Oswald Bayer über die evangelische Rechtfertigungslehre: „Der moderne Mensch fragt vermeintlich radikaler: ‚Existiert Gott?‘ und glaubt auf der Suche nach Freiheit die Antwort in seinem Selbst zu finden. Er übersieht, dass er gerade dabei immer tiefer in den Zwang der Selbstrechtfertigung gerät. Er übersieht, dass er in seinem Drang zur Selbstfindung und Selbstgründung scheitert, in einen Abgrund stürzt, weil er sich nicht ergründen kann.“

Wie lebensnah von der Rechtfertigung des Sünders durch die Zueignung des stellvertretenden Sühnetods Christi im Glauben gesprochen werden kann, zeigt … Mehr

Hans Joachim Iwands Predigt über Römer 1,16-17 zum Reformationstag 1944: „Da sind die zerquälten Gesichter der Frauen, da ist die gebrochene Hoffnung des Alters — und dazu das Evangelium! Müssten wir nicht eigentlich alle verstummen, was bedeutet es gegenüber dem erbarmungslosen Lied des Krieges, wenn hier und da noch gepredigt wird? Hat nicht Gott verloren und der Teufel gewonnen?“

Wie kann man nur in der bombenzerstörten Stadt Dortmund zum Reformationstag am 31. Oktober 1944 von der Gerechtigkeit Gottes als … Mehr

Martin Luther, Der Grundgedanke des Briefes des Hl. Paulus an die Galater: „Wenn es um die Gerechtigkeit Christi geht, haben wir also nichts zu wirken, da bringen wir nichts vor Gott, sondern sind lediglich die Empfangenden und erleiden einen anderen, der in uns wirkt, nämlich Gott.“

Für Martin Luther ist der Galaterbrief ist neben dem Römerbrief der Schlüsselbrief zur evangelischen Rechtfertigungslehre. Seine Vorlesungen über diesen Brief … Mehr

Hans Joachim Iwands Predigt über Römer 8,33-39 (1955): „Nun lasst uns noch einmal alle diese Mächte ins Auge fas­sen, die gegen uns auftreten werden, den Tod und das Leben, die Engel und die Gewalten, die Gegenwart und die Zukunft und die Mächte, das Hohe und das Tiefe, ja, was auch immer nur denk­bar ist an Geschaffe­nem im Himmel und auf Erden. Sie können vielleicht sehr viel, sie können uns erschrecken und zu Boden werfen, sie können uns ängsten und in Schwachheit und Verzagtheit stür­zen, aber eines können sie nicht, sie können uns nicht mehr trennen von dem, dessen Hand nach uns gegriffen hat, sie können uns nicht mehr trennen von der Liebe Gottes, die das letzte Wort haben wird, so gewiss, als sie das erste hatte in unserem Leben.“

Predigt über Römer 8,33-39 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht. Wer will verdammen? … Mehr

Vom Tragjoch und dem Lastwagen. Eine chinesische Geschichte zur Rechtfertigung allein aus Gnade: „Nachdem der LKW weiterfuhr, schaute Stanley zum Bauern hinüber. Dieser stand aufrecht auf der Ladefläche und hielt sich mit einer Hand an der Bordwand fest. Zu Stanleys Erstaunen war die Last immer noch auf seiner Schulter, so dass der Bauer während der Fahrt bei jedem Schlagloch selbst in die Knie ging. Stanley sprach ihn direkt an: ‚Mein Herr, warum stellen Sie nicht Ihre Körbe ab und setzen sich hin?‘ Der Bauer antwortete: ‚Das vermag ich nicht. Es ist beschämend genug, dass dieser Lastwagen mich trägt. Da kann ich doch nicht zulassen, dass er auch noch meine Last zu tragen hat.’“

Vom Tragjoch und dem Lastwagen Stanley Tung Shang Yung war chinesischer Pfarrer und Präsident der Taiwanesischen Lutherischen Kirche (TLC). Er … Mehr

Warum die evangelische Rechtfertigungslehre heilskommerziell ruinös ist und die Kirchensteuer eine protestantische Notwendigkeit ist: „Dem Protestantismus fehlt es an einem ‚Vergelt’s Gott‘, verweigert sich doch die evangelische Rechtfertigungslehre einer vertragsrechtlichen Heilsökonomie ‚do ut des‘ (ich gebe, damit du gibst). Gläubiges Commitment scheint sich nicht als postmortalen Himmelslohn auszuzahlen.

Warum die evangelische Rechtfertigungslehre heilskommerziell ruinös ist und die Kirchensteuer eine protestantische Notwendigkeit ist Ein sprachlich wunderbarer und theologisch höchst … Mehr

Protestantismus als bürgerliche Ideologie: „Nicht in Wittenberg wurde mit einem Thesenanschlag der Protestantismus ins Leben gerufen, sondern vierzig Jahre früher in Florenz, ist doch Marsilio Ficino mit seinem ‚Buch über die christliche Religion‘ (Liber de Christiana religione) von 1474 und nicht etwa Martin Luther der wahre Ahnherr des Protestantismus. Protestantismus und Reformation sind zwei verschiedene Angelegenheiten. Was die Reformation beabsichtigt hatte, war eine evangeliumsgemäße Reform der Kirche an Haupt und Glieder, nicht aber eine bürgerliche Emanzipation von der Kirche im Namen einer eigenen Religiosität. Der Protestantismus ist eine bürgerliche Ideologie, die sich zu Unrecht auf Martin Luther beruft. Würde Luther in der Gegenwart zu verorten sein, stünde dieser der nachkonzilaren römisch-katholischen Kirche wesentlich näher als einem liberalprotestantischen Bürgertum.“

Protestantismus als bürgerliche Ideologie Die Reden für das Reformationsfest 2017 in Wittenberg sind in Gedanken schon längst geschrieben; es sind … Mehr

Heilskommerz, Totenkult und die Reformation. Über Peter Browns „The Ransom of the Soul“: „Die evangelische Rechtfertigungslehre, die aus dem Bußsakrament erwachsen ist, hat zu einem kulturellen Bruch geführt, den man sich gegenwärtig kaum noch vorstellen kann. Wenn im Glauben an das Evangelium die gerichtsbeständige Vergebungszusage Jesu Christi erhalten wird, erübrigt sich jeglicher Heilskommerz. Durch die Reformation hat also die Kirche ihre religionsökonomische Grundlage verloren – mit weitreichenden finanziellen Folgen. Da sich protestantischerseits nichts heilskommerziell erwirtschaften ließ, musste der kirchenbauliche und klerikale Unterhalt in staatliche Hände überführt werden.“

Heilskommerz, Totenkult und die Reformation. Über Peter Browns „The Ransom of the Soul“ Im April ist Peter Browns Buch The … Mehr

Eberhard Jüngel, Glauben heißt Vertrauen: „Im Glauben verlässt sich eine Person auf eine andere. Im Glauben wird ein Ich seiner selbst ledig, um sich bei einem anderen neu zu finden. Indem der Mensch dem rechtfertigenden Urteil Gottes glaubt, vertraut er diesem Gott, sagt er auf menschliche Weise Ja zu seiner eigenen Bejahtheit durch Gott. Und indem er so Ja sagt, verlässt er sich auf Gott, kommt er bei ihm in neuer Weise zu sich selbst und ist sich eben deshalb seines Gottes und seines eigenen Heils unüberbietbar gewiss. Glaube ist Heilsgewissheit.“

Glauben heisst Vertrauen. Über die Weisheit und den moralischen Sprengstoff der Rechtfertigungslehre Von Eberhard Jüngel «Weder der Abendstern noch der … Mehr