Michel Foucault über den Friedhof (Andere Räume): „In der Epoche, in der die Zivilisation, wie man gemeinhin sagt, ‚atheistisch‘ gewor­den ist, hat die abendländische Kultur den Kult der Toten installiert. Im Grunde war es natür­lich, dass man in der Zeit, da man tatsächlich an die Auferstehung der Leiber und an die Un­sterblichkeit der Seele glaubte, den sterblichen Überresten keine besondere Bedeutung zumaß. Sobald man jedoch nicht mehr ganz sicher ist, dass man eine Seele hat, dass der Leib auf­erstehen wird, muss man vielleicht dem sterblichen Rest viel mehr Aufmerksamkeit schenken, der schließlich die einzige Spur unserer Existenz inmitten der Welt und der Worte ist. Jeden­falls hat seit dem 19. Jahrhundert jedermann ein Recht auf seinen kleinen Kasten für seine kleine persönliche Verwesung; andererseits hat man erst seit dem 19. Jahrhundert be­gonnen, die Friedhöfe an den äußeren Rand der Städte zu legen.“

Über den Friedhof (Andere Räume, 1967) Von Michel Foucault Der Friedhof ist sicherlich ein anderer Ort im Verhältnis zu den … Mehr

Heilskommerz, Totenkult und die Reformation. Über Peter Browns „The Ransom of the Soul“: „Die evangelische Rechtfertigungslehre, die aus dem Bußsakrament erwachsen ist, hat zu einem kulturellen Bruch geführt, den man sich gegenwärtig kaum noch vorstellen kann. Wenn im Glauben an das Evangelium die gerichtsbeständige Vergebungszusage Jesu Christi erhalten wird, erübrigt sich jeglicher Heilskommerz. Durch die Reformation hat also die Kirche ihre religionsökonomische Grundlage verloren – mit weitreichenden finanziellen Folgen. Da sich protestantischerseits nichts heilskommerziell erwirtschaften ließ, musste der kirchenbauliche und klerikale Unterhalt in staatliche Hände überführt werden.“

Heilskommerz, Totenkult und die Reformation. Über Peter Browns „The Ransom of the Soul“ Im April ist Peter Browns Buch The … Mehr