Julius Schniewind über das Vaterunser (Matthäus 6,7-15 – NTD): „In der Anfechtung wird unser Glaube, unser Vertrauen auf Gott, angefochten; es geht also um eine innere Not. Und die Versuchung, wo immer von ihr gesprochen wird, beruht auf Gefahren oder Verlockungen, die von außen kommen. Nun befremdet in unserer Vaterunser-Bitte, dass zu Gott selbst gebetet wird, er möge uns nicht in Versuchung hineinführen. Wir stehen vor einem in sich unlöslichen Widerspruch unseres menschlichen Denkens. Es gibt keine Beziehung zu Gott, die nicht ‚Gehorsam‘ hieße und darum auch Erprobung forderte: es muss erprobt und versucht sein, ob wir Gott folgen oder nicht. Diese bloße Tatsache aber ist in sich unbegreiflich. Sie streitet logisch mit dem Gedanken der Allmacht und Allwirksamkeit.“

Das Vaterunser (Matthäus 6,7-15; vgl. Lk. 11,1-4) Von Julius Schniewind 7 Wenn ihr aber betet, so sollt ihr nicht plappern … Mehr

Albrecht Grözinger, Fallstricke des Erinnerns. Vom Wegschauen und Hinsehen: „Für mich gehört dazu (nicht aus dem unmittelbaren Kontext der Shoah), das neu gestaltete Denkmal für Erwin Rommel in Heidenheim. Seit 2002 steht vor dem Denkmal an Rommel ein kriegsversehrter Mensch und wirft gleichsam seinen Schatten auf das ursprüngliche Denkmal. Das ist ein Denkmal, das mich zum ‚Hinsehen‘ animiert.“

Fallstricke des Erinnerns: Vom Wegschauen und Hinsehen Von Albrecht Grözinger I. Der Tod Martin Walser hat sowohl in der Printpresse … Mehr

Kornelis Heiko Miskotte, Das öffentliche Gebet (Het openbaar gebed, 1968): „Ich denke, dass jemand, der nicht im Amt ist, sich kaum vorstellen kann, welche Qual, welche Beklommenheit es mit sich bringt, in der Gemeinde ein Gebet zu sprechen, für alle, im Namen aller. Du kannst es nicht, du fürchtest es so sehr, du kennst die Worte nicht, die Verlangen und Hingabe, Bedürfnis und Zweifel ausdrücken.“

Das öffentliche Gebet (Het openbaar gebed) Von Kornelis Heiko Miskotte Wunderbares Wort! Letzte Erinnerung vielleicht an einen theokratischen Gedanken, zumindest … Mehr

Norbert Elias über den Gebrauch der Gabel beim Essen (Über den Prozess der Zivilisation): „Warum ist es ‚barbarisch‘ und ‚unzivilisiert‘ Speisen vom eigenen Teller mit der Hand zum Munde zu führen? Weil es ein peinliches Gefühl ist, sich die Finger schmutzig zu machen oder wenigstens mit schmutzigen und fettigen Fingern in Ge­sellschaft gesehen zu werden. Mit Krankheitsgefahren, mit den sogenannten ‚rationalen Gründen‘ hat die Ausschaltung des Essens mit den Händen vom eigenen Teller recht wenig zu tun. Hier, in der Beobachtung unse­rer Empfindung gegenüber dem Gabelritual, zeigt sich mit ganz be­sonderer Deutlichkeit: Die primäre Instanz für unsere Entscheidung zwischen ‚zivilisiertem‘ und ‚unzivilisiertem‘ Verhalten bei Tisch ist unser Peinlichkeitsgefühl. Die Gabel ist nichts anderes als die Inkarna­tion eines bestimmten Affekt- und Peinlichkeitsstandards.“

Über den Gebrauch der Gabel beim Essen Von Norbert Elias Wozu dient eigentlich die Gabel? Sie dient dazu, die zerkleinerten … Mehr

Eugene A. Nida über die Übersetzungsmöglichkeiten von „Gott“ in anderen Sprachen: „Es gibt im allgemeinen vier Lösungsversu­che: 1. ein Gattungsbegriff, den man durch ein Beiwort exklusiv bestimmen kann; 2. ein Name, der eine bestimmte Gottheit in der einheimischen religiösen Tradition bezeichnet; 3. ein beschrei­bender Ausdruck, der eine Eigenschaft oder Tä­tigkeit Gottes bezeichnet, z. B. ‚der Schöpfer‘ oder ‚der große Vater‘, oder 4. die Verwendung des Wortes aus einer vorherrschenden Sprache in dem Bereich.“

Gott Von Eugene A. Nida Die Übersetzung dieses Wortes ist eine der schwierigsten Aufgaben bei der Bibelüberset­zung. Es gibt im … Mehr

Johann Baptist Metz über den Trost: „Notwendig erscheint mir ein Buch über den Trost, über die Tröstungskraft der Religion. In ihm dürften freilich nicht einfach die von der Gesellschaft verweigerten oder auch bereitwillig angebotenen Tröstungsmuster und Tröstungsfunktionen der Religion bestätigt oder reproduziert werden.“

Über den Trost Von Johann Baptist Metz Notwendig erscheint mir ein Buch über den Trost, über die Tröstungskraft der Religion. … Mehr

Karl Barth über die Judenfrage und ihre christliche Beantwortung (1949): „Ist es wahr, daß Israel, später das Volk der Juden genannt, das erwählte Volk dieses treuen Gottes ist? Dass Gott diesem Volk die Treue hält, obwohl es ihm laut seinen eigenen heiligen Schriften immer wieder untreu war: Treue auch in allem Unheil, das seine Untreue nach sich zog? Ist es schließlich wahr, dass diese Treue Gottes darin zum Ziel kam, daß er selbst in der Person und im Tod jenes einen Juden mit der Untreue seines Volkes und mit der ganzen Menschheit radikal Schluß, mit ihm und mit der ganzen Menschheit einen neuen Anfang gemacht hat?“

Die Judenfrage und ihre christliche Beantwortung Von Karl Barth Die Judenfrage ist seit 1900 und mehr Jahren immer eine Frage … Mehr