Tagebucheintrag vom 5. Mai 1941 Von Anna Haag Meine Nachbarin zur Rechten ist Bayerin, zugleich aber eine »gottesfürchtige« Protestantin und … Mehr
Kategorie: Politische Ethik
Wilhelm Röpke über Emil Brunners Buch ‚Gerechtigkeit‘ (1944): „Ich schließe mit der Frage, ob in einem Buche über die «Gerechtigkeit» nicht auch das Problem des «ideologischen» Missbrauchs des Wortes «Gerechtigkeit» als einer «Decklüge» für den Kollektivegoismus der Klassen, Gruppen und Nationen einen Platz finden sollte. Gerade weil der Appell an die Gerechtigkeit immer ein starkes Echo in den Herzen der Menschen findet, wird es möglich, sie mit diesem Worte in einer Weise zu ködern, die einer Prostitution eines Gefühls gleichkommt, das an Adel nur noch von der Liebe übertroffen wird.“
Gerechtigkeit Von Wilhelm Röpke Dem wahrhaft humanistischen Geiste, in dem diese Zeitschrift der schweizerischen Ingenieure und Architekten geleitet wird, stellt … Mehr
Die Thesen von Pomeyrol (1941): „Gegründet auf die Bibel erkennt die Kirche Israel als das Volk an, das Gott dazu erwählt hat, der Welt einen Erlöser zu geben und mitten unter den Völkern ein immerwährender Zeuge des Geheimnisses seiner Treue zu sein. Obwohl sie zugibt, dass der Staat vor einem Problem steht, für das er eine Lösung finden muss, erhebt sie einen feierlichen Protest gegen jede Regelung, die die Juden aus der menschlichen Gemeinschaft ausschließt. Die Kirche verzichtet auf alle zweideutigen Aussagen und erklärt, dass man die zwangsläufige Unterwerfung unter den Sieger nicht zu einem Akt freier Zustimmung erklären kann. Sie ist wohl bereit, alle äußeren Konsequenzen der Niederlage auf sich zu nehmen, sieht es aber als eine geistliche Pflicht an, gegen jeden totalitären und pseudoreligiösen Einfluss Widerstand zu leisten.“
Die Thesen von Pomeyrol (1941) Am 16. und 17. September 1941 versammelte sich in Pomeyrol – einem der Église réformée … Mehr
Günther Anders, Die Antiquiertheit des Hassens (1985): „Was ich nun auszusprechen im Begriff stehe, wird in den Ohren Friedliebender (auch in meinen) furchtbar klingen, aber es ist unverschweigbar: Gerade die Hasslosigkeit, die Hassunfähigkeit der Instrumente, gerade dieser Defekt ist es, an dem wir zugrunde gehen werden. Gute Zeiten waren das, als Krieger einander noch bedrohten und abschlachteten und als Kriege noch von Hassfähigen geführt wurden. Die waren noch immerhin Menschen gewesen. Und die einander Hassenden konnten unter Umständen auch einmal aufhören, zu hassen; und damit auch aufhören, zu kämpfen; und damit auch aufhören, zu vernichten; oder vielleicht sogar anfangen, einander zu lieben.“
Die Antiquiertheit des Hassens Von Günther Anders Erstes Stück: Vorgedanken I «Sie hassen nichts?» «Doch», antwortete Zeno. «Etwas schon.» «Und … Mehr
Thomas Mann, Deutsche Ansprache. Ein Appell an die Vernunft (1930): „Gespeist also von solchen geistigen und pseudogeistigen Zuströmen, vermischt sich die Bewegung, die man aktuell unter dem Namen des Nationalsozialismus zusammenfaßt und die eine so gewaltige Werbekraft bewiesen hat, vermischt sich, sage ich, diese Bewegung mit der Riesenwelle exzentrischer Barbarei und primitiv-massendemokratischer Jahrmarktsroheit, die über die Welt geht, als ein Produkt wilder, verwirrender und zugleich nervös stimulierender, berauschender Eindrücke, die auf die Menschheit einstürmen.“
Deutsche Ansprache. Ein Appell an die Vernunft (1930) Von Thomas Mann Meine geehrten Zuhörer, — ich weiß nicht, ob ich … Mehr
Klaus Scholder, 1945. Das Jahr ohne Vergleich: „Es stellte sich heraus, dass die Generation, die die Katastrophe überlebt hatte, nicht nur entschlossen, sondern auch fähig war, einen demokratischen Staat zu gründen und zu erhalten. Diese Entschlossenheit und Fähigkeit zu demokratischen Formen aber bedeutete tatsächlich zugleich eine überzeugende und wirkungsvolle Absage an das Dritte Reich. Es war eine Absage, die Bestand hatte – auch wenn sie viele Fragen offenließ. So hat eine ausdrückliche Auseinandersetzung über Schuld und Verantwortung der Deutschen bisher kaum stattgefunden. Vielleicht war das von der Generation der Betroffenen auch nicht zu erwarten. Aber wir sind aus dieser Frage nicht entlassen.“
1945. Das Jahr ohne Vergleich Von Klaus Scholder Das Jahr 1945 war ein Jahr ohne Vergleich. Kein Deutscher, der es … Mehr
Paul Ricœur, Das Recht zu strafen (Le droit de punir, 1958): „Wenn das Leiden Christi einen Sinn hat, dann doch den, alle Sühne zu erfüllen und abzuschaffen. Das Leiden Jesu Christi ist die einzige und die letzte Sühne, und wie immer man es versteht, ob man sagt, es sei, weil die Sühne wahr ist und dann ist sie erfüllt, oder ob man sagt, sie sei falsch und dass es gerade keine Sühne gibt, weil Christus nicht gesühnt hat, sondern sich selbst umsonst hingegeben hat, wie man die Frage auch entscheiden mag, indem man sagt, dass die Sühne tot ist, weil sie erfüllt ist oder weil sie überwunden ist – wenn das Leiden Jesu Christi einen Sinn hat, kann nichts und niemand etwas zur Sühne Christi hinzufügen. Der Tod Christi ist der Tod der Sühne.
Das Recht zu strafen (Le droit de punir, 1958) Von Paul Ricœur Der Ausgangspunkt meiner Überlegung ist der Versuch, das … Mehr
Kornelis H. Miskotte über den Gemeinsinn (1958): „Echter Gemeinsinn lebt nur da, wo der Mensch die Gemeinschaft als einen hohen Wert an sich erkannt hat und sein Leben danach richtet. Die heutige akute Vertrauenskrisis, der fortwährend genährte Argwohn aller gegen fast alle Mitmenschen, ist ein Symptom der Verwilderung des Gemeinsinns, das in einer krankhaften Einsamkeit wurzelt.“
Gemeinsinn Von Kornelis H. Miskotte Der Ursprung des heute schillernden Begriffes Gemeinsinn liegt im Begriff des sensus communis. Ausgehend von … Mehr
Cesare Beccaria wider die Todesstrafe (1764): „Was sollen die Menschen denken, wenn sie die gelehrten Richter, die ernsten Priester der Gerechtigkeit sehen, wie sie mit gleichgültiger Ruhe im langsamen Aufzug einen Verbrecher zum Tode schleppen lassen, wenn sie sehen, wie der Richter, an dem Platz, wo eben der Unglückliche, von Todesangst ergriffen, dem verhängnisvollen Augenblick entgegenstarrt, in gleichgültiger Kälte, vielleicht sogar selbstgefällig seiner Macht gedenkend, vorübergeht, um die Bequemlichkeiten und die Freuden des Lebens weiter zu genießen?“
Von der Todesstrafe Von Cesare Beccaria Es war der italienische Rechtsphilosoph Cesare Beccaria (1738-1794), der sich mit seinem Werk Dei … Mehr