Helmut Gollwitzer, Kornelis Heiko Miskotte zum 75. Geburtstag (1969): „Hier geschieht wirklich Konfrontation, Begegnung, auch Zusammenstoß, dem der Zusammenstoß im Herzen und Kopf des Redners vorhergegangen war. Aber die Fronten bleiben nicht starr, sie ringen miteinander; das Ringen ist echt, atemlos wird der Hörer dessen Zeuge, bleibt aber nicht nur Zuschauer, sondern hört den Redner als seinen Vertreter, ist selbst zusammen mit dem Redner der Schauplatz dieses Ringens. Und dann geschieht immer wieder, wie in der Morgenfrühe am Jabbok nach Jakobs Kampf, der Sieg der Freude, das Aufatmen, das große Hineinstaunen in die Ewigkeit, in die Wirklichkeit des Gottes, von dem die biblischen Worte sprechen, als eine Wirklichkeit des Lichtes, trotz ihrer Rätselhaftigkeit, über ihre Rätselhaftigkeit hinaus. Es wird nichts erspart, nichts geschenkt, nichts verharmlost; intellektuelle Anstrengung wird gefordert, emotionale Erregung nicht gescheut.“

Kornelis Heiko Miskotte zum 75. Geburtstag[1] Von Helmut Gollwitzer Kleine Völker können eine große Sendung für die anderen haben. An … Mehr

Helmut Gollwitzer, Brief an „nichtarische“ Gemeindeglieder angesichts der bevorstehenden Deportationen (1941): „Werdet Ihr unsere Worte noch aufnehmen und annehmen können? Viele werden so eingeschlossen sein in den Bannkreis ihrer Angst, dass kein Wort sie mehr zu erreichen scheint. Und wie soll Euch nicht die Bitterkeit übermannen, wenn die zu Euch spre­chen, die ja zurückbleiben im Genuss all der Güter, deren Ihr nun be­raubt seid? Und werden Euch fromme Worte nicht als leere Worte erschei­nen, da Ihr doch Euch selbst ein Beispiel gänzlicher Gottverlassenheit scheinen mögt? ‚Sie sind allzumal verstrickt in Höhlen und versteckt in Kerkern; sie sind zum Raube geworden, und ist kein Erretten da.‘ Aber ließen wir Euch schweigend ziehen, so wäre es noch schlim­mer und eine Verleugnung der Kraft des Heiligen Geistes, der auch über große Trennungen hinweg und in bösesten Stunden ein in seinem Namen gesprochenes Wort vernehmbar ma­chen kann.“

Brief an „nichtarische“ Gemeindeglieder angesichts der bevorstehenden Deportationen (1941) Von Helmut Gollwitzer Im Jahr 1941 lebten noch etwa 66.000 jüdischstämmige … Mehr

Helmut Gollwitzer, Brief an Amtsbruder wegen Ausschluss von ‚Nichtariern‘ von der Buckower Freizeit 1939: „Es dürfte doch ausgeschlossen sein, dass die nicht arischen Glieder der Kirche sozusagen als Opfer dargebracht werden, damit die übrigen Glieder der Kirche in Ruhe Gemeinschaft und Erbauung genießen können. Soll 1. Kor. 12,26 wirklich gelten, so wird niemand sich damit abfinden können, dass es eben polizeiliche Notwendigkeit gewesen sei. Ich möchte wegen des Entschlusses, lieber einige Teilnehmer auszuschließen, als die ganze Freizeit zu opfern, keinen Vorwurf erheben; ich weiß, wie schwer solche Entschlüsse sind, und dass man da einander nichts verschreiben kann. Es scheint mir aber dennoch nicht verständlich, dass dieser Entschluss gefasst wurde. Es hätte auch ein gutes Zeichen sein können, wenn die übrigen Teilnehmer der Freizeit nicht Mitleid, sondern Mitleiden darin gezeigt hätten, dass auch sie auf die Freizeit in der geplanten Form verzichtet hätten.“

Brief an Amtsbruder wegen Ausschluss von ‚Nichtariern‘ von der Buckower Freizeit 1939 Von Helmut Gollwitzer Pastor Gollwitzer, Berlin-Dahlem, den 22. … Mehr

Helmut Gollwitzer, Predigt über Jesaja 9,1-6 (Weihnachten 1938): „Das Kind antwortet: ‚Eure Herren brauchen eure Kraft. Darum saugen sie euch auch aus, und je kräftiger sie sich darstellen, desto schwächer werden die Knechte. In meiner Armseligkeit seht ihr, dass ich eure Kraft nicht brauche. Euer Gott ist nur in den Starken mächtig; aber mein Gott ist in den Schwachen mächtig, – und das sollt ihr jetzt sehen!‘ Wir sind erschrocken: ‚Es tritt keiner ungestraft an unsere Stelle! Siehst du nicht, wie unsere Ohnmacht mächtiger ist als Gottes Macht?‘ ‚Darum wird dies auch nun so gehen, dass ich jetzt schon zum Tod verurteilt bin und das Kreuz hinter der Krippe aufgerichtet steht. Ihr werdet mich bestaunen und bewundern und dann bekämpfen, und schließlich mich ganz zugrunde richten mit eurer Ratlosigkeit und eurer eigenen Kraft und mich totschlagen.‘“

Predigt über Jesaja 9,1-6 (Weihnachten 1938) Von Helmut Gollwitzer Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; und … Mehr

Helmut Gollwitzer, Begegnung mit Luther (1955): „Jetzt kommt die Bibel in Bewegung. Sie wird aus einem widerspruchsvollen alten Buch mit dunklen Lehren zu einem Chor lebendiger Zeugen, die alle auf die gleiche Mitte weisen. Ihre Worte sind Träger und Gefäß des einen Wortes; darum muss man auf sie mit höchster Sorgfalt hören, und alle Worte der Kirche haben ihnen zu entsprechen. Es ist bekannt, wie aus diesem Achten auf die biblischen Worte, aus der Bemühung um ihre zutreffende Übersetzung unsere neuhochdeutsche Sprache hervorging — und man denke nicht, dass dieser biblische Ursprung dabei zufällig sei. Das Wort, das Faust ’so hoch unmöglich schätzen‘ konnte, musste als ein so hoch zu schätzendes auftreten, damit sich an ihm alle Möglich­keiten des Lutherischen Sprachgenies entzündeten. Weil die deutsche Sprache in den höchsten Dienst trat, erwuchsen ihr plötzlich so ungeahnte Fähigkeiten. — Die Kirche wird aus einer Institution, die herrscherlich die Heilsgüter verwaltet, zur ‚Herde, die auf ihres Hirten Stimme hört‘, zur Schar von Menschen, die den Ruf gehört haben und weitertragen. Alle Beziehungen zwischen Gott und Mensch werden aus sachhaften zu personalen.“

Begegnung mit Luther (1955) Von Helmut Gollwitzer Wem dieser Band unter die Augen und in die Hand kommt, dem ist … Mehr

Helmut Gollwitzer, Krieg und Christentum: „Der Begriff des »gerechten Krieges« ist ein integrierender Bestandteil der christli­chen Kriegsethik. Ihr unverzichtbarer Kern besagt subjektiv, dass jeder seine Teilnahme am Waf­fengang in jedem Falle vor seinem göttlichen Herrn verantworten muss. Objektiv besagt jener Begriff, dass Krieg und Kriegsdienst christlich nur als Handlung im Dienste der Erhaltung oder Wiederherstellung der lebensnotwendigen Rechtsordnung vertreten werden kann (was übri­gens das Vorhandensein zweier gegensätzlicher Rechtsinteressen nicht ausschließt).“

Krieg und Christentum Von Helmut Gollwitzer 1. Geschichtlich a) Alte Kirche bis Konstantin: Die eschatologische Naherwartung, die Einflußlosigkeit der Christen … Mehr

Helmut Gollwitzer, Predigt über Römer 8,28-30 (1953): „Wenn wir den Blick von Jesus Christus weg auf uns selbst richten; dann finden wir keine Liebe zu Gott, dann können wir auch keines­wegs sagen, dass uns alles zum Besten dient, sondern dann müssen wir eher sagen, daß alles, Glück wie Leid, unserer Gotteskindschaft schaden kann. Schauen wir aber von uns weg auf ihn, auf Jesus Christus, dann wird alles anders: Er ist ja auf alle Fälle der, der Gott liebt; er ist zuerst der, der nach dem Vorsatz berufen ist, der Auserwählte Gottes.“

Predigt über Römer 8,28-30 Von Helmut Gollwitzer „Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, … Mehr

Helmut Gollwitzer zu Karl Barths 75. Geburtstag 1961: „So möchte er nichts anderes tun, als diese überwältigende Geschichte nacherzählen, – angemessen nacherzählen, so dass sie nicht verkleinert, nicht entstellt, nicht verflacht wird, sondern die Hörender ebenso ergreift, erschreckt, erfreut und verwandelt, wie es den erster Hörern geschehen ist. Er wundert sich, dass man neben dieser unvergleichlichen Geschichte noch anderes mit gleicher Aufmerksamkeit hören kann; er möchte der Kirche bewusst machen, dass sie nichts Schöneres, Größeres, Hoffnungsvolleres tun kam, als von dieser Geschichte zu leben und ihr zu dienen: der Geschichte des Angriffs der Liebe Gottes auf seine Menschheit, wie sie mit der Anrede Gottes an Israel angefangen, – in der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi ihre Mitte gefunden hat. Sie ist die Offenbarung der letzten Wirklichkeit der Welt, des wahren Sinnes des Daseins, und zwar für alle. Darum ist sie nicht eine Kirchen-, sondern eine Weltangelegenheit und die Kirche hat sie nicht für sich zu behalten und gegen andere Menschen zu. verteidigen, sondern in Angriff hinauszutragen und alle Menschen damit zu belästigen und zu erfreuen.“

Zu Karl Barths 75. Geburtstag am 10. Mai 1961 Von Helmut Gollwitzer Der große Theologe, der heute 75 Jahre alt … Mehr

Helmut Gollwitzer, Gib meinen Augen Licht! Bibelarbeit zu Psalm 13,4 – Unterwegs zu einer Theologie des Friedens: „Matt und trüb sind unsere Augen, wenn wir krank sind und schwach, wenn wir verzagen, weil uns das Leben zu schwer ist und die Aufgabe zu groß, wenn wir no future sagen, wie heute so viele junge Menschen. Wenn wir um uns herum nur trübe Augen sehen, dann werden auch wir davon angesteckt.“

Gib meinen Augen Licht! Bibelarbeit zu Psalm 13,4 Von Helmut Gollwitzer „Schaue doch und erhöre mich, Herr, mein Gott! Gib … Mehr