„Wer würde es wagen, neben ihm eine Ameise zu bemerken“ – Jan Twardowski über Gott und die Welt

Rossameise
Rossameise (Aufnahme Richard Bartz, Munich)

Die Welt

Gott hat sich verborgen, damit man die Welt sieht
würde er sich zeigen, gäbe es nichts anderes als ihn –
wer würde es wagen, neben ihm eine Ameise zu bemerken
die schöne böse Wespe, die sich emsig tummelt
den grünen Erpel mit den gelben Beinen
den Kiebitz, der seine vier Eier in Kreuzform legt
die Kugelaugen der Libelle, die grünen Bohnen
die Schnecke, die in ihrem Gehäuse den Weg
nach Außen geht und nach Innen
oder unsere Mutter, die bei Tisch vor kurzem noch
den Henkeltopf am drollig langen Ohr hochhob
die Tanne, die keine Zapfen, sondern Schuppen abwirft
all die Leiden auf dieser Erde … und all die Lust
beide tiefste Quellen des Wissens
Geheimnisse, die nicht groß und nicht klein
aber immer anders sind
die Steine, die dem Wanderer die Richtung weisen
die unsichtbare Liebe –
Er verdeckt nichts.

Jan Twardowski

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