideologie. / Drum frage jeder sich: bist du bereit / Für eine zukunftsreiche offne Zeit?“

Dem letzten Brief Rudolf Bultmanns (1884-1976) an Martin Heidegger (1889-1976) vom 20. September 1975 lag folgendes Gedicht bei – Bultmann … Mehr