Jean Pauls Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei als grandioser Alptraum des Atheismus: „Die entfärbten Schatten zerflatterten, wie weißer Dunst, den der Frost gestaltet, im warmen Hauche zerrinnt; und alles wurde leer. Da kamen, schrecklich für das Herz, die gestorbenen Kinder, die im Gottesacker erwacht waren, in den Tempel und warfen sich vor die hohe Ge­stalt am Altare und sagten: ‚Jesus! haben wir keinen Vater?‘ – Und er antwortete mit strö­menden Tränen: ‚Wir sind alle Waisen, ich und ihr, wir sind ohne Vater.’“

Jean Pauls Roman „Siebenkäs“ (Berlin 1796) enthält unter der Abteilung „Erstes Blumenstück“ die berühmte „Rede des toten Christus vom Weltgebäude … Mehr

Josef Rast über Reinhold Schneider: „‚Der Zweifel ernährt den Glauben; der Glaube den Zweifel.‘ Schneider sagte aber auch, dass die Vernunft den Glauben keineswegs zerstöre. Viel ernster zu nehmen sei die Krankheit, der Schmerz, der ihn vernichte. Die Krankheit hatte er immer als Ansporn des Fragens nach dem Wesentlichen gewertet und als Anteil an Christi Leiden angenommen. Am Ende aber wurde auch sie zur Versuchung. Er geriet in eine verwir­rende Auseinander­setzung mit Gott, als er seinen Zustand mit demjenigen der Zeit identifi­zierte.“

Reinhold Schneider Von Josef Rast Reinhold Schneider, geboren am 13, Mai 1903 in Baden-Baden. Realschule, Abi­tur 1921, landwirtschaftlicher Volontär, 1922-28 … Mehr

Joseph Wittigs Erzählung „Der Fremde am Palmsonntag“: „Ein Bündel Sonnen­strahlen breitete sich über das schöne Greisenantlitz, das in diesem Licht zu lächeln schien. Da ich von dem Gerede der Leu­te wußte, war ich wie erlöst von diesem Lächeln und sagte unwillkürlich zu ihm: „Gelt, da freuen Sie sich auch!“ — „Ja“, antwortete er. „Freue dich, Tochter Zion! Siehe dein König kommt zu dir! — Vor jeder großen Leidenszeit schickt der Herrgott eine solche große Freude. Wer so lange gelebt hat wie ich, der muß das Leben kennen!“

Der Fremde am Palmsonntag Von Joseph Wittig Ein jedes Licht, ehe es verlischt, flammt noch einmal hell auf. So tat’s … Mehr

Irene Eber über das Passahfest 1942 in Sosnowiec (Ich bin allein und bang): „Dieses sederlose, doch rituell begangene Passahfest, als wir noch zusammen waren — Vaters letztes Passah auf dieser Erde, als er geduldig unsere Nahrung vor den Ratten beschützte, als Mutter wegen des verdorbenen Borschtsch weinte—, ist mir in zu schmerzlicher Erinnerung, als dass eine wirklich fröhliche Feier seitdem möglich gewe­sen wäre. Was uns zu dem machte, was wir waren — Juden mit einer gemeinsamen Tradition, einer Vergangenheit, die dem alten Mann genauso gehörte wie uns —, war im Begriff zu verschwinden, zur Erinnerung zu werden.“

Über das Passahfest 1942 in Sosnowiec Von Irene Eber Irene Eber, israelische Sinologin deutscher Herkunft (geboren 1929 in Halle/Saale, verstorben … Mehr