Franz Kafka, Vor dem Gesetz: »Alle streben doch nach dem Gesetz«, sagt der Mann, »wieso kommt es, dass in den vielen Jahren niemand außer mir Einlaß verlangt hat?« Der Türhüter erkennt, daß der Mann schon an sei­nem Ende ist, und, um sein vergehendes Gehör noch zu erreichen, brüllt er ihn an: »Hier konnte niemand sonst Einlass erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.«

Vor dem Gesetz Von Franz Kafka Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande … Mehr

Romano Guardini, Die Kerze (Von heiligen Zeichen, 1922): „Wie sie steht, wo es gilt, vor Gott. Nichts an ihr flieht, nichts biegt aus. Alles klare Bereitschaft. Und sie verzehrt sich in ihrer Bestimmung unaufhaltsam zu Licht und Glut. Laufe deiner Bestimmung nicht weg. Harre aus. Frag’ nicht immer nach Warum und Wozu. Es ist der tiefste Sinn des Lebens, sich in Wahrheit und Liebe für Gott zu verzehren, wie die Kerze in Licht und Glut.“

Die Kerze Von Romano Guardini Wie ist es um unsere Seele doch so eigen bestellt! Mit allen Dingen der Welt … Mehr

Søren Kierkegaard, Eine Ewigkeit, um zu bereuen: „Merk dir das gut! Du kannst vielleicht, klüglich, dem entgehen, was Gott nun einmal nach seinem Gefallen mit dem Christsein vereint hat, nämlich dem Leiden und der Widerwärtig­keit; du kannst vielleicht, wenn du dich klug heraushältst, zu deinem eigenen Verderben das Entgegengesetzte erreichen, erreichen, was Gott für ewig vom Christsein gesondert hat, näm­lich Genuss und alle irdischen Güter; du kannst vielleicht, betört von deiner Klugheit, dich zuletzt völlig verlieren in der Einbildung, dass gerade der Weg, auf dem du bist, der rechte sei, weil du das Irdische gewinnst: und dann – eine Ewigkeit, um zu bereuen! Eine Ewigkeit, um zu bereuen, nämlich zu bereuen, dass du die Zeit nicht zu dem genutzt hast, daran man ewig gedenken kann: in Wahrheit Gott zu lieben, was die Folge hat, dass du in diesem Leben dahin kommst, von den Menschen zu leiden.“

Eine Ewigkeit, um zu bereuen Von Søren Kierkegaard Laß mich eine Geschichte erzählen. Ich habe sie nicht in einer Erbauungsschrift … Mehr

Günther Bornkamm, Nachwort zu Jean Paul, Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei (1947): „In dieser letzten, an die Grenze der Lästerung rührenden Fassung ist sie zur Rede des toten Christus geworden, da dem Atheismus auch das Wort des Bürgen der göttlichen Wahrheit sich in sein Gegenteil ver­kehrt – bewegend und aufrührend freilich doch darin, dass er als der menschlichste Mensch zum Munde der klagenden Menschheit wird. So muss er, der für den Glauben der Geringsten eintrat und ihre Engel allezeit vor Gottes Angesicht stehen sah, sie in das Nichts hinabsinken lassen. Nun ist die Ewigkeit zur unendlichen Leere geworden, die Welt zum Chaos. das Leben zum flatternden Schatten, das Dasein zur unermeßlichen Einsamkeit: ‚Wie ist jeder so allein in der weiten Leichengruft des Alls!‘ – ‚Ist das neben mir noch ein Mensch? Du Armer! Euer kleines Leben ist der Seufzer der Natur oder nur sein Echo.‘ Und die Kirche auf Erden, die Stätte, da die Welt ihren Grund finden sollte, ist zur Stätte geworden, da sie diesen Grund ver­liert und ins Bodenlose stürzt.“

Nachwort zu Jean Paul, Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei Von Günther Bornkamm Nach dem … Mehr