Da starb ganz überraschend unfallbedingt der eigene Sohn Herrmann (1873-1909), während Christoph Blumhardts Ehefrau Emilie zwei der Söhne sowie ihre … Mehr
Kategorie: Seelsorge
Hans Joachim Iwand im Brief an Karl Barth (1959): „Ich schäme mich, dass ich so lange nicht geschrieben habe. Aber mir ging es nicht gut, im Frühjahr gar nicht gut, und ich fürchtete schon, dass ich aus dem Geschirr genommen werden müsste. Denn alle meine Gedanken liefen mir weg, und sie waren wie wilde Pferde, die ich nicht mehr an der Leine hatte. Ein bißchen davon erlebt man ja in allen Zweifeln und in den Anfechtungen, aber meist fängt man sich dann doch wieder ein. Aber im Frühjahr sah es nicht gut aus – mein Kopf war wie ein leeres Vogelbauer, in dem sich allerlei Getier einnistete. Das wurde dann aber doch besser, und seit meinem Schwedenurlaub mit Baden und viel Luft und Wald geht es mir wieder gut. Es ist auch das für mein Alter angemessene Maß von Lebenslust wieder da. Manchmal wünschte ich sogar, noch einmal jung zu sein, wenn ich sehe, in wie fader, fauler Luft wir hier leben und unser rein aus Gnade geschenktes, neu geschenktes Leben verfallen lassen. Das Leben ist eben doch der Güter höchstes nicht. Dass es mir damals nicht gut ging, kann seinen Grund darin gehabt haben, dass ich ein sehr starkes Mittel gegen hohen Blutdruck bekam – es muß nicht unbedingt den Anfang von Irresein bedeuten! Das ist noch beruhigend.“
Der Brief an Karl Barth vom 31.12.1959 gibt das Stimmungsbild von Hans Joachim Iwand wenige Monate vor seinem Tod wieder: … Mehr
Hans Joachim Iwand im Brief an Karl Barth über den Tod seiner Frau Ilse (1951): „Als Ilse starb, saßen Anemone, meine älteste Tochter und ich am Tisch, der Atem wurde leicht wie Flocken, die zergehen, dann ging Ilse still und sanft hinaus und was eben noch letzte Ahnung ihrer Erscheinung unter uns war, lag da, wie ein Gewand, das sie abgeworfen hatte. Wir lasen noch 1. Korinther 15 an ihrem Bett und gingen dann heim, der letzte, schwerste Dienst in diesem schönsten Abschnitt meines Lebens war getan. Nun ist sie eingestiegen – und ich bin am Ufer zurückgeblieben, wie ein armer Bettler, der nicht mitgenommen wurde auf die große Fahrt.“
Brief an Karl Barth nach dem Tod seiner Frau Ilse Als seine Frau Ilse (geb. Ehrhardt, 1901-1950) kurz vor Weihnachten … Mehr
Eduard Thurneysen, Erwägungen zur Seelsorge am Menschen von heute (1969): „Ich bekenne, dass ich Angst habe vor jedem seelsorgerlichen Gespräch, weil ich nicht weiß, ob ich dem Menschen, der jetzt bei mir eintritt, in rechter Weise begegnen kann. Ich denke, dass gerade diese Angst das Zeichen rechter Seelsorge ist. Denn Angst treibt zum Rufe nach Gott. Man bittet ihn in ganz bestimmten Augenblicken dringend und einfältig darum, dass er uns erleuchten und kräftigen wolle, damit wir andern durch ihn zum Helfer werden können. Wir sollen Widerstand leisten in der Seelsorge gegen alle Fluchtgedanken und alle Verzweiflung, aber auch Ergebung, und zwar Ergebung nicht in den Lauf der Welt und ihre Schicksale, sondern in den Willen Gottes, der geschieht auf Erden wie im Himmel. Das Gebet ist die Tat solchen Widerstandes und solcher Ergebung, und dieses Gebet wird erhört, auch wenn für menschliche Augen alles im Dunkel bleiben sollte. Denn das letzte Wort Gottes ist immer Sieg und Auferstehung.“
Erwägungen zur Seelsorge am Menschen von heute Von Eduard Thurneysen Von was reden wir, wenn wir von Seelsorge sprechen? Es … Mehr
Günther Bornkamm, Nachwort zu Jean Paul, Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei (1947): „In dieser letzten, an die Grenze der Lästerung rührenden Fassung ist sie zur Rede des toten Christus geworden, da dem Atheismus auch das Wort des Bürgen der göttlichen Wahrheit sich in sein Gegenteil verkehrt – bewegend und aufrührend freilich doch darin, dass er als der menschlichste Mensch zum Munde der klagenden Menschheit wird. So muss er, der für den Glauben der Geringsten eintrat und ihre Engel allezeit vor Gottes Angesicht stehen sah, sie in das Nichts hinabsinken lassen. Nun ist die Ewigkeit zur unendlichen Leere geworden, die Welt zum Chaos. das Leben zum flatternden Schatten, das Dasein zur unermeßlichen Einsamkeit: ‚Wie ist jeder so allein in der weiten Leichengruft des Alls!‘ – ‚Ist das neben mir noch ein Mensch? Du Armer! Euer kleines Leben ist der Seufzer der Natur oder nur sein Echo.‘ Und die Kirche auf Erden, die Stätte, da die Welt ihren Grund finden sollte, ist zur Stätte geworden, da sie diesen Grund verliert und ins Bodenlose stürzt.“
Nachwort zu Jean Paul, Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei Von Günther Bornkamm Nach dem … Mehr
Jean Pauls Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei als grandioser Alptraum des Atheismus: „Die entfärbten Schatten zerflatterten, wie weißer Dunst, den der Frost gestaltet, im warmen Hauche zerrinnt; und alles wurde leer. Da kamen, schrecklich für das Herz, die gestorbenen Kinder, die im Gottesacker erwacht waren, in den Tempel und warfen sich vor die hohe Gestalt am Altare und sagten: ‚Jesus! haben wir keinen Vater?‘ – Und er antwortete mit strömenden Tränen: ‚Wir sind alle Waisen, ich und ihr, wir sind ohne Vater.’“
Jean Pauls Roman „Siebenkäs“ (Berlin 1796) enthält unter der Abteilung „Erstes Blumenstück“ die berühmte „Rede des toten Christus vom Weltgebäude … Mehr
„Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen“. Von der Auferstehung der Toten in der virtuellen Verstorbenenbegegnung: „Was als Totengedächtnis auf Vergangenes zurückblickt oder in der realen Welt Einwegkommunikation bleibt, ist in einer virtuellen Welt als interaktive Verstorbenenbegegnung machbar. Im Unterschied zum biotechnologischen Wiederbelebungsprojekt, das für einen Verstorbenen bislang als ‚Kryokonservierung‘ bei minus 196 °C in flüssigem Stickstoff endet, kann für Angehörige eines Verstorbenen dessen virtuelles Weiterleben durch eine Smartphone-App möglich werden. Es ist eine Frage der Zeit, bis kommerzielle Anbieter von Verstorbenenkommunikation mit einem Chatbot auf den Markt treten: Gegen eine Gebühr registriert man sich online, hinterlegt ein paar Grunddaten zu sich und zum Verstorbenen, lädt ein Videoclip mit der Stimme des Verstorbenen auf und kann dann das Gespräch mit ihm via einem computergestützten Sprachdialogsystem beginnen. Ein Sprachsynthesizer lässt die Stimme des Verstorbenen täuschend echt wie bei einem Telefonat zur Sprache kommen.“
Von der Auferstehung der Toten in der virtuellen Verstorbenenbegegnung „Der Tod bedeutet gar nichts, ich bin nur in das Zimmer … Mehr
Josef Rast über Reinhold Schneider: „‚Der Zweifel ernährt den Glauben; der Glaube den Zweifel.‘ Schneider sagte aber auch, dass die Vernunft den Glauben keineswegs zerstöre. Viel ernster zu nehmen sei die Krankheit, der Schmerz, der ihn vernichte. Die Krankheit hatte er immer als Ansporn des Fragens nach dem Wesentlichen gewertet und als Anteil an Christi Leiden angenommen. Am Ende aber wurde auch sie zur Versuchung. Er geriet in eine verwirrende Auseinandersetzung mit Gott, als er seinen Zustand mit demjenigen der Zeit identifizierte.“
Reinhold Schneider Von Josef Rast Reinhold Schneider, geboren am 13, Mai 1903 in Baden-Baden. Realschule, Abitur 1921, landwirtschaftlicher Volontär, 1922-28 … Mehr
Johann Baptist Metz: „Die Sinnfrage in der Gestalt der Frage nach der Rettung der ungerecht Leidenden ist die Frage, welche gerade wir Christen immer wieder auf die Tagesordnung unseres aufgeklärtesten und fortgeschrittensten Bewußtseins zu pressen haben.“
Sinn und Subjekt. Theologisch-biographische Notizen zur sogenannten Sinnfrage Von Johann Baptist Metz »Sinn« ist immer dort in Gefahr, wo er … Mehr