Der Zweifel – die Unglaublichkeit des Glaubens Man kann nur an seinen Gott glauben;an seinem Glauben kann man nur zweifeln … Mehr
Kategorie: Literatur und Gedichte
Joseph Wittig, Die Erlösten (1922): „Der Katholik treibt sich sein Leben lang – solang damals schon unser Leben war – in den Grenzgebieten des Reiches Gottes herum und fühlt sich stets von Strafen für Grenzüberschreitungen bedroht. Er hat gar keine Zeit, etwas nach der Mitte des Gottesreiches zu wandern, wo es eigentlich erst schön zu werden beginnt. Er muss fortwährend an der Grenze Grenzverletzungsprozesse mit seiner Seele, mit seinem Beichtvater, mit seinem Herrgott durchfechten. Er lernt die Geographie des Gottesreiches auswendig, nämlich die Dogmatik; er studiert das Jus des Gottesreiches, nämlich die Moral. Er weiß genau, wieviel Gramm Brot er essen darf, ohne das Fastengebot zu verletzen. Er schließt ziemlich viel Verträge ab mit seinem Gott: Gegen die und die Leistung erwartet er, freilich in aller Demut und mit dem Zugeständnis jedes Mangels eines Rechtsanspruches, ganz bestimmte Leistungen von seiten Gottes.“
Nachdem Joseph Wittig 1922 mit seinem Hochland-Essay „Die Erlösten“ die katholische Sündenlehre bzw. Beichtpraxis heftig kritisiert hatte, wurden im Juni … Mehr
Ingeborg Bachmann, Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar (Rede von 1959): „Es kann nicht die Aufgabe des Schriftstellers sein, den Schmerz zu leugnen, seine Spuren zu verwischen, über ihn hinwegzutäuschen. Er muss ihn, im Gegenteil, wahrhaben und noch einmal, damit wir sehen können, wahrmachen. Denn wir wollen alle sehend werden. Und jener geheime Schmerz macht uns erst für die Erfahrung empfindlich und insbesondere für die der Wahrheit.“
Ingeborg Bachmanns Rede anlässlich der Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden 1959 ist ein beredetes Zeugnis für die Parrhesia im Sinne … Mehr
Reinhold Schneider, Die Kranken besuchen (1957): „Die Krankheit verbannt heute ins Krankenhaus, wo ja auch Geburt und Tod geschehen. Über seine Unentbehrlichkeit, seine Hilfsbereitschaft braucht kein Wort mehr gesagt zu werden. Als aber der Kranke von der Familie, inmitten ihres Lebens, respektiert wurde, in ihr seinen Raum hatte, war er gleichsam immer besucht. Heute wird er auf eine bestimmte Weise abgefertigt; das Krankenhaus ist Autorität, die Familie hat keine Stimme mehr. Aufs höchste sind die Menschen zu bewundern und zu verehren, die in harter Selbstüberwindung in den Krankenhäusern behandeln, dienen und pflegen. Aber als Bote des Arztes der Welt, als der Wartende am Teiche in Jerusalem hat der Kranke hier nicht mehr viel zu sagen, während er in der Familie so viel zu sagen hatte.“
Die Kranken besuchen (1957) Von Reinhold Schneider Die Kranken besuchen, das heißt: eine echte Beziehung zur Krankheit finden. Das ist … Mehr
Reinhold Schneider, Sonett „An meinen Vater“ (1928): „Der Schwermut Erbe ward mir übermacht, / Es ist mein Untergang und ist mein Lohn; / Wohl fühlte ichs in frühen Tagen schon, / Doch kommts aus frühern, aus des Anfangs Nacht. // Du hast als letzter mir die schwere Fracht / Der Väter auferlegt zu Not und Fron, / Ich will sie tragen, bis zuletzt dein Sohn, / Doch sei in mir das Leid zur Ruh gebracht.“
Nachdem sich der 19jährige Schneider 1922 in der Nachfolge seines Vaters an einer eigenen Selbsttötung versucht hatte, schrieb er 1928 … Mehr
Joseph Wittigs Erzählung „Gold, Weihrauch und Myrrhen“: „Was in der Bibel geschrieben steht, wird immer wieder wahr, auch wenn man sich nicht getraut, es zu sehen, und auch wenn manches dabei unpassend ist.“
Gold, Weihrauch und Myrrhen Von Joseph Wittig Mein Großvater Johannes Nepomuk war gewiss einer der Weisen, zwar nicht des Morgenlandes, … Mehr
Siegfried Einstein, Schlaflied für Daniel: „Du darfst nicht schlafen, mein Kind. / Und es ist Nacht. / Die Toten stöhnen im Wind: / viel Menschen sind umgebracht. // Du darfst nicht schlafen, mein Sohn, / und träumen von seliger Pracht. / Sieh doch, es leuchtet der Mohn / wie Blut so rot in der Nacht. / Wir fahren durch Deutschland, mein Kind. / Und es ist Nacht. / Die Toten klagen im Wind – / und niemand ist aufgewacht …“
Siegfried Einstein, am 30. 11. 1919 in Laupheim geboren, emigrierte 1934 in die Schweiz und kehrte 1953 nach Deutschland zurück. … Mehr
Reinhold Schneiders „Vom Wort zum Herrn“ (1939): „Das Wort hat nur mit einer Macht zu ringen, die freilich tausendfältiger Gestalt ist: mit dem Widersacher. Er vermag sich in den höchsten Werken des Geistes zu verbergen wie in den Werken tiefster Niedrigkeit; das Wort ist die Liebe, er ist der Hass. Darum hat das Wort die unfehlbare Wirkung, zu einigen und das Reich des Herrn zu bereiten; es ist die Mitte, an die alles Wirken des Herrn gebunden ist.“
Als Kurt Ihlenfeld 1939 im Hinblick auf eine Revision der Luther-Bibel von 1912 den Band „Das Buch der Christenheit. Betrachtungen … Mehr
Reinhold Schneiders Sonett „Nun baut der Wahn die tönernen Paläste“ von 1937: „Jetzt ist die Zeit, das Kreuz des Herrn zu lieben …“
Nun baut der Wahn die tönernen Paläste Nun baut der Wahn die tönernen Paläste.Und lässt sein Zeichen in die Straßen … Mehr