Erklärung der Kardinäle Cupich, McElroy und Tobin zur US-amerikanischen Außenpolitik: „Als Hirten und Bürger begrüßen wir diese Vision für die Etablierung einer wahrhaft moralischen Außenpolitik für unsere Nation. Wir streben danach, einen wahrhaft gerechten und dauerhaften Frieden aufzubauen, jenen Frieden, den Jesus im Evangelium verkündet hat. Wir lehnen den Krieg als Instrument für engstirnige nationale Interessen ab und erklären, dass militärische Aktionen nur als letztes Mittel in extremen Situationen betrachtet werden dürfen, nicht als normales Instrument der nationalen Politik. Wir streben eine Außenpolitik an, die das Recht auf menschliches Leben, die Religionsfreiheit und die Stärkung der menschlichen Würde weltweit respektiert und voranbringt, insbesondere durch wirtschaftliche Unterstützung.“

19. Januar 2026 Eine moralische Vision der amerikanischen Außenpolitik entwerfen (Charting A Moral Vision of American Foreign Policy) Im Jahr … Mehr

Martin Niemöller, Vortrag am 22. Januar 1946 in der Neustädter Kirche in Erlangen zur deutschen Schuld: „Es kann sein, dass unse­re Schuld viel schwerer wiegt, die wir die Botschaft von Buße und Glauben kannten. Wir hätten das wache Gewissen haben müs­sen, aber wir haben auch das Leben zum Götzen gemacht! Ich habe auch bekannt, so lange es ging, aber als ich im KZ sah, wie man die Juden misshandelte, habe ich selbst nicht mehr gewagt, meinen Mund aufzutun. Auch ich bin verantwortlich für das, was im deut­schen Volk geschehen ist. Wir Christen ha­ben diese Schuld anzufassen und zu beken­nen. Wenn wir sie nicht anfassen, bleibt diese Schuld: dreißig bis vierzig Millionen Tote durch die Hände deutscher Menschen: aber keiner in Deutschland findet sich bereit, die­se Schuld zu bekennen.“

Vortrag am 22. Januar 1946 in der Neustädter Kirche in Erlangen (auf Einladung der dortigen Evangelischen Studentengemeinde) Von Martin Niemöller … Mehr

Anna Haag in ihrem Tagebuch vom 5. Mai 1941: „Ich möchte ernsthaft wissen, wie viele »Durchschnittsdeutsche« wir haben. Dieser ist ein »Allesfresser«: er ist fromm, gottgläubig, christusgläubig, hitlergläubig, vaterlandsgläubig, er ist voller Mitleid und – voll entsetzlicher Bestialität. Es schmerzt ihn, ein kleines Tier leiden zu sehen, und er fühlt sich edel in seinem Mitleid, aber gleichzeitig ist es im »höheren« (nationalistischen) Sinn notwendig, ganze Völker auszurotten, sie auf die scheußlichste Weise vom Erdboden verschwinden zu lassen – zu »vertilgen« (wie Hitler sagt).

Tagebucheintrag vom 5. Mai 1941 Von Anna Haag Meine Nachbarin zur Rechten ist Bayerin, zugleich aber eine »gottesfürchtige« Protestantin und … Mehr

Wilhelm Röpke über Emil Brunners Buch ‚Gerechtigkeit‘ (1944): „Ich schließe mit der Frage, ob in einem Buche über die «Gerechtigkeit» nicht auch das Problem des «ideologischen» Missbrauchs des Wortes «Gerechtigkeit» als einer «Decklüge» für den Kollektivegoismus der Klassen, Gruppen und Nationen einen Platz finden sollte. Gerade weil der Appell an die Gerech­tigkeit immer ein starkes Echo in den Herzen der Menschen findet, wird es möglich, sie mit diesem Worte in einer Weise zu ködern, die einer Prostitution eines Gefühls gleichkommt, das an Adel nur noch von der Liebe übertroffen wird.“

Gerechtigkeit Von Wilhelm Röpke Dem wahrhaft humanistischen Geiste, in dem diese Zeit­schrift der schweizerischen Ingenieure und Architekten geleitet wird, stellt … Mehr

Die Thesen von Pomeyrol (1941): „Gegründet auf die Bibel erkennt die Kirche Israel als das Volk an, das Gott dazu erwählt hat, der Welt einen Erlöser zu geben und mitten unter den Völkern ein immerwährender Zeuge des Geheimnisses seiner Treue zu sein. Obwohl sie zugibt, dass der Staat vor einem Problem steht, für das er eine Lösung finden muss, erhebt sie einen feierlichen Protest gegen jede Regelung, die die Juden aus der menschlichen Gemeinschaft ausschließt. Die Kirche verzichtet auf alle zweideutigen Aussagen und erklärt, dass man die zwangsläufige Unterwerfung unter den Sieger nicht zu einem Akt freier Zustimmung erklären kann. Sie ist wohl bereit, alle äußeren Konsequenzen der Niederlage auf sich zu nehmen, sieht es aber als eine geistliche Pflicht an, gegen jeden totalitären und pseudoreligiösen Einfluss Widerstand zu leisten.“

Die Thesen von Pomeyrol (1941) Am 16. und 17. September 1941 versammelte sich in Pomeyrol – einem der Église réformée … Mehr

Günther Anders, Die Antiquiertheit des Hassens (1985): „Was ich nun auszusprechen im Begriff stehe, wird in den Ohren Friedliebender (auch in meinen) furchtbar klingen, aber es ist unverschweigbar: Gerade die Hasslosigkeit, die Hassunfähigkeit der In­strumente, gerade dieser Defekt ist es, an dem wir zugrunde gehen werden. Gute Zeiten waren das, als Krieger einander noch bedrohten und abschlachteten und als Kriege noch von Hassfähigen geführt wur­den. Die waren noch immerhin Menschen gewesen. Und die einander Hassenden konnten unter Umständen auch einmal aufhören, zu has­sen; und damit auch aufhören, zu kämpfen; und damit auch aufhören, zu vernichten; oder vielleicht sogar anfangen, einander zu lieben.“

Die Antiquiertheit des Hassens Von Günther Anders Erstes Stück: Vorgedanken I «Sie hassen nichts?» «Doch», antwortete Zeno. «Etwas schon.» «Und … Mehr

Thomas Mann, Deutsche Ansprache. Ein Appell an die Vernunft (1930): „Gespeist also von solchen geistigen und pseudogeistigen Zuströmen, vermischt sich die Bewegung, die man aktuell unter dem Namen des Nationalsozialismus zusammenfaßt und die eine so gewaltige Werbekraft bewiesen hat, vermischt sich, sage ich, diese Bewegung mit der Riesenwelle exzentrischer Barbarei und primitiv-massendemokratischer Jahrmarktsroheit, die über die Welt geht, als ein Produkt wilder, verwirrender und zugleich nervös stimulierender, berauschender Eindrücke, die auf die Menschheit einstürmen.“

Deutsche Ansprache. Ein Appell an die Vernunft (1930) Von Thomas Mann Meine geehrten Zuhörer, — ich weiß nicht, ob ich … Mehr

Klaus Scholder, 1945. Das Jahr ohne Vergleich: „Es stellte sich heraus, dass die Generation, die die Katastrophe überlebt hatte, nicht nur entschlossen, sondern auch fähig war, einen demokratischen Staat zu gründen und zu erhalten. Diese Entschlossenheit und Fähigkeit zu demokratischen Formen aber bedeutete tatsächlich zugleich eine überzeugende und wirkungs­volle Absage an das Dritte Reich. Es war eine Absage, die Bestand hatte – auch wenn sie viele Fragen offenließ. So hat eine ausdrückliche Auseinandersetzung über Schuld und Verantwortung der Deutschen bisher kaum stattgefunden. Vielleicht war das von der Generation der Betroffenen auch nicht zu erwarten. Aber wir sind aus dieser Frage nicht entlassen.“

1945. Das Jahr ohne Vergleich Von Klaus Scholder Das Jahr 1945 war ein Jahr ohne Vergleich. Kein Deutscher, der es … Mehr

Paul Ricœur, Das Recht zu strafen (Le droit de punir, 1958): „Wenn das Leiden Christi einen Sinn hat, dann doch den, alle Sühne zu erfüllen und abzuschaffen. Das Leiden Jesu Christi ist die einzige und die letzte Sühne, und wie immer man es versteht, ob man sagt, es sei, weil die Sühne wahr ist und dann ist sie erfüllt, oder ob man sagt, sie sei falsch und dass es gerade keine Sühne gibt, weil Christus nicht gesühnt hat, sondern sich selbst umsonst hingegeben hat, wie man die Frage auch entscheiden mag, indem man sagt, dass die Sühne tot ist, weil sie erfüllt ist oder weil sie überwunden ist – wenn das Leiden Jesu Christi einen Sinn hat, kann nichts und niemand etwas zur Sühne Christi hinzufügen. Der Tod Christi ist der Tod der Sühne.

Das Recht zu strafen (Le droit de punir, 1958) Von Paul Ricœur Der Ausgangspunkt meiner Überlegung ist der Versuch, das … Mehr