Dramatische Interpretation zum Gottesknechtslied Jesaja 53: „Warum begibt sich diese Person freiwillig vor aller Augen auf die Bühne ihrer eigenen Hinrichtung? Warum setzt sie sich dieser Bloßstellung aus? Die Zuschauer rätseln. Während sie weiter hinschauen und sich nicht abwenden, beginnt sich ihre Wahrnehmung zu verändern. Sie spüren langsam, dass sie selbst in das Geschehen hineingezogen sind: Der dort unten erleidet, was sie selbst bedrückt: Krankheit, Leid und vor allem Schuld. Es ist, als entweiche alle negative Energie aus den Zuschauern, ströme in ihn hinein und entfalte in ihm ihre tödliche Wirkung. Im Anblick seines entstellten Leidens löst sich die Verneinung des eigenen Lebens. Das Geschehen an ihm wird zur Erlösung für die Zuschauer. So stimmen sie schließlich in den Chor der Erlösten ein.“

Dramatische Interpretation zum Gottesknechtslied Jesaja 53 Die Geschichte vom leidenden Gottesknecht vereint verschiedene Stimmen. Gerahmt wird sie von der Stimme … Mehr

Karl Barths Andacht für Karfreitag zu 1. Chronik 29,5: „Kehre dich jetzt einmal ab auch von deiner Ehrlichkeit und Ohnmacht. Hörst du es nicht, dass eben dieser ehrliche und ohnmächtige Mensch mit Christus am Kreuze gestorben ist? Und diesem Gekreuzigten zugekehrt, ihm zugekehrt, der alle Sünde getragen hat, höre nun den Aufruf und die Frage Davids noch einmal: Wer ist nun willig, seine Hand heute dem Herrn zu füllen? Du sagst: Aber ich bin noch immer arm, ratlos, hilflos und unwillig. Ja, wie solltest du nicht! Aber nun bring endlich das alles ihm dar: Eben deine Armut, deine Ratlosig­keit und Hilflosigkeit und Unwilligkeit. Eben das alles ist ja dein Herz und dein Leben.“

Für das von Gerhard Jacobi initiierte Buchprojekt „Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort! Evangelische Andachten für jeden Tag“, 1932 im … Mehr

Jürgen Roloff über Leiden, Sterben und stellvertretender Tod Jesu: „Gott hat in freiem Entschluss den Zustand der Feindschaft zu den Menschen aufgehoben; deshalb kann nun durch Christi Boten an alle das Angebot ergehen: »Lasst euch versöhnen mit Gott!« Diese Versöhnung gilt ein für allemal; sie bedarf weder einer Erneuerung noch einer Ergänzung durch kultische Opfer. So ist der Karfreitag gleichsam der eschatologische Versöhnungstag.“

Was Jürgen Roloff in Reclams Bibellexikon geschrieben hatte, fasst zusammen, um was es für Christinnen an Karfreitag geht: Leiden, Sterben … Mehr

Karl Kardinal Lehmann, „Ecce homo!“ Seht, was ist der Mensch!: „Das Holz des Kreuzes bleibt im wahrsten Sinne des Wortes sperrig. Wir sperren uns gegen die Wucht dieses Zeichens, eher neigen wir zur Verharmlosung. Dies ist nicht selten in der Geschichte des Glaubens geschehen. Oft wurde ein vorschnelles Reden vom Kreuz missbraucht, um dahinter eine feige Schwächlichkeit zu verbergen. Das wahre Kreuz ist keine halbfromme Betäubung. Das Kreuz darf nicht als Ablenkung dienen, um Unrecht oder Leid zu rechtfertigen. Überall, wo vermeidbares Leiden im Namen des Todes Jesu Christi akzeptabel gemacht wird, wird der Sinn des Kreuzes ausgehöhlt. Jesu Kreuz ist aber gerade das höchste Zeichen dafür, wie man der furchtbaren Realität in unserem Leben nicht ausweicht.“

„Ecce homo!“ Seht, was ist der Mensch! Von Karl Kardinal Lehmann Es mag verwundern, dass ich die Frage „Was ist … Mehr