Predigt über Sprüche 8,22-36: „So kommt die Weisheit auf uns zu, sucht uns in die göttliche Gegenwart zu entführen, die all das, was wir in unseren eigenen Lebensblick nehmen, himmelweit übersteigt. Über den Tel­lerrand des eigenen Lebens hinaus, wo es ‚alles für mich‘ heißt, raus aus dem Tunnelblick der eigenen Lebensangst, weg von den eigenen Vorurteilen und Selbstgewissheiten lässt uns die Weisheit staunen, was außerhalb unserer selbst für uns göttlich vorgesehen ist.“

Predigt über Sprüche 8,22-36 „Ich bin doch nicht dumm“ sagt sich die Seelenverletzung. „Ich bin doch nicht dumm“ sagt sich … Mehr

Friedrich Mildenberger über Spiritualität (1983): „Eine evangelische Frömmigkeit, die dem Rechtfertigungsverständnis der Reformation folgt, kann nicht so eindeutig wie die katholische Denkweise zwischen der Wirksamkeit des Heili­gen Geistes auf den Menschen und der im Menschen dadurch bewirkten Prägung unterschei­den. Sie weiß um die bleibende Unfähigkeit des Menschen in seiner Beziehung zu Gott. Nur die bleibende Wirksamkeit des Heiligen Geistes kann ihr abhelfen, indem er selbst im Men­schen den Glauben bewirkt. Bei der Heilsaneignung ist der Mensch ständig angewiesen auf den Zuspruch des Evan­geliums in Wort und Sakrament, durch den sich die Wirksamkeit des Heiligen Gei­stes im Men­schen vollzieht. Die Beziehung auf den Heiligen Geist läßt sich darum nicht als Aktualisierung einer gnadenhaften Befähigung zum geistlichen Lebensvollzug beobach­ten; Anschauung dieser Beziehung ist vielmehr allein der Zuspruch des Evangeliums.“

Ein konziser Text in Sachen Spiritualität aus evangelischer Sicht ist der Beitrag von Friedrich Mildenberger aus der vierten Auflage des … Mehr

Friedrich Mildenberger über die Auferstehung und unser Leben in dieser Welt (1981): „Ich habe gerne eine Eidechse auf der Hand sitzen. Aber die soll ja nicht eingefangen werden; das würde sie er­schrecken und womöglich beschädigen. Wenn man ganz langsam auf so ein Tier zugeht und ihm die Hand hinreicht, kann es sein, daß es die Wärme spürt und selbst auf die Hand gekrochen kommt. Das ist gut so. Ich meine sogar, es sei mehr als nur ein Gleichnis für das Entgegenkommen, das es braucht, wo die rechte Zeit Freiheit zur Liebe möglich macht. Aber man soll mit solchen Wahrnehmungen behutsam umgehen, auch dort, wo man von ihnen redet.“

Die Auferstehung und unser Leben in dieser Welt. Wahrnehmungen des Auferstehungsglaubens Von Friedrich Mildenberger Zunächst möchte ich zu einer Vorüberlegung … Mehr

Dietrich Bonhoeffer, Betrachtung zu Ostern: Auferstehung (1940): „Die Auferstehung Jesu Christi ist Gottes Ja zur Kreatur. Nicht Zerstörung, sondern Neu­schöpfung der Leiblichkeit geschieht hier. Der Leib Jesu geht aus dem Grabe hervor, und das Grab ist leer. Wie es möglich, wie es zu denken ist, dass der sterbliche und verwesliche Leib nun als der unsterbliche, unverwesliche, verklärte Leib da ist, bleibt uns verschlossen. Nichts vielleicht wird durch die Verschiedenartigkeit der Berichte über die Begegnung des Aufer­standenen mit den Jüngern so deutlich, wie dies, dass wir uns über die neue Leiblichkeit des Auferstandenen keine Vorstellung zu machen vermögen. Wir wissen, es ist derselbe Leib – denn das Grab ist leer; und es ist ein neuer Leib – denn das Grab ist leer.“

Im März 1940 schrieb Dietrich Blonhoeffer in einer hektographierte Beilage für den monatlichen Rundbrief des pommerschen Bruderrates der Bekennenden Kirche … Mehr

Dietrich Bonhoeffer, Der auferstandene Christus (Ethik): „Das Wunder der Auferstehung Christi hebt die Vergötzung des Todes, wie sie unter uns herrscht, aus den Angeln. Wo der Tod das Letzte ist, dort verbindet sich die Furcht vor ihm mit dem Trotz. Wo der Tod das Letzte ist, dort ist das irdische Leben alles oder nichts. Das Trotzen auf irdische Ewigkeiten gehört dann zusammen mit einem leichtfertigen Spielen mit dem Leben, krampfhafte Lebensbejahung mit gleichgültiger Lebensverachtung. Nichts verrät die Vergötzung des Todes deutlicher als wenn eine Zeit für die Ewigkeit zu bauen beansprucht und doch in ihr das Leben nichts gilt, wenn man große Worte spricht über einen neuen Menschen, eine neue Welt, eine neue Gesellschaft, die heraufgeführt werden soll, und wenn dieses Neue alles nur in einer Vernichtung des vorhandenen Lebens besteht.“

Der auferstandene Christus Von Dietrich Bonhoeffer Ecce homo – seht den von Gott angenommenen, von Gott gerichteten, von Gott zu … Mehr

‚Bei dir ist die Quelle des Lebens‘: „Die Natur kennt nur vergängliche Generationen – ein Werden und Vergehen ohne ein Danach. Uns aber führt das Osterevangelium weiter: Jesus Christus, Gottes Sohn, am Kreuz gestorben und begraben, ist von den Toten leibhaftig auferstanden. Mit Ostern ist der Vergänglichkeitslauf der Natur aufgehoben. Die Schöpfung ist durch Christus nicht auf den Tod ausgerichtet, sondern auf das ewige Leben beim dreieinigen Gott.“

„Bei dir ist die Quelle des Lebens“ Im Frühling macht uns die Natur das Leben leichter. Wo saftiges Grün und … Mehr

Zu Dietrich Bonhoeffers Plädoyer für eine nicht-religiöse Interpretation biblischer Begriffe: „Ein religionsloses Christentum stellt das Evangelium Jesu Christi als eigensinnige Botschaft vor. An Stelle einer hermeneutischen Transformation der Botschaft tritt die narrative Invitation in das Evangelium: Menschen sollen in die Namensgeschichte des Gottes und seines Sohnes Jesus Christus hineingenommen werden.“

Zu Dietrich Bonhoeffers Plädoyer für ein religionsloses Christentum bzw. für eine nicht-religiöse Interpretation biblischer Begriffe Dietrich Bonhoeffers Plädoyer für ein … Mehr

Wilhelm Kamlah über die Widerfahrnis (Philosophischen Anthropologie, 1972): „Unser aller Leben ist eingespannt zwischen den Widerfahrnissen Geburt und Tod. Gleichsam das erste und das letzte Wort hat für uns nicht unser eigenes Handeln. Aber auch, wenn wir handeln, widerfährt uns stets etwas. Es gibt Widerfahrnisse ohne Handeln, aber es gibt kein pures Handeln. Auch ein so mächtiges Handeln wie das sogenannte ’schöpferische‘ ist doch stets auf vorgegebene Bedingungen angewiesen und Störungen ausgesetzt, so dass es mehr oder weniger oder gar nicht ‚gelingt‘. Handlungen führen zum Erfolg oder zum Mißerfolg oder auch zu unerwarteten Neben­folgen.“

„Widerfahrnis“ ist kein geläufiger anthropologischer Begriff, obwohl er das aufnimmt, was in der klassischen griechischen Philosophie mit páthos bezeichnet wird. … Mehr